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Bad Boys II [2003]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. Oktober 2003
Genre: Action / Thriller / Komödie

Originaltitel: Bad Boys II
Laufzeit: 148 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: keine Jugendfreigabe

Regie: Michael Bay
Musik: Trevor Rabin
Darsteller: Martin Lawrence, Will Smith, Jordi Mollà, Gabrielle Union, Peter Stormare, Theresa Randle, Joe Pantoliano


Kurzinhalt:
Die beiden Drogenfahnder Marcus Burnett (Martin Lawrence) und Mike Lowrey (Will Smith) sind die bösen Jungs der Polizei von Miami geblieben. Ihre Einsätze enden nicht selten in Schusswechseln; und seit Neuestem verfolgt sie auch noch eine Pechsträhne. Nach dem Tipp eines Informanten möchte dasTactical Narcotics Team – TNT – eine Drogenübergabe im Wert von Hunderten Millionen Dollar vereiteln, doch die Aktion ist ein Fehlschlag: Es befinden sich nicht einmal zwei Päckchen bei den Händlern.
Die Beziehung der "Bad Boys" untereinander ist ebenfalls alles andere als rosig. Schon seit längerer Zeit hat Burnett den Entschluss gefasst, dass er von Lowrey als Partner wegkommen möchte, da er die Gefahr, in der er täglich schwebt, seiner Familie nicht mehr zumuten kann. Da hilft es nicht unbedingt, dass er von Mike auch noch angeschossen wird.
Unterdessen ist Marcus' Schwester Sydney (Gabrielle Union), die verdeckt für die Drogenbehörde arbeitet, dem größten Drogenimporteur Floridas, dem Kubaner Hector Juan Carlos Tapia (Jordi Mollà), auf der Spur. Der wiederum hat Mike und Marcus im Visier, da sie ihm zu häufig ins Geschäft gefunkt haben.


Kritik:
Ob dem inzwischen 48-jährigen ein Psychologieabschluss bei seiner Karriere als Filmproduzent geholfen hat? Seit 30 Jahren ist Jerry Bruckheimer im Geschäft, hat in der Zeit knapp 50 Produktionen überwacht, darunter in jüngster Zeit sogar erfolgreiche TV-Serien wie CSI: Crime Scene Investigation [seit 2000] und Without a Trace – Spurlos verschwunden [seit 2002]. In diesen 30 Jahren spülten seine Filme buchstäblich Milliarden Dollar in die Kassen, allein 2003 waren es mit Bad Boys II und Fluch der Karibik [2003] knapp 500 Millionen Dollar, und das nur in den USA!
Der Durchbruch kam vor 20 Jahren, als er bei Flashdance [1983] auf Don Simpson traf. Gemeinsam setzten sie Kassenknüller wie Beverly Hills Cop - Ich lös' den Fall auf jeden Fall [1984], Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel [1986], Crimson Tide - In tiefster Gefahr [1995] und The Rock - Fels der Entscheidung [1996] in bare Münze um und wurden nicht nur inoffiziell zum Dreamteam Hollywoods gekürt. 1996 starb Simpson und viele fürchteten, dass auch Bruckheimers Erfolg mit ihm gehen würde. Doch damals hatte sich schon ein anderes Team gefunden: Jerry Bruckheimer und Regisseur Michael Bay, der sowohl The Rock, als auch ein Jahr zuvor Bad Boys [1995] inszenierte. Als ehemaliger Werbefilmer erklomm Bay in Rekordgeschwindigkeit den Thron Hollywoods – nicht unbedingt künstlerisch, was unzählige, nicht unbedingt wohlwollende Kritiken belegen –, aber kommerziell. Zusammen stellten Bruckheimer und Bay Armageddon - Das jüngste Gericht [1998], Pearl Harbor [2001] und Bad Boys II auf die Beine. Der Lohn der Mühe: Ein weltweites Einspielergebnis ihrer Filme von mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass die Studios glasige Augen bekommen, wenn sie von einem neuen Projekt der Filmemacher hören.
Mit Bad Boys wurde noch ein weiteres Dreamteam begründet: Martin Lawrence und Will Smith. Es dauerte acht lange Jahre, bis sich das Quartett wieder einfand – zig Drehbuchentwürfe, Terminverschiebungen und Gagenpokern später; von Drogenexzessen und Skandalen ganz zu schweigen (die aber auf das Konto von Martin Lawrence gingen).
Sollte Bad Boys II aber das Beste sein, womit die Autoren und Filmemacher nach all der Zeit und dem zugrunde liegenden Geld- und Materialaufwand dienen können, dann ist es – so viel sei vorweggenommen – schlicht ein Armutszeugnis.

