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Dark City [1998]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. Januar 2004
Genre: Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Dark City
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Alex Proyas
Musik: Trevor Jones
Darsteller: Rufus Sewell, William Hurt, Kiefer Sutherland, Jennifer Connelly, Richard O'Brien, Ian Richardson, Bruce Spence, Colin Friels, Mitchell Butel


Kurzinhalt:
Eines Nachts erwacht John Murdoch (Rufus Sewell) in einem dunklen Hotel-Zimmer. Seine Stirn blutet und er kann sich an nichts erinnern, weder wer er eigentlich ist, noch an seine Vergangenheit. Sein Gedächtnis existiert nur in Bruchstücken. Er findet Kleidung und macht sich sofort aus dem Staub.
Doch ein gewisser Doktor Daniel Schreber (Kiefer Sutherland) kontaktiert ihn und behauptet, er könne ihm helfen. Kurz darauf stellt Murdoch mit Schrecken fest, dass er wegen Mordes an mehreren jungen Frauen gesucht wird – Inspector Bumstead (William Hurt) ist ihm schon dicht auf den Fersen. Eher zufällig gerät Murdoch an seine Ehefrau Emma (Jennifer Connelly), an die er sich ebenfalls nicht erinnern kann.
Damit nicht genug, wird er von mysteriösen blassen Fremden in schwarzen Anzügen verfolgt, deren Motive ihm schleierhaft sind – und in der Stadt, in der er sich befindet, scheint es nie Tag zu werden ...


Kritik:
Mit dem überwältigenden Erfolg seiner Comic-Verfilmung The Crow – Die Krähe [1994] stand Regisseur Alex Proyas urplötzlich ganz Hollywood offen. Was er aus dem geringen Budget von nur 15 Millionen Dollar für den Fantasy-Rache-Thriller herausgeholt hatte, war in der Tat beeindruckend. Der in Ägypten geborene und dann nach Australien umgesiedelte Musikvideo-Regisseur drehte vor seinen Kino-Arbeiten über 100 Clips. Doch erst vier Jahre nach The Crow bewies Proyas mit doppelt so großem Budget und einem Film basierend auf einem von ihm selbst mitgeschriebenen Drehbuch, wozu er wirklich in der Lage ist: Dark City markiert einen visuellen und optischen Meilenstein in Hollywood mit einer derart fesselnden Geschichte, dass die 100 Minuten wie im Flug vergehen.
Von vielen als Pseudo-Action-Mystery verkannt, verbirgt sich hinter der Stadt, die in ständiger Nacht lebt, ein kongenialer Science-Fiction-Thriller, der den im gleichen Jahr und teilweise sogar auf denselben Sets produzierten Matrix [1999] in punkto Originalität sogar noch übertrifft – und das ist eigentlich nicht leicht. Denn obgleich Matrix mit einer verzwickten und beinahe schon revolutionär erzählten Story aufwarten kann, stehen zugegebenrmaßen in erster Linie die eindrucksvollen Actionszenen im Mittelpunkt. Dark City bleibt dagegen trotz des ungeheuer schnellen Erzählrhythmus verhältnismäßig ruhig.

Zurückzuführen ist das auf das erstklassige Drehbuch, das zwar erst durch die eindrucksvolle Optik seine ganze Imposanz entfalten kann, aber zweifellos schon den Grundstein für eine der ungewöhnlichsten Geschichten überhaupt liefert. Bereits zu Beginn gibt Proyas ein Tempo vor, auf das man sich als Zuschauer einfach einlassen muss, um nicht zurückzubleiben.
Hinzu kommen unzählige Details in der Story, die sich hier gar nicht aufzählen lassen, um die Überraschungen zu erhalten. Man könnte meinen, Proyas und seine Co-Autoren Lem Dobbs und David S. Goyer (unter anderem Blade [1998]) haben an dem Skript seit Jahren gearbeitet. Die Auflösung ist so ungewöhnlich wie überraschend, und trifft den Zuschauer tatsächlich erst kurz vor Schluss wie ein Schlag ins Gesicht. Doch trotz seiner überaus bedrohlichen Atmosphäre besitzt der Film eine positive Aussage und der eigentliche Held der Geschichte ist nicht John Murdoch selbst, sondern die tragischste Figur des Geschehens: Paul Schreber – dies fällt allerdings erst bei mehrmaligem, durchaus lohnenswerten Anschauen des Films richtig auf.
Mehr über den Inhalt zu verraten, wäre jedem Interessenten gegenüber äußerst unfair, obwohl schon der Prolog ansich viel von der Story vorweg nimmt – bis es zur wahren Erklärung kommt, hat man ihn vermutlich längst vergessen.

