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Apollo 13 [1995]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Juni 2011
Genre: Drama / Dokumentation

Originaltitel: Apollo 13
Laufzeit: 140 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1995
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ron Howard
Musik: James Horner
Darsteller: Tom Hanks, Bill Paxton, Kevin Bacon, Gary Sinise, Ed Harris, Kathleen Quinlan, Tracy Reiner, David Andrews, Michele Little, Chris Ellis, Joe Spano, Xander Berkeley, Marc McClure, Ben Marley, Clint Howard


Kurzinhalt:
Jim Lovell (Tom Hanks) war dem Mond schon zum Greifen nahe. Er und sein Team bestehend aus Fred Haise (Bill Paxton) und Ken Mattingly (Gary Sinise) werden gebeten, die Mission Apollo 13 zu übernehmen, die als dritte die Mondoberfläche betreten soll. Auch wenn Jims Frau Marilyn (Kathleen Quinlan) von der Idee nicht angetan ist, wird sie ihrem Mann den Wunsch nicht ausschlagen können. Im Vorfeld des Starts wird Mattingly durch den Ersatzmann Jack Swigert (Kevin Bacon) ausgetauscht, da befürchtet wird, Ken könne die Masern bekommen.
Nach einem ruckigen Start verläuft der Flug nach Plan, bis sich bei einer Routine-Operation eine Explosion ereignet, die Apollo 13 zum Schlingern bringt. Dabei werden auch die Sauerstofftanks beschädigt. Während Flugdirektor Gene Kranz (Ed Harris) entscheidet, den Flug zum Mond abzubrechen und die Astronauten so schnell wie möglich zurück zu holen, häufen sich an Bord der Apollo-Kapsel die Schwierigkeiten. Nicht nur, dass die Energie knapp wird, auch die Versorgung mit atembarer Luft geht schneller zur Neige als gedacht, davon abgesehen, dass die Flugbahn für den Wiedereintritt nicht stimmt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit ...


Kritik:
Dass so viele unglückliche Umstände ausgerechnet bei der Apollo-Mission mit der Nummer 13 zusammen kommen würden, scheint beinahe wie ein Wink des Schicksals. Dass das Unglück, welches die Mission zu einer der bekanntesten der Raumfahrt machen sollte, auch noch am 13. April mittelamerikanischer Zeit geschah, ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Regisseur Ron Howard erzählt sein dokumentarisch recherchiertes Drama um Jim Lovell, der als Leiter der dritten Crew den Mond betreten sollte, nicht effekthascherisch, sondern mit einem Gespür für die Figuren und ihre Ängste. Vor allem aber macht er Apollo 13 zu einem inspirierenden Zeugnis dessen, was auch in den größten Notsituationen möglich ist, wenn Menschen zusammen arbeiten.

Hört man sich bezüglich solcher auf Tatsachen basierenden Filme die Meinungen von Zuschauern an, finden sich viele, die behaupten, diese Geschichten besäßen deshalb schon keinen Reiz, weil man ja weiß, wie sie enden. Nicht nur, dass es bei Apollo 13 wie bei vielen anderen Projekten darauf ankommt, wie der Ausgang denn erreicht wird, es gelingt dem Film gerade in der letzten halben Stunde auch beim wiederholten Anschauen immer wieder, ein Gefühl zu erzeugen, dass es dieses Mal doch anders ausgehen könnte.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1969, als Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin Geschichte schreiben, indem sie den Mond betreten. Ein Jahr zuvor bereits hatte Jim Lovell den Mond umrundet und man sieht es ihm an, was er darum geben würde, an Armstrongs Stelle zu sein, als dieser seine berühmten Worte von der Mondoberfläche spricht. Für Lovell sollte dies erst später mit Apollo 14 soweit sein, doch wird sein Team mit dem von Apollo 13 getauscht, so dass er früher noch Fuß auf den Erdtrabanten setzen soll. Selbst wer sich für die Raumfahrt nicht in dem Maße interessiert, wie viele andere es tun, wird von manchen Missionen schon gehört haben. Bekannter sind dabei trauriger Weise die gescheiterten. Apollo 13 startet 1970 erfolgreich, doch 320.000 Kilometer von der Erde entfernt, erschüttert eine verheerende Explosion die Kapsel. Auch wenn man in diesem Moment nicht versteht, was genau geschehen ist, und was für Instrumente die Astronauten auf Anweisung des Kontrollzentrums überprüfen, zwei Sachen sind einem auch als Laie sofort klar: 1. So weit weg von der Erde gibt es kaum eine Möglichkeit umzukehren und schon gar nicht, einfach die Tür aufzumachen und zu Fuß weiter zu gehen. Und 2. Wenn nach dem Unglück, wie Lovell feststellt, der Sauerstoff ins All geblasen wird, wird für die Astronauten die Luft zum Atmen knapp.

