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Der Spion, der mich liebte [1977]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Juli 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: The Spy Who Loved Me
Laufzeit: 125 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 1977
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Lewis Gilbert
Musik: Marvin Hamlisch
Darsteller: Roger Moore, Barbara Bach, Curd Jürgens, Richard Kiel, Caroline Munro, Bernard Lee, Walter Gotell, George Baker, Desmond Llewelyn, Edward de Souza, Vernon Dobtcheff, Lois Maxwell, Sydney Tafler, Nadim Sawalha


Kurzinhalt:
Bei seinem Ski-Urlaub in Österreich entkommt der britische Geheimagent James Bond (Roger Moore) nur knapp einem Anschlag, weil er kurz zuvor von seinem Vorgesetzten M (Bernard Lee) abberufen wurde. Bond soll herausfinden, wer ein britisches Atom-U-Boot gestohlen haben könnte, das plötzlich zum Auftauchen gezwungen wurde und dann spurlos verschwand. In Moskau hat man genau dasselbe Problem und der Leiter des Geheimdienstes, General Gogol (Walter Gotell), setzt seine Agentin Majorin Amasova (Barbara Bach) darauf an. Sie und Bond treffen in Kairo auf einander, wo ein Mann namens Fekkesh (Nadim Sawalha) Dokumente verkaufen möchte, mit deren Hilfe sich die Position jedes U-Boots auf der Welt orten ließe.
Doch bevor die beiden Spione den Mikrofilm von ihm erwerben können, wird Fekkesh von Beißer (Richard Kiel) ermordet. Er ist der Gehilfe des reichen Magnaten Karl Stromberg (Curd Jürgens), der in der Nähe Sardiniens ein Meeresforschungszentrum betreibt. Um die weltweite Gefahr durch die entwendeten U-Boote abzuwenden, entschließen sich Großbritannien und die UdSSR, ihre Geheimagenten zusammenarbeiten zu lassen. Was beide nicht wissen, bei seiner Flucht aus Österreich hat Bond Amasovas Lebensgefährten getötet und sie dem Mörder dafür Rache geschworen ...


Kritik:
Während sich die Weltmächte in West und Ost in der Öffentlichkeit erbitterte Auseinandersetzungen liefern, vertieft der britische Geheimagent James Bond auf der Leinwand nach eigenen Worten die Zusammenarbeit mit seiner Kollegin vom russischen KGB. Dass sie sogar zusammenarbeiten müssen, um zwei verschwundene Atom-U-Boote zu finden, mag vielen damals ein Dorn im Auge gewesen sein, es verdeutlicht allerdings auch, wie schnell in dieser Branche Feinde zu Verbündeten werden können und umgekehrt. Etwas, das man heute beispielsweise im Nahen Osten wieder beobachten kann. Aber ich schweife ab.
Der Spion, der mich liebte bietet alles, was man sich bei einem James Bond-Abenteuer vorstellt. Exotische Schauplätze, rasante Actionsequenzen, aufwändige Drehorte und aufreizende Frauen. Im Verlauf der zwei Stunden lernt man von den finsteren Vorhaben des wohlhabenden Karl Stromberg, dessen tatsächlicher Plan aber lange Zeit im Dunkeln bleibt. Das mag daran liegen, dass dem Schurken im Vergleich zu den letzten Filmen erstaunlich wenig zu tun gegeben wird. Dafür ist Bonds prominentestem Hilfsmittel ein effektvoller Auftritt garantiert.

Die Story thematisiert erneut die Verwundbarkeit der beiden Weltmächte UdSSR und USA in Bezug auf ihr Atomwaffenprogramm. Allerdings bezieht das Drehbuch keine Stellung oder stellt den Ostblock gar als inkompetent dar. Genaugenommen weiß Majorin Amasova, Bonds Pendant beim russischen Geheimdienst, die Waffen einer Frau besser auszunutzen, als er sie zu erkennen. Das vermeintlich schwache Geschlecht war seit jeher Bonds Achillesferse und daran ändert es auch nichts, wenn er glaubt, ihre Loyalitäten mit seinem Charme aushebeln zu können. Auf der Jagd nach Informationen zu einem spurlos verschwundenen russischen, bzw. britischen U-Boot ist sie ihm sogar einen Schritt voraus. Wer hinter der Tat steckt, ist zwar noch unbekannt, aber es gelingt den Spionen, einen Mikrofilm zu retten, auf dem Pläne gezeigt sind, mit deren Hilfe sich jedes U-Boot ausfindig machen lässt. Sie deuten auf den Magnaten Stromberg, der unter anderem eine Meeresforschungsstation besitzt. Was sich hier in wenigen Worten abhandeln lässt, dauert im Film bereits eine Stunde. Statt großer Sprünge innerhalb der Story, macht das Drehbuch lieber kleine Schritte, baut aber so das passende Agentenflair auf.

