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Bolt - Ein Hund für alle Fälle [2008]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Februar 2009
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Bolt
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Byron Howard, Chris Williams
Musik: John Powell
Originalstimmen: John Travolta (Christian Tramitz), Miley Cyrus (Luisa Wietzorek), Susie Essman (Vera Teltz), Mark Walton (Axel Stein), Malcolm McDowell (Lutz Riedel), James Lipton (Tom Vogt), Greg Germann (Axel Malzacher), Diedrich Bader, Nick Swardson


Kurzinhalt:
Seit Bolt (John Travolta / Christian Tramitz) von Penny (Miley Cyrus / Luisa Wietzorek) als Welpe aus dem Tierheim geholt wurde, ist sein Leben ein ständiges Abenteuer. Schergen um den auf die Weltherrschaft versessenen Dr. Calico (Malcolm McDowell / Lutz Riedel) haben es auf Penny und ihren Vater abgesehen. Bolt, von Pennys Vater mit Superkräften ausgestattet, verteidigt ihr Leben so gut er kann, rettet die Welt regelmäßig vor großen Katastrophen und kommt doch nie zur Ruhe. Er denkt, seine Kräfte und die Bedrohung der Welt sei real, doch was Bolt nicht weiß: Er ist der Star einer der erfolgreichsten Fernsehserien, Penny eine Darstellerin und seine Superkräfte nichts als Spezialeffekte.
Doch als Penny augenscheinlich entführt wird und sich die Gelegenheit bietet, aus dem Wohnwagen, den er als einziges Zuhause kennt, auszubrechen, steht Bolt urplötzlich der Realität gegenüber. Zusammen mit der Streunerkatze Mittens (Susie Essman / Vera Teltz) und Bolts größtem Fan, dem Hamster Rhino (Mark Walton / Axel Stein), macht sich der Superhund ohne Superkräfte auf, Penny zu retten. Doch auf seinem Weg quer durch die USA warten auf ihn viele Überraschungen – und eine Konfrontation mit der Wirklichkeit ...


Kritik:
Wenn man sich wie die Künstler eines solchen Animationsfilmes wie Bolt anschickt, eine neue Welt zu erschaffen und sie mit eigens kreierten Figuren zu bevölkern, gibt es einem ungeheure Freiheiten. Immerhin kann man die Welt so gestalten, wie man es möchte, muss sich nicht mit realen Gegebenheiten abfinden, sondern kann sich im Zweifel sogar die Physik zurecht biegen. Gleichzeitig allerdings stellt es einen auch vor kaum vorstellbare Herausforderungen. Denn um die Zuschauer zu überzeugen, der Geschichte und ihren Charakteren folgen zu wollen, müssen sie nicht nur interessant, sondern auch glaubhaft sein. Es muss eine Welt sein, in der man sich gerne verlieren würde, voller Figuren, deren Handlungen, Verhaltensweisen und Eigenarten man akzeptiert und sie als Teil dessen annimmt, was in jener Welt möglich ist.
Bei Bolt fällt es nicht schwer, sich in der aufregenden Welt des Titel gebenden Hundes zu verlieren, denn er ist ein Held. Ein Held mit nur einem einzigen Makel. Und dieser ist, dass er an sich kein Held ist, keines seiner Abenteuer echt und keine seiner Fähigkeiten real ist. Das macht ihn aber gleichzeitig auch zum Opfer – und zu der Figur, mit der man am schnellsten mitfühlt.

Das Studio ist die einzige Realität, die er bis dahin kannte und als er daraus flieht und man als Zuschauer an seiner Seite die wirkliche Welt entdeckt, trifft man mit ihm in Mittens und Rhino Freunde, aber auch solche, die es nicht gut mit ihm meinen. Die Unschuld, mit der er dabei dieser unbekannten Umgebung gegenüber tritt, das Fehlen jeglicher bösartiger Charakterzüge, macht ihn zum Inbegriff eines Helden. Wenn sich Bolt dann trotz aller Widrigkeiten beweisen will, im Wissen, dass seine Superkräfte nicht vorhanden sind, macht es ihn zudem in einem Maße tapfer, wie man sich selbst als Zuschauer, der man sich als Teil jenes ungleichen Trios fühlt, seinen Freundeskreis wünschen würde.
Dass John Travolta dem amerikanischen weißen Schäferhund seine Stimme leiht, die jene Unsicherheit zu Beginn und die Entschlossenheit im späteren Verlauf des Abenteuers unterstreicht, hilft zudem, sich mit dem unscheinbaren Bolt zu verbünden. Er lässt sich ebenso von der Umgebung und den darin lebenden Menschen, ihrem wuseligen Treiben und ihrem Verhalten beeindrucken, wie man selbst. Überhaupt liegt es an Mittens, ihm jene Unbefangenheit zu nehmen und ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Doch Bolt lässt sich davon nicht entmutigen und setzt alles daran, Penny wiederzufinden, über deren Schicksal er nichts weiß, aber die schlimmsten Befürchtungen hegt. In Rhino, der von Mark Walton mit einer ebensolchen überdrehten Hektik gesprochen wird, wie man sie bei einem Zeit seines Lebens im Rad gefangenen Hamster erwarten würde, findet Bolt einen Verbündeten, der diese Begegnung als Chance sieht, sich zu beweisen und endlich aktiv am Abenteuer teilzuhaben, das er bislang immer nur im Fernsehen beobachtete. Auch mit ihm fühlt man mit, wenn er unter Lebensgefahr seine Freunde befreit oder sich todesmutig den Menschen stellt. Mittens hingegen, steht für diejenige, die vom wahren Leben gezeichnet ist, enttäuscht wurde von den Menschen und aus Angst vor einer neuen Enttäuschung in ihrer selbst geschaffenen Welt bleiben möchte, auch wenn das bedeutet, keine Höhen und keine Tiefen zu durchleben. Sie ist die Realistin im Team und spricht dabei wieder einen anderen Teil der Zuschauer an, die sich in ihr wiedererkennen. Doch auch sie wächst über sich hinaus und muss akzeptieren, dass in der Hoffnung immer auch die Unsicherheit mitschwingt.
Dass die facettenreich angelegten Figuren nicht nur das kindgebliebene Publikum ansprechen, sondern durch ihre unscheinbaren Charakterzüge auch auf subtile Weise die Erwachsenen, spricht nicht nur für das Drehbuch des seit einigen Jahren in Entwicklung befindlichen Animationsabenteuers, sondern macht Bolt zu einem Familienfilm im wahrsten Sinne des Wortes. Er spricht abseits von der offensichtlichen Unterhaltung ein vielseitiges Publikum ohne Altersgrenzen an, das vielleicht im ersten Moment jeweils auf andere Aspekte der Geschichte Wert legen mag, aber trotzdem zusammengeschweißt wird. Man folgt der actionreichen Geschichte schon deswegen, weil nicht absehbar ist, was Bolt erwartet, wenn er Penny erst einmal wieder gefunden hat.