Es ist prinzipiell schon kein gutes Zeichen, wenn von den Autoren des ersten Films keiner an der Fortsetzung beteiligt ist; hier hätte man das aber verschmerzen können, denn der letztendlich aufgeführte Drehbuchautor ist kein anderer als Jerry Stahl, der nicht nur bei Bruckheimers erfolgreichster TV-Serie CSI, sondern schon bei der überaus witzigen Bruce-Willis-Serie Das Model und der Schnüffler [1985-1989] tätig war. Hinzu kam Ron Shelton, Regisseur des düsteren Cop-Thrillers Dark Blue [2002] – ansich also keine schlechte Ausgangslage.
Und doch vermag es das Skript in keiner Sekunde, den Charme und die Chemie der Charaktere aus dem ersten Teil wieder aufleben zu lassen. Die Grundhandlung ist ebenso aufgeblasen wie inhaltsleer und mit so vielen brutalen, menschenverachtenden Geschmacklosigkeiten durchsät, dass dem Zuschauer beinahe schlecht wird.
So werden die Drogen aus Kuba in Leichen versteckt und in die USA geschmuggelt. Um das herauszufinden, müssen die beiden Hauptcharaktere selbige aber erst einmal untersuchen – und die Macher fanden kein geeigneteres Mittel, als mit der Kamera auf die geöffneten Toten zu halten. Dieser Handlungsaspekt wurde auch zum Anlass genommen, eine Verfolungsjagd mit einem Leichenwagen einzubauen, wobei knapp ein halbes Dutzend Leichen aus dem Fahrzeug "fallen" und mehrfach überrollt werden – eine davon wird dabei sogar enthauptet.
Um den Bösewicht wirklich böse erscheinen zu lassen muss sich dieser im Film verständlicherweise mehrerer Leute entledigen, ein Mann wird dabei "demontiert", der andere erleidet eine "Bleivergiftung". Auch hier setzt Bay auf den seiner Meinung nach wohl unterhaltsamen Splattereffekt und nimmt Vieles in Zeitlupe mit Kamerabewegungen à la Matrix [1999] auf. So bekommt man nicht nur den Eintriff der Kugeln zu sehen, sondern in Slow-Motion auch den Austritt.
Sicherlich war der erste Bad Boys-Film nicht gerade zimperlich und an einigen Stellen überflüssig brutal, in der Fortsetzung wird die Gewalt allerdings buchstäblich bis zum Exzess zelebriert, und das mit einer offensichtlichen perversen Lust, dass man Regisseur und Produzent nahelegen sollte, selbst einen Psychiater aufzusuchen. An einem Beispiel wird der Unterschied wohl am deutlichsten: Wurden die Bösewichte im ersten Bad Boys noch recht schnell ins Jenseits befördert, so zeigt die Fortsetzung durchaus, wie der Gangster erst erschossen wird, der leblose Körper anschließend auf eine Landmine fällt, und wenig später auch noch den zerfetzten Torso.
Was an Leichenschändung witzig oder unterhaltsam sein soll, müssen die Filmemacher erst noch erklären.

