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Cold War [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Mai 2014
Genre: Thriller / Drama / Action

Originaltitel: Hon zin
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: Hongkong
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Lok Man Leung, Kim-ching Luk
Musik: Peter Kam
Darsteller: Aaron Kwok, Tony Leung Ka Fai, Charlie Yeung, Ka Tung Lam, Kar Lok Chin, Andy On, Terence Yin, Aarif Rahman, Eddie Peng, Andy Lau, Byron Mann, Yili Ma, Alex Tsui


Kurzinhalt:
Während der Polizei-Commissioner auf dem Weg zu einer Konferenz nach Kopenhagen ist, um zu unterstreichen, dass Hongkong die sicherste Stadt Asiens ist, werden bei einer nächtlichen Kontrolle fünf Polizeibeamte samt ihres Mannschaftswagens entführt, darunter auch der Sohn des stellvertretenden Commissioners Lee (Tony Leung Ka Fai). Er selbst übernimmt die Leitung der Rettungs-Operation, die er "Cold War" tauft. Nicht nur seiner Meinung nach muss es sich um einen Insider-Job handeln, da die Entführer sämtliche Ortungsgeräte blockieren, sogar diejenigen, von denen nicht einmal die Abteilungsleiter wissen.
Nachdem Lee Verdächtige foltern lässt, übernimmt sein Vertreter Lau (Aaron Kwok) die Leitung der Operation und setzt Lee mit Hilfe mehrerer Kollegen ab. Kurz danach nehmen die Entführer Kontakt auf und verlangen Lösegeld. Aber nicht nur, dass die Übergabe sabotiert wird, Lau findet sich schnell in einem Netz aus Intrigen wieder, die alle zum Ziel zu haben scheinen, ihn als Sündenbock für das Scheitern der Operation zu präsentieren ...


Kritik:
Der mehrfach preisgekrönte Hongkong-Thriller Cold War wird nicht von ungefähr immer wieder mit dem ebenso genreprägenden Infernal Affairs [2002] verglichen. Letzterer wurde bereits als Departed - Unter Feinden [2006] von Hollywood neu erzählt und es würde nicht überraschen, wenn Cold War bald folgen würde. Der Grund ist einfach: Das Komplott, das die Regisseure Lok Man Leung und Kim-ching Luk erzählen, ist vielschichtig genug, um sowohl die Zuschauer zu interessieren, als auch die Darsteller, die es zum Leben erwecken.

Was genau der Titel von Cold War bedeuten soll, bleibt auch nach dem Film im Dunkeln. Denn ein Kalter Krieg würde bedeuten, dass beide Parteien ihren Konflikt zwar mehr oder weniger offen austragen, aber eine konkrete Auseinandersetzung mit Waffengewalt ausbleibt. Nachdem ein Trupp Polizisten als Geiseln genommen wird und wenig später eine horrende Lösegeldforderung bei den Verantwortlichen Dienstleitern eintrifft, kann man allerdings kaum mehr von einer verdeckten Kriegsführung sprechen. Auch die Konfrontation zwischen Lee und Lau wird offen ausgetragen.

Wie bei asiatischen Filmen nicht unüblich, unterscheidet sich der Erzählfluss gerade in einigen Schlüsselmomenten deutlich von dem, was man aus westlichen Unterhaltungsfilmen gewohnt ist. Das äußert sich beispielsweise darin, dass bereits der Auftakt verschiedene Storystränge vorstellt, die nur unzureichend zeitlich sortiert, verwirrend aneinander gereiht scheinen. Und auch, dass im späteren Verlauf Dialogszenen mit einer stockend anmutenden Betonung vorgetragen werden, sollte nicht stören. Fans des asiatischen Kinos werden sich ohnehin auf diese Unterschiede zum westlichen Kino einstellen. Sie sind es auch, welche die Stärken von Cold War vermutlich am ehesten zu schätzen wissen werden.

Die Geschichte erzählt von einer Krisensituation, die sich in der Polizeibehörde von Hongkong zuträgt. Während die Stadt gerade noch als die sicherste ganz Asiens gefeiert wird, werden fünf Polizisten von Unbekannten gekidnappt. Alle Schutzmaßnahmen, GPS-Sender und Ortungsversuche scheitern – die Polizei scheint nicht in der Lage, die Entführer aufzuspüren. Dass der Sohn des stellvertretenden Polizeicommissioners Lee unter den Entführten ist, macht die Situation nur noch brenzliger. Zumal Lee die Ermittlungen persönlich leitet, anstatt sie an seinen Kollegen Lau abzugeben. Als offensichtlich wird, dass Lee Verdächtige foltern lässt, um an Informationen zu gelangen, enthebt Lau ihn zusammen mit weiteren Kollegen seines Amtes und übernimmt selbst die Leitung von Operation "Cold War", wie der Einsatz genannt wurde.

