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Denn keiner ist ohne Schuld [2002]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Februar 2003
Genre: Krimi / Drama

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: Missing Joseph
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: -

Regie: Richard Laxton
Musik: Robert Lockhart
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, Lesley Vickerage, Jason Merrells, Pippa Haywood, John Vine, Charlotte Salt


Kurzinhalt:
Der Priester Robin Sage (Tony Boncza) wird tot aufgefunden; wie sich herausstellt, wurde er vergiftet. An dem Abend, an dem er starb, aß Sage bei Juliet Spence (Pippa Haywood) zu Abend. Die alleinerziehende Mutter hat eine Beziehung zu dem ortsansässigen Polizisten Steve Shepherd (Jason Merrells), doch Juliets Tochter Maggie (Charlotte Salt) kann den Freund ihrer Mutter nicht leiden.
Shepherd wird zudem von Sages Haushälterin Polly (Joanna Dunn) verehrt, der ihre Zuneigung allerdings nicht erwidert.
Detective Inspector Thomas Lynley (Nathaniel Parker) und Detective Sgt. Barbara Havers (Sharon Small) kommen immer mehr zu der Überzeugung, dass nicht der Priester, sondern Shepherd vergiftet werden sollte.
Auch Helen Clyde (Lesley Vickerage), Profilerin bei der Polizei, kann ihnen nicht wirklich weiterhelfen – dafür wird ihre Beziehung zu Lynley immer komplizierter ...


Kritik:
2001 startete die britische Krimireihe The Inspector Lynley Mysteries in Großbritannien mit dem Zweiteiler Gott schütze dieses Haus [2001] im TV. Erfolgreich, muss dazu gesagt werden, denn im April 2002 wurde in wöchentlichem Abstand die erste Staffel der Reihe, alle basierend auf den Romanen der amerikanischen Autorin Elizabeth George, ausgestrahlt, bestehend aus vier neuen Fällen, deren Abschluss Denn keiner ist ohne Schuld bildet.
Wenn man sich die insgesamt fünf TV-Krimis ansieht, muss man traurigerweise feststellen, dass sich das Produktionsteam dem besten Film bis zuletzt aufgehoben hat. Traurig ist das deswegen, weil demnächst keine neuen Teile zu erwarten sind. Zwar hat die BBC schon angekündigt, dass neue Fernsehfilme mit dem Ermittlerduo in Produktion seien, diese sollen womöglich bereits ab März 2003 in Großbritannien zu sehen sein, von da an werden aber vermutlich sechs bis zwölf Monate vergehen, bis sie (wenn überhaupt) in Deutschland ausgestrahlt werden. Gerade jetzt, als man als Zuschauer Lust auf mehr bekam, wird man vorerst vertröstet.
Vielleicht tut dem Team die kreative Pause aber auch gut, denn obwohl Denn keiner ist ohne Schuld ein wirklich guter und empfehlenswerter Krimi ist, besteht nachwievor noch Potential zur Steigerung.

Als wären die Gebete der Zuseher erhört worden, präsentieren die Macher in diesem Krimi nun endlich eine ausgewogene und erfrischende Mischung aus Kriminalfall und persönlicher Weiterentwicklung hinsichtlich der beiden Hauptcharaktere Lynley und Havers.

Der Fall um den toten Priester mag auf den ersten Blick recht einfach gestrickt scheinen, und als Zuschauer hat man die möglichen Täter schnell ausgemacht, aber einige Wendungen und Überraschungen (die nicht erzwungen sind, sondern sich harmonisch in den Fall einbinden) sorgen dafür, dass man am Schluss mehr oder weniger verblüfft erkennen muss, dass man persönlich doch auf dem Holzweg war.
Dabei werden einmal mehr die vielen Verstrickungen innerhalb der Gemeinde, in der Tote als Pfarrer tätig war, aufgedeckt und auch hier zeigt der Film eine gesunde Mischung, ohne den Zuseher mit zu vielen Personen und Schicksalen zu verwirren und abzulenken. Viele Anwohner haben die eine oder andere metaphorische Leiche im Keller, Beziehungen untereinander und andere Geheimnisse.

