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Blood Father [2016]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 5. Februar 2017
Genre: Drama / Krimi / Action

Originaltitel: Blood Father
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Jean-François Richet
Musik: Sven Faulconer
Darsteller: Mel Gibson, Erin Moriarty, Diego Luna, Michael Parks, William H. Macy, Miguel Sandoval, Dale Dickey, Richard Cabral, Daniel Moncada, Ryan Dorsey, Raoul Max Trujillo


Kurzinhalt:

Vor mehreren Jahren ist die Tochter von John Link (Mel Gibson) spurlos verschwunden. Selbst mit der großen Belohnung, die er zusammen mit seiner Ex-Frau ausgeschrieben hat, ist es nicht gelungen, sie zu finden. Link, der auf Bewährung frei ist und sich Mühe gibt, sein altes Biker-Leben mit Alkohol und Drogen hinter sich zu lassen, verdient sich seinen Lebensunterhalt als Tätowierer. Eines Tages erhält er einen Anruf von seiner Tochter Lydia (Erin Moriarty), die in das Fadenkreuz der Geschäftspartner ihres Freundes Jonah (Diego Luna) geraten ist. Es geht um viel Geld und Drogen. Um Lydia zu beschützen, tut John, was nötig ist und wird dabei in ein Leben zurückgezogen, das er an sich zurücklassen wollte ...


Kritik:
Mit Blood Father kehrt Mel Gibson nach fünf Jahren auf der schauspielerischen Ersatzbank, auf die er sich mit seinem öffentlichkeitswirksamen persönlichen Verhalten in Hollywood katapultiert hatte, in eine Hauptrolle vor der Kamera zurück. Dass er mit beinahe 60 Jahren durchaus in der Lage ist, den Bösen entgegenzutreten, beweist er damit durchaus. Nur außer Gibsons Rückkehr kann Filmemacher Jean-François Richet hier wenig vorweisen. Sein Crimedrama leidet an einer Story, die nie wirklich zündet.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Drehbuchautor Peter Craig, Sohn der Schauspielerin Sally Field, erzählt Blood Father von dem ehemaligen Biker John Link und dessen Tochter Lydia. John hat beinahe ein Jahrzehnt im Gefängnis verbracht und ist inzwischen auf Bewährung frei. In einem Wohnwagen verdient er sein Geld mit Tattoos, als ihn seine vor drei Jahren verschwundene Tochter Lydia kontaktiert, nach der er seither mit Flugblättern gesucht hat. Sie steckt in Schwierigkeiten und braucht Hilfe. Welcher Art die Schwierigkeiten sind, sehen interessierte Zuseher gleich in den ersten Minuten, in denen Lydias skrupelloser Freund Jonah schwerbewaffnet ein unscheinbares Haus überfällt. Dass Drogen im Spiel sind, wird dabei schnell offensichtlich.

So wird John wieder in eine Welt hineingezogen, zu der er mit großer Mühe Abstand zu wahren sucht. Das klingt im ersten Moment zwar nicht unbedingt originell, aber zumindest ausbaufähig. Doch leider weiß Blood Father hieraus nicht viel zu machen. Trotz seiner gerade einmal 82 Minuten ohne Abspann wirken die einzelnen Szenen mit einer vermeintlich temporeichen Hektik zusammengestückelt, dass die Figuren sich von einem Moment zum anderen aus dem Nichts heraus zu beeilen scheinen. Hinzu kommt eine ständig wackelige Kamera, die sich nie die Zeit nimmt, die karge Umgebung mit einer ruhigen Einstellung einzufangen. Die wenigen Actionmomente, die allesamt überraschend kurz ausfallen, sind hier teils noch schneller und wackeliger geschnitten, mit unnötig ablenkenden Zooms in die Szenerie hinein oder aus ihr heraus.

Als wäre das allein nicht bereits enttäuschend genug, gibt es bei den Figuren nichts zu entdecken, was man in unzähligen anderen Filmen bereits interessanter gezeigt bekommen hat. Link als Vater, der von sich selbst enttäuscht ist und seine Tochter nicht hat aufwachsen sehen, profitiert immerhin von einer soliden Darbietung durch Mel Gibson, der die Rolle jedoch auch mit verbundenen Augen hätte spielen können. Als dessen Tochter ist Erin Moriarty kaum gefordert und wenn Diego Luna seine in diesem Jahr veröffentlichten Filme durchgeht, wird er sich zu Recht bedeutend lieber an Rogue One: A Star Wars Story [2016] erinnern, der ihm eine überaus interessante Figur bescherte. Wie sich William H. Macy in Blood Father verlaufen konnte, wird darüber hinaus ein Rätsel bleiben.
Die klischeehaften Dialoge enden meist in einem Monolog einer Figur, in dem diese bedeutungsschwanger ihre Ansicht kundtut, ohne dass dies das Gegenüber – oder das Publikum – großartig berühren würde. Diese Gesprächsstruktur mag der Romanvorlage entsprungen sein, wirkt für einen Unterhaltungsfilm jedoch merklich zu schwülstig.

Was am Ende bleibt ist ein inhaltlich vollkommen vorhersehbarer, handwerklich mittelmäßiger Film, für den sich die allermeisten Zuseher nur deshalb interessieren werden, weil er Mel Gibsons Rückkehr in eine Hauptrolle darstellt, nachdem er in den 10 Jahren zuvor gleich mehrmals in Ungnade gefallen war. Blood Father ist einer dieser Filme, in denen die Figuren verkünden, die Polizei wäre überall, wenn ein einziges Auto vorgefahren ist und in denen der Auftragskiller immer dann danebenschießt, wenn es das Skript verlangt, obwohl er mitten in der Nacht auf deutlich größere Entfernung sein Ziel trifft. Wer das nicht verlockend findet, kann hier getrost abschalten.


Fazit:
In den einzelnen Situationen reagieren die Figuren meist so hektisch, dass man das Gefühl bekommt, Regisseur Jean-François Richet befürchtet, über eine bestimmte Laufzeit hinauszuschießen. Das spiegelt sich auch in den hektischen Schnitten der Actionmomente wider oder der Tatsache, dass selbst simple Gespräche wackelig eingefangen sind. Am Ende bleibt eine Laufzeit von merklich unter eineinhalb Stunden, die inhaltlich nie wirklich packen und in denen es nur eine Figur gibt, der man wünschen würde, einen Ausweg aus der Situation zu finden. Das ist ein Verdienst von Mel Gibson, an dem die letzten Jahre ihre Spuren merklich hinterlassen haben. Er macht seine Sache wie zu erwarten routiniert und mit einer differenzierteren Vorlage wäre dies womöglich auch sehenswert geworden. So wird Blood Father weder ihm, noch seinem eigenen Publikum gerecht.
 


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