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Das Konto [2004]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Januar 2004
Genre: Thriller / Krimi

Originaltitel: Das Konto
Laufzeit: 180 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Markus Imboden
Musik: Florian Appl
Darsteller: Heino Ferch, Julia Jäger, Jürgen Schornagel, Hermann Beyer, Uwe Steimle, Franziska Petri, Josef Bierbichler, Michael Gwisdek, Nadine Fano, Peggy Lukac


Kurzinhalt:
Als Lebensmittel-Manager in der Olson AG ist Dr. Michael Mühlhausen (Heino Ferch) sehr erfolgreich. Seit Monaten bereitet er im Stillen die feindliche Übernahme des größten Konkurrenten, der Schweizer Funke AG vor. Für ihn wäre das außerdem die Fahrkarte in die Chefetage.
Doch es kommt alles anders: Der Firmenchef lehnt die Übernahme angeblich ab, wie Dr. Schneider (Josef Bierbichler) Mühlhausen mitteilt – das Treffen fand ohne ihn statt. Doch als Mühlhausen seinen Kollegen Dirk Osterwald (Michael Gwisdek) tot auffindet, der mit Mühlhausens Frau Charlotte (Julia Jäger) eine Affäre hatte, ahnt der Geschäftsmann, dass er in ein Komplott geraten ist.
Dank seiner Sekretärin Lilly (Peggy Lukac) kann er vor der Polizei fliehen, da allerdings auch noch Mühlhausens Anwältin Laura Spiegelberg (Franziska Petri) getötet wird, sieht sich der Geschäftsmann sowohl der Polizei, als auch seinen ehemaligen Arbeitskollegen gegenüber, die ihm aus irgendeinem Grund an den Kragen wollen. Sowohl der Sicherheitsexperte der Olsen AG, Mortier (Jürgen Schornagel), als auch ein unbekannter Mann (Uwe Steimle) haben es auf Mühlhausen, seine Frau und auch seine Tochter Hannah (Nadine Fano) abgesehen.
Seine einzige Hilfe findet der ahnungslose Manager in dem Polen Pawel Sikorsky (Hermann Beyer), der allerdings eigene Absichten verfolgt.


Kritik:
Vor knapp 40 Jahren, 1973 wurde die GEZ als Gemeinschaftseinrichtung von ARD und ZDF gegründet und ist seither in Köln zu finden. Nachdem die Reichs-/Bundespost ganze 50 Jahre lang den Einzug der Gebühren übernommen hatte, nahm ihr die GEZ ab Januar 1976 diese Arbeit ab.
Bis zu 74.000 Geschäftsvorgänge wickelt die GEZ täglich ab. Ursprünglich waren die Rundfunkgebühren dazu gedacht, den Grundbedarf an Kultur- und Informationen in Deutschland sicher zu stellen. Die Gebühren wurden gemäß den staatsvertraglichen Regelungen an die Landesrundfunkanstalten, das ZDF und die Landesmedienanstalten weitergeleitet.
Doch schon seit Jahren macht sich Unmut bei der zur Kasse gebetenen Bevölkerung breit, denn die Gebühren werden regelmäßig erhöht, obgleich die öffentlichen rechtlichen Fernsehanstalten von vielen gemieden werden. Aber es ist, wie so oft, man hat keine Handhabe gegen die GEZ, ständig werden Prozesse geführt, die ihre Legalität anklagen, und doch hat noch niemand gewonnen. Selbst ein Kläger, der sich technisch jeglichen Zugriff auf die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten nehmen ließ, wurde dazu verurteilt, Gebühren zahlen zu müssen. Wieso? Das bleibt ein Geheimnis der Gerichte.
Was einen an dieser organisierten Geldeintreiberei aber am meisten ärgern kann ist, wofür das Geld letztendlich verwendet wird. Da wirft die ARD buchstäblich Millionen von Euro aus dem Fenster, um eine ganze Reihe an schmonzettenhaften Eigenproduktionen à la Das unbezähmbare Herz [2004] an den Mann/die Frau zu werfen, und wenn einmal eine Perle wie Das Konto dabei ist, wird diese nicht zur wirksamsten Zeit um 20:15 Uhr gesendet, sondern ins späte Abendprogramm verlegt und im Vorhinein überhaupt nicht beworben, so dass die Programmverantwortlichen weiterhin behaupten können, es habe keiner zugeschaut.
Immerhin, die GEZ als Einzugszentrale der Rundfunkgebühren hat ihre meisten Tage hinter sich, in Zukunft wird eine pro Haushalt erhobene Pauschale verlangt. Der Wechsel zu dem neuen Gebührensystem soll 2013 erfolgen.

