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Der Plan [2011]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 20. August 2011
Genre: Fantasy / Liebesfilm / Drama

Originaltitel: The Adjustment Bureau
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: George Nolfi
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Matt Damon, Emily Blunt, Michael Kelly, Anthony Mackie, John Slattery, Anthony Ruivivar, Terence Stamp, Gregory Lay, Lauren Hodges, Amanda Warren, Christine Lucas, Julie Hays, Fabrizio Brienza, David Bishins, Laura Kenley Chinn, Jessica Lee Keller, Donnie Keshawarz, Kieran Campion


Kurzinhalt:
Kurz vor der Senatswahl führt der Kongressabgeordnete David Norris (Matt Damon) aus New York deutlich vor seinen Konkurrenten. Bis ein Bild durch die Presse geht, das ihn nicht nur das Ansehen bei vielen Wählern, sondern auch die Wahl kostet. Als sich Norris Gedanken darüber macht, was er nach der Niederlage vor den Kameras sagen wird, trifft er auf die direkte Elise (Emily Blunt). Sie beide scheinen sich gesucht und gefunden zu haben, doch ist ihre Begegnung nur von kurzer Dauer.
Es vergehen Monate, ehe David ihr zufällig wieder über den Weg läuft. Doch dann beobachtet er, wie sich fremde Männer Zugang zum Büro seines ehemaligen Wahlkampfleiters Charlie (Michael Kelly) verschafft haben. Wie David erfährt, sind sie keine Einbrecher, sondern Mitarbeiter eines, wie sie sagen, Planungsbüros, die dafür sorgen sollen, dass die Dinge nach Plan verlaufen. Richardson (John Slattery) stellt David vor die Wahl, entweder er verspricht, Elise nie wieder zu sehen, oder er wäre gezwungen, Davids Persönlichkeit umzuprogrammieren. Hätte der Planer Harry (Anthony Mackie) seinen Einsatz nicht versäumt, hätten sie ohnehin nie ein zweites Mal zusammenkommen sollen. David bleibt keine Wahl – nur wie kann er sich von Elise fernhalten, wenn er der Überzeugung ist, sie wäre sein Schicksal?


Kritik:
Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen tatsächlich? Wir rühmen uns, einen freien Willen zu besitzen, laut Gläubigen ein Geschenk unseres Schöpfers, doch sind wir wirklich frei in dem, was wir tun? Oder sind unsere Entscheidungen nicht von unserer Umwelt beeinflusst, von den Menschen um uns herum und den Erwartungen, die an uns gerichtet sind? Ob dies unsere Erwartungen sind, oder welche, die wir zu unseren gemacht haben, nachdem sie uns von außen auferlegt wurden, sei in diesem Moment einmal dahingestellt.
George Nolfi erzählt seinen übersinnlich angehauchten Film Der Plan nicht, um uns Antworten darauf zu liefern, sondern um uns zu ermutigen, die Fragen überhaupt zu stellen. Es ist eine Seltenheit geworden, dass mit einem überraschend groß angelegten Budget ein Hollywood-Film produziert wird, der nicht bis ins kleinste Detail alles erklärt. Basierend auf einer Kurzgeschichte von Science Fiction-Autor Philip K. Dick provoziert Der Plan Reaktionen vom Publikum, nicht weil den Hauptfiguren etwas Grausames widerfährt, sondern weil ihnen ihre Entscheidungen vorenthalten werden, ohne dass sie wissen dürfen, weshalb. Da sie keine außergewöhnlichen Menschen sind, sondern so alltäglich wirken, als könnte man ihnen jeden Tag auf der Straße begegnen, sehen wir uns an ihrer Stelle – und an ihrer Seite im Kampf gegen jene Macht.

