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Cowboys & Aliens [2011]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. August 2011
Genre: Action / Science Fiction / Western

Originaltitel: Cowboys & Aliens
Laufzeit: 118 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jon Favreau
Musik: Harry Gregson-Williams
Darsteller: Daniel Craig, Harrison Ford, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Abigail Spencer, Clancy Brown, Paul Dano, Chris Browning, Adam Beach, Ana de la Reguera, Noah Ringer, Brian Duffy, Keith Carradine


Kurzinhalt:
1873. Mitten im Niemandsland erwacht Jake Lonergan (Daniel Craig), ohne sich überhaupt an seinen Namen zu erinnern, oder wie er dorthin gekommen ist. Er ist verletzt, und an seinem Handgelenk findet er ein seltsam anmutendes Armband, das er nicht in der Lage ist, abzustreifen. In der nahe gelegenen Stadt Absolution angekommen, versorgt ihn der Priester Meacham (Clancy Brown), doch nach einer kleinen Auseinandersetzung mit dem Sohn eines einflussreichen Farmers, wird Sheriff Taggart (Keith Carradine) auf Lonergan aufmerksam und erkennt sein Gesicht von einem Fahndungsplakat.
In Gewahrsam genommen, wendet sich Ella (Olivia Wilde) an Lonergan, sie brauche seine Hilfe. Als er ins nächste County überstellt werden soll, meldet sich auch Farmer Dolarhyde (Harrison Ford), der mit Lonergan eine Rechnung zu begleichen hat. Doch dann wird die Kleinstadt von unbekannten Fluggeräten angegriffen und zahlreiche Einwohner entführt. Schnell wird klar, dass sie nur gemeinsam eine Chance gegen die Angreifer haben ...


Kritik:
Cowboys & Aliens beginnt wie viele Western damit, dass ein Fremder in eine Kleinstadt reitet und endet auch damit, wie einer die Siedlung auf dem Pferd verlässt. Was dazwischen geschieht, ist genau das, was der Titel vermuten lässt, auch wenn es ebenso gut Cowboys vs. Aliens heißen könnte. Die Idee dahinter ist ohne Frage so absurd, wie man es sich nur vorstellen kann, doch was dabei am meisten überrascht, ist der Ernst, mit dem Regisseur Jon Favreau die Story erzählt. Nicht, dass es nicht ab und an etwas zu schmunzeln gäbe; wenn der Fremde den weichlichen Sohn des Rinderzüchters Dolarhyde auf unkonventionelle, aber vermutlich nicht weniger schmerzhafte Art und Weise zum Schweigen bringt, sorgt das durchaus für Lacher. Ebenso, wenn der wortkarge Lonergan meint, dass er sich an nicht viel erinnern kann und auf die Frage woran, nur antwortet: "wie man spricht". Doch hätte man angesichts der Geschichte sicherlich einen gewissen Grad an Selbstironie erwartet, und genau die fehlt der ungewöhnlichen Wildweststory.

Die Drehbuchautoren verglichen den Film im Vorfeld mit dem modernen Westernklassiker Erbarmungslos [1992] von Altmeister Clint Eastwood – nur eben mit Aliens. Das mag durchaus zutreffen, sieht man sich an, wie die Kleinstadt Absolution, in die es den Fremden verschlägt, aufgebaut ist, und welche Figuren sie bevölkern. Doch der entscheidende Unterschied zu dem vorgenannten Film und Cowboys & Aliens ist, dass uns hier die Figuren nicht wirklich interessieren, insbesondere die Protagonisten. Während Nebenfiguren wie der Priester, Doc oder der Junge durchaus sympathisch erscheinen, ist dies besonders bei Lonergan und Dolarhyde nicht der Fall, deren erster Auftritt jeweils ihre schlimmsten Seiten zutage fördert. Zwar werden sie im Verlauf der Geschichte um weitere Charaktermomente erweitert, Tiefschürfendes ist jedoch nicht dabei.