Sicherlich ist Das Konto nicht die beste TV-Produktion aller Zeiten, doch den Machern gelingt immerhin ein spannender Wirtschafts-Krimi, der allemal sehenswerter ist als oft gesendete Volksmusik-Folterfeiern.
Der Schwachpunkt von Markus Imbodens Film ist weniger das Drehbuch, als die Romanvorlage, die sich in dem Stil wohl nicht vor die Kamera transportieren ließ. Denn während sich das Skript für die Einleitung und manche Passagen sehr viel Zeit lässt, kommen gerade die wenigen spannenderen Szenen wie Mühlhausens Flucht vor der Polizei, das Finale im Zug oder auch der Ausbruch von Charlotte Mühlhausen aus dem Haus deutlich zu kurz.
Den langen Aufbau von über einer halben Stunde, bis der erste Mord geschieht und man sehen kann, in welche Richtung sich die Story entwickelt, kann man insofern noch nachvollziehen, da ja immer noch zweieinhalb Stunden übrig sind, um die restliche Geschichte zum Abschluss zu bringen. Während die Geschichte über manche Szenen hinweg den Bösewichten folgt und somit nicht ausschließlich aus Mühlhausens Perspektive erzählt ist, werden manche Schlüsselpassagen wie die Ermordung eines Hauptcharakters kurz vor dem Finale, überhaupt nicht gezeigt, sondern lediglich, wie Mühlhausen dann über das "Ergebnis" stolpert.
Zu allem Überfluss findet Das Konto auch keinen richtigen Abschluss, die eigentlichen Drahtzieher, so viel sei verraten, werden nicht zur Strecke gebracht, vielmehr wird in Aussicht gestellt, dass sich das später vor Gericht klären wird. Doch in Anbetracht des Leidensweges von Heino Ferchs Charakter, und der Tatsache dass im Verlauf des Films immerhin vier Menschen den Tod finden, ist das ein schwacher Trost für den Zuschauer. Vielleicht ist man dahingehend auch schon zu sehr an Hollywood gewöhnt, aber ein befriedigenderes Finale im Stile von Auf der Flucht [1993] hätte eindeutig besser gepasst.
Während Michael Mühlhausen als Charakter sehr klar und deutlich beleuchtet wird, sieht es mit den anderen Beteiligten leider nicht ganz so gut aus; die Schurken zum Beispiel bekommen so gut wie kein Profil verliehen, ihr Motiv der schieren Geldsucht scheint auch (in Anbetracht der Tatsache, dass alle schon mehr als wohlhabend sind) weit hergeholt. Den meisten Hintergrund bekommen noch Mühlhausens Tochter Hannah und der zwielichtige Pawel zugeschrieben, wobei die gesamte Nebenhandlung mit der Russenmafia in Polen und ihr Interesse an Informationen über die Strukturen deutscher Firmen arg konstruiert und hanebüchen wirkt – zumindest in der Kürze, in der es im Film beschrieben wird.
Hätte man diese Nebenhandlung komplett gestrichen, hätte man Das Konto auch mühelos in zwei, statt drei Stunden erzählen können. Dem Erzählfluss, insbesondere im zweiten Teil, hätte das nur gut getan.
Denn obwohl man als Zuschauer inständig darauf hofft, dass Mühlhausen endlich offensiv seine Unschuld zu beweisen versucht, verkriecht er sich von einem Versteck ins andere, so dass sich die Geschichte letztendlich von selbst aufklärt.
Hier hätte deutlich Potential bestanden, die Story zu straffen und etwas flotter zu erzählen, dann nach dem überzeugenden Anfang lässt der zweite Teil leider stark an Tempo und Glaubwürdigkeit nach.

An den Darstellern gibt es derweil nichts zu beanstanden, Heino Ferch gibt den smarten Geschäftsmann mit der von ihm gewohnten Überzeugungskraft, man hat bei ihm schlicht nie das Gefühl, er würde spielen. Der Charakterdarsteller gehört zweifelsohne zu den talentiertesten und besten Gesichtern, die es aus deutschen Landen derzeit vor der Kamera zu sehen gibt.
Neben ihm zu sehen ist Julia Jäger als Charlotte Mühlhausen, die zwar unterkühlt, aber nicht unsympathisch wirkt – ihr Charakter kommt allerdings deutlich zu kurz. Ebenso der von Franziska Petri, die als Anwältin nicht so recht überzeugen will.
Auf Seite der Bösewichter gibt es einige markante Charaktere zu sehen, Jürgen Schornagel und Uwe Steimle stehlen Josef Bierbichler eindeutig die Show und gehen in ihren Rollen auch voll auf.
Daneben ist noch Hermann Beyer als polnischer Racheengel zu sehen, der hier ebenfalls zwielichtig, aber doch sympathisch erscheint – eine echte Überraschung ist allerdings Nadine Fano, die als Hannah auch die schwierigen Szenen zum Schluss hin gekonnt meistert.
Insgesamt wirkt das Ensemble sehr gut ausgesucht und kann bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen – dass es nicht unbedingt teure Stars sein müssen, sondern auch frische Gesichter schauspielern können, haben die Produzenten damit einmal mehr bewiesen.

