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Dämonisch [2001]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Dezember 2002
Genre: Thriller / Horror / Drama

Originaltitel: Frailty
Laufzeit: 100 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Bill Paxton
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Bill Paxton, Matthew McConaughey, Powers Boothe, Matthew O'Leary, Jeremy Sumpter


Kurzinhalt:
Ein junger Mann (Matthew McConaughey) sitzt eines Abends im Büro von FBI-Agent Doyle (Powers Boothe) und behauptet, sein Bruder wäre der "Hand Gottes"-Mörder, der über viele Jahre hinweg immer wieder Menschen getötet und seltsame Nachrichten hinterlassen hat.
Der Mann erzählt dem FBI-Agenten, wie sein Vater (Bill Paxton) vor mehr als 20 Jahren scheinbar von Gott den Auftrag erhielt, Dämonen zu vernichten, die auf der Erde weilten. Ihn und seinen Bruder - die Mutter war bei der Geburt des jüngeren Sohnes gestorben - nahm er dafür in die Pflicht. Er zwang sie, bei der Tötung von Menschen, oder besser gesagt der Vernichtung von Dämonen, beizuwohnen und zu helfen. Der Vater schickte seine beiden Söhne damit durch einen lebendig gewordenen Alptraum, der beide nicht mehr loslassen sollte.


Kritik:
Bereits 2001 war Bill Paxtons Regie-Debüt fertiggestellt und suchte seither einen Verleih, sowohl in den USA, als auch in Europa. Bei Kritikern gefeiert, errang sich die Independent-Produktion einen hervorragenden Ruf, der dem teils recht glücklosen Paxton viel Lob und Anerkennung einbrachte.
Zu sehen ist der Film trotz der guten Kritiken leider nur in kleinen Kinos, meist nur mit einer oder zwei Vorstellungen am Tag und das Ganze noch in sehr kleinen Sälen. Mehr braucht es aber auch nicht, denn der Film spricht definitiv kein Massenpublikum an, sondern richtet sich an erwachsene Zuseher, die sich bereitwillig auf ein spannendes, düsteres und manipulatives Filmerlebnis einlassen möchten.

Die drei erwachsenen Hauptdarsteller des Films, Bill Paxton, Matthew McConaughey und Powers Boothe waren bei diesem Film gewissermaßen zu Spotpreisen zu haben, was sicher nicht nur daran lag, dass sie alle drei Texaner sind und der Film in Texas angesiedelt ist.
Das Drehbuch liest sich wie ein psychologisch ausgefeilter Mystery-Horror-Thriller mit so viel Charakterentwicklungen, Tiefgang und mehreren Handlungsebenen, die zum Schluss hin geschickt verwoben werden, dass man meinen könnte, der Film muss auf einer Romanvorlage basieren. Dem ist aber nicht so.
Die Geschichte selbst hätte dabei auch sehr gut in die hervorragende Mystery-Serie Millennium - Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst [1996-1999] von Akte X [1993-2002]-Schöpfer Chris Carter mit Lance Henriksen gepasst.

Es ist dem alleinigen Drehbuchautor Brent Hanley zu verdanken, dass der Film eine durchgängige, in sich geschlossene und oftmals überraschende Geschichte besitzt, die auf den ersten Blick vielleicht ein paar Logikfehler besitzt, doch nach einigem Nachdenken seitens des Zuschauers entpuppt sich das als Fehlannahme.
Die Story wird auf mehreren Ebenen mit verschiedenen, verschachtelten Rückblicken erzählt, die in kürzester Zeit eine aus anderen Filmen bekannte Kleinstadtatmosphäre erzeugt und den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht. Wenig später wird genau diese Fassade Stück für Stück abgetragen, als Hauptdarsteller Bill Paxton die wahre Identität seines Filmcharakters offenbart.

Dem Film gelingt es, die Gewalt nicht ausführlich zu zeigen oder gar zu zelebrieren - das wurde in anderen Filmen oft unnötig getan - aber dennoch aufgrund der Andeutungen und der schonungslosen Konflikte der Charaktere eine bedrückende und eindringliche Atmosphäre aufzubauen.
Es ist buchstäblich ein Kunststück, wenn man als Zuschauer versucht ist, die Augen zu schließen und am liebsten den Saal verlassen würde, um den weiteren Fortlauf der Schicksale im Film nicht sehen zu müssen, man aber dennoch vor Spannung und dem fast schon voyeuristischen Verlangen nachgibt und weiter auf die Leinwand schaut, um zu erfahren, was als nächstes geschieht.
Frailty (zu deutsch "Schwäche" im Sinne von "Zerbrechlichkeit") - der deutsche Titel Dämonisch spottet jeder Beschreibung - gelingt genau dieser Drahtseilakt durch die interessante Geschichte und die intelligenten Storywendungen.