Im Vorgänger lag der Hauptaspekt der Story eigentlich nicht so sehr auf der Action, sondern vielmehr auf dem Charme des Duos Smith/Lawrence und der Comedy in der Geschichte. Dadurch, dass man schon in der ersten Szene das Gefühl hat, dass sich die beiden Hauptcharaktere im zweiten Film von Grund auf nicht mehr ausstehen können, fehlt aber die Chemie völlig. Genau aus diesem Grund macht es aber keinen Spaß, ihnen zuzuschauen. Wenn sie witzige Sprüche austauschen, sind die in aller Regel bösartiger oder beleidigender Natur; aber dass sie beste Freunde sein sollen, oder zumindest gewesen sind, nimmt man den Filmfiguren nicht ab.
Ein weiteres Grundproblem des Drehbuchs sind die Unstimmigkeiten zwischen erstem und zweitem Teil, und die Sprünge in der Story des zweiten Films ansich. So lebte Detective Burnett im Vorgänger mit seiner Familie in einem kleinen Haus, in dem es recht chaotisch und gerade deshalb heimelig aussah. In Bad Boys II wohnt er in einem Luxusanwesen am Fluss, mit Marmorböden, Wandvertäfelungen und mehr Platz als zwei Familien benötigen. Auch das Polizeihauptquartier "verbesserte" sich; statt vieler Schreibtische in einem stickigen großen Raum, befindet sich das TNT nun in einem großen, hellen Gebäude mit viel Glas, Steinböden und luxuriösen Holzmöbeln – es mag durchaus sein, dass sowohl das Department, als auch Burnett in den acht Jahren im Lotto gewonnen haben, eine Erklärung hierfür wäre aber schön und vor allem nötig gewesen.
Der willige Zuschauer darf sich außerdem auf zwei gravierende Story-Löcher freuen: So endet die erste große Freeway-Verfolgungsjagd mit dem Autotransporter, dessen Fracht fahrend abgeladen wird, so abrupt, dass man als Zuschauer wirklich kaum mitkommt: Von einem Szenenschnitt auf den anderen steht der Truck plötzlich verlassen auf der Straße, von den Tätern keine Spur. Dafür finden Lowrey und Sydney Burnett noch einen Moment Zeit für ein kleines Techtel-Mechtel. Dass wenige Minuten zuvor zig Zivilisten ihr Leben verloren haben, als immer wieder eigentlich unbeteiligte PKWs bei Crashs in Flammen aufgingen, scheint weder das Drehbuch, noch die Protagonisten zu interessieren. Selbst der Polizeichef (Joe Pantoliano) bemerkt wenig später in vollem Ernst, es seien "glücklicherweise keine Polizisten umgekommen" – wäre es ironisch gemeint gewesen, hätte man immerhin noch schmunzeln können, aber bei einer derartigen Respekt- und Verantwortungslosigkeit kann man nur müde den Kopf schütteln.
Der nächste Sprung findet kurz vor Schluss statt, als der Bösewicht Tapia Sydney Burnett als Geisel genommen hat. Sein Haus wird darauf von zwei Dutzend Polizisten gestürmt, doch urplötzlich ist Tapia nicht mehr im Gebäude; wie er sich abgesetzt hat, wird nie geklärt.

Als wären diese Mängel, die Storylöcher und der fehlende Humor nicht schon schlimm genug, gesellen sich dazu noch altbekannte Sprüche, Szenen und Versatzstücke, die man schon lange aus witzigeren und besseren Filmen kennt – eine ist beispielsweise Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone [1986] entliehen – dazu ein klischeehafter, dauernörgelnder Polizeichef und einige Sequenzen, die beim besten Willen nicht makaber oder witzig sind, sondern schlicht geschmacklos. So schüchtern Mike und Marcus einen 15-jährigen Jungen, der Marcus' Tochter zum Date ausführen will, nicht nur mit rassistischen und beleidigenden Schimpfwörtern ein, sie bedrohen ihn sogar mit einer Waffe und bringen den harmlosen Jungen beinahe zum Weinen. Wurde eine ähnliche Szene in den Lethal Weapon-Filmen noch wirklich witzig umgesetzt, weil einer der Charaktere das Ganze wieder aufgelockert hat, meinen es die Autoren hier todernst und vermitteln den Eindruck, dass man als Polizist ohne Weiteres mit Waffen auf Kinder zielen kann – um so seiner Verantwortung als Elternteil gerecht zu werden! Selbst Will Smith vertrat die Ansicht, diese Szene sei falsch und fehlplatziert, er drehte sie aber dennoch.
Dass sich die Autoren keine Gedanken über die Konsequenzen der Handlungen gemacht haben, merkt man an vielen Stellen; beim Finale in Kuba beispielsweise jagen zwei Jeeps einen Berghang hinunter, auf dem Hütten von Obdachlosen stehen, in denen anscheinend die Drogen hergestellt werden. Unzählige dieser Hütten werden plattgefahren, doch dass in ihnen ja auch Menschen sein müssten, wird ignoriert.
Viel wichtiger war wohl, dass der Bösewicht Tapia die Drogen in Kuba (bekanntermaßen ein Erzfeind der USA) herstellt, sie in die USA schmuggelt und das Drogengeld persönlich an Fidel Castro (!) abführt – beim Finale bekämpfen die Bad Boys auf Kuba sogar Castros Armee erfolgreich – "God bless America"! Man könnte es fast als Satire auffassen, wäre es nicht so platt peinlich, und von den Machern ernst gemeint.