Ein großes Lob verdient auch der aus der Schweiz stammende Regisseur Markus Imboden, dem hier ein erfreulich routinierte und saubere Inszenierung gelingt. Ohne hektische Handkamera, peinliche Zooms, ausgedehnte, fehlplatzierte Zeitlupen oder eine unruhige Führung bei Gesprächen zeigt sich Das Konto klassisch inszeniert, mit einer ruhigen Kamera, geleitet von Rainer Klausmann und mit einem sauberen, übersichtlichen Schnitt.
Ein paar interessante Einstellungen (insbesondere in den kühlen Bürogebäuden) gibt es auch zu sehen, so dass man sich zweifelsohne von einer durchdachten Inszenierung verwöhnen lassen kann.
Gerade da viele neue Regisseure auf Wackelkamera mit MTV-Stil statt Übersichtlichkeit setzen, ist Imbodens Umsetzung so erfreulich gelungen. Imboden arbeitete mit Nadine Fano übrigens schon bei der Neuverfilmung von Heidi [2001] zusammen.

Ein klarer Negativpunkt ist allerdings die Musik von Florian Appl, dessen Arbeit auf den ersten Blick gar nicht schlecht erscheint. Doch während er das ein oder andere Thema gekonnt in den Film einwebt (beispielsweise bei Charlottes Ausbruch aus dem Haus), sollte jeder Filmfan beim Rest des Scores hellhörig werden. Denn auch wenn die Musik vom Filmorchester Babelsberg eingespielt wurde, stammt sie nicht aus der Feder von Appl – sondern aus der von Alan Silvestri.
Mindestens drei verschiedene Themen aus seinem oscarnominierten Score zu Forrest Gump [1994] sind in Das Konto zu finden, dabei wurden sie nicht einmal abgewandelt, sondern schlicht 1:1 nachgespielt.
Es ist seit einigen Jahren gang und gäbe, in den deutschen Film- und Serienproduktionen Musik aus US-Filmen einzubauen – anscheinend ist es wohl billiger, als selbst welche zu komponieren – aber so penetrant und unverfroren ist es wohl selten geschehen. Und da es sich bei Forrest Gump auch noch um einen sehr bekannten Film handelt, fällt die kopierte Filmmusik doppelt so schnell auf.
Nicht nur, dass sie einfallslos kopiert wurde, sie wurde auch noch für die unverständlichsten Szenen eingesetzt. So wird ein und dasselbe Thema verwendet, wenn Mühlhausen glücklich oder traurig ist – dramaturgisch wird somit eine der beiden Szenen ins Gegenteil verkehrt.
Die Macher wären deutlich besser beraten gewesen, einen richtigen, neuen Score für den drei Stunden langen Filmen komponieren zu lassen, denn so fehlt Das Konto eines auch noch: ein durchgängiges, originales, musikalisches Grundthema.

Was nach drei Stunden bleibt ist gute Unterhaltung "Made in Germany", die bisweilen zu sehr wie eine Romanverfilmung aussieht. Denn wo im Roman das Innenleben der Charaktere beschrieben wird, zieht man im Film von einer Szene zur nächsten. Die Nebencharaktere bleiben dabei völlig unberührt.
So bewegt sich Das Konto immer noch deutlich über dem Durchschnitt, wäre aber mit einigen Änderungen und auch Kürzungen innerhalb der Story flotter und unterhaltsamer gewesen.
Interessant wäre jetzt nur, wie die Chefetage von Nestlé den Film aufgefasst hat, Romanautor Uwe Schwartzer war immerhin selbst jahrelang in solchen Gefilden beheimatet.


Fazit:
Zwar ist Markus Imbodens Regiearbeit weder so aufwändig wie Der Tunnel [2001], noch so ergreifend wie Der Totmacher [1995], oder so intrigant wie Das Schwein - Eine deutsche Karriere [1994], doch alles in allem ist die TV-Produktion durchaus gelungen. Der erste Teil verspricht zwar mehr, als der zweite zu halten vermag, doch dank sehr guter Darstellerleistungen, einer gelungenen Inszenierung und einer interessanten Story, ist gute Unterhaltung stets garantiert.


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