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Bastille Day [2016]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. Januar 2017
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Bastille Day
Laufzeit: 92 min.
Produktionsland: Großbritannien / Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James Watkins
Musik: Alex Heffes
Darsteller: Idris Elba, Richard Madden, Charlotte Le Bon, Kelly Reilly, José Garcia, Thierry Godard, Vincent Londez, Arieh Worthalter, Mohamed Makhtoumi, Eriq Ebouaney


Kurzinhalt:

An sich war Zoe (Charlotte Le Bon) beauftragt worden, eine Tasche mit einem Sprengsatz im Wahlkampfbüro der nationalistischen Partei in Paris abzustellen. Bei der Explosion sollte niemand verletzt werden. Doch als der Dieb Michael Mason (Richard Madden) Zoe die Tasche stiehlt, sterben vier Menschen. Mason, der selbst unverletzt entkommt, wird von der Polizei gesucht. Da er amerikanischer Staatsbürger ist, wird das in Paris ansässige CIA-Büro auf ihn aufmerksam. Agent Sean Briar (Idris Elba) soll Mason vor den Ermittlungsbehörden finden und befragen. Mason sind jedoch auch Zoes Auftraggeber auf den Fersen, die verhindern wollen, dass die Spur zu ihnen zurückverfolgt wird. Zumal die Bombe nur ein Teil in einem ausgeklügelten Plan war, der am französischen Nationalfeiertag seinen Höhepunkt erreichen wird ...


Kritik:
James Watkins'
müder Actionthriller Bastille Day ist einer dieser Filme, die sich in eine vollkommen andere Richtung entwickeln würden, wenn sich auch nur eine Person darin so verhalten würde, wie sie es in ihrer Position im wirklichen Leben tun sollte. Die traurigerweise sehr aktuelle Situation eines Bombenanschlags in Paris dient dabei als Aufhänger für ein Skript, dessen Ideen aus allerlei Quellen zusammengeklaut sind, ohne diese "Inspirationen" um nennenswert gute, neue Ansätze zu ergänzen.

Für Hauptdarsteller Idris Elba, der im Entstehungsjahr des Films als Nachfolger auf die ikonische Rolle des britischen Geheimagenten James Bond gehandelt wurde, könnte Bastille Day so etwas wie ein Bewerbungsvideo sein. Zumindest, was die physische Schlagkraft des Spions angeht, denn hinsichtlich irgendwelcher anderer Charakterdetails gibt ihm das Drehbuch nicht genug zu tun. Elba spielt den in Paris stationierten CIA-Agenten Sean Briar, den das Drehbuch auf die abgegriffenste Art und Weise vorstellt: Seine Vorgesetzten reden mit ihm über seine letzten Fehltritte und zitieren dabei aus dem Werdegang seiner Akte. Zugegeben, ich kann nicht beurteilen, ob bei jedem einzelnen Mitarbeitergespräch in Geheimdienstkreisen jedes Mal die persönliche Personalakte des jeweiligen Agenten herausgezogen wird und sich alle über das Verhalten des Agenten unterhalten, als würden sie zum ersten Mal davon hören, aber gleichzeitig, als müsste es doch allen bekannt sein. In jedem Fall ist dies die einfachste Methode, schnell Informationen über eine Figur an das Publikum zu bringen, ohne einen Charakter durch sein Verhalten definieren zu müssen.

Briars Team in Paris wird darauf aufmerksam, dass der Amerikaner Michael Mason mit einem kurz zuvor verübten Bombenanschlag in Verbindung gebracht wird, bei dem vier Personen starben. Doch statt die Polizei mit all ihnen über Mason zur Verfügung stehenden Informationen zu versorgen, will Briar ihn zuerst verhören. Weil ... nun ja, weil das im Film wohl so ist. Man kann nur hoffen, dass sich die Geheimdienste auf der Welt nicht so verhalten, wie es in zahllosen Filmen und Serien immer wieder dargestellt wird. Mason jedoch, ist nur ein Taschendieb, der die Tasche mit der Bombe zuvor einer jungen Frau namens Zoe gestohlen hat, die wiederum dazu benutzt werden sollte, die Bombe in einer Wahlkampfzentrale zur Explosion zu bringen. Wieso sie hierzu überhaupt mühelos Zugang hatte, wenn sie gleichzeitig einer linken, das System ablehnenden Bewegung anzugehören scheint, verstehe zwar, wer will, aber auch das muss so sein, weil es das Skript so festschreibt.

Wer hinter dem Komplott steckt sei hier nicht verraten, nur so viel, dass Ed Harris in The Rock - Fels der Entscheidung [1996] trotz seiner spärlichen Charakterzeichnung einen deutlich charismatischeren Bösewicht abgegeben hat. So jagt Briar zuerst Mason hinterher, doch statt ihn, nachdem er von seiner Unschuld überzeugt ist, der Polizei zu übergeben, suchen sie gemeinsam die verschwundene Zoe. Welche Befugnisse Briar diesbezüglich überhaupt haben mag, behält das Skript vollkommen überraschend für sich.

Würde Filmemacher James Watkins das hanebüchene Skript zumindest so ansprechend präsentieren, dass man über die offensichtlichen, inhaltlichen Unzulänglichkeiten hinwegsehen kann, dann würde dies viel wieder aufwiegen. Doch so atmosphärisch sein Gruselfilm Die Frau in Schwarz [2012] gewesen ist, so einfallslos wirkt Bastille Day dagegen. Die zitterige Kameraführung in den ruhigen Szenen, die allesamt wackeln, auch wenn es dafür keinen Grund gibt, wird in den Actionmomenten durch unnötig schnelle Schnitte unterbrochen. Die Verfolgungsjagd über die Dächer von Paris ist zu Beginn noch temporeich, macht jedoch in der Szenerie urplötzlich so viele Sprünge, dass es einen aus der Illusion reißt. So auch beim Finale, bei dem Briar auf wundersame Weise in eines der bestbewachten Gebäude von Paris eindringt, sich dort bestens auskennt, den Bösewichten aber nur an drei Orten zu begegnen scheint. Allein aus den Ansätzen des Finales hätte man einen eigenständigen Thriller erzählen können. Aber auch mit diesem Thema gibt es bereits einen Klassiker, der in allen Aspekten gelungener ist, als dieser Film hier.


Fazit:
Ein Drehbuch voll abgegriffener Ideen samt Dialoge, deren trockener Humor nie so zündet, wie die Autoren es beabsichtigt haben. Filmemacher James Watkins präsentiert einen beliebigen Actionstreifen, der versucht, sich mit einem aktuellen Aufhänger "einzuschmeicheln", um dann eine altbekannte Story nach den ältesten Klischees abzuspulen, bis hin zum tatsächlichen Drahtzieher, den man schon bei seinem ersten Auftritt ausmacht. Bastille Day ist nur leidlich spannend und wenn auch ohne grobe Patzer inszeniert, dann ebenso ohne irgendeinen einfallsreich umgesetzten Moment. Sollte Idris Elba die Rolle des Doppelnullagenten spielen dürfen, dann hat sich sein Einsatz hier wenigstens gelohnt. Für ihn zumindest.
 


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