Der markanteste Gegner ist der "Beißer" genannte, mehr als 2,10m große Hüne, der dem Helden immer wieder in den Weg kommt. Mit ihm steht und fällt Der Spion, der mich liebte. Welcher Zuschauer mit ihm nicht zurechtkommt, der wird mit diesem Bond-Film ebenso wie dem nächsten nicht glücklich werden. Auch wenn der von Richard Kiel gespielte Bösewicht kein Wort spricht, durch das ihm den Namen gebende Stahlgebiss wirkt er ebenso comichaft, wie durch sein Verhalten. Betont langsame Bewegungen und eine gewisse Tollpatschigkeit lassen ihn weniger bedrohlich erscheinen, als er hätte sein können. Auch er trägt dazu bei, dass der Thriller trotz einer deutlich gestiegenen Anzahl Toten leichter und unbeschwerter scheint, als seine Vorgänger. Immerhin ist Beißers Schlussgag gut gelungen, auch wenn man hierfür wissen muss, welcher Steven Spielberg-Film zwei Jahre zuvor das Kino revolutionierte und wie Beißers Figur im englischen Original heißt.

Der Materialaufwand, der für das zehnte Abenteuer des britischen Geheimagenten betrieben wurde, ist in jedem Moment spürbar. Die Eröffnungssequenz greift die besten Stunts von 007 auf Skiern auf und bildet dazu einen beeindruckenden Abschluss. Auch die Autoverfolgungsjagd stellt, was ausgefallene Ideen angeht, alles in den Schatten, was die Reihe bisher geboten hatte. Und waren die riesigen Höhlen, die Blofelds Unternehmungen für sich beanspruchten, bereits überwältigend, übertrifft das Innere eines riesigen Schiffes, das hier einen wichtigen Schauplatz darstellt, all das mühelos. Von der Station Atlantis ganz zu schweigen.
Dass Bonds kurze Ehe angesprochen wird, ist überraschend, ist es doch der erste Bezug, den die Filme mit Roger Moore überhaupt zur Ära Sean Connery herstellen. Solche Momente, zusammen mit Moores teils zynisch kühlem, teils charmantem Auftreten, machen einen weiteren Reiz des Films aus. Einzig der durch Curd Jürgens verkörperte, aber schwach geschriebene Bösewicht, trübt den Spaß am Zusehen.


Fazit:
Während nicht einmal die gezeigte Mode oder die Frisuren stark an die 1970er Jahre erinnern, tut es die Musik von Marvin Hamlisch, der zwar das bekannte Bond-Motiv gekonnt einsetzt, dessen Instrumentierung aber unverkennbar fast 40 Jahre alt ist. Die Geschichte selbst hat durchaus Bestand und die humorvolle, aber nicht ganz unbeschwerte Annäherung zwischen West und Ost ist ein Zeitzeugnis, das die Reihe noch einige Male wieder aufgreifen wird. So simpel und überzeugend der Plan von Karl Stromberg, so farblos ist allerdings die Figur. Als hauptsächlicher Bösewicht konzentriert sich der Thriller auf Beißer, dessen spezielle Figur einem allerdings liegen muss.
Aus heutiger Sicht wirkt sie humorvoller als albern, aber das wird jeder anders entscheiden. Was die handwerkliche Umsetzung und insbesondere die Bauten und Stunts angeht, gehen die Produzenten keine Kompromisse ein und bescheren insbesondere dem Auto in Der Spion, der mich liebte einen unvergesslichen Auftritt. Das macht den Agentenfilm für Fans ohnehin, aber auch für Actionfans im Allgemeinen, immer noch empfehlenswert.


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