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Die vergessene Welt [2001]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. September 2003
Genre: Fantasy / Action / Unterhaltung

Originaltitel: The Lost World
Laufzeit: 150 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Stuart Orme
Musik: Robert Lane
Darsteller: Bob Hoskins, James Fox, Tom Ward, Matthew Rhys, Elaine Cassidy, Peter Falk


Kurzinhalt:
Als Professor George Challenger (Bob Hoskins) im Jahr 1911 bei einem wissenschaftlichen Vortrag hereinplatzt und behauptet, er habe ein Plateau entdeckt, auf dem Dinosaurier überlebt hätten, wird er von Kollegen und Journalisten nur müde belächelt.
Dennoch kommt eine Expedition zustande, die – von Challenger geleitet – klären soll, ob die Urzeitechsen wirklich noch auf der Erde hausen. Mit an Bord ist Professor Leo Summerlee (James Fox), einer der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit, Lord John Phillip Roxton (Tom Ward), Abenteurer und Frauenheld, und der schüchterne Journalist Edward Malone (Matthew Rhys), der die Erlebnisse der ungleichen Truppe in Worten festhalten soll.
Im Dschungel schließt sich die junge Agnes Clooney (Elaine Cassidy) den drei Männern an, ebenso wie Reverend Theo Kerr (Peter Falk); doch der hat eigene Pläne, und schon bald sitzt der Trupp auf dem Plateau fest – mit unzähligen gefährlichen Dinosauriern um sie herum.


Kritik:
Sir Arthur Conan Doyle ist den meisten als Autor und Erfinder des Meisterdetektivs Sherlock Holmes bekannt – darüber hinaus verfasste er allerdings einen der bedeutendsten und beliebtesten Fantasy-Romane unserer Zeit, Die vergessene Welt [1912]. 1925 erstmals von Harry O. Hoyt als Stummfilm unter dem Titel Die Verlorene Welt mit bahnbrechenden Stop-Motion-Animationen ins Kino gebracht, wurde der Stoff um die zur Zeit der Jahrhundertwende auf einer Insel hausenden Dinosaurier schon unzählige Male als Film und und sogar TV-Serie umgesetzt.
2001, 89 Jahre nachdem Doyles Roman zum ersten Mal als Seriennovelle in Zeitschriften veröffentlicht wurde, nahm sich Stuart Orme (Puppet Masters – Bedrohung aus dem All [1994]) einer neuen Realverfilmung an, der Clou dabei: Die Trickeffekte um die lebendigen Dinosaurier stammen von den Machern der international erfolgreichen BBC-Dokumentations-Reihe Dinosaurier – Im Reich der Giganten [1999]. Zusätzlich scharte man eine erlesene Auswahl von Darstellern um sich, darunter Bob Hoskins, Peter Falk und James Fox. Ob die Geschichte von Dinosauriern, die auf einer Insel überlebten aber in Zeiten von Jurassic Park [1993] noch funktioniert, ist eine andere Frage. Unzweifelhaft ist der TV-Zweiteiler jedoch um Längen besser als die erbärmliche und unfreiwillig komische Serie Die Verlorene Welt [1999-2002], die man als Dinosaurier-Fan lieber schnell wieder vergessen und meiden sollte.

