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Der Teufel trägt Prada [2006]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. September 2006
Genre: Komödie / Unterhaltung

Originaltitel: The Devil Wears Prada
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: David Frankel
Musik: Theodore Shapiro
Darsteller: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Adrian Grenier, Tracie Thoms, Rich Sommer, Simon Baker, Daniel Sunjata, Jimena Hoyos, Rebecca Mader


Kurzinhalt:
An sich möchte Andrea "Andy" Sachs (Anne Hathaway) nach ihrem Journalismus-Abschluss bei einer großen Tageszeitung arbeiten, doch nach einer Reihe Absagen versucht sie ihr Glück beim Mode-Magazin 'Runway' – über das sie sich zwar nicht informiert hat, das aber die bedeutendste Publikation der Branche darstellt und von der Chef-Redakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) eisern regiert wird.
Sie entpuppt sich in der Tat als Teufel in Haute Couture und hat für Andy, die als zweite Assistentin nach der egoistischen Emily (Emily Blunt) noch unfreundlicher von der Chefin behandelt wird, kein Lob oder auch nur ein freundliches Wort übrig. Bis Andy vor der Wahl steht, entweder aufzugeben, oder aber ihre Überzeugung, das brave Mädchen zu bleiben, über Bord zu werfen, und sich den Gepflogenheiten und Äußerlichkeiten dieser Branche anzupassen.
Aber während es ihr beabsichtigt und mit der Hilfe des langjährigen 'Runway'-Experten Nigel (Stanley Tucci) gelingt, ihr Äußeres zu verändern, finden die Veränderungen an ihrer Persönlichkeit unbeabsichtigt statt; dadurch entfernt sie sich aber nicht nur immer weiter von ihrem Freund Nate (Adrian Grenier), sondern auch von ihrem ursprünglichen Selbst und ihrem Karriere-Traum ...


Kritik:
Es ist ein immer wiederkehrendes Motiv von Geschichtenerzählern, dem Publikum ein vertrautes, aber eigentlich nicht näher bekanntes Szenario vor Augen zu führen, das Glamour und Erfolg verheißt, um wenig später die glitzernde Fassade zu demontieren. Im Falle des von der Jungautorin Lauren Weisberger verfassten Romans Der Teufel trägt Prada [2003], der zwar von der Kritik zerrissen wurde, aber dennoch ein großer Erfolg bei der Leserschaft war, handelt es sich bei dieser unscheinbaren, perfekt gestylten Welt um die Modebranche, die aber nichts desto trotz einen knallhart kalkulierten Industriezweig darstellt, in dem nur die Stärksten und eigennützigsten überleben.
Für die große Leinwand umgesetzt wurde zweifelsohne einiges am Inhalt geändert, so dass auch Leser des Buches sich auf einige Überraschungen einstellen können – die Kernaussage bleibt allerdings dieselbe, ist dabei aber ebenso bekannt wie wenig überraschend: Nicht nur, dass Frauen sich ebenso gut in der globalen Geschäftswelt schlagen können wie Männer, wenn sie es tun, sehen sie sich meist einer größeren Kritik gegenüber; dass die Fashion-Branche, wie die Modewelt im neuen Deutsch heißt, außerdem ein knallhartes Geschäft ist, weiß man als Zuseher ohnehin.

Dies ist auch ohne Zweifel der Vorwurf, den man dem von Aline Brosh McKenna verfassten Drehbuch machen muss, das zwar interessante Ansätze bietet, aber letztlich keine neuen Erkenntnisse liefert. McKenna, die zuvor bereits an den Vorlagen zu Ein Date zu dritt [1999] und Laws of Attraction [2004] beteiligt war, konfrontiert die naive Hauptfigur Andy Sachs mitsamt dem Publikum im Schlepptau zwar mit der stellenweise schon "brutalen" Realität der Modewelt und überspitzt dabei manche Aussagen bewusst, um ihre Botschaft zu transportieren, lässt dabei aber wirkliche Überraschungen in der Story vollkommen aus. Der menschliche Blick hinter die Fassade von Miranda Priestly wirkt dabei ebenso plakativ wie nicht ausgenutzt, zumal nie gezeigt wird, was oder wer Mirandas letztlicher Antrieb für ihre Karriere-Orientierung ist.
Gleichzeitig wird Andy Sachs in den Mittelpunkt gerückt, deren Figur eine absehbare und grundsätzlich unspannende Entwicklung erlebt, während Nebenfiguren wie Emily oder Nigel zu wenig ausgebaut sind – von Andys Lebenspartner Nate erfährt man gerade einmal den Beruf, mehr wird von ihm nicht erzählt.
Dass Der Teufel trägt Prada dennoch durchweg unterhaltsam, wenn auch nicht wirklich spannend oder mitreißend geraten ist, liegt vor allem an den gelungenen, bissigen Dialogen, die sich aber zumeist auf One-Liner beschränken und nur wenige ausführliche Gespräche beinhalten. Die Vorlage bietet damit viel Stoff für Zitate, aber nur wenige wirkliche Charakterentwicklungen und auch trotz der Einblicke in die Branche keine neuen Erkenntnisse.
Hier hätte man, auch abgesehen von einer Romanadaption, mehr erwartet.

