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Cold Blood - Kein Ausweg. Keine Gnade. [2012]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. August 2013
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Deadfall
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Stefan Ruzowitzky
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Eric Bana, Olivia Wilde, Charlie Hunnam, Kate Mara, Kris Kristofferson, Sissy Spacek, Treat Williams, John Robinson, Jocelyne Zucco, Patrick Kerton


Kurzinhalt:
Die Rückbank ist voller Geld, als sich das Auto mit Addison (Eric Bana), seiner Schwester Liza (Olivia Wilde) und dem Mann am Steuer überschlägt. Das Geld ist die Beute eines Überfalls, mit der sie über die Grenze nach Kanada fliehen wollten. Doch der Unfall im verschneiten Norden der USA zwingt Addison zu einer Planänderung. Als kurz nach dem Unglück ein Streifenwagen vorfährt, erschießt Addison den Polizisten und verabredet mit seiner Schwester, dass sie sich nahe der Grenze wieder treffen. Bis dorthin muss jeder für sich kommen.
Während Addison zu Fuß bei hereinbrechender Dunkelheit aufbricht, wird Liza von Jay (Charlie Hunnam) in seinem Pickup aufgelesen. Er ist auf dem Weg zu seinen Eltern Chet (Kris Kristofferson) und June (Sissy Spacek), die nahe der Grenze wohnen. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, wird Jay schon wieder polizeilich gesucht – und auch seine Beziehung zu seinem Vater ist sehr angespannt. Über die zugeschneiten Straßen ist kein Durchkommen, darum übernachten Jay und Liza in einer Raststätte. Sheriff Becker (Treat Williams) versucht unterdessen, Addison aufzuspüren, hört aber nicht auf die Hinweise seiner Tochter Hanna (Kate Mara) ...


Kritik:
Selten habe ich einen Film gesehen, in dem so viele nicht sehr schlaue Figuren so viele so dumme Entscheidungen treffen. Und das in so kurzer Zeit. Regisseur Stefan Ruzowitzky gibt sich solche Mühe, seinen Charakteren eine oberflächliche Tiefe zu verleihen, dass es beinahe bedauerlich ist zu sehen, wie gründlich er dabei scheitert. Cold Blood - Kein Ausweg. Keine Gnade. ist ein Thriller ohne Spannung, dessen Figuren so viele Probleme mit sich bringen, dass man daraus ein dreimal so langes Drama erzählen müsste.

Die Optik im tiefverschneiten Norden der USA erinnert ein wenig an Sam Raimis Ein einfacher Plan [1998], in dem ebenfalls eine Reihe verheerender Entscheidungen zu einer ausweglosen Situation führen. Aber während jene Charaktere zumindest in manchen Momenten die Sympathie des Publikums gewinnen können, gelingt das Addison und Liza in Cold Blood ebenso wenig wie irgendeiner anderen Figur. Auf der Flucht von einem Überfall wird ihr Auto in einen Wildunfall verwickelt und überschlägt sich. Den herannahenden Polizisten erschießt Addison und schmiedet den Plan, dass er und seine Schwester Liza getrennt versuchen sollen, zur kanadischen Grenze zu kommen, während der Schneesturm um sie herum immer schlimmer wird. Addison macht sich zu Fuß auf, Liza kann als Anhalterin bei Jay mitfahren, dessen Eltern in der Nähe der Grenze wohnen.
Was im ersten Moment beginnt wie viele andere Thriller, wird durch das Drehbuch von Zach Dean so unnötig bedeutungsschwanger verkompliziert, dass man es kaum glauben mag. Addison und Liza verbindet mehr als geschwisterliche Zuneigung, Jay ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und hat sich schon wieder in Schwierigkeiten gebracht. Seine Eltern leben abgeschieden und zwischen Jay und seinem Vater Chat ist die Stimmung sehr gereizt. Auch die ambitionierte Polizistin Hanna hat eine konfliktgeladene Beziehung zu ihrem Vater und gleichzeitigen Vorgesetzten, der sie mitunter vor der gesamten Mannschaft demütigt. Nichtsdestotrotz plagen sie Schuldgefühle beim Gedanken, sich eine andere Arbeit zu suchen. Und wenn Addison in der Wildnis auf eine Hütte trifft, findet er darin eine Familie, dessen Oberhaupt seine Frau verprügelt – es scheint, als bräuchte jede einzelne Figur in Cold Blood einen Hintergrund, der ihr einen psychischen Knacks verpasst. Und ihnen allen muss von irgendjemand anderem gesagt werden, dass sie es besser haben könnten, wenn sie dies oder jenes tun würden.

Es mag sein, dass sich die Filmemacher so einen eingeschneiten Mikrokosmos vorstellen. Tatsächlich hat man aber das Gefühl, dass sie ihren ohnehin nur eineinhalb Stunden dauernden Film mit einem Dramaanteil überlasten, der nicht nur den Thriller zum Erliegen bringt, sondern so platt und vorhersehbar dargebracht wird, dass allenfalls die einfältigen Dialoge noch bemerkenswert sind. Sieht man einmal darüber hinweg, dass es Addisons erste schlechte Idee war, einen Polizisten zu erschießen – was ihm nur die Aufmerksamkeit des gesamten Sheriffsbezirks sichert –, er sollte schlauer sein, als eine Spur von Leichen zu hinterlassen, die einzig das Pech haben, ihm im Weg zu stehen. Alle Situationen hätten sich hier anders lösen lassen, als Addison es vorzieht und setzt er sich zum Finale in ein Haus zum Thanksgiving-Essen, anstatt über die nur ein paar Kilometer entfernte Grenze mit dem Jeep der Bewohner zu fliehen, ist es, als würde man einen anderen Film sehen.

Tief im Kern verbirgt sich hinter Cold Blood ein solider, wenn auch nicht überraschender oder innovativer Thriller. Man hätte zeigen können, wie Addison und Liza durch die schneebedeckte Wildnis fliehen und wie ihnen die Polizei auf den Fersen ist. Stattdessen versucht sich der Film als Thrillerdrama, das nie wirklich spannend ist und dessen Figuren so flach geraten, dass ihre Dämlichkeit kaum mehr auffällt.


Fazit:
Wäre Stefan Ruzowitzkys (Anatomie [2000], Die Fälscher [2007]) handwerkliche Umsetzung missraten, wäre es einfacher, Cold Blood - Kein Ausweg. Keine Gnade. als Zeitverschwendung abzustempeln. Aber auch wenn viele Momente vom offensichtlich digitalen Schnee leben, es gibt Bilder und Perspektiven, die überaus gelungen sind. Weswegen Lizas kleiner und ebenso unlogischer wie folgenloser Zusammenbruch stilistisch aus dem Rahmen fällt, ist unverständlich, trotzdem ist das Beste an Cold Blood schließlich die Optik.
Die unterforderten und nicht wirklich motivierten Darsteller kann man sich ohne Bedenken in einem viel besseren Film mit ähnlichem Thema vorstellen. Die Story hingegen leidet unter den Dialogen wie unter den Figuren gleichermaßen, die allesamt einen emotionalen Ballast mitbringen, der so klischeehaft gewählt ist, dass er nicht überzeugt. Dass ihre Entscheidungen im Verlauf der 90 Minuten immer unverständlicher und schlimmer werden, macht die zweite Filmhälfte nur noch länger als die erste. Es gibt viele Produktionen, die deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienen.


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