Sicherlich muss man sich als Zuschauer auf die fantastische und ungewöhnliche Story einlassen, erleichtert wird einem das nicht zuletzt durch ein hervorragendes Ensemble an Darstellern, die ihre Rollen bestens ausfüllen und ihnen die nötige Glaubwürdigkeit verleihen.
Am ungewöhnlichsten ist dabei sicher Rufus Sewell, der bis Dark City nicht übermäßig bekannt war, und der auch seither meist nur in Nebenrollen zu sehen war. Dass er schauspielerisch Einiges auf dem Kasten hat, sieht man hier besonders in denjenigen Szenen, in denen Murdoch seine Vergangenheit zu rekonstruieren versucht. Wut und Verzweiflung kommen darin sehr gut zum Ausdruck.
William Hurt und Jennifer Connelly agieren gewohnt routiniert, wobei Hurt eindeutig mehr zu tun hat. Engagiert sind sie beide und scheinen offensichtlich Gefallen an ihren Rollen gefunden zu haben.
Den Höhepunkt stellt neben den Figuren Mr. Hand Richard O'Brien und Mr. Book Ian Richardson, aber eindeutig Kiefer Sutherland (24 [seit 2001], Eine Frage der Ehre [1992]) dar, der hier mit einer Leidenschaft agiert, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen – obgleich sein Filmcharakter trauriger nicht sein könnte. Erfreulich ist in der Hinsicht auch, dass der deutsche Synchronsprecher Tobias Meister Sutherlands abgehackte Sprechweise mit kurzen Sätzen praktisch 1:1 ins Deutsche übernehmen konnte und so eine wirklich gute Synchron-Fassung entstand. Zwar büßt der Film auf Deutsch trotzdem etwas an Atmosphäre ein, doch grundsätzlich kann man ihn hier ebenso genießen wie in der englischen Original-Fassung.

Dass die exzellente Darsteller-Riege entsprechend in Szene gesetzt wird, stellt Proyas durch eine gleichwohl ungewöhnliche, wie fantastische Optik sicher, die von flackernden Lichtern während des "Tunings" und der übergangslosen Mischung aus Trick-Effekt und Real-Aufnahme abgerundet wird.
Innovative Kamera-Einstellungen und Schnittfolgen gibt es zuhauf, und obwohl im Durchschnitt alle 1,8 Sekunden ein Schnitt erfolgt, wirkt die Szenenkomposition nie hektisch oder übereilt. Vielmehr verwandte der Regisseur immens viel Zeit darauf, die Szenen so zu gestalten, dass man als Zuschauer darin versinken kann, ohne das Erzähltempo zu verlangsamen.
Melancholisch malerische Bilder gibt es ebenso zu bestaunen, wie mitreißende Action-Szenen beim Finale, bei denen zwar hin und wieder deutlich wird, dass das Budget für höherwertige Effekte nicht ausreichte, dafür entschädigen allerdings die unzähligen "unsichtbaren" Spezial-Effekte, die im restlichen Film zu sehen sind, ohne Weiteres.
Das Set-Design ist bewusst im 1950er Jahre Stil zeitlos gehalten und die schummrige Beleuchtung in den Straßen und Gassen tut ihr Übriges, um eine beklemmende und düstere Atmosphäre zu erzeugen, die sogar ganz ohne Dauerregen auskommt. Stilistisch verzichtet Alex Proyas' Inszenierung glücklicherweise auf ausgedehnte Zeitlupenorgien oder Zeitrafferaufnahmen und wirkt deshalb auch heute noch so frisch wie eh und je. Selten wurde das Breitbild-Kino-Format so gekonnt genutzt, wie bei Dark City.