Angeblich freuten sich die Darsteller nach all den Jahren auf die erneute Zusammenarbeit; sogar Joe Pantoliano, der beim ersten Teil sowohl Michael Bay, als auch Lawrence und Smith angeblich nicht ausstehen konnte, hatte seinen Spaß. Doch davon ist leider nichts zu sehen.
Martin Lawrence – ob im Film nun einfach schlecht gelaunt, angeschossen, fluchend, heulend schluchzend oder aber dank Ecstasy fröhlich jauchzend – wirkt völlig lust- und farblos; von seiner unbeschwerten und witzig-labilen Art aus Bad Boys ist nichts übrig geblieben. Eine Handvoll seiner Sprüche sind zum Lachen, der Rest seiner Darbietung aber eher zum Weinen. Steif, unterkühlt und verkrampft komisch bewirkt er leider genau das Gegenteil von dem, was seinen Film-Charakter eigentlich auszeichnet.
Will Smith kann das zwar besser überspielen und scheint in einigen Szenen beinahe so gelassen wie im ersten Film, doch die ständigen Möchtegern-coolen Sprüchen in den ansich ernsten Szenen kommen ihm nicht zu Hilfe.
Die einzige, die eine wirklich unbeschwerte und offene Beziehung zu beiden Charakteren hat, und damit genau das zu Tage bringt, was die beiden vorgenannten Stars acht Jahre zuvor auf die Leinwand zauberten, ist Gabrielle Union. Sie hat leider nicht so viel zu tun, das Wenige dafür aber gut erledigt. Bezeichnenderweise äußerte sie sich nach der US-Premiere, dass sie die Gewalt im Film einfach nur abstoßend fand, und sie sich auch nicht erklären konnte, wie Leute dabei im Kino lachen konnten.
Joe Pantoliano Beteiligung ist zu seinem Glück nicht allzu groß ausgefallen, an witzigen Sprüchen gibt es aber keine Punkte zu verbuchen, sein Esoterik-Trip geht einem recht schnell auf die Nerven.
Auf Seite der Bösewichte haben sich die Macher des ansich interessanteren Charakters, dargestellt von Peter Stormare, zu schnell entledigt, unterbeschäftigt war er ohnehin. Jordi Mollàs Part dagegen ist umfangreicher, trotzdem gibt er einen der charismalosesten, eindimensionalsten und schlechtesten Gegner ab, die man seit langem zu sehen bekam. Seine eigentliche Motivation interessiert niemanden, er ist den Helden in keinster Weise ebenbürtig oder gar überlegen, dafür aber skrupellos abstoßend – nur dass man ihm diese Charakterzüge nicht abnimmt.
Die restliche Besetzung ist so unscheinbar wie nebensächlich, einzig der Auftritt des aus dem ersten Teil bekannten Hackers Fletcher (John Salley) kann überzeugen.