Zuzuschreiben ist das sicherlich auch den hervorragenden Darstellerleistungen von allen Beteiligten, die einzig durch die durchschnittliche deutsche Synchronisation abgeschwächt werden.
Bill Paxton, als vermeintlich geisteskranker Psychopath wider Willen spielt seine Rolle mit Bravour, ebenso wie Matthew McConaughey und der im Film relativ kurz zu sehende Powers Boothe.
Als Glücksgriff erwiesen sich die beiden Kinder-Darsteller Matthew O'Leary und Jeremy Sumpter, wobei letzterer ursprünglich für die Rolle von O'Leary vorgesprochen hatte.
Sie sind die wahren (kleinen) Stars des Films und spielen eindringlich und überzeugend, allen voran O'Leary, der mit ansehen muss, wie sein Filmvater dem Wahsinn verfällt und sogar zum Mittäter bei den Tötungen wird.

In Szene gesetzt wird das Ensemble durch eine solide und interessante Kamera- und Schnittarbeit, die sich vor den sogenannten Größen in Hollywood nicht zu verstecken braucht.
Innovative Kameraschwenks und Überblendungen, vor allem beim Übergang zwischen den verschiedenen Erzählebenen und der geschickte Einsatz von Licht/Schatten und Weichzeichner-Filtern verleihen dem Film eine beängstigende Atmosphäre, die in den richtigen Situationen Tempo und Spannung aufbaut und das Gezeigte makel und zeitlos in Bilder einzufangen vermag.

Der orchestrale Score von Brian Tyler untermalt das Geschehen dezent und liefert mit dem Hauptthema eine interessante, eingängige Melodie, die allerdings nicht im Gedächtnis haften bleibt. Nie aufdringlich, sehr subtil - die Musik "passt" dem Film wie angegossen.

Von der Stimmung und Atmosphäre her erinnert der Film an den brillianten Echos - Stimmen aus der Zwischenwelt [1999], ebenfalls ein kleiner Film, der mit beängstigenden Bildern und ohne den Ekelfaktor, mit dem sich viele Streifen rühmen, den Zuschauer zu fesseln vermag.

Letztendlich überzeugt Frailty in vielerlei Hinsicht: die Musik, die Kamera mit dem markanten Licht, die Darsteller, die zeitgemäße Ausstattung (immerhin spielt der Film großteils Ende der 70er Jahre), sowie dem Gespür des Regisseurs, wie ein erwachsenes Publikum intelligent unterhalten und verstört zugleich werden kann.
Dabei kommt es im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung von heutigen Hollywood-Produzenten nicht darauf an, dem Zuseher mit vielen Spezialeffekten und brutalen Bildern abzuschrecken, sondern das Grauen anhand eines viel vertrauteren und dadurch umso furchteinflößenderen Repräsentanten zu zeigen: ein liebender Familienvater, der 8 Stunden täglich arbeitet und von einem Tag auf den anderen den Verstand zu verlieren scheint.
Als Zuschauer kann man nicht umhin, sich zu fragen, wie man sich an Stelle der Kinder verhalten hätte - immerhin ist eine Vaterfigur gleichermaßen Held und Vorbild.
Doch auch, wenn sich solche Fragen aufdrängen, sie waren nicht der Hauptgrund, wieso Regisseur Paxton sich wohl für diesen Stoff entschieden hat; vielmehr wollte er mit Frailty eine spannende und eindringliche Geschichte erzählen, was ihm zweifellos geglückt ist.

Ursprünglich trug das Drehbuch den Titel "God's Hands", ein passender Titel, wobei Frailty auf viel mehr Aspekte der Charaktere zutrifft. Gedreht wurde der Film in nur 37 Tagen, trotz der Tatsache, dass viele Szenen beinahe den Charakter eines Kammerspiels haben, bemerkenswert.

In einer Zeit von 100-Millionen-Dollar-Produktionen und Spezialeffekten, so weit das Auge reicht, ist es schön zu sehen, dass es immer wieder kleine Filme sind, die durch die Mimik ihrer Darsteller und das bessere Drehbuch mehr überzeugen können, als jene "Blockbuster", bei denen der Werbeetat höher ist, als der Produktionsaufwand.
Dämonisch ist dank aller Beteiligten ein Film, der das Publikum überrascht und ihm im Gedächtnis bleibt - in positivem Sinn.


Fazit:
Auch wenn der Film leider nur in wenigen, kleinen Kinos zu sehen ist, sollten sich Erwachsene, die das Thema interessiert und die einen sehr guten Film mit tollen Darstellern sehen möchten, Dämonisch nicht entgehen lassen.
Schon lange gab es auf diesem Gebiet keinen dermaßen gelungenen Beitrag mehr.


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