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Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding [1999]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. Oktober 2017
Genre: Komödie / Krimi

Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 1999
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Peter Thorwarth
Musik: Rainer Kühn
Darsteller: Oliver Korittke, Markus Knüfken, Ralf Richter, Diether Krebs, Martin Semmelrogge, Heinrich Giskes, Christian Kahrmann, Alexandra Neldel, Monica Nancy Wick


Kurzinhalt:

Bislang glaubte der Kleinganove Keek (Oliver Korittke), er hätte noch Zeit, um das Geld zusammen zu bekommen, das er nach einem Banküberfall mit Kalle Grabowski (Ralf Richter) gehütet hat. Kalle musste dafür ins Gefängnis und sollte dort auch noch zwei Jahre bleiben. Nur ist von dem Geld kaum mehr etwas da, das Meiste ist für Marihuana und Pferdewetten verloren gegangen. Und Kalle sitzt nicht weitere zwei Jahre, sondern ist ausgebrochen. Zusammen mit seinem Freund Andy (Markus Knüfken) will Keek daher bei einem Einbruch mitmachen, von dem Schlucke (Martin Semmelrogge) überall erzählt. Der soll bei seinem Chef, Werner Kampmann (Diether Krebs), einbrechen, für einen geplanten Versicherungsbetrug. Doch geht bei der nächtlichen Aktion alles schief und eher unbeabsichtigt kommt Kampmann ein Schlüssel dabei abhanden, an dem sehr viel Geld hängt. Nur ahnt Keek davon nichts. Dabei sitzt ihm Kalle immer noch im Nacken …


Kritik:
Über weite Strecken gibt es in Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding keine einzige Figur, der man es als Zuseher gönnen würde, die aberwitzige Geschichte unbeschadet zu überstehen. Dafür verhalten sie sich allesamt in den normalsten Momente auf die dämlichste Art und Weise, die man sich nur vorstellen kann. Am Ende findet Regisseur Peter Thorwarth die bestmögliche Auflösung für eine stellenweise temporeiche und so haarsträubende Komödie, in der man in manchen Momenten aus dem Lachen kaum mehr herauskommt – vorausgesetzt, man besitzt eine ganz bestimmte Art von Humor.

Dass sich Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding nicht für ein sehr junges Publikum eignet, spiegelt bereits die FSK-Freigabe wider, die vielleicht einen Tick zu hoch angesetzt ist, ab 12 Jahren aber sicher einen Tick zu niedrig ausfallen würde. Angesiedelt im östlichen Teil des Ruhrgebiets, erzählt die Geschichte vom Gelegenheitsgauner Keek, der trotz – oder gerade auf Grund – seines nicht unerheblichen Marihuana-Konsums ein Problem hat: Vor einigen Jahren hatte er mit Kalle Grabowski eine Bank überfallen. Kalle wurde geschnappt und hat dicht gehalten, Keek blieb frei und sollte auf das Geld aufpassen. Doch das hat sich buchstäblich in Rauch und in Pferdewetten aufgelöst. Nun ist Kalle ausgebrochen, um einen Schmalspurpornoproduzenten zur Strecke zu bringen, mit dem seine Frau fremdgegangen ist. Und er will von Keek das Geld haben.

Bei dem vollkommen abstrusen Vorhaben, das Geld zurück zu bekommen, tritt der von Martin Semmelrogge fantastisch gespielte Schlucke auf den Plan. Er soll für seinen Chef Werner Kampmann in der Firma einbrechen und für ein Durcheinander sorgen, um die Versicherung zu betrügen. Keek und sein Freund seit Kindertagen, Andy, hoffen, bei dem Einbruch etwas Verwertbares zu finden, doch dann kommt alles ganz anders als gedacht und ein Daumen unglücklicherweise ab.
Die Beschreibung klingt, als drifte die Geschichte von konstruiert zu unglaubwürdig zu vollkommen hanebüchen. Dem ist auch so. Dass es dennoch funktioniert, liegt an der Art und Weise, wie Regisseur Thorwarth seinen Film erzählt. Bis auf Werner Kampmann – Diether Krebs in seiner letzten Rolle, in welcher er alle Register der komödiantischen Schauspielkunst zieht, von unterschwellig brodelnd bis hin zu explosiv tobend – ist keine Figur wirklich bösartig.

Wird Keek das ganze Ausmaß des Schlamassels klar, in den er geraten ist, tut er einem beinahe leid. Andy will seinem Freund an sich nur helfen und Schlucke ist im Grund die ärmste Figur der Geschichte. Dem Alkohol verfallen und von allen Seiten belächelt, will er sich und der Welt beweisen, dass er auch etwas zustande bringt. Und sei es nur "ein todsicheres Ding", von dem er voller Stolz im Vorfeld bereits so vielen Leuten erzählt, dass alles schiefgehen muss. Die Ruhrpott-Komödie als Milieustudie zu bezeichnen, mag dabei etwas hochgegriffen sein, aber betrachtet man die Charaktere für sich in ihrer Umgebung, sind die Figuren passend getroffen. Auch von der namhaften Besetzung, die Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding zu einem solch unterhaltsamen Filmabend macht. Oliver Korritke und Ralf Richter sind umwerfend, Diether Krebs und Martin Semmelrogge stechen deutlich hervor in zwei Rollen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Markus Knüfken hat dagegen recht wenig zu tun, ebenso wie Alexandra Neldel, der dafür nicht nur eine der besten Pointen im Film gelingt, sondern die das Geschehen schlussendlich in eine ganz andere Richtung lenkt.

Zugegeben, nicht alle Wendungen der Geschichte sind wirklich notwendig, ebenso wenig alle Figuren – auf "Ratte" könnte man beispielsweise ohne Not verzichten – und trotz des Humors besitzt die Komödie ein paar Längen. Dafür trägt die Besetzung, wie auch die leichtfüßige Inszenierung dazu bei, dass der Film nicht nur positiv in Erinnerung bleibt, sondern beim wiederholten Ansehen eher noch gewinnt. Dafür sollte das Publikum in der richtigen Stimmung sein. Dann kann man hier jedoch nichts falsch machen.


Fazit:
Egal wie abwegig die Idee einer Figur hier auch sein mag, sie wird mit Sicherheit wenig später übertroffen werden. Dass sich ein jeder dabei im Recht glaubt, seinen Standpunkt mit oft verletzenden und persönlichen Kommentaren in den Dialogen verteidigt, macht die Momente nur noch lustiger. Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding lebt von einer aberwitzigen Geschichte, bei der keine Nebenfigur umsonst eingeführt wird, sondern sicher nochmals auftaucht. Dass Keek und seine Mitstreiter schlicht kein Glück haben, was immer sie sich vornehmen, trägt immens zum Charme der Ruhrpott-Komödie bei. Flott erzählt, ansprechend umgesetzt und mit einem Fingerspitzengefühl für abstrus-witzige Momente, zählt Peter Thorwarths Film zu den lustigsten deutschen Komödien – nicht nur am Ende des letzten Jahrtausends –, die nicht ins Zotige abdriften müssen, um Spaß zu machen.
Der Humor ist nicht für jedes Publikum geeignet und auf keinen Fall für ein zu junges.
 


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