Zur bedrohlichen und unheimlichen Stimmung trägt neben der Farb-Auswahl darüber hinaus besonders Trevor Jones beinahe schon angsteinflößende Musik bei, die ständig wie ein Damokles-Schwert über den Protagonisten schwebt und derart perfekt für die Szenen eignen, dass man bereits eine Gänsehaut bekommt, wenn das "Tuning"-Thema nur kurz angespielt wird.
Beim Finale kann der Action-Score ebenfalls überzeugen und fügt sich nahtlos in die Bilder ein, ohne davon abzulenken. Atmosphärisch und doch rhythmisch gelang Jones die erstklassige Untermalung eines optisch außerordentlich imposanten Films, bei dem man den musikalischen Aspekt beinahe vernachlässigen könnte.
Nicht weniger gelungen sind die von Emma vorgetragenen Lieder, die zwar in Wirklichkeit nicht von Jennifer Connelly, sondern Anita Kelsey gesungen werden, jedoch genauso harmonisch in das Ambiente des Films passen.

Ärgerlich ist an der ganzen Sache nur, dass der Film in Deutschland bislang nur in einer erbärmlichen DVD-Version erhältlich ist, bei der es sich um eine unterdurchsschnittliche Eigenabtastung von Kinowelt Home-Entertainment handelt. Entsprechend zu dunkel, kontrast- und detailarm, überstrahlenden Flächen, unscharf und mit ausgewaschenen Farben präsentiert sich das Bild. Der Ton kann bestenfalls als dürftig bezeichnet werden, und die Bonusausstattung gleicht eher einem schlechten Scherz.
Fans kommen deshalb an der in den USA veröffentlichten "Platinum Edition"-DVD kaum vorbei, die neben digital überarbeitetem Bild und Ton zwei höchstinteressante Audio-Kommentare und weiteres Bonusmaterial enthält. Technisch ist die US-DVD erstklassig ausgesteuert; Farben, Kontrast und Ton versetzen den Zuschauer gekonnt in den Film hinein und bieten somit beste Voraussetzungen für einen gelungenen Filmabend.
Interessenten sollten bei Dark City aber unbedingt "pausenlos" am Ball bleiben; Werbe-Unterbrechungen machen sowohl den Erzählfluss, als auch die fesselnde Geschichte völlig zunichte.

Dass der Film in den USA trotz der relativ geringen Produktionskosten ein Flop war, macht deutlich, dass eine Menge Phantasie vonnöten ist, um sich auf diese ungewöhnliche Story einzulassen, lag aber nicht zuletzt an einer katastrophal unpassenden Werbe-Kampagne, die das Werk jugendlichen Teen-Horror-Fans schmackhaft machen wollte. Denn inzwischen genießt Alex Proyas' Film einen hervorragenden Ruf gerade beim älteren Publikum – und das völlig zurecht.
Mit einer hinreißenden Optik und einer ebenso ungewöhnlichen, wie intelligenten fantastischen Story gelang Regisseur und Autor Proyas hier ein kleines Meisterwerk, dessen Spezial-Effekte großteils nicht hinter denen von dreimal so teuren Produktionen zurückstehen. Je öfter man sich John Murdochs Geschichte ansieht, desto besser wird sie.


Fazit:
Wenn John Murdoch das Geheimnis der ewig dunklen Stadt erfährt, stehen die Münder der Zuschauer offen; ob er Shell Beach je zu Gesicht bekommen wird, sei hier nicht verraten. Dafür darf der Zuseher in den rund 100 Minuten bei zahlreichen Rätseln selbst mitgrübeln, so dass die Frage nach dem "Wieso" bis zum Schluss spannend bleibt.
Eine mitreißende Inszenierung, hervorragende Sets und eine mysteriös-spannende Thriller-Story zeichnen Dark City aus und machen ihn zu einem der besten Filme seiner Art, der zum Nachdenken anregt. Alex Proyas schuf einen künstlerischen Meilenstein, der bedauerlicherweise erst nach tragischem Untergang an den Kinokassen die verdiente Anerkennung fand.
Worte allein werden Dark City nicht gerecht, und wer den Film nur einmal gesehen hat, hat nur die Hälfte mitbekommen.


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