Nun glänzten die letzten Regiearbeiten von Michael Bay, Armageddon und Pearl Harbor, nicht unbedingt mit ausgefeilten Stories und durchdachten Charaktermomenten, dafür waren sie hochgradig unterhaltsam. An die inhaltlichen Unzulänglichkeiten von Bad Boys II könnte man sich bei entsprechender Umsetzung ohne menschenverachtenden Humor auch noch gewöhnen, wenn die Inszenierung den Rest vergessen lassen könnte.
Stand Bay bislang für gut choreografierte Action mit bewegter Kamera, die in der Regel dennoch nicht übelkeiterregend schnell geschnitten war, so hat er dies nun ebenfalls ad acta gelegt, wie es scheint. Action gibt es in Bad Boys II reichlich; vier (!) Verfolgungsjagden an der Zahl. Aber nicht nur, dass bestimmte Elemente sich unentwegt wiederholen, die Action selbst ist insbesondere bei den Schießereien und der Freeway-Jagd so unübersichtlich fotografiert und grottenschlecht montiert, dass das Zuschauen zur Qual wird.
Beim Schusswechsel vor dem Freeway beispielsweise sieht man ständig Mündungsfeuer und knapp 20 Leute auf der Straße, die auf alles schießen, was sich bewegt; wer aber auf welcher Seite steht und wohin unterwegs ist, erfährt man nicht. Ein Paradebeispiel, wie ein Straßenshootout aussehen kann, bot Michael Manns Heat [1995]. Doch Bay kümmert sich nicht um solche "Kleinigkeiten", die Kamera trotz permanenter Unruhe auf etwas Bestimmtes zu richten. Wild gestikulierend fangen die Kameramänner alles ein, was sie vor die Linse bekommen. Von einem durchdachten Szenenaufbau kann man hier nur träumen.
Dasselbe Bild bei den Verfolgungsjagden, bei denen man nie weiß, ob die Autokollisionen jetzt vor oder hinter dem Wagen der Helden stattfinden. Zwar schwenkt die Kamera ununterbrochen von einer Seite zur anderen und zoomt Bay-typisch auf die Gesichter der Leute, aber sie lässt dennoch einen richtigen Fokus völlig vermissen.
Ruhige oder dialoglastige Szenen waren noch nie die Stärke des Regisseurs; somit verwundert es nicht, dass sich auch hier Bekanntes wiederfindet: Ganz ansehnlich fotografierte Bilder zeigen Darsteller, die konzeptlos vor der Kamera agieren, ohne rechte Führung oder gar Anleitung. Letztendlich dienen die Gespräche ohnehin nur als Füllsel zwischen den Actionszenen. Diese Lückenfüller stapeln sich dabei im Mittelteil erheblich: von einer Aussprache zwischen Mike und Marcus zur nächsten, über das Verhör eines cracksüchtigen, spirituellen Jamaikaners, bis hin zur gänzlich überflüssigen Nebenhandlung um die Fehde zwischen Tapia und Alexei (Peter Stormare), die ohne Weiteres hätte gestrichen werden können.
Ebenso, wie die Tatsache, den Schauplatz des Finales zusätzlich von Miami noch nach Kuba zu verlegen. Auch hier wären ohne Ortswechsel zehn bis 15 Minuten weggefallen und hätten den überlangen und ermüdenden Film nicht nur kürzer, sondern auch kurzweiliger werden lassen.
Man kann also durchaus behaupten, dass sich zwischen den Actionszenen vor allem das wiederfindet, was bei normalen Produktionen auf der DVD als "Gelöschte Szenen" zu sehen ist, also Filmabschnitte, die zur Story nichts beitragen und den Film nur in die Länge ziehen, abermals kein Kompliment für die Autoren.
Gegeizt hat Michael Bay an Zeitlupen schon zuvor nicht, doch dienten sie bislang dem Zweck, etwas besonders in den Vordergrund zu rücken. Es war ein von ihm gerne eingesetztes Stilmittel. In Bad Boys II dagegen baut er darüber hinaus Kamerabewegungen in Slow-Motion bekannt aus Matrix zusammen mit Zeitraffern und anderen CGI-Gimmicks ein, und so kann man nicht einmal mehr behaupten, dass der Film seine persönliche Handschrift trägt. Man fragt sich vielmehr, ob er überhaupt noch eine hat.

