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Auf Ehre und Gewissen [2002]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Februar 2003
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: Well Schooled in Murder
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: -

Regie: Robert Young
Musik: Robert Lockhart
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, John Sessions, Bill Nighy, Martin Jarvis, Henry Cavill


Kurzinhalt:
Ein Schulfreund bittet Detective Thomas Lynley (Nathaniel Parker), das Verschwinden eines Jungen aus einem Knabeninternat zu untersuchen – wenig später wird der Junge tot aufgefunden. Lynley und Kollegin Havers (Sharon Small) suchen in dem Internat nach Antworten und dem Mörder, doch wie sie feststellen müssen, ist in dieser Eliteschule nicht alles Gold, was glänzt.
Und wenig später verschwindet noch ein Junge.


Kritik:
Mit dem Zweiteiler Gott schütze dieses Haus [2001] feierte Elizabeth Georges Ermittlerduo Lynley und Havers den Einstand auf den internationalen Fernsehschirmen – meistens als großartige Romanadaption gefeiert. Im Jahr 2002 schob die BBC gleich vier weitere Filme nach, beginnend mit Well Schooled in Murder, so der viel passendere Originaltitel.

Erneut sind Havers und Lynley persönlich in den Fall verwickelt und einmal mehr muss Havers gleichzeitig mit persönlichen Familienproblemen kämpfen, diesmal jedoch nur noch auf 90 und nicht 150 Minuten. Dabei hätte dem Film eine längere Dauer wirklich gut getan.

Die Tragödie um einen vermissten/ermordeten Jungen spielt sich in einem Jungeninternat ab, eine dieser Eliteschulen, in denen aber fast alle "eine Leiche im Keller" versteckt haben. So begibt sich der Zuschauer zusammen mit dem ungleichen Paar hinein in eine Welt voller Intrigen, Erpressung und Einschüchterung. Dass dabei ebenso die Schüler, wie die Lehrer betroffen sind, macht die Geschichte nur interessanter.
Aber das Manko der Romanadaption wird alsbald offensichtlich: es sind einfach zu viele Handlungsenden, zu viele Charaktere mit einer Vergangenheit, als dass sich dieses komplexe Konstrukt ansprechend in einen 90-minütigen Film packen ließe. Im Roman mag das kein Problem sein, im Film jedoch hat man den Eindruck, als wären den zahlreichen Darstellungen der persönlichen Schicksale vieler Charaktere einige wichtigere geopfert worden. Das macht auch vor den beiden Hauptcharakteren nicht halt.
Über Lynley erfährt man so gut wie nichts Neues, außer dass er selbst ebenfalls auf einer solchen Schule war und ein Freund ihn damals vor einer Dummheit bewahrte. Havers hat mit ihrem sterbenden Vater und ihrer senilen Mutter zu kämpfen, wobei eben dieser Handlungsstrang viel zu kurz und dennoch überflüssig wirkt, da man als Zuschauer immer noch keine Zeit bekommen hat, sich mit den Charakteren zu identifizieren und dadurch auch keinerlei Mitgefühl oder wirkliches Interesse hegen kann.
Die eigentliche Bösewichtsrolle wird auf drei Charaktere aufteilt, von denen mindestens einer hätte eingespart werden können. Das hätte den anderen Figuren mehr Raum gelassen und sichtlich zum Erzählfluss beigetragen. Dadurch, dass so viele einzelne Handlungsstränge miteinander verwoben werden sollen, kommen auch die Dialoge des Ermittlerteams viel zu kurz. Die Befragung eines Verdächtigen dauert keine Minute, der Zuschauer wird gar nicht in Versuchung geführt, sich aus reichhaltigen und pointierten Dialogen die nötigen Informationen herauszusuchen, um so selbst als Detektiv am Geschehen teilzunehmen, vielmehr wird einem alles auf dem Silbertablett serviert.
In die Abgründe der Beteiligten am Internat zu blicken, kann dennoch gefallen, macht den Fernsehfilm jedoch nicht zwingend zu einem Muss.