Wie zuletzt bei den Animationsfilmen der Pixelschmiede Pixar hat man auch bei Bolt das Gefühl, dass die Filmemacher nicht mehr wie einst durch die mögliche Technik in ihrer Erzählung eingeschränkt werden, sondern nach großen Fortschritten der Computertechnologie nun einzig durch ihren Einfallsreichtum im Zaum gehalten werden. Durch Schärfe/Unschärfe-Abwechslung, prächtige Farben, einer Inszenierung, wie man sie von klassischen Spielfilmen her kennt und einer lebendigen Umgebung überzeugt das Road-Movie vom ersten Moment an mit einem Augenschmaus, dem zwar der Realismus in Bezug auf die Menschen noch fehlt, aber ansonsten keine Wünsche offen lässt.
Bei den rasanten Szenen fühlt man sich als Teil des Geschehens, wird von der nie aufdringlichen, aber rhythmischen Musik gepackt und spürt den eigenen Puls schneller gehen, wenn Bolt, Mittens und Rhino ungeahnten Widrigkeiten gegenüberstehen. Dass dem so ist, liegt an den Figuren, denen man gerne durch das Abenteuer folgt. Ihretwegen denkt man auch nicht im Voraus, um festzustellen, dass die Geschichte nicht viele Überraschungen bietet. Man genießt vielmehr jeden Moment mit dem ungleichen Trio, in dem man sich öfter wiederkennt als man denken würde.


Gezeigt wird Bolt in entsprechend ausgestatteten Lichtspielhäusern in einer Digitalen 3D-Vorstellung, die einmal mehr mit den bekannten RealD-3D-Brillen zu bestaunen ist. Durch die eingesetzte Technik mit Polarisationsfiltern leidet glücklicherweise nicht die Farbenpracht des Animationsfilms.
Wer die Möglichkeit hat, Bolt so zu sehen, sollte sie auch wahrnehmen, denn nicht nur, dass der davor eingespielte Kurzfilm Cars: Tokyo Mater [2008] ebenfalls in 3D gezeigt wird, Bolt ist über die gesamte Spielfilmlänge in 3D zu sehen. Die Geschichte wird durch die angewandte 3D-Technik nochmals ein wenig lebendiger, was im Endeffekt allerdings nur eine Spielerei sein mag. Auch wenn die Räumlichkeit bei weitem nicht so groß ist, wie immer wieder angekündigt wird, die Filmemacher setzen die Perspektiven gekonnt ein, um eine realistische Wahrnehmung zu ermöglichen.
Auch das trägt ohne Zweifel zum Filmerlebnis bei, das Zuschauer beim ersten Animationsfilm der Walt Disney Animation Studios unter Führung von Pixar erwartet.


Fazit:
Die warmherzigen Figuren sind es, die an Bolt zuerst überraschen. Dass die Story, wenn auch nur am Rande, mit Aussagen aufwartet, die über das Verständnis der Hauptzielgruppe hinausgehen, macht den Animationsstreifen zum richtigen Familienabenteuer. Das ist nicht nur spannend, packend und technisch erstklassig umgesetzt, sondern verliert trotz der Technik nie aus den Augen, dass es die Charaktere sind, die das Abenteuer spürbar werden lassen.
So fiebert man auch als Erwachsener mit, wenn Bolt ohne Superkräfte versucht, Übermenschliches zu leisten. Oder Rhino unter Lebensgefahr seine Freunde befreit. Es herrscht zwischen den ungleichen Freunden eine Chemie, die nicht auf der Leinwand gefangen bleibt. Sicherlich müssen sich ältere Zuschauer darauf erst einlassen, während Kindern der Zugang leichter fällt. Doch macht es Bolt einem einfacher, sich fallen zu lassen, als viele andere Animationsfilme. Und wem dies gelingt, den erwartet makellos gemachte Unterhaltung auf hohem Niveau.


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