Dass die Actionszenen nicht richtig unterhalten, liegt aber ebenso sehr an der Inszenierung, wie an der Musik; Trevor Rabins Geklimper findet an den Sequenzen im Film nämlich selbst keinen Spaß.
Am deutlichsten wird das bei der Freeway-Autoverfolgungsjagd mit dem Autotransporter. Das Ohr des Zuschauers wird mit einem monotonen Gesäusel aus Bass und Beats vollgejammert, das mit viel Phantasie zwar einen Rhythmus, aber weder eine Steigerung, noch einen Aufbau, geschweige denn einen Höhepunkt besitzt.
Erinnert man sich hier an die kongeniale Musik aus The Rock, kommen einem fast die Tränen.
Das musikalische Desaster ist damit leider noch lange nicht vorbei, denn es galt auch, ein Album zu füllen. Diese Songs sind aber nicht wie beim ersten Film in die Handlung integriert (z.B. als Disco- oder Autoradio-Musik) oder leise im Hintergrund zu hören, stattdessen dröhnen immer wieder Raps, Metal-Musik und allerlei andere Stilrichtungen aus den Boxen – ob nun zu den Bildern passend, oder nicht. Ein richtiges Hauptthema, wie das, das Mark Mancina für den ersten Bad Boys schuf, sucht man vergebens.
Wieso Mancina am zweiten Teil nicht mehr beteiligt ist, ist indes unbekannt; ursprünglich war er dafür vorgesehen, hatte auch schon mit seiner Arbeit begonnen und schied dann aber wenig später wieder aus – vielleicht hat er ja den finalen Schnitt des Films zu Gesicht bekommen, man könnte ihm seinen Rückzug nicht übel nehmen.
So arbeitet nun also neben dem Drehbuch und der Inszenierung auch noch maßgeblich die Musik gegen den Film. Es scheint so, als hätten sich alle Elemente gegen den zweiten Einstand des Cop-Duos verschworen.

Dabei war der Aufwand, den das Produktionsteam auf sich nahm, alles andere als gering. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um das Werk auf die Beine zu stellen:
So drehte man einige Zeit tatsächlich auf dem MacArthur Causeway, der Hauptverbindungsstraße nach South Beach Miami; während dieser Zeit wurde der Freeway verständlicherweise gesperrt, was gewaltige Verkehrsstaus nach sich zog und verständlicherweise auch mehrere Beschwerden von Anwohnern.
Bei der Arbeit an der gleichen Sequenz wies Michael Bay die Stuntleute an, mit Kameras bewaffnet in herunterfallende Autos zu fahren, um so nie gesehene Bilder einzufangen.
Auch das Haus, das beim Finale zerstört wird, war ein echtes; der Besitzer inserierte in Variety, er wolle das Haus abreißen lassen und würde es einem Filmteam übergeben, das es in die Luft jagen könnte.
Regisseur Bay legte die Produktion für kurze Zeit auf Eis, um einige finanzrechtliche Dinge mit seinen Beratern zu klären. Außerdem ist er im Film als Autofahrer zu sehen, der von Martin Lawrence angesprochen wird – doch Will Smith rät seinem Kollegen dann, ein schnelleres Auto aufzutreiben. Interessanterweise stellte Bay seinen eigenen Ferrari dem Drehteam zur Verfügung!
Filmfans wird überdies aufgefallen sein, dass dieselben Bewegungsmelder, die auf Tapias kubanischem Anwesen zu sehen sind, auch schon in The Rock vorkamen.
Der unscheinbarste und vielleicht witzigste Filmgag ist allerdings John Salleys Bemerkung, dass er für seine Hackerarbeit Plätze für ein Spiel der Miami Heat gegen die Los Angeles Lakers haben möchte – Salley war Profi-Basketballspieler und stand in seiner Karriere für beide Mannschaften auf dem Platz.

