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Best Exotic Marigold Hotel [2011]

Wertung:  5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Dezember 2012
Genre: Komödie / Drama

Originaltitel: The Best Exotic Marigold Hotel
Laufzeit: 124 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Vereinigte Arabische Emirate
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: John Madden
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Judi Dench, Tom Wilkinson, Bill Nighy, Penelope Wilton, Maggie Smith, Ronald Pickup, Celia Imrie, Dev Patel, Tena Desae, Lillete Dubey, Diana Hardcastle, Shubraojyoti Barat


Kurzinhalt:
Bei der Abschiedsfeier eines Kollegen entscheidet der Anwalt Graham (Tom Wilkinson), dass auch für ihn der Zeitpunkt gekommen ist, in Ruhestand zu gehen. Er hat sich vorgenommen, nach Indien zurückzukehren, wo er vor 40 Jahren gelebt hat. Hierfür nimmt er das Angebot eines Altersruhesitzes an. Das "Best Exotic Marigold Hotel" verspricht ein unvergleichbares Ambiente in Indien, wobei gleichzeitig das Wohl der älteren Gäste im Mittelpunkt steht. Als Graham dort ankommt, ist er nicht überrascht, dass das Hotel nicht dem Prospekt entspricht. Der junge Manager Sonny (Dev Patel) hat das Haus von seinem Vater geerbt und ist davon überzeugt, es zur Rentabilität zu führen – entgegen den Beteuerungen seiner Mutter (Lillete Dubey), die auch seine Hochzeit arrangieren möchte, obwohl sich Sonny bereits für Sunaina (Tena Desae) entschieden hat.
Zusammen mit Graham sind auch Evelyn (Judi Dench), Douglas (Bill Nighy) und Jean (Penelope Wilton), Norman (Ronald Pickup), Madge (Celia Imrie) und Muriel (Maggie Smith) angekommen. Sie alle sind im Hotel auf der Suche nach einem Neuanfang, wenn auch mehr aus der Not heraus. Keiner von ihnen weiß, was sie in Indien erwartet, oder ob ihre Hoffnungen überhaupt erfüllt werden können. Nicht zuletzt, da sie sich das Leben in England nicht mehr leisten konnten, sind sie hierher gekommen und müssen sich darum sowohl mit dem Hotel, als auch mit ihrem neuen Leben arrangieren lernen ...


Kritik:
Es spielt keine Rolle, wo wir leben, oder was wir aus unserem Leben machen, eines wird uns alle irgendwann treffen: Wir werden alt. Wer auch immer es einmal gesagt hat, dass jeder gerne alt werden möchte, aber niemand alt sein, er hat etwas in Worte gefasst, was man sich nur ungern eingesteht. Man selbst hat eine Idealvorstellung vom Leben im Alter, von der jedoch niemand weiß, ob sie bei einem auch so aussehen wird. Die jüngsten wirtschaftlichen Krisen sind hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Den Protagonisten in Best Exotic Marigold Hotel ergeht es genau so: Sie alle sind in ihrem wohl verdienten Ruhestand angekommen – und nichts ist so, wie sie es sich vorgestellt haben. Sie alle verschlägt es aus den unterschiedlichsten Gründen in einen Ruhesitz in Indien, wo der begeisterte Geschäftsmann Sonny Kapoor einen Traum hegt. Er möchte aus dem erfolglosen Hotel seines Vaters einen Ort schaffen, an dem sich die Alten und die Schönen wohlfühlen. Auch, weil sie dort, wo sie bislang leben, nicht willkommen sind. Es ist eine Aussage, die bei uns nachwirkt. Wie oft stehen wir hinter älteren Menschen an und fragen uns, weshalb sie sich nicht beeilen? Wie oft ärgern wir uns über diejenigen Mitmenschen, die uns wo auch immer den Weg blockieren? Und wie werden wir selbst einmal sein, sollten wir so alt werden?

Regisseur John Madden gelingt mit seiner Romanverfilmung von Deborah Moggachs These Foolish Things [2004] eine leise Studie der unterschiedlichsten Figuren. Gleichzeitig zeigt er einige der großartigsten Darsteller ihrer Generation in einem Film, in dem das verfallene Hotel, in dem sie ankommen ihr eigenes Alter widerspiegelt. Es ist nicht so, wie es beworben wurde, aber die einzige Möglichkeit, die sie haben.
Sei es für Evelyn, die Zeit ihres Lebens ihrem Ehemann vertraut hatte und nach seinem Tod nicht nur mit einem Schuldenberg, sondern auch mit der Frage alleine ist, was sie nun tun soll. Ebenso Douglas und Jean, die ihr Leben dem Staatsdienst gewidmet hatten und nun doch ohne Ersparnisse vor der Altersarmut stehen. Was den erfolgreichen Anwalt Graham nach Indien zieht fragen sich nicht nur die anderen Teilnehmer der Gruppe, zu denen auch Norman und Madge gehören, die sich ähnlicher sind, als sie zugeben würden. Beide fühlen sich nicht so alt, wie die Gesellschaft sie glauben machen will und wollen sich in Indien eine wohlhabende Partnerin, beziehungsweise einen Partner suchen. Muriel hingegen ist nur notgedrungen mitgereist: Sie sollte an der Hüfte operiert werden, doch da die Wartelisten in England so lange sind, hat sie sich entschlossen, die Operation in Indien zu einem Bruchteil der Kosten durchführen zu lassen. Ihrer ganzer Vorbehalte (und ihrer unzähligen Vorurteile) wegen der anderen Mentalität der Menschen dort zum Trotz.

Wie schwer wird es für sie sein, sich dort ein neues Leben aufzubauen? Oder wird es für sie einfacher sein, als es 20 oder 30 Jahre zuvor der Fall gewesen wäre? Best Exotic Marigold Hotel beschreibt viele Geschichten und anhand der Gruppe der neuen Bewohner des Hotels und seines Besitzers doch nur zwei Schicksale. Wir erleben mit, wie Sonny die Liebe seines Lebens in Sunaina sieht, gegen den Willen seiner traditionsbewussten Mutter. Und wie die sieben Bewohner ebenso auf ihn angewiesen sind, wie er auf sie, wenn er möchte, dass seine Geschäftsidee ein Erfolg wird, mit dem er sich endlich beweisen kann.
Der Kulturschock angesichts der neuen Umgebung lässt nicht lange auf sich warten und es ist ein Element, aus dem der Film seine unterhaltsamsten Momente zieht. Dabei könnte es für die skeptischen Ankömmlinge kaum ein größerer Kontrast sein, einen sprühend optimistischen Hotelmanager vor sich zu sehen, der in jeder misslichen Lage das Positive zu sehen sucht. Evelyn begleitet Best Exotic Marigold Hotel mit ihrem Tagebuch, das alle schönen Momente, die Vielseitigkeit des Landes und der Menschen ebenso umfasst, wie die Rückschläge der einzelnen Figuren. So verbirgt sich hinter der herrschsüchtigen Jean eine zutiefst verletzte und enttäuschte Person, während die pessimistische Muriel ihr Leben stets hinten anstellte, um irgendwann festzustellen, dass ihr dadurch im Alter nichts bleiben würde.

Regisseur Madden verzichtet darauf, die großen Sehenswürdigkeiten des Landes ausschweifend einzufangen, stattdessen konzentriert er sich auf die Veränderungen, die das Land in den neuen Bewohnern bewirkt. Man kann mit der Zeit beinahe die goldene Sonne aus ihnen strahlen sehen, die sie dort mehr beeinflusst als sie sich eingestehen.
Ohne diese Besetzung kann man sich Best Exotic Marigold Hotel allerdings kaum vorstellen. Angefangen von Judi Dench, deren Wandlung von verletzlich zu hoffnungsvoll einem beinahe entgehen kann, über den immer außergewöhnlichen Tom Wilkinson, bis hin zu Bill Nighy und Penelope Wilton, gibt es ausnahmslos einnehmende Darbietungen zu sehen. Von Maggie Smith werden sie subtil in den Schatten gestellt und der Cast durch Ronald Pickup und Celia Imrie mühelos veredelt. Die unterschiedlichen Facetten Indiens, von der lebensbejahenden Offenheit Dev Patels, über den Aufbruch der Moderne (Tena Desae) hin zur Tradition (Lillete Dubey), kommen dabei glücklicherweise nicht zu kurz.


Fazit:
Unaufgeregt und ohne Schwarzmalerei erzählt Best Exotic Marigold Hotel vom Leben im Alter, anstatt es wie so oft als Pointe für einen Scherz herzunehmen. Hier sehen wir Menschen, die (überwiegend) ihr Alter annehmen, aber ihre Mühe haben zu akzeptieren, dass es mit dem, wie sie es sich vorgestellt hatten, nichts zu tun hat. Ob das Leben sie diesbezüglich enttäuscht hat, oder ihre Erwartungen unerreichbar waren, darüber schweigt sich Regisseur John Madden aus, außer dass er festhält, wie schnell sich Dinge ändern können, ohne dass man etwas dagegen tun könnte.
Seine Beobachtungen währenddessen sind zwar nicht neu, aber durch sympathische und einnehmend charismatische Darsteller, die allesamt ihre Generation geprägt haben, so natürlich dargebracht, dass man sich dem Charme des Films kaum entziehen kann. Sonny bemüht mehrmals die Weisheit, dass am Ende alles gut werde und wenn es noch nicht gut sei, es auch noch nicht das Ende sein könne. Vielleicht ist das eine Art zu leben, die uns die Angst vor dem Alter nehmen kann. Denn wenn man sich vor dem alt werden oder dem alt sein fürchtet, wie sollte man das Leben dann genießen können?


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