Das Hauptmanko liegt allerdings bei dem Duo selbst, insbesondere bei Barbara Havers, gespielt von Sharon Small. Während Nathaniel Parker durch seine typisch englische Art, den leicht arroganten aber aufmerksamen Blick und sein selbstsicheres Auftreten Detective Lynley überzeugend nahebringen kann, wirkt Havers viel zu steif, taktlos und vorlaut. Hin und wieder fällt zwar ein witziger Spruch; aber genau in den Momenten, wenn Lynley Havers etwas über sich erzählen möchte, zerstört Havers den Moment mit einem unpassenden Kommentar – und der Zuschauer ärgert sich.
Parker kann durch seinen eigenwilligen Charme überzeugen, Small wirkt in dem Film, wie bereits im ersten, aufgesetzt und fehlplatziert. Von Ausstrahlung oder Charisma keine Spur.
Ebenso vergebens sucht man eine Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Von Vertrautheit ist nichts zu sehen, das deutsche "Sietzen" trägt seinen Teil dazu bei, aber auch der Ton und die Gespräche, die die beiden miteinander führen, scheinen von nichts anderem geprägt, als ihrer Arbeit.
Wenn man dem gegenüber die Krimireihen Für alle Fälle Fitz [1993-1996] und McCallum [1995-1998] stellt, in denen die Charaktere auch mit persönlichen Problemen zu kämpfen hatten, aber zwischen ihnen und ihren Arbeitskollegen auch ein kollegiales Verhältnis herrschte, dann kommt einem die Beziehung zwischen Lynley und Havers vor, als wäre sie am Reißbrett mit zwei stumpfen Löffeln geschnitzt worden.

Die Inszenierung kann beim zweiten Abenteuer mehr überzeugen, als es noch in Gott schütze dieses Haus der Fall war, wirkt aber dennoch nicht völlig ausgenutzt. Einige Überblendungen, Off-kommentierte Szenen und allein die Kamerawinkel bei manchen Sequenzen sind zu gewöhnlich, zu klischeehaft, als dass man sie nicht schon x-mal in anderen Filmen gesehen hätte.
Auch für das Internat selbst bekommt man kein Gefühl vermittelt, weder für die Größe, noch die Organisation, auch wenn in einigen Szenen Ansätze zu sehen sind.
Das actionbetonte Finale samt Auflösung folgt dagegen zu plötzlich und während des Film selbst nicht ausreichend genug vorbereitet, als dass man sich mit der präsentierten Lösung anfreunden könnte.

Letztendlich bleibt eine interessante Story übrig, die in einigen Aspekten zu vertieft und in anderen zu oberflächlich erscheint.
Hoffentlich wird es nicht zur Gewohnheit, dass jeder Fall von Lynley und Havers sie selbst in irgendeiner Weise betrifft, seien es nun persönliche Belange oder ihre Freunde. Das mag zwar auf den ersten Blick dabei helfen, die Charaktere einzuführen, andererseits sinkt damit aber auch die Glaubwürdigkeit: Wenn jeder Polizist nur Fälle bearbeiten würde, in die er persönlich verstrickt wäre, könnte man die Notrufnummern abschaffen.
Das Team Parker und Small sollte dringend an ihrem Zusammenspiel arbeiten; momentan scheint es, als wäre Havers nur Stichwortgeber für Lynley, der die Fälle großteils im Alleingang löst und auch die Zusammenhänge viel früher erkennt.
Fans von englischen Krimis werden sich nach Robbie Coltrane als Fitz zurücksehnen und weiter hoffen, dass der imposante Darsteller über seinen Schatten springt und irgendwann wieder in die Rolle des Polizeipsychologen schlüpfen wird.
Dagegen ist Auf Ehre und Gewissen trotz der interessanten Ausgangslage einfach zu seelen- und herzlos.


Fazit:
Besser als der erste Teil, aber das kratzbürstige Team Lynley/Havers besitzt immer noch nicht genug Charme oder Charisma, um Zuschauer zu fesseln. Wäre da nicht der interessante Fall im Internat, könnte man nach einigen Minuten getrost wegzappen.
Aber vielleicht ändert sich das ja in den kommenden Verfilmungen...
Hoffentlich!


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