Gleichzeitig entwickeln sich aber auch die Beziehungen von Lynley und Havers, und auch ihre Freundschaft zueinander weiter. Während Lynley mehr Hintergrund mit Helen Clyde bekommt, sieht sich Havers ganz anderen Problemen gegenüber. Das Streitgespräch zu Beginn des letzten Drittels zwischen Lynley und Havers ist emotionsgeladen und legt Nerven und Seelen blank.
Nicht nur, dass es inhaltlich sehr gut und auch noch klasse gespielt ist, es war vor allem eines: Längst überfällig!
Während sich die Charaktere nie richtig aneinander gewöhnt hatten, immer wieder mit spitzen Bemerkungen die lange Vorfühlphase des Vertrauens unterbrochen hatten und neu beginnen mussten, sind nun die Grenzen endgültig gesteckt. Mag sein, dass manche Freundschaften an solchen Gesprächen zerbrechen, bei Lynley und Havers darf man zuversichtlich sein, dass nach den Samthandschuh-Dialogen und den sehr unfreundschaftlichen "Sirs" der früheren Filme nun endlich ein dauerhaftes und vor allem vielschichtiges freundschaftliches Verhältnis aufgebaut werden kann.

Wie bisher auch schon, besitzt Nathaniel Parker durchaus das Charisma, um die Zuschauer zu fesseln; er wirkt aufmerksam, typisch englisch höflich, aber dennoch intelligent und talentiert. Als Polizist Lynley kann er vollauf überzeugen und darf in dieser Rolle im letzten Teil der ersten Staffel auch aktiver werden.
Sharon Small erschien dagegen bisher wie ein kratzbürstiges, tölpelhaftes, freches Gör, die niemanden zu nahe an sich heran lassen möchte. In Denn keiner ist ohne Schuld ändert sich ihr Verhalten etwas, auch wenn sie einmal gewaltig ins Fettnäpfchen tritt. Sie bekommt mehr Tiefe verliehen und macht sich auf, als Charakter Lynley ebenbürtig zu werden. Ob ihr das gelingt, muss man abwarten, die Anlagen dazu besitzt sie jedoch.
Bei den restlichen Darstellern gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, sie alle spielen überzeugend, ohne dass einer von ihnen überagieren würde. Die Besetzung ist wirklich gut gelungen.

Ebenso ergeht es prinzipiell der Inszenierung, die sich weder durch unruhige Kamerafahrten, noch durch Handkameraeinstellungen disqualifiziert. Stattdessen wird die gründe Landschaft ebenso gut eingefangen, wie die Dialogszenen. Einzig, als es zum Finale kommt, gibt es ein paar seltsame, schnelle Schnittfolgen und auch einige Einstellungen, bevor der Abspann beginnt, ergeben keinen richtigen Sinn.
Zusammen mit der stimmungsvollen, wenn auch unauffälligen Musik ergibt es dennoch eine gute Mischung und beschreibt eines der derzeitigen Krimihighlights im Fernsehen.

Leider treten auch diesmal ein paar unpassend kurze Gespräche auf, wenngleich die verschiedenen Ebenen gut miteinander verwoben wurden. So bricht eine Szene genau in dem Moment ab, als Polizist Steve Shepherd auf eine Frage Lynleys antworten soll. Genau diese Antwort hätte den Zuschauer interessiert, sie wird jedoch nie gegeben. Angesichts der letzten beiden Teile ist die Inszenierung aber trotzdem deutlich ausgereifter.

Von der Qualität der Krimireihe Für alle Fälle Fitz [1993-1996] sind die Lynley-Krimis zwar noch weit entfernt, gegenüber McCallum [1995-1998] hat man allerdings schon aufgeholt. Immerhin ist langsam das Potential der Reihe erkennbar, die Hauptdarsteller wirken zwar immer noch mehr oder weniger "zusammengewürfelt", bauen inzwischen aber eine gute Chemie auf.
Auf die kommenden Krimis darf man gespannt sein, der Kriminalfall und die vielschichtige Hintergrundgeschichte erlauben aber dennoch, den Fernsehfilm als eines der Krimiglanzlichter im TV zu bezeichnen. Vor allem weckt er nun endlich das Interesse an den Vorlagen; mehr als 10 Kriminalfälle um den charmanten Inspector und seine Partnerin Havers in Buchform gibt es bereits, mehr sollen folgen.


Fazit:
Im letzten Teil der ersten Staffel schaffen es die Macher endlich, Geschichte und Charaktere besser auszuschöpfen. Neben guten Darstellern gibt es einen interessanten, mit Überraschungen gespickten Fall und den einen oder anderen Seelenstriptease der Beteiligten.
Schade nur, dass es so lange gedauert hat; nun müssen die Zuschauer wohl mindestens ein Jahr warten, bis es mit neuen Abenteuern weitergeht – es sei denn, man greift vorher zu den Romanen.


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