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Colombiana [2011]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. März 2012
Genre: Action / Thriller / Drama

Originaltitel: Colombiana
Laufzeit: 108 min.
Produktionsland: USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Olivier Megaton
Musik: Nathaniel Méchaly
Darsteller: Zoe Saldana, Jordi Mollà, Lennie James, Amandla Stenberg, Michael Vartan, Cliff Curtis, Beto Benites, Jesse Borrego, Cynthia Addai-Robinson, Angel Garnica, Ofelia Medina, Callum Blue, Sam Douglas, Graham McTavish


Kurzinhalt:
Im Alter von 10 Jahren sieht Cataleya (Amandla Stenberg), wie ihre Eltern durch die Waffen des Drogenbarons Don Luis (Beto Benites) sterben. Ihr selbst gelingt die Flucht vor Marco (Jordi Mollà), Don Luis' rechter Hand. Durch Informationen, die sie bei sich trägt, kommt sie von Kolumbien in die USA, wo sie ihren Onkel Emilio (Cliff Curtis) aufsucht. Er gibt ihrem Wunsch nach, eine Killerin zu werden, um den Tod ihrer Eltern zu rächen.
15 Jahre später führt Cataleya (Zoe Saldana) für Emilio Auftragsmorde aus und hinterlässt dabei Hinweise, die Don Luis aus seinem Versteck locken sollen. Doch während FBI-Agent Ross (Lennie James) ihr schon auf der Spur ist, und Marco sich aufmacht, Cataleyas Verbindungen in den USA nachzugehen, verliert sie zunehmend die Kontrolle über die Situation. Nicht nur, dass Emilio so in Marcos Visier gerät, auch der Künstler Danny (Michael Vartan), der einen Funken Normalität in Cataleyas Leben darstellt, wird vom FBI entdeckt. Nur an Don Luis Aufenthaltsort kommt sie immer noch nicht heran ...


Kritik:
Das Konzept einer weiblichen Attentäterin scheint den französischen Filmemacher Luc Besson so sehr zu faszinieren, dass er regelmäßig dorthin zurückkehrt. In Nikita [1990] stellte er uns eine Protagonistin vor, die sich aus der Not heraus entschied, als Agentin und Auftragsmörderin tätig zu sein – und schuf damit eine emotionale Bindung mit dem Publikum zu jemandem, der dieses Leben nicht führen wollte. Das Zweigespann in Léon - Der Profi [1994] fesselt durch die Unterschiede der beiden Menschen, auch wenn letztlich ein Killer ein junges Mädchen zur Tötungsmaschine heranbildet. Was aus ihr geworden wäre, hätte sich niemand für sie eingesetzt, erfahren wir in Colombiana. Für den lieferte Besson zwar nur das Drehbuch und fungiert als Produzent, doch kupfert er von sich selbst ab und weist außer Action und abstrusen Ideen nichts vor, was uns tatsächlich für das Gezeigte interessiert.

Das grundsätzlich moralische Dilemma dieser Filme ist immer dasselbe: Wie soll man mit einem Titelhelden (oder –heldin) mitfiebern, der etwas tut, das man nicht tun darf? Setzt man nur einen entfernt realistischen Maßstab an, kann man nicht guten Gewissens mitansehen, wie jemand zum Helden stilisiert wird, der, um einen Lebensunterhalt zu verdienen, Menschen tötet. Dies versuchen die Filmemacher meist mit zweierlei Ansätzen zu umgehen. Zum einen wird ein traumatisches Erlebnis aus der Kindheit gezeigt, nach welchem die Figur meist aus Rache zu einer Form von Selbstjustiz greift. Zum anderen soll man sich als Zuseher damit trösten, dass die Figur nur noch abscheulichere Personen vom Angesicht der Welt tilgt: Kindsmörder, Drogenhändler, Steuersünder, etc. Tatsächlich funktioniert Colombiana wie die meisten Filme dieser Art am besten, wenn man den Verstand gar nicht erst einschaltet.

