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Animatrix [2003]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Juni 2003
Genre: Animation / Science Fiction / Action

Originaltitel: The Animatrix
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Musik: Don Davis


Vorwort:
Die Animatrix ist eine neunteilige Reihe animierter Kurzfilme, die allesamt im bekannten Matrix [1999]-Universum spielen und die Eindrücke jener Welt verdeutlichen, sowie die Hintergrundgeschichte erläutern und vertiