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Bank Job [2008]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Dezember 2008
Genre: Thriller

Originaltitel: The Bank Job
Laufzeit: 112 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roger Donaldson
Musik: J. Peter Robinson
Darsteller: Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David, Michael Jibson, Georgia Taylor, Richard Lintern, Peter Bowles, Alistair Petrie, Hattie Morahan, Rupert Frazer, Keeley Hawes, Gerard Horan, David Suchet, Peter De Jersey, Colin Salmon


Kurzinhalt:
Trotz mehrerer begangener Verbrechen hat Michael X (Peter De Jersey) bislang kein Gefängnis von innen gesehen. Grund: er hat zu Beginn der 1970er Jahre kompromittierende Fotos eines Mitglieds des Königshauses in seinem Besitz. Um den Verbrecher endlich dingfest zu machen, müsste die Geheimorganisation hinter Tim Everett (Richard Lintern) diese Fotos sicherstellen. Doch darf sie selbst nicht in kriminelle Handlungen verwickelt werden. So setzt Everett seine Bekanntschaft Martine Love (Saffron Burrows) unter Druck. Diese wiederum nutzt ihre Kontakte zu dem nicht immer nur in ehrliche Geschäfte verwickelten Terry Leather (Jason Statham) und schlägt ihm einen Coup vor.
Er soll zusammen mit seinen Freunden Kevin (Stephen Campbell Moore), Dave (Daniel Mays), Bambas (Alki David) und dem pensionierten Kriminellen Singer (James Faulkner) einen Tunnel unter den Tresorraum einer Bank graben, um dort die Schließfächer zu plündern. Martine ist in dem Zug nur an den Fotos interessiert, deren Existenz sie der Gaunerbande allerdings verschweigt.
Doch bei dem Raubzug gelangen die Diebe auch in den Besitz heikler Dokumente von Lew Vogel (David Suchet), der seit Jahren eine Reihe korrupter Polizisten schmiert und dies auch mit Namen protokolliert hat. So sind nicht nur Michael X' Leute nun hinter Terry und seiner Bande her, sondern auch Vogel und die korrupten Gesetzeshüter. Von der Situation völlig überfordert dauert es nicht lange, bis die Gruppe auseinanderbricht ...


Kritik:
Größter Kritikpunkt an Bank Job ist die Tatsache, dass niemand sagen kann, was nun real geschehen ist, und was nicht. Fakt ist, dass der 1971 in London passierte Baker Street Raub ein großes Thema war – für wenige Tage. Danach wurde die Presse mittels einer so genannten "D-Notice", eines Berichtsverbots dazu gezwungen, das Thema fallen zu lassen. Angeblich, weil es darum ging, bekannte Mitglieder des britischen Königshauses zu schützen. Aber während die Drehbuchautoren Dick Clement und Ian La Frenais davon sprachen, Kontakte zu den tatsächlichen Bankräubern zu haben, und somit die wahre Geschichte zum ersten Mal veröffentlichen zu wollen, erklärte die Zeitung The Daily Mail in ihrer Ausgabe vom 16. Februar 2008, dass die vier verhafteten Männer jenes Bankraubes ohne Verurteilung und Verhandlung direkt ins Gefängnis gewandert seien und dass ihre Identitäten und die Umstände ihrer Verhaftung weiterhin geheim gehalten würden – ebenso die Länge ihrer Inhaftierung.
Was also tatsächlich geschehen ist, und wie viel die Skriptautoren hinzugedichtet haben, um daraus einen abendfüllenden Spielfilm zu machen, steht in den Sternen.

Erfolgreich gelungen ist ihnen das insofern, als dass unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Geschichte, selbige rasant und spannend erzählt wird und die Spekulationen um kompromittierende Fotos von Prinzessin Margaret (die vor sechs Jahren verstorbene, jüngere Schwester von Königin Elisabeth II) das Quäntchen Klatsch hinzufügen, das die Geschichte benötigt, um vom Start weg zu fesseln.
Die Figuren sind von Anfang an vielschichtig angelegt und bis in die Nebenhandlungen sorgfältig ausgearbeitet und die Dialoge spritzig genug geschliffen, um für Humor zu sorgen, der aber nicht überfrachtet scheint. Nicht zuletzt gelingt es dem Drehbuch gut, die verschiedenen Handlungsstränge um die Geheimdienste, die Ermittlungen gegen den militanten Anführer in Trinidad, die korrupten Polizisten und das organisierte Verbrechen zusammen zu führen, ohne dass dies gekünstelt erscheint. Spannend umgesetzt hapert es allenfalls daran, dass die einzelnen Szenen zu wenig Überraschungen bieten und Kenner des Genres schnell wissen, wie die einzelnen Abschnitte im Film enden werden. Unterhaltsam ist es dank der Figuren, denen man gern durch die ungewöhnliche Situation folgt.
Weswegen sich die Geschichte nach dem an sich unbekümmerten Auftakt in der zweiten Hälfte aber zu einem nicht wirklich zimperlichen Thriller wandeln muss, ist unverständlich. Es nimmt Bank Job sicherlich etwas vom Flair, wenn den Figuren mit solcher Brutalität begegnet wird, ob dies nun realistisch ist, oder nicht.
So bleibt den Autoren an sich nur zum Vorwurf zu machen, dass es einmal wieder nicht mehr um den Einbruch an sich geht, der sicherlich überraschender und spannender hätte erzählt werden können, sondern mehr um das davor und danach. Diesbezüglich bietet die Vorlage leider kaum Neues, auch wenn das gezeigte vermeintlich authentisch ist. Immerhin erzählen sie ihre Geschichte routiniert und schnörkellos, so dass es keine Elemente gibt, die offensichtlich stören.

Die facettenreiche Besetzung wird von einem gut gelaunten und charismatisch auftretenden Jason Statham angeführt, der trotz allem nicht den Fehler begeht, seine Figur zu sympathisch anzulegen. Immerhin ist und bleibt Terry Leather ein Krimineller, wenn auch kein durchtriebener. Er macht seine Sache ausgesprochen gut und übernimmt auch die Rolle des Anführers der Bande ohne Schwierigkeiten.
Dass ihm Saffron Burrows diesbezüglich gewachsen ist, liegt vor allem an der unterkühlten, aber dennoch undurchsichtigen Ausstrahlung der Aktrice, die bis zum Schluss neugierig macht, was ihre Figur denn im Schilde führt. Auch sie gibt sich als Opfer der Umstände, ohne aber auf Sympathien der Zuschauer zu pochen.
Auch wenn bei den übrigen Bankräubern kaum ein international bekannter Schauspieler dabei ist, ausgesucht wurden sie alle wegen ihrer natürlichen Ausstrahlung und ihres überzeugenden Auftretens. Allen voran Michael Jibson, der durch seine gezeigte Naivität auf das Mitgefühl der Zuschauer hoffen kann. Stephen Campbell Moore, Daniel Mays und Alki David leisten gute Arbeit, werden in Sachen Charisma allerdings von James Faulkner mühelos in den Schatten gestellt.
Von Georgia Taylor ist nur wenig zu sehen, doch Richard Lintern bleibt als glatter Vertreter des Geheimdienstes auf jeden Fall in Erinnerung. Auch die übrige Besetzung, sei es nun Peter De Jersey, David Suchet oder Hattie Morahan lassen keine Wünsche offen.
Eine Überraschung ist in den Nebenrollen Keeley Hawes, die als Terrys Ehefrau Wendy Leather zu sehen ist, und im letzten Drittel eine der forderndsten Szenen zu bewältigen hat. Ihr gelingt dies nicht nur gekonnt, sondern sie verleiht ihrer Figur trotz der geringen Szenen vor der Kamera eine charakterliche Tiefe, dass sie nicht nur Terrys Entscheidung begreiflich macht, sondern auch die Zuschauer sofort für sich gewinnt.
Mehr hätte man sich angesichts der zahlreichen kleineren Rollen sicherlich nicht wünschen können.

Dank der bleicheren Farben, der zeitgemäßen Kleidung und Autos, die im Hintergrund zu sehen sind, gelingt Filmemacher Roger Donaldson ein sehr authentisches Flair des London in den 70ern. Die rasante Schnittfolge, die auf Grund der mehreren Handlungsebenen und der verschiedenen Parteien, die die Bankräuber unter Druck setzen, auch Aufmerksamkeit von Seiten der Zuschauer erfordert, stört nicht. Kameraeinstellungen und Blickwinkel sind dabei ebenfalls trotz der eher traditionellen Umsetzung – es wird auf Zeitlupen oder ähnliche Spielereien glücklicherweise verzichtet – originell gewählt und wecken trotz der modernen Umsetzung Erinnerungen an Klassiker aus jener Zeit.
Womit Donaldson jedoch keine Schwierigkeiten zu haben scheint, ist der Einsatz viel nackter Haut, die in einer amerikanischen Produktion sicherlich so nicht gezeigt worden wäre, und auch einer sehr realistischen Gewaltdarstellung. Zwar wird dies nicht unnötig ausgewalzt, doch eignet sich der Film auf Grund der sehr harten Gangart in der zweiten Hälfte definitiv nicht für Kinder und hätte von der FSK auf Grund des realitätsbezogenen Hintergrundes nicht ab 12 Jahren freigegeben werden sollen. Vom Inhalt des Films und der Ausdrucksweise ganz abgesehen.
Handwerklich gibt es an Bank Job allerdings nichts zu beanstanden. Die solide und einfallsreiche Umsetzung der durchaus spannend eingefangenen Szenen ist gerade in der heutigen Zeit leider keine Selbstverständlichkeit. Gerade deshalb garantiert der Film gute Unterhaltung.

Musikalisch bietet Komponist J. Peter Robinson einen erfreulich vielschichtigen Mix, der sich zwar grob an den rhythmischen Melodien der 70er Jahre-Klassiker erinnert, aber dennoch modernisiert klingt. Schnelle Melodien, die ein hohes Tempo verleihen, atmosphärische Stücke und vieles mit einem Hauch Ironie garniert erleichtern somit selbst härtere Szenen des Thrillers, auch wenn es die eingespielten gesungenen Lieder sind, die für das authentische Flair des Films sorgen.
Die modernere Instrumentierung mag zwar manchen Zuschauern nicht so sehr gefallen, doch genau diese Elemente sind es, die Bank Job im Endeffekt zeitloser wirken lassen als manch andere Filme jenes Jahrzehnts.

Wenn selbst der Humor nicht aufgedreht und überspitzt dargebracht wird, sondern man viel öfter schmunzeln, statt lachen kann, wird schnell deutlich, an wen sich der Thriller denn richtet.
Jugendlichen wird es vermutlich zu wenig actionbetont sein, was Regisseur Donaldson hier zeigt. Andererseits ist es trotz der trockenen One-Liner ein ernster Ansatz, der auf Grund des realistischen Hintergrundes auch zu einem gewissen Grad schockiert. Das erwachsene Publikum hingegen wird viele Details in der Ausstattung schätzen, oder Figuren wie Beatles-Legende John Lennon, die schweigend im Hintergrund sitzen. Spannend und makellos gefilmt, mit sympathischen Darstellern versehen und dank der verschiedenen Handlungsstränge schnell erzählt, ist es allenfalls die Gewaltdarstellung, die bei Bank Job etwas stört. Dies umso mehr, als dass sie nicht zwangsläufig notwendig gewesen wäre. Andererseits richtet sich nicht nur der politische Hintergrund, sondern auch die gezeigte Korruption in den Reihen der Gesetzeshüter eher an ein älteres Publikum.
Und dieses sollte auch bestens unterhalten sein.


Fazit:
Dank des überzeugenden 70er-Jahre-Ambientes und der realistischen Darstellung packt die vielleicht nah an die Wahrheit heranreichende Darstellung des ungewöhnlichsten Bankraubs der britischen Geschichte von der ersten Minute an. Regisseur Roger Donaldson kleidet seinen Thriller in schicke Bilder, nutzt leicht verschobene Kameraperspektiven und Bewegung zusammen mit einer temporeichen Schnittfolge, um die Zuschauer auch geistig zu fordern.
Doch sind es die bis in die Nebenrollen sehr gut besetzten Schauspieler, angeführt von einem charismatischen Jason Statham und einer ebenso undurchsichtigen Saffron Burrows, die Bank Job sehenswert machen. Wie viel davon nun wahr ist, und wie viel Fiktion, wird man wohl nie erfahren, unterhaltsam ist es es allemal. Wenn auch außergewöhnlich ernst in der zweiten Hälfte, was dem Film ein wenig die Unbekümmertheit des Auftaktes nimmt.


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