Wer sich Bad Boys II in der deutschen Fassung zu Gemüte führt, sollte sich auf zwei Dinge einstellen:
Zum einen auf die grauenhafte, unwitzige und indiskutable Synchronisation, deren erster Schockmoment bei der Stimme von Martin Lawrence liegt – selbiger wird nämlich nicht wie gewohnt von Torsten Michaelis, sondern von Dietmar Wunder gesprochen – und auf den noch viele weitere folgen.
Zum anderen ist der Film in Deutschland im Kino nur in einer um 40 Sekunden gekürzten FSK-16-Fassung zu sehen.
Wer sich die ungeschnittene Version, die völlig zurecht die Kennzeichnung "Keine Jugendfreigabe" erhielt, zu Gemüte führen will, muss mit den englischen Originalvorstellungen Vorlieb nehmen, oder auf eine entsprechende DVD-/Video-Veröffentlichung warten. Diese 40 zusätzlichen Sekunden machen den Film zwar auch nicht besser, Fans wird es dennoch nicht freuen, dass sie vom Verleih bevormundet werden.

Bad Boys II ist ein Film, bei dem man nach Verfassen einer eigenen Rezension unweigerlich wissen möchte, was andere von ihm halten, und ob man mit seiner Meinung allein steht. Dabei haben wir entdeckt, dass viele hochbezahlte professionelle Kritiker aus den USA schon längst in Worte gefasst haben, was man abschließend zu Bad Boys II noch sagen könnte. Wer einen Blick jenseits des großen Teichs riskiert, wird unter anderem folgende absolut zutreffende Weisheiten finden: "Das filmische Gegenstück zu Giftmüll" (Peter Travers); "scheinbar unendlich lang" (Bob Strauss); "irgendwo tief begraben unter dem zerbrochenen Glas, verbeultem Metall, verstümmeltem Fleisch und verbranntem Schießpulver gibt es schwache Anzeichen einer klugen kleinen Krimikomödie, die verzeifelt nach Luft zum Atmen schnappt" (Gene Seymour); "wie der Abspann es vermuten lässt, braucht dieser Film mehr Don Simpson und weniger Michael Bay" (Jimmy O); "man könnte auch 'drei Actionsequenzen und vier Comedy-Nummern auf der Suche nach einer Story' dazu sagen" (Stephen Hunter); "jeder, der an diesem Projekt beteiligt war, sollte Sozialdienst leisten müssen" (Roger Ebert); "wenn Sie sich nur einen Film nicht im Kino anschauen, dann sollte es Bad Boys II sein" (James Sanford).


Fazit:
Man sollte meinen, es ist nicht allzu schwer, einen spaßigen Action-Sommerfilm zu machen, immerhin hat es dasselbe Team vor acht Jahren schon einmal geschafft.
Anstelle der witzigen Sprüche und haarsträubend peinlich-lustigen Situationen wird der Zuschauer diesmal mit Sezierungen, Nekrophilie und anderem menschenverachtenden "Humor" bombardiert; gepaart mit extrem brutalen, gewaltverherrlichenden Bildern ergibt das den sicherlich lautesten Sommer-Film des Herbstes, mehr aber auch nicht.
Die Stars von Bad Boys II scheinen trotz der angeblichen Freude am Dreh keine richtige Lust zu haben. Die Story passt in jede Zahnlücke und wird dennoch auf zweieinhalb Stunden ausgewalzt, sodass der Blick zig Mal Richtung Uhr wandert.
Wäre die Action interessant inszeniert, oder zumindest sauber umgesetzt, hätte man Einiges verschmerzen können, doch der sichtliche Aufwand ist den Ärger des Zuschauers nicht wert.
Nach so langer Zeit hatte man auf einen Knaller gehofft – leider explodiert dieser direkt ins Gesicht des Zuschauers. Das Gewicht Buddy-Comedy/Action wurde gegenüber dem Vorgänger derart zur Aneinanderreihung von Geschmacklosigkeiten verlagert, dass man die Filmemacher nur daran erinnern möchte, ein bewährtes Rezept nicht zu verändern. Denn wenn das Zusehen bisweilen zur Qual wird, kann man schlichtweg nicht mehr von einem Spaßfilm sprechen!


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