Die Geschichte versetzt uns zu Beginn nach Kolumbien im Jahr 1992, wo die junge Cataleya mit ansehen muss, wie ihre Familie von Schergen Don Luis' ermordet wird. Insbesondere dessen Handlanger Marco bleibt ihr in Erinnerung. Doch sie kann fliehen und schwört Rache. In den USA findet sie zu ihrem Onkel Emilio, der sie aufnimmt und wie seine Tochter großzieht. Wie sein Bruder ist auch er in Geschäfte verwickelt, die nur blutiges Geld produzieren und er verspricht, Cataleya zu einer Killerin auszubilden – wenn sie denn zuerst die Schule besucht. 15 Jahre später sehen wir dann, was aus dem Mädchen geworden ist und beobachten sie dabei, wie sie innerhalb eines Zellentrakts einer Polizeistation eines ihrer Opfer erledigt. Emotionslos, aber mit Bedacht und einer Botschaft.
Die zweite Eröffnung mit der jungen Frau, gespielt von Zoe Saldana, wird nicht nur männlichen Zusehern die Sprache verschlagen. Nicht nur, dass sie sich mit einer perfekt choreografierten Körperbeherrschung bewegt, man hat sogar das Gefühl, sie würde ihren Körperbau und ihre im Vergleich zu ihren männlichen Widersachern geringere Muskelmasse zu ihrem Vorteil nutzen. Gekonnt infiltriert sie die Polizeiwache, führt ihren Auftrag aus und kommt sogar ungeschoren davon. Nur je weiter Colombiana voranschreitet, umso weniger ausgeprägt sind diese Actionsequenzen. In der Mitte des Films geht es zwar lauter, aber auch mit mehr inhaltlichen Sprüngen zur Sache, wohingegen Regisseur Olivier Megaton das Finale sogar als direkte Videospielumsetzung präsentiert. Die Optik wartet mit Zeitlupen auf, in denen die getroffenen Opfer theatralisch durch die Luft segeln, während Cataleya mit Handfeuerwaffen ausgerüstet eine ganze Villa in Schutt und Asche legt.

Nach einem guten Auftakt und einem ordentlichen Mittelteil enttäuscht der dritte Akt mit einer Erzählweise, die mit dem vorangegangenen kaum mehr etwas gemeinsam hat. Dank der Hauptdarstellerin, die nicht selten in spärlicher Bekleidung zu sehen ist, mag das zwar nett anzusehen sein, doch täuscht es weder darüber hinweg, dass sie letztlich unverwundbar erscheint, noch hilft es, die abstrusen Storyideen zu übersehen. So muss selbstverständlich das CIA darin verwickelt sein, dass sich Don Luis in den USA absetzen konnte und sogar unter Schutz steht – nur wie kann es sein, dass ihm als Kontaktperson bei der CIA ein Jüngling gegenübersteht, der zur Zeit von Luis' Taten in Kolumbien noch im Kindergarten untergebracht war? Würde ein FBI-Agent, dessen Leben von einer gesuchten Attentäterin bedroht wird, jemals auf die Idee kommen, Informationen über den Aufenthaltsort einer von der CIA gedeckten Person aus einem Geheimagenten freizupressen und diese bereitwillig an jene Attentäterin weiterzuleiten?
Was Colombiana dem Publikum zumutet schwankt zwischen vorhersehbar und vollkommen klischeebeladen. Wer zu Beginn einer jeden Szene noch nicht weiß, wie diese enden wird, hat schlicht nicht genügend bessere Filme aus dem Genre schon gesehen. Die erste Stunde über ist dies immerhin noch ansprechend gefilmt, ausgerechnet beim Finale jedoch verliert Regisseur Megaton auch diesen Pluspunkt.


Fazit:
Nicht nur, wenn einem manche Filme von Luc Besson bekannt sind, kommt einem Colombiana sehr vertraut vor. Der Actionthriller bedient sich munter bei vielen Filmen, die meist auch besser sind als er selbst. Dagegen wäre nichts einzuwenden, würde das Endergebnis denn überzeugen. Doch während die Spannung großteils auf der Strecke bleibt und die Dialoge nicht wirklich inspirieren, verleiten einen schließlich Klischees wie Cataleyas Freund, der nichts von ihrem Beruf ahnt und unbeabsichtigt hineingezogen wird, oder ihr Mentor, der irgendwann selbst zum Opfer wird, dazu mitzudenken, was nur zu noch mehr Fragen ohne vernünftige Antworten führt. Dies mag man bei einem Unterhaltungsfilm auch nicht zwingend voraussetzen.
Der Prolog in Kolumbien suggeriert eine emotionale Bindung des Publikums, die nie stattfindet, bis schließlich die handwerkliche Umsetzung ebenfalls ins Straucheln gerät. All das sorgt dafür, dass sich der vielfach beworbene Actionfilm im Laufe der nicht ganz zwei Stunden zusehends zu einer wahren Enttäuschung entwickelt.


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