Auf sich allein gestellt und in einem unvorstellbar kleinen Gefährt eingezwängt, beginnt damit für die Astronauten ein Kamp ums Überleben gegen den unerbittlichsten aller Gegner, die Zeit. Währenddessen versucht man bei der NASA, geleitet durch Gene Kranz (exzellent verkörpert durch Ed Harris), die Lage einzuschätzen und so weit es geht zu unterstützen. Letztlich bedarf es der Zusammenarbeit von allen Teams, darunter auch dem Teammitglied Ken Mattingly, der vom Fliegerarzt von der Mission abgezogen wurde, da die Wahrscheinlichkeit bestand, er könne die Masern bekommen, um Apollo 13 zur Erde zurück zu bringen. Zu kämpfen haben sie dabei nicht nur gegen den drohenden Sauerstoffmangel (die CO2-Konzentration wird immer höher), um Energie zu sparen werden alle Instrumente abgeschaltet, so dass es in der Fähre eiskalt wird. Und nicht zuletzt bekommt die Besatzung auch die tagelange Anspannung zu spüren. Apollo 13 gestaltet den Übergang von Tatsachen zu für dramaturgische Zwecke angepasste Momente fließend und erzeugt dabei von Anfang an ein durchgehend überzeugendes Flair, dem man sich als Zuseher kaum entziehen kann. Der Überlebenskampf von Lovell, Haise und Swigert an Bord von Apollo 13 bekommt nochmals mehr Gewicht, wenn man sich ansieht, wie viele Menschen bei der NASA darum bemüht sind, Wege aus der Katastrophe zu finden – während manche bereits Strategien entwickeln, auch den Fehlschlag bestmöglich zu vermarkten. Wie sprunghaft das Interesse der Öffentlichkeit dabei ansteigt, nachdem sich die Explosion ereignet, ist erschreckend und bezeichnend zugleich.

Regisseur Ron Howard kleidet sein Porträt einer der schwierigsten und inspirierendsten Missionen der NASA in hervorragende Bilder und lässt dabei die beinahe zweieinhalb Stunden wie im Flug vergehen. Auch wenn man den Ausgang bereits kennt, fesselt das Gezeigte durch ein packendes Erzähltempo und eine Mut machende Aussage, die von einem exzellenten Cast zum Leben erweckt wird. Tom Hanks, Bill Paxton, Gary Sinise und Kevin Bacon, der den verunsicherten Nachzügler Jack Swigert mimt, werden von einer außergewöhnlichen Besetzung ergänzt.
Auf Grund der majestätischen Hymne und des mitreißenden Rhythmus trägt auch die Musik von James Horner ihren Teil dazu bei, Apollo 13 zu einem zeitlosen, dokumentarischen Drama zu machen. Man fühlt sich wie die Menschen damals, als sie die Nachrichten verfolgten in der Hoffnung, Neuigkeiten vom Team der Apollo-Mission zu hören. Nicht, weil man auf ihr Scheitern hoffte, sondern weil man miterleben wollte, wie auch bei einer so ausweglosen Situation die Hoffnung siegt, wenn Menschen gemeinsam über sich hinauswachsen.


Fazit:
Es ist einer der bekanntesten Sätze der Filmgeschichte, "Houston, wir haben ein Problem" – und wurde so doch nie gesagt. Würde man mit Spitzfindigkeit an eine jede Nacherzählung tatsächlicher Ereignisse herangehen, man würde immer etwas finden, das nicht stimmt. Regisseur Ron Howard versieht seinen Film mit so vielen Details und lässt damit die Zeit in der er spielt auf so subtile Weise aufleben, dass man sich an eine Dokumentation erinnert fühlt. Tatsächlich betonte der Regisseur, wurde keine einzige Aufnahme aus Archivmaterial verwendet. Apollo 13 stellt das menschliche Drama in den Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Situation, die nur dadurch bewältigt werden konnte, dass alle an einem Strang zogen.
Das ist ermutigend und letztlich nur menschlich. Hervorragend gefilmt und gespielt, exzellent zeitlos gemacht, verdeutlicht es, welche Begeisterungsfähigkeit wir verloren haben, als das Raumfahrtprogramm in diesem Sinne eingestellt wurde. Im Juli 2011 wird die Atlantis zum letzten Space Shuttle-Flug starten. Auch damit wird eine Ära zu Ende gehen und wir werden wieder Etwas verlieren, was so viele Fantasien beflügelt hat.


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