Wer der Meinung ist, die Story wäre zu Ende, wenn nach etwas mehr als der Hälfte des Films die Geiseln wieder frei sind, der irrt. Denn wie Lau feststellen muss, deutet alles darauf hin, dass er selbst dafür verantwortlich ist, dass die Geiselnehmer einen Teil des Lösegelds erbeuten konnten. Während gegen ihn ermittelt wird, verdichten sich die Hinweise, all das könnte ein Coup Lees gewesen sein, um Laus Chancen auf das Amt des Commissioners zu zerschlagen.
Cold War ist dann am besten, wenn das Netz aus Intrigen um Lau immer enger gezogen wird. Der charismatische Aaron Kwok ist für diese Rolle ebenso eine Idealbesetzung, wie Tony Leung Ka Fai als der deutlich emotionalere Lee. Ihre gemeinsamen Szenen zählen zu den Highlights des undurchschaubaren Thrillers. Nur bedauerlicherweise sind sie rar gesät.

Dass sich das asiatische Kino vor den großen Idolen Hollywoods nicht zu verstecken braucht, ist nicht neu. Nicht umsonst finden sich viele Filmemacher nach ihren großen Erfolgen im Fernen Osten wenig später in der Traumfabrik wieder. Cold War ist in tollen Bildern erzählt und auch die Ausstattung des Thrillers fasziniert immer wieder aufs Neue. Die Actionmomente überzeugen, selbst wenn die Computertricks öfter zu sehen ist, als notwendig wäre. Es verhält sich hier wie mit der Musik von Peter Kam, dessen Themen bekannten Thrillern nachempfunden sind, die aber nur deshalb wenig gelungen klingen, da sie ausschließlich am Synthesizer entstanden, anstatt mit einem Orchester eingespielt zu werden. Zusammen mit den teils unnötig brutalen, kurzen Einstellungen in der zweiten Filmhälfte kratzen diese Elemente am ansonsten tadellosen Image des Films.

Die deutsche Blu-ray-Veröffentlichung aus dem Hause "OFDb-Filmworks" besticht mit einem klaren Bild und einem überraschend voluminös abgemischten DTS-HD Master Audio 5.1-Ton, der sowohl bei den Actionszenen zur Geltung kommt, wie auch bei den bidirektional eingebundenen Dialogen. Als Bonusmaterial erwarten Fans je ein halbes Dutzend Making-ofs und Interviews und als Seltenheit heutiger Veröffentlichungen, der Trailer zum Film selbst und zu anderen Titeln. Ob hiesige Zuschauer mit einem Audiokommentar überhaupt hätten Vorlieb nehmen wollen, sei dahingestellt, in jedem Fall fehlt ein solcher. Nichtsdestotrotz zählt die Hochglanzveröffentlichung (samt willkommenem Wendecover) zum Besten, was sich Fans des Films wünschen können.


Fazit:
Angesichts der vielen positiven Punkte scheint die unten stehende Wertung ungewöhnlich hart. Sie lässt sich am ehesten damit erklären, was Cold War hätte sein können, anstatt damit, was der Thriller tatsächlich ist. Die teils unnötig vielschichtig erzählte Story hält einen bis zum Schluss im Unklaren, wie all das zusammen hängen soll und den Darstellern gelingt es auch, ihre Figuren interessant erscheinen zu lassen, selbst wenn man im Grunde wenig über sie erfährt.
Die vielen Charaktere machen den Zugang zur Story dabei ebenso schwer wie die (aus westlicher Sicht) teils holprige Szenenaneinanderreihung, die man dem Film allerdings nicht negativ auslegen sollte. Anders hingegen der Twist zum Schluss, der zu lang ist, als dass er seine volle Wirkung entfalten könnte.
Fans des asiatischen Kinos dürfen zur Wertung einen Punkt hinzurechnen. Sie werden sich leichter tun, die dramaturgischen Eigenheiten zu akzeptieren als Zuseher, die den Erzählfluss Hollywoods schon so lange gewohnt sind.

Blu-ray-Wertung:
5 von 6 Punkten


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