Das Skript ist zwar nicht in der Lage, den Figuren richtigen Tiefgang zu verleihen, aber es nimmt den Zuschauer von Anfang an auf die abenteuerliche Reise in den Urwald mit, in dem es vor wunderlichen Gefahren nur so wimmelt. Menschliche Dramen oder ansprechende Charakter-Entwicklungen bleiben außen vor.
Überraschenderweise lassen sich die Macher sehr viel Zeit, die ersten Dinos zu zeigen, und wenn man sie sieht, dann in aller Regel nicht sehr lange. Dies trägt gleichzeitig gut dazu bei, dass sich die Atmosphäre gelungen aufbaut, ohne dass das Geschehen einen effekthascherischen Eindruck macht – bis der Expeditionstrupp das Plateau erreicht. Sobald das Gefolge nämlich die Dinosaurier in Massen zu Gesicht bekommt, verlieren sich die Autoren Adrian Hodges und Tony Mulholland zu schnell darin, die auf der Insel lebenden Menschen und Menschenaffen zu präsentieren, anstatt sich auf den Trupp selbst zu verlassen.
Nicht, dass die Make-Up- und Masken-Arbeit in Bezug auf die Affenmenschen schlecht wäre, ganz im Gegenteil. Man wird nur das Gefühl nicht los, dass man mindestens 30 eher uninteressante Minuten hätte einsparen können, wenn die Story vielmehr so gelagert wäre, dass der Trupp die Insel unter Lebensgefahr durchqueren muss, um wieder von dem Plateau herunter zu kommen. Auf diese Weise hätte der Film mehr Dinosaurierarten zeigen können und den Spannungsbogen gehalten – denn genau das ist leider nicht der Fall: Sobald die Affenmenschen in den Mittelpunkt treten, mäandriert die Story vor sich hin, um letztendlich in einem viel zu schnellen und belanglosen Ende zu gipfeln. Sicherlich hätte man dafür die Romanvorlage großteils außer Acht lassen und die Filmgeschichte entsprechend abändern müssen, doch das wäre hier deutlich von Vorteil gewesen.

Den Schauspielern scheinen die Dreharbeiten großteils Spaß gemacht zu haben, obwohl Peter Falk (Columbo [seit 1968]) mit seinen 76 Jahren ziemlich angestrengt aussieht – kaum zu glauben, dass er die Kraft für sieben weitere Filme besaß, die seitdem abgedreht wurden. Aber ihn in Aktion zu erleben, ist das Einschalten beinahe schon wert.
Bob Hoskins (Falsches Spiel mit Roger Rabbit [1988]) spielt routiniert wie immer, ebenso James Fox, der den arroganten englischen Wissenschaftler mit viel Überzeugungskraft mimt.
Im Vergleich fällt die Farblosigkeit der jungen Darsteller umso stärker ins Auge: Tom Ward ist als Lord Roxton zwar noch der charismatischste unter ihnen, aber auch der am wenigsten ausgenutzte; Matthew Rhys wird mehr gefordert, wirkt in den ausdrucksstarken Szenen aber bisweilen unfreiwillig komisch, ebenso Elaine Cassidy, die mit ihren mondgroßen Augen zumindest die männlichen Zuschauer über viele schauspielerischen Schwächen hinwegtäuscht, aber dennoch einen unausgegorenen Gesamteindruck hinterlässt.

Demgegenüber gibt sich die Inszenierung erfreulich routiniert. Regisseur Orme gelangen ein paar sehr spannende und gut gefilmte Sequenzen, die besonders die Verschmelzung von Set und Computereffekten nahtlos erscheinen lassen. Andere Szenen wiederum, darunter auch das Finale, sind recht gehetzt.
Insgesamt hat Orme aber eine überzeugende Arbeit abgeliefert, die merkbar über dem sonstigen TV-Durchschnitt liegt.

