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Coonskin [1975]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Juli 2014
Genre: Krimi / Animation

Originaltitel: Coonskin
Laufzeit: 83 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1975
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Ralph Bakshi
Musik: Chico Hamilton
Darsteller: Barry White, Charles Gordone, Scatman Crothers, Philip Michael Thomas, Danny Rees, Buddy Douglas, Jim Moore, Ralph Bakshi, Ben Gage


Kurzinhalt:
Zusammen mit seinem Freund Sampson (Barry White) gedenkt der exzentrische Prediger Preacherman (Charles Gordone), dem im Gefängnis sitzenden Randy (Philip Michael Thomas) bei der Flucht zu helfen. Der wartet bereits auf seine Helfer, als ihm sein Mitgefangener Pappy (Scatman Crothers) eine Geschichte erzählt. Sie handelt von Bruder Hase, Bruder Bär und dem Prediger Fuchs.
Die drei hatten bisher nur selten Glück und sind bei weitem nicht so reich oder erfolgreich, wie sie gern wären. Sie hoffen, dass sich dieser Traum in Harlem endlich erfüllen wird. Aber auch wenn sie glauben, mit Verbrechen schnell aufsteigen zu können, die Spannungen unter ihnen werden immer größer. Schließlich steigt mit jedem Erfolg, den sie haben, auch die Zahl der Neider unter ihren verbrecherischen Konkurrenten und neben der Mafia haben sie auch korrupte Polizisten gegen sich ...


Kritik:
Um Coonskin einschätzen zu können, muss man verstehen, in welcher Zeit der Film entstanden ist. In der Blütezeit der Blaxploitation-Filme scheint Ralph Bakshis Mix aus Animation und Realfilm alle Klischees des Genres zu vereinen – nur um was auszusagen? Es könnte ein aufrüttelndes Plädoyer an die farbige Bevölkerung sein, sich nicht den Stereotypen hinzugeben, auf die sie in Hollywood reduziert werden. Wirklich deutlich wird dies aber auch nach vierzig Jahren nicht.

Die Rahmenhandlung ist dabei nicht mehr als ein Aufhänger für die in kruden Animationen erzählte Allegorie, in der die drei Farbigen Bruder Bär, Prediger Fuchs und Hase nach Harlem gehen, um reich und mächtig zu werden. Dabei legen sie sich nicht nur mit dem Unterweltboss Erlöser an, sondern ziehen auch die Aufmerksamkeit der Mafia auf sich.
Die improvisiert erscheinenden Realaufnahmen wechseln sich dabei mit reinen Zeichentrickaufnahmen ab, mitunter sind diese auch in den Realfilm integriert. In jedem Fall sind sie aber stark überzeichnet und überzogen, was auch auf die Darstellung der Gewalt zutrifft. In Coonskin wird gemordet, dass Quentin Tarantino seine Freude daran haben dürfte. Die Geschichte führt in Bars, Freudenhäuser und Hinterhöfe, zeigt die Katakomben, in denen sich die Mafia versammelt und zeigt die korrupte Polizei, die von den Geschäften der Schwarzen profitiert.

Wäre all das in einen verständlichen Kontext, eine wirkliche Geschichte eingebunden, könnte man hieraus durchaus einen bissigen, sozialen Kommentar herauslesen. Tatsächlich jedoch scheinen die Episoden nur notdürftig aneinander gereiht und die Kritik an den Stereotypen ist so plakativ, dass sie schon wieder übel aufstößt. Stellvertretend sind hier die kurzen Episoden zu nennen, in denen eine weiße Frau, gekleidet in die Farben der amerikanischen Flagge, stellvertretend für die Vereinigten Staaten jeweils einen schwarzen Mann überredet oder bezirzt, um ihn dann umzubringen. Wer darin keine Parallelen zur Sklaverei oder den getöteten amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg oder dem Vietnamkrieg sieht, ist selbst schuld.

Das wird auch dann weitergeführt, wenn weiße Zuschauer sehen wollen, wie ein schwarzer Boxer in den Ring steigt und seine Siege für die USA einfährt, davon über das Glückspiel aber die Wettmafia profitiert. Man mag sich aus heutiger Sicht kaum vorstellen, dass sich diese Zusammenhänge auf die Hautfarbe der Beteiligten reduzieren lassen, andererseits kann man sich wohl nicht vorstellen, wie der alltägliche Rassismus aussieht, wenn man es sich nicht am eigenen Leib erlebt hat.
Was Filmemacher Ralph Bakshi tatsächlich beabsichtigte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Die respektlosen, betont brutalen Darstellungen werden in Coonskin einzig dadurch erträglich, dass sie eben nur gezeichnet sind. Auch der Soundtrack scheint besser in die Zeit zu passen, als die Bilder. Als Mix aus Groteske und Satire der Blaxploitation-Filme hat der Film eine beträchtliche Fangemeinde aufgebaut. Sie sollen damit auch ihre Freude haben.

Für die restaurierte Neuauflage von "OFDb-Filmworks" wurde nicht nur die FSK-Freigabe nach unten gesetzt, auch präsentiert sich der Film in überarbeiteter Bild- und Tonqualität. Erstere schwankt nach wie vor stark, abhängig von den gezeichneten oder realen Hintergründen. Dass bei den Realaufnahmen bisweilen das Bildverhältnis nicht stimmt, ist der Vorlage geschuldet, verstärkt jedoch den Eindruck, dass der Film mehr Improvisation als gewolltes Kunstwerk ist. Als Extras finden sich nur die Trailer zum Film, der Ton ist in DTS-HD Master Audio 2.0 auf der Disc und optional gibt es auch deutsche Untertitel. Leider gibt es die zusätzlichen Szenen, die auf einer niederländischen Veröffentlichung zu finden sind, nicht als Bonus-Material und auch einen Kommentar sucht man vergebens. Das ist immer noch mehr, als in den USA verfügbar ist, wo noch nicht einmal eine Blu-ray angekündigt wurde, doch Fans werden sich zweifellos mehr erhofft haben.


Fazit:
Mit Coonskin schuf Ralph Bakshi einen sehr eigenwilligen Film. Ob er das geworden ist, was der Filmemacher beabsichtigte, sei dahingestellt. Handwerklich ist der Mix aus Animation und Realfilm nur mäßig gelungen, nicht nur, weil die Quellen teils scharf, teils verschwommen sind, sondern weil man auch keine rechte Struktur in der Entscheidung des Regisseurs erkennen kann.
Der derbe, überspitzte Humor, die grafische Darstellung von Gewalt und die Story selbst, sowohl was das Drumherum angeht, als auch die eingebettete Geschichte, sollen eher abschreckend wirken, nur für wen? Fans des Genres sind bei dem Film gut aufgehoben und man mag argumentieren, dass ohne diese offene Kritik an den Stereotypen der schwarzen Bevölkerung die Tatsache, dass der heutige, amerikanische Präsident ein Farbiger ist, nicht möglich gewesen wäre. Man kann so argumentieren, wirklich überzeugend ist es aber nicht.

Blu-ray-Wertung:
4 von 6 Punkten


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