Die gelungene Umsetzung liegt hauptsächlich an dem grundsätzlich sehr gut zusammen gestellten und engagierten Cast, der von einer mitreißenden Meryl Streep angeführt wird.
Die inzwischen 57-jährige, zwei Mal mit dem Oscar ausgezeichneten (und weitere elf Mal nominierte), Darstellerin ist es auch, die Der Teufel trägt Prada ein Gesicht verleiht, das man als Zuschauer nicht mehr vergisst. Nicht nur, dass sie mit ihrer Leinwandpräsenz sämtlichen anderen Schauspielern die Show stiehlt, bereits ihre ersten Auftritte zeigen von einer Überlegenheit, wie sie kaum eine Akteurin vor der Kamera darstellen kann. Streep erweitert die komplexe aber kaum ausgemalte Rolle allein durch ihre Mimik um so viele Facetten, dass es eine Freude ist, ihr zuzusehen. Sie scheint die übrigen Mimen außerdem zu motivieren, gleichwohl ihr in gemeinsamen Auftritten keiner der übrigen Beteiligten wirklich gewachsen ist.
Anne Hathaway gibt sich zu Beginn zwar Mühe, die Verwandlung des Mauerblümchens zur Geschäftsfrau von heute glaubhaft zu verkörpern, und überzeugt auch im restlichen Film tadellos, doch scheint ihr der letzte Sympathieschliff zu fehlen, durch den sie dem Zuschauer ans Herz wachsen würde. So verliert man im zweiten Drittel in gewisser Weise den Zugang zu ihr und muss mehr oder weniger hilflos mit ansehen, wie sie ihrem zuvor etablierten Charakter untreu wird, ohne dass dieser Übergang aber schleichend spürbar geworden wäre. Dafür kommt ihre Veränderung zu plötzlich.
Emily Blunts Auftritte sorgen zwar immer wieder für unterhaltsame Momente, wirklich viel zu tun hat sie allerdings nicht, zumal ihrer Figur eine wirkliche Entwicklung leider vorenthalten wird.
Anders Stanley Tucci, der zwar erst im letzten Drittel einige Charaktermomente zugeschrieben bekommt, diese aber wie gewohnt tadellos meistert. Er zählt trotz seiner arroganten Erscheinung zu den sympathischsten Figuren.
Von Adrian Grenier ist überhaupt nicht viel zu sehen, ebenso wenig von Tracie Thoms oder Rich Sommer – allenfalls Simon Baker hat noch eine etwas größere Rolle zum Besten zu geben, und überzeugt hierbei auch, ohne aber wirklich Akzente zu setzen.
Dass der Cast, vollkommen unabhängig davon, wie viele hochkarätige Darsteller verpflichtet worden wären, gegen eine derart starke Meryl Streep nicht bestehen konnte, war abzusehen, und es ist kaum vorstellbar, dass die Aktrice für ihre Darbietung nicht mindestens mit einer Nominierung für die berühmte Hollywood-Trophäe bedacht wird.