Selbiges könnte man ansich prinzipiell von Komponist Robert Lane behaupten, der ein paar rhythmische Dschungelthemen zum Besten gibt und während der Dinosaurier-Szenen ein verhältnismäßig großes Orchester zum Einsatz bringt – wäre da nicht ein Haken: Alle Themen, die im Film zu hören sind, erinnern frappierend an die Kompositionen von John Williams für die ersten beiden Jurassic Park-Filme, wobei die Ähnlichkeiten mitunter schon unverschämt groß sind.
Insbesondere beim "The Hunt"-Thema aus Vergessene Welt – Jurassic Park [1997] bedient sich Lane häufig, ebenso wie bei den "High-Wire Stunts" des ersten Scores. Ob sich der Altmeister über solche Plagiate freut? Es darf bezweifelt werden.
Wer sich daran nicht stört, wird in Die vergessene Welt durch passende und temporeiche Musik allerdings gut unterhalten.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Ein Dinosaurier-Abenteuer steht und fällt mit der Qualität der Spezial-Effekte. Und in dieser Hinsicht kann man der Produktion, die übrigens ebenfalls vom BBC mitfinanziert wurde, zu den grundsätzlich sehr gelungenen Visuellen Effekten und Schauplätzen gratulieren. Insbesondere das Dschungel-Abeniente haben die Macher gut eingefangen und selbst viele Landschaftsaufnahmen, die verständlicherweise mit Hilfe von Computer-Technik realisiert wurden, sind hervorragend umgesetzt und nur für geübte Augen als Täuschungen zu entlarven.
Gerade wenn man hier den technischen Aufwand sieht, der sich wirklich gelohnt hat, will einem nicht in den Kopf, weshalb zum Beispiel in dem 90 Millionen Dollar teuren Lara Croft: Tomb Raider – Die Wiege des Lebens [2003] solche Effekte deutlich schlechter aussehen.
Auch die Dinosaurier-Effekte machen keine Ausnahme; zwar bewegen sie sich nicht auf dem Niveau des im selben Jahr entstandenen Jurassic Park III, sie können trotzdem voll überzeugen und insbesondere die Flugsaurier sind erstklassig.
Leider kann man das Gleiche von den Puppenarbeiten nicht behaupten; obwohl die Puppen der kleinen Dinos durchaus realistisch anmuten, bewegen sich die Augen und die Haut der großen Dinomodelle zu statisch, als dass man sich als Zuschauer hier würde lumpen lassen.
Der Aufwand bei Die vergessene Welt war aber sichtlich groß und hat sich in technischer Hinsicht eindeutig ausgezahlt. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen gepaart mit tollen Spezialeffekten komplettieren den soliden Gesamteindruck.

Nach den 150 Minuten Laufzeit bleibt dennoch ein zwiespältiges Gefühl zurück, als hätte sich der Film in die falsche Richtung entwickelt; die Story um die Menschenaffen und den Stamm der Menschen auf dem Plateau ist vielleicht werkgetreu – was ich nicht zu beurteilen vermag, da ich Arthur Conan Doyles Vorlage noch nicht gelesen habe –, wirkt im Film selbst aber völlig überflüssig und für die Grundaussage nicht relevant. Hier hätte man straffen können und einen spannenderen Film erzählen sollen. Dafür hätte man eventuell ein ausgefeilteres Finale benötigt, doch das wäre wohl das kleinere Problem gewesen.
Handwerklich gesehen ist Stuart Ormes Regiearbeit zwar nicht makellos, aber routiniert geraten, einzig die Darstellerleistungen können nicht immer überzeugen; die Wortgefechte zwischen James Fox und Bob Hoskins entschädigen allerdings für sehr viel.


Fazit:
Auch nach zehn Jahren ist die Technik von Steven Spielbergs Jurassic Park offensichtlich noch nicht so "alltäglich" geworden, dass sie sich ohne Abstriche in Fernsehproduktionen integrieren ließe. Zwar sehen die Dinos in Die vergessene Welt hervorragend aus, an die großen Vorbilder kommen sie aber zweifellos nicht heran.
Das ist auch gar nicht nötig, denn die Romanverfilmung – wohl die bislang beste des Stoffes – wartet mit einer interessanten Stimmung auf, die durchaus gefällt und den Zuschauer bei Laune hält. Das Drehbuch hätte überarbeitet gehört, um manche Passagen zu straffen und andere herauszuarbeiten; inwiefern das auf die Liebesgeschichte im Film bezogen werden kann, bleibt jedem selbst überlassen.
Mit zweieinhalb Stunden erscheint der Fernsehfilm aber definitiv zu lang. Sehenswert ist er dennoch und technisch gesehen besser als viele heutige Kino-Produktionen mit einem Multimillionen-Dollar-Budget.


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