Matt Damon besitzt ein Talent, das man ihm vor fünfzehn Jahren noch gar nicht zugesprochen hätte, und das nur in zweiter Linie etwas mit seinem Schauspiel zu tun hat. Er vermag es, die Figuren, die er verkörpert aus dem Leben gegriffen erscheinen zu lassen. Beinahe so, als wäre er diese Person und würde nur ab und an einen Ausflug auf die Leinwand machen. Sieht man ihn in der Rolle von David Norris für den Senat in New York kandidieren, muss man sich fragen, weswegen er sich im Gegensatz zu vielen anderen Darstellern nicht um ein politisches Amt bemüht. Er scheint das Zeug dazu zu haben.
Norris ist seinem politischen Gegner haushoch überlegen, bis eine seiner Jugendsünden den Weg in die Presse findet. Als einstiger Favorit ist seine Niederlage bei der Wahl umso bitterer. Auf der Herrentoilette plant er seine Fernsehansprache nach dem Wahlausgang, als ihm die unverblümte Elise begegnet. Sie inspiriert ihn, vor der Kamera etwas zu sagen, was er sich bis dahin nicht getraut hatte, und fortan gilt er als heißester Anwärter auf ein Comeback. Seine Begegnung mit Elise war schicksalshaft und lässt ihn auch nicht mehr los – nur kann er sie nicht mehr finden. Wie wir erfahren, soll er das auch nicht. Eine Gruppe Männer trifft sich regelmäßig und bespricht den Lauf der Dinge. Einer von ihnen, Harry, soll dafür sorgen, dass David an einem Morgen auf der Arbeit seinen Bus verpasst. Doch Harry gelingt dies nicht und im Bus begegnet David erneut Elise.
Wenig später, von den Männern mit Hut in eine verlassene Lagerhalle gebracht, erfahren wir, dass das zweite Zusammentreffen zwischen David und Elise nicht geplant war, und er sie nie wieder sehen darf, weil der Plan es nicht vorsieht. Wer die Männer sind, geben sie unumwunden zu: sie sind diejenigen, die sicherstellen, dass alles nach Plan verläuft.

Zu erkennen, dass man sich in einem größeren Gefüge befindet, dessen Mechanik und Zusammenwirken man nicht versteht, ist nicht nur beunruhigend, sondern auch faszinierend. Die Informationen, die David bekommt sind dabei gerade ausreichend genug, um sein und unser Interesse zu wecken, reichen jedoch nicht soweit, die Neugier zu stillen. Die Männer vom Planungsbüro bekommen ihre Anweisungen immer von einer nächsthöheren Stelle, die letztlich bis zum Vorsitzenden reicht.
Ob diese Männer als Boten des Schicksals zu sehen sind, als Engel mit Gott als dem Vorsitzenden, oder als Vertreter einer Außerirdischen Macht, welche die Geschicke der Menschen lenkt, spielt keine Rolle. Sie sind in jedem Fall als Metapher für all diejenigen Dinge zu sehen, die dafür sorgen, dass die Menschen nicht ihren Weg gehen, sondern einen, der ihnen vorgegeben wird. Der Plan begleitet David und Elise auf dem Weg zu dieser Erkenntnis und erzählt bis dahin eine Geschichte, die interessiert, weil sie trotz des groben Verlaufs doch nicht wirklich vorhersehbar ist. Matt Damon und Emily Blunt entwickeln eine ansteckende Chemie, die stark genug ist, die bekannten Muster ihrer Beziehung aufzuwiegen. Und das, obwohl man über Elise und ihren Hintergrund kaum etwas erfährt.

Der Plan macht sich auf eine subtile Art und Weise New York und die Umgebungen zunutze. Das führt mitunter zu malerischen, beinahe auch meditativen Einstellungen, die verdeutlichen, dass Regisseur und Autor Nolfi auf die Ausstattung großen Wert legt. Doch sollte man weder einen temporeichen Thriller erwarten, noch ein tiefgreifendes Drama. Es ist vielmehr ein Film um zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind, und dennoch nicht zusammen sein dürfen. Nur manchmal verlangt das Schicksal, dass man füreinander kämpft; auch das ist Teil der Bestimmung. Aufmerksame Zuschauer sollten einen Blick auf die letzten Seiten des Schicksalsbuches werfen, der einem gewährt wird. Vielleicht sollte es so bei uns allen sein.


Fazit:
Vieles an Der Plan kommt einem bekannt vor. Es ist letztlich die Gewichtung der Elemente, die überrascht. Der Fantasy/Science Fiction-Anteil ist schließlich merklich geringer, als erwartet. Dafür rückt Regisseur George Nolfi David Norris in den Mittelpunkt, der sich immer wieder für Elise entscheidet und gegen alles andere. Nicht nur, um dem zu trotzen, was ihm vorgegeben wird, sondern weil es seine innerste Überzeugung ist.
Schon deshalb fällt es leicht, mit ihm mitzufiebern, wenn er sich den Männern vom Planungsbüro stellt, die ihm immer einen Schritt voraus scheinen. Wer sie sind, interessiert uns in der ersten Hälfte mehr, als in der zweiten. Dann wollen wir vielmehr wissen, dass es überhaupt gelingen kann, gegen sie (und ihren Plan) anzukommen. Am Ende ist dies nicht so packend, wie man vermuten würde, aber in den mitgegebenen Fragen nichtsdestoweniger faszinierend und dank der charismatischen Besetzung auch überzeugend.


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