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Der Ghostwriter [2010]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. April 2010
Genre: Thriller

Originaltitel: The Ghost Writer
Laufzeit: 128 min.
Produktionsland: Frankreich / Deutschland / Großbritannien
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roman Polanski
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams, Kim Cattrall, Tom Wilkinson, Timothy Hutton, Jon Bernthal, James Belushi, Tim Preece, Eli Wallach


Kurzinhalt:
Ein jeder kennt den ehemaligen Premierminister Adam Lang (Pierce Brosnan) und beinahe jeder hatte ihn gewählt. Nach seinem Rücktritt sind die Stimmen seiner Kritiker immer lauter geworden, nicht zuletzt auf Grund seiner sehr USA-freundlichen Entscheidungen im Krieg gegen den Terror. Für seine Memoiren hat ihm ein Verlag viel Geld geboten, doch sein Autor ertrank bei einem Unfall in der Nähe von Langs Strandhaus. Nun soll ein neuer Ghostwriter (Ewan McGregor) das bereits geschriebene Manuskript umschreiben, so dass es in vier Wochen in Druck gehen kann.
Kurz nach den ersten Gesprächen mit Lang, seiner früher politisch sehr aktiven Frau Ruth (Olivia Williams) und Langs Assistentin Amelia (Kim Cattrall), werden Lang von anderen Politikern Kriegsverbrechen vorgeworfen. Während der öffentliche Druck größer wird, entdeckt der Ghostwriter bei seinen Recherchen Ungereimtheiten und bemerkt, dass sein Vorgänger auf genau dieselben Unstimmigkeiten gestoßen war. Wurde er als "Sicherheitsrisiko" vielleicht aus dem Weg geräumt?


Kritik:
Es ist ein verlockendes Angebot für den Ghostwriter, ein bereits bestehendes Manuskript binnen vier Wochen zu überarbeiten und dafür eine Viertelmillion Dollar zu kassieren. Die vermeintliche Autobiografie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ist dem Verlag immerhin einen zweistelligen Millionenbetrag wert. Bereits wenn die Figuren vorgestellt werden, fühlt man sich als Zuseher bei dem durchaus charismatischen, ehemaligen Premier an Politiker erinnert, die bis vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich die Regierungsgewalt inne hatten. Wird als amerikanische Außenministerin zudem eine afroamerikanische Politikerin vorgestellt, weiß man zumindest, in welcher politischen Zeit Romanautor Robert Harris, der auch am Drehbuch mitwirkte, seine Geschichte ansiedelt. Der aktuelle Bezug ist durchaus brisant, immerhin wird Adam Lang (charismatisch und unberechenbar gespielt von Pierce Brosnan) beschuldigt, Terrorverdächtige an die USA ausgeliefert zu haben, wissend, dass diese dort gefoltert würden. Diesbezüglich wird vom Internationalen Gerichtshof gegen ihn ermittelt. Der Ghostwriter, den Ewan McGregor nicht nur neugierig verkörpert, sondern der das Puzzlestück in derselben Geschwindigkeit zusammen setzt wie der Zuschauer selbst, findet sich auf Grund einer Verschwiegenheitserklärung kurzum in einer Zwickmühle wieder. Denn wenn sein Vorgänger auf Grund der Hinweise, die er entdeckt hatte ermordet wurde, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihm dasselbe Schicksal droht. Die Story von Der Ghostwriter entfaltet sich langsam, die Charaktere bekommen nach den ersten Vorstellungen Konturen und während bestimmte Details wie eine Affäre zwischen Lang und seiner Assistentin angedeutet werden und man sich als Zuseher selbst ein Bild davon machen soll, verlagert sich nach der Hälfte der Erzählung der Schwerpunkt der Figuren. Durch die Augen des Ghostwriter wird man der Situation um den ehemaligen Premiers näher gebracht und entdeckt mit ihm Unstimmigkeiten, die auf den ersten Blick aber nirgendwo hin zu führen scheinen. Roman Polanski nutzt die raue und unwirtliche Kulisse, um seine Figuren von äußeren Einflüssen abzuschotten und sich darauf zu konzentrieren, was ihre jeweiligen Handlungen motiviert. So mag es nicht nur absehbar, sondern auch unnötig erscheinen, wie der Autor der ausstrahlungsstarken Frau des Premiers näher kommt, im Nachhinein ergibt die Szene aber Sinn.

Statt auf Hektik und schnelle Schnitte zu setzen, lenkt der Regisseur das Auge des Zuschauers mit Bedacht durch das eindrucksvolle Strandhaus, in dem die vielen Personen trotz ihrer Nähe dennoch isoliert wirken. Schließlich findet der Autor ohne Namen einen weiteren Hinweis und folgt den Brotkrumen bis an eine Kreuzung, deren Bedeutung ihm und dem Zuschauer verborgen bleibt. Es ist erstaunlich, wie gekonnt Polanski seine Zuseher hier mitraten lässt, ohne dabei mit Hinweisen aber zu geizen. Man bekommt immer wieder Teile des Rätsels gelöst, ohne das Gesamtbild zu erkennen. Und wenn es einem (im selben Moment wie dem Ghostwriter) gelingt, scheint es schon zu spät.
Der bewusst ruhig erzählte Thriller lädt dabei zum Mitdenken ein, allein schon auf Grund der realitätsnahen, politischen Verstrickungen. Dabei tritt die namhafte und eindrucksvolle Darstellerriege, die durch bekannte Größen wie Olivia Williams, geheimnisvoll und doch stark gespielt, Tom Wilkinson, Kim Cattrall und Timothy Hutton oder gar James Belushi ergänzt wird, hinter die jeweiligen Charaktere zurück. Stellenweise erinnern die Konfrontationen im Strandhaus an ein bedrückendes Kammerspiel, bei dem man immer das Gefühl hat, jemand würde einen beobachten. In überlegten und gut komponierten Bildern eingefangen, ist es nicht zuletzt der europäisch wirkenden Inszenierung zu verdanken, dass Roman Polanskis Film bis zur letzten Minute fesselt. Hierzu trägt auch der nicht leicht zugängliche, aber gelungene und minutiös auf die Bilder abgestimmte Musikscore von Alexandre Desplat bei. Für ein anspruchsvolles und reifes Publikum ist dies eine willkommene Abwechslung zu den schnellen und meist wenig geistreichen Thrillerfilmen der letzten Zeit. Dafür muss man sich aber auf die Figuren und die trickreiche Geschichte einlassen. Nur dann kann man auch verstehen, weshalb Adam Lang mehr ist als nur der vermeintliche Bösewicht.


Fazit:
Eine bestechende Optik mag das Augenscheinlichste sein, was man an Der Ghostwriter bewundern kann. Die lebendigen Figuren, die allesamt mehr Geheimnisse zu haben scheinen, als sie bereit sind mit dem Zuseher zu teilen, ist ein weiteres Detail. Die Geschichte, die Roman Polanski erzählt, wirkt so abwegig nicht, die politischen Verstrickungen durchaus glaubwürdig und die tödlichen Konsequenzen erschreckend logisch.
Aus der Sicht des namenlosen Autors entfaltet sich ein Thriller, der gerade auf Grund der ruhigen Erzählweise fesselt, die gleichzeitig Substanz über Erzähltempo stellt. Wer sich hierauf einlässt, bekommt einen sehr sehenswerten und nachdenklich stimmenden Film gezeigt, bei dem beabsichtigt Bezüge zu realen Figuren zu finden sind. Ob einen das jedoch beruhigt, muss jeder für sich entscheiden.


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