Es beginnt damit, dass ein mitgenommen wirkender Fremder in der Einöde aufwacht. Er trägt ein seltsames Armband, dessen Zweck, oder wie es dorthin kam er sich selbst nicht erklären kann. Er kennt weder seinen Namen, noch weiß er, was ihn hierher gebracht hat. Zurück in einer glücklosen Goldgräberstadt wird er vom Sheriff auf einem Fahndungsplakat wiedererkannt, doch als er wenig später in die nächst größere Stadt überführt werden soll, wird Absolution von seltsamen Fluggeräten angegriffen, die nicht nur Zerstörung bringen, sondern auch zahlreiche Menschen entführen – bis Lonergan, so der Name des Fremden, mit seinem Armband eines der Fluggeräte vom Himmel holt.

Was folgt, wirkt erstaunlich authentisch, zumal die schockierten Menschen das Wort "Alien" nie in den Mund nehmen. Für sie sind es Dämonen, über deren Absichten sie nur erfahren, was ihnen von einer eingeweihten Person mitgeteilt wird. Insofern wissen sie nicht mehr, als sie wissen könnten, und wir wissen es nur, weil uns das Genre und dessen Merkmale bekannt sind. Die Geschichte entwickelt sich mitunter in den Bahnen, die man erwarten würde, insbesondere, wenn eine Person, die noch nie eine Waffe abgefeuert hat, sich dem Rettungstrupp, der sich auf die Suche nach den entführten Menschen macht, anschließt. Auch ist klar, dass wenn sich ein Charakter vor einem Alien hinter Möbelstücken versteckt, dieses auch nach dem augenscheinlichen Verlassen des Zimmers noch einen Auftritt haben wird. Diese Momente sind effektiv, aber mehr durch ihre Umsetzung überzeugend, als durch ihren Einfallsreichtum. Jon Favreau nimmt dabei immer wieder das Tempo aus der Erzählung, um seine Figuren vorzustellen, doch was wir erfahren, bindet uns nicht mehr an sie. Das heißt nicht, dass uns egal ist, was mit ihnen passiert, doch wer den Abspann erlebt, und wer nicht, dürfte Filmfans schon früh bekannt sein.

Daniel Craig und Harrison Ford füllen ihre Figuren mit genügend Charisma, sodass sie trotz des kargen Hintergrunds bestehen können. Olivia Wilde scheint dabei mehr notwendig, um das männliche Publikum anzusprechen, als dass die Geschichte auf sie angewiesen wäre. Doch wird es letztlich eher die Besetzung sein, die die Zuschauer ins Kino locken wird, als die Story. Wer bei dem Titel Cowboys & Aliens mit eben jenem rechnet, einem Science Fiction-Actionfilm im Wildwestambiente, der wird genau das bekommen. An der handwerklichen Umsetzung gibt es nichts zu beanstanden, und wer auf eine solche Sommerunterhaltung setzt, bekommt diese auf hohem Niveau geliefert. Nur dass Hollywood so etwas erzählen kann, ohne dass den Filmemachern ein Grinsen im Gesicht steht, ist die größte Überraschung.


Fazit:
Wer sich einen Film mit dem Titel Cowboys & Aliens ansieht, wird sich nicht beschweren, wenn er letztlich genau das bekommt. Regisseur Jon Favreau gibt sich dabei durchaus Mühe, dem Thema eine authentische Atmosphäre zu verleihen, und man darf den Darstellern durchaus zugutehalten, dass sie trotz des Genremix ein ernsthaftes Spiel wahren. Doch trotz der charismatischen Akteure Craig und Ford fehlt es dem Film an Zugkraft, was sympathische Figuren angeht.
Handwerklich tadellos umgesetzt, mit einer packenden Musik unterlegt, vermisst man schließlich einen gewissen Grad an Ironie, welcher der Geschichte auch eine Unbeschwertheit verliehen hätte, die zwar erwartet wird, aber dennoch fehlt. Angesichts der konventionellen Erzählung ist dies schließlich auch die Überraschung, die am Ende im Gedächtnis bleibt.


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