Handwerklich verwundert die Umsetzung von Regisseur David Frankel (der unter anderem eine Episode der Mini-Serie Band of Brothers - Wir waren wie Brüder [2001] inszenierte und außerdem an Sex and the City [1998-2004] beteiligt war, beziehungsweise an Entourage [seit 2004] beteiligt ist) hauptsächlich durch die superbe Optik, die nicht nur die Mode-Einlagen exzellent einfängt, sondern auch die Gespräche in schicke wie einfallsreiche und mit einer soliden Bildersprache versehene Perspektiven einfängt.
Verantwortlich hierfür ist der Sohn der Kameralegende Michael Ballhaus, Florian Ballhaus, der zuletzt für die Bilderauswahl beim Jodie Foster-Thriller Flightplan - Ohne jede Spur [2005] zuständig war. Ballhaus leistet hierbei sehr gute Arbeit, ohne den Zuschauer mit den Reizen oder Handkamera-Einlagen zu überfluten, erzeugt aber auch in den Dialogszenen eine gelungene Dynamik.
Kamera und Schnitt harmonieren gekonnt und wirken bei weitem nicht in gewissem Sinne einfallslos, wie es bei vielen ruhigen Filmen oder Komödien der Fall ist.

Die musikalische Untermalung teilt sicher einerseits in viele gesungene Stücke, vornehmlich von bekannten Stars wie Madonna, U2 oder Alanis Morissette, und dem instrumentalen Score andererseits, der von Theodore Shapiro komponiert wurde – zuletzt beteiligt an Dick und Jane [2005].
Der Score wartet dabei mit einer eingängigen Melodie auf, die sowohl rhythmisch wie auch verspielt daher kommt, gleichzeitig aber auch ruhige Einsätze zulässt. Die Musik von Der Teufel trägt Prada passt gekonnt zum Thema, wirkt also modern aber dennoch in gewissem Sinne zeitlos und spiegelt die Facetten jener Branche gekonnt wider.

Parallelen zum richtigen Leben sind bei Der Teufel trägt Prada durchaus beabsichtigt und auch erwünscht, und das bezieht sich nicht nur auf die Eindrücke aus der Mode-Branche. Auch Hauptfigur Miranda Priestly ist wohl an eine der einflussreichsten Frauen der Magazin-Welt angelehnt, die übrigens bei der Premiere komplett in Prada gekleidet erschien.
Ob sich die Welt hinter der Glitter-Fassade allerdings wirklich in Schwarz-und-Schwarz teilt, die weißen Schafe also überhaupt keine Überlebenschance eingeräumt bekommen, darf bezweifelt werden. Doch die übertriebene Veranschaulichung der Realität trägt ohne Zweifel zum Unterhaltungswert des Films bei, der sich grundsätzlich sowohl an ein weibliches, wie männliches Publikum richtet, wobei beide Parteien den Inhalt aber vermutlich auffassen und auch der gezeigten Mode unterschiedlich gegenüber stehen werden.
Über allem erhaben ist jedoch die Darbietung von Meryl Streep, die dem Film von Regisseur David Frankel Leben einhaucht, auch wenn die Drehbuchvorlage deutliche Schwächen bei den Figuren und auch der Story offenbart.


Fazit:
Dadurch, dass die Macher einen treffenden Beweis liefern, dass sich (zumindest Teile) der Haute Couture durchaus zum Tragen in der Öffentlichkeit eignen, präsentieren sie bereits das zweite Highlight des Films; die gezeigte Mode verschlägt einem als Zuseher nicht nur auf Grund der Verkaufspreise den Atem. Star des Films ist allerdings Meryl Streep, die die Rolle der unnahbaren, vermeintlich nie privaten Geschäftsfrau mit Bravour meistert und dabei sogar ihre im Drehbuch begründeten Charakterschwächen überspielt. Denn ihre Brillanz im Bezug auf ihren Geschäftssinn wird nie tatsächlich gezeigt, sondern lediglich ihre Entscheidungen als "allzeit richtig" angepriesen.
Die fehlenden neuen Impulse sind es auch, die das Skript schwächer wirken lassen, als der Der Teufel trägt Prada letztlich auch ist, der dank eines motivierten und überzeugenden Ensembles, einer tadellosen Inszenierung und vielen bissigen Kommentaren, Seitenhieben und teilweise schlichtweg witzigen Situationen vergessen lässt, dass man eigentlich nichts zu sehen bekommt, was man nicht schon wusste – auch wenn es hier sehr unterhaltsam und mit einem Schuss Anspruch umgesetzt wurde.


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