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Die Reise ins Ich [1987]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Mai 2006
Genre: Unterhaltung / Science Fiction

Originaltitel: Innerspace
Laufzeit: 117 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1987
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Joe Dante
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Dennis Quaid, Martin Short, Meg Ryan, Kevin McCarthy, Fiona Lewis, Vernon Wells, Robert Picardo, Wendy Schaal, Harold Sylvester, William Schallert, Henry Gibson, John Hora


Kurzinhalt:
Sein neuer Posten bei einem geheimen Forschungsexperiment ist für den Piloten Tuck Pendleton (Dennis Quaid) mehr als nur eine Arbeit, es könnte für sein Privatleben jener Funke sein, der einen Neubeginn zulässt – zumal ihn seine Langzeitfreundin Lydia (Meg Ryan) nach einem erneuten peinlichen Auftritt Tucks unter Alkoholeinfluss hat sitzen lassen.
Ziel des Experiments ist es, Tuck in einer kleinen Fähre zu miniaturisieren, ihn auf eine so kleine Größe zu schrumpfen, dass sich die Fähre problemlos im Blutstrom eines Lebewesens – des Laborhasen Bunny – bewegen könnte. Doch nachdem die Miniaturisierung geglückt ist, wird das Labor überfallen und der verantwortliche Wissenschaftler Ozzie Wexler (John Hora) flieht mit Tuck, der im Serum in einer Spritze festsitzt und von dem Überfall selbst nichts mitbekommt.
Mit letzter Kraft injiziert Wexler Tuck in den Supermarktangestellten Jack Putter (Martin Short), dem Tuck wenig später begreiflich machen muss, dass er sich in seinem Körper befindet. Alsbald wird auch schon Jagd auf die beiden gemacht, denn die Miniaturisierungstechnologie besteht sowohl aus der Technik im Labor, als auch aus einem Chip in Tucks Fähre – und den wollen Scrimshaw (Kevin McCarthy) und Canker (Fiona Lewis), verantwortlich für den Überfall, selbstverständlich haben. Tuck selbst läuft außerdem die Zeit davon, denn der Luftvorrat in seiner Kapsel recht nur bis zum nächsten morgen ...


Kritik:
Jeder Gegenstand, jedes Lebewesen und jedes Element besteht aus Atomen – das weiß inzwischen jedes Kind. Noch bevor es möglich war, mittels Rasterelektronenmikroskopen diese kleinsten Bausteine der Existenz des Universums sichtbar zu machen, erkundete der Roman-Autor Edmond Hamilton in den 1940er Jahren diesen Mikrokosmos mit seinem Pulp-Helden Captain Future. Es dauerte noch zwanzig Jahre, ehe Hollywood die Zuschauer auf Die phantastische Reise [1966] sandte, der ein ähnliches Konzept zugrunde lag. Wie würde das Innere des menschlichen Körpers aussehen, wenn man nur so groß wie ein Blutplättchen wäre? Wohin könnte man sich bewegen? Und wie fremdartig und auch feindselig wäre die Umgebung in der "eigenen Behausung"?
Lohn der Mühe damals waren mehrere Oscar-Auszeichnungen und wegweisende Bilder, die dem Publikum nicht immer medizinisch korrekt einen tiefen Einblick ins Innere des menschlichen Körpers boten.

Dieses Grundkonzept wandelte Story-Lieferant und Ko-Produzent Chip Proser für Die Reise ins Ich auf moderne, weniger ernste Art und Weise ab, mischte zusammen mit Drehbuchautor Jeffrey Boam (Indiana Jones und der Letzte Kreuzzug [1989], Lethal Weapon 2 - Brennpunkt L.A. [1989]) Slapstick-Humor und Action außerhalb des Körpers bei und schuf damit die Grundlage für eine unterhaltsame, unbeschwerte Science Fiction-Komödie in bester Hollywood-Manier.
Die Story selbst ist dabei zwar nicht allzu komplex geraten, dafür entschädigen aber durchweg sympathische Figuren samt witziger Dialoge. Gibt sich das Skript aber trotz der satirischen Züge und der überdrehten Figuren zu Beginn was den wissenschaftlichen Aspekt anbelangt noch relativ glaubwürdig, wandelt sich die Stimmung des Films im letzten Drittel durch völlig überzogene Storyeinfälle, die zum Rest der Erzählung auf Grund ihrer absurden Natur (man denke an das Schicksal der beiden Bösewichte) nicht so recht ins Konzept passen wollen.
Davon abgesehen erfüllt das Skript aber seinen Zweck und liefert die Grundlage für eine Geschichte, deren Ausgangslage die Phantasie der Zuschauer seit Jahrzehnten beflügelt.

Insofern nicht es nicht weiter verwunderlich, dass der eigentliche Star des Films keiner der Darsteller an sich ist, sondern die oscarprämierten und auch aus heutiger Sicht nicht besser zu machenden Spezialeffekte, die einen tiefen Einblick in die menschliche Anatomie gewähren, auch wenn manche Erkenntnisse aus heutiger Sicht womöglich schon überholt sein mögen. Nichtsdestotrotz beeindrucken die Effekte durch einen bemerkenswerten Detailgrad und einen Realismus, den ähnlich gelagerte Produktionen kaum bieten können.
Dass sich hierbei inhaltliche Patzer und schlichtweg haarsträubende Fehler eingeschlichen haben, verzeiht man den Filmemachern insofern gern.

Die Darsteller scheinen merklich Spaß an ihren Rollen gefunden zu haben, was sicherlich auch daran liegt, dass ihre Figuren genügend Raum für witzige und ernste Einlagen zugeschrieben bekommen.
Dennis Quaid, dem trotz zahlreicher größerer Rollen nie der wirkliche Durchbruch gelang, überzeugt als Tuck Pendleton durch sein spitzbübisches Grinsen und eine durchweg engagierte Darbietung – obgleich er in der Fähre auf ein sehr kleines Areal beschränkt ist. Er traf bei den Dreharbeiten seine zukünfigte Ehefrau Meg Ryan, mit der er von 1991 bis 2001 verheiratet war, ehe sie sich wieder trennten. Ryan wirkt zwar unterfordert und bietet mimisch kaum Abwechslung (man denke an ihre erstklassige Darbietung in Harry und Sally [1989]), doch gelingt es ihr immerhin, das meiste aus ihrer Rolle heraus zu holen und unterstützt die Szenen, ohne negativ aufzufallen.
Sehenswert ist zweifelsohne Martin Shorts Leistung als Hypochonder Jack Putter, und man kann Regisseur Joe Dante nur gratulieren, dass es ihm gelang, Short im Zaum zu halten. Weswegen der Darsteller in den meisten seiner Komödien völlig überdreht auftritt, anstatt wie hier sein komödiantisches Talent auszuspielen, ohne es in den Vordergrund zu drängen, ist unverständlich. Sein Slapstick zeichnet Die Reise ins Ich merklich aus und sorgt immer dann für Unterhaltung, wenn die Story selbst zu mäandrieren beginnt.
Gerne übersehen ist Robert Picardo, der zwar im Prinzip nur eine Nebenrolle bekleidet, der sich beim Dreh jedoch in rasender Geschwindigkeit durch die Kulissen bewegen musste (und gleichzeitig umziehen), weil er in einer Einstellung (bestehend aus einer langen Kamerafahrt) in einer Doppelrolle zu sehen ist. Auch Picardo entpuppt sich als unerwartet witzig und zieht seine Überzeugungskraft sowohl aus seiner Mimik, wie aus seiner Gestik. Dass es ihm außerdem gelingt, Shorts Gesichtszüge in gewissen Einstellungen nachzuahmen ist ihm hoch anzurechnen.
Kevin McCarthy und Fiona Lewis sind zwar ebenfalls zu selten zu sehen, aber insbesondere McCarthy gelingt der Drahtseilakt eines Bösewichts in einer Komödie sehr gut; sehenswert sind außerdem die Auftritte von Henry Gibson und Dick Miller, die gerade in den 1980er Jahren durch ähnliche Nebenrollen bekannt wurden.
Der Cast weist somit bekannte Namen auf, wirkt jedoch überdies stimmig zusammen gestellt und trotz des wenig fordernden Skripts durchweg motiviert. Mehr kann man eigentlich nicht erwarten.

Handwerklich gibt sich Regisseur Joe Dante, der mit Gremlins - Kleine Monster [1984] einen modernen Klassiker schuf und dessen Small Soldiers [1998] (ebenfalls mit Dick Miller und Robert Picardo) hoffnungslos unterschätzt ist, wie nicht anders zu erwarten keine Blöße.
Kamera und Schnitt harmonieren sowohl in den ruhigen Momenten, als auch in den temporeichen Szenen sehr gut miteinander. Selbst die reinen Spezialeffekt-Aufnahmen weisen diese Handschrift auf und fügen sich deshalb gekonnt in den Film ein. Die mitunter recht langen Kamerafahrten (auch bei den Stuntaufnahmen) verstärken noch den Eindruck einer sehr überlegten Optik und reihen Innerspace, so der Originaltitel des Films, in die Liga der durchweg sehr gut umgesetzten Unterhaltungsfilme jener Epoche ein.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat auch die wie gewohnt sehr temporeiche und rhythmische Musik von Altmeister Jerry Goldsmith, der den Film in synthesizerlastige Melodien kleidet, die Total Recall – Die totale Erinnerung [1990] entliehen sein könnten.
Der Score passt durchweg sehr gut zum Film, verleiht den Actionmomenten zusätzlich Dynamik und drängt sich dennoch nie in den Vordergrund. Dass der Soundtrack kein einheitliches Thema für die verschiedenen Figuren erkennen lässt, einzig Putter selbst scheint eine Identifikations-Melodie zu besitzen, ist ein Manko, das nicht zuletzt auf Grund des hohen Erzähltempos gar nicht auffällt.

Trotz der bekannten Namen hinter der Produktion (immerhin war Gremlins ein großer Erfolg gewesen und auch Steven Spielberg setzte sich als Produzent für den Film ein) war Die Reise ins Ich nicht der Erfolg vergönnt, den sich die Verantwortlichen erhofft hatten. Dass die Fangemeinde aber groß genug ist, beweist unter anderem, dass sich seither Gerüchte um eine Fortsetzung hartnäckig halten und Fans haben gar ein Drehbuch hierfür schon im Internet veröffentlicht.
Ob es dazu kommen wird, ist fraglich, zumal Hollywood an Fortsetzungen weit weniger Interesse zu besitzen scheint, als an Remakes – doch dies wäre bei Innerspace schon deswegen nicht notwendig, weil die Darsteller ebenso wie die Spezialeffekte auch nach beinahe 20 Jahren noch tadellos überzeugen können. Dank des hohen Spaßfaktors eignet sich Joe Dantes Film als leichte Unterhaltungskost ohne Nebenwirkungen, geschmückt von gut gelaunten Darstellern in ihren "jungen Jahren" und tadellos in Szene gesetzt durch einen Filmemacher, der seit langem nichts mehr von sich hören ließ. Wer diese 80s-Perle bislang verpasst hat, sollte sie sich nicht entgehen lassen, und auch sonst eignet sich diese phantastische Reise immer wieder zum Anschauen zwischendurch.


Fazit:
Jeder, der schon einmal von hämmernden Kopfschmerzen geplagt wurde, wünscht sich, einmal in den eigenen Kopf hinein fassen (oder hinein reisen) zu können, und den Übeltäter bei der Wurzel zu packen. Wie so etwas aussehen könnte, das Erkunden eines menschlichen Körpers, veranschaulicht Joe Dantes Regiearbeit sehr eindrucksvoll, wobei den Filmemachern verständlicherweise ganz andere Mittel zur Verfügung standen als beim Klassiker Die phantastische Reise.
Aber statt die Geschichte so neu zu erzählen, nutzen die Macher den Storyaufhänger, um eine Action-Komödie innerhalb und außerhalb des Körpers vom Zaun zu brechen, die nicht nur allzeit makellos inszeniert ist und mit nach wie vor ausgezeichneten Spezialeffekten aufwarten kann, sondern die dank der gut gelaunten und motivierten Darsteller immer sympathisch bleibt. Dank des unverkennbaren Flairs seiner Entstehungszeit versteckt sich hinter Die Reise ins Ich unbeschwerte Unterhaltung mit viel Humor; perfekt gemacht ist der moderne Klassiker zudem mitreißender als viele neue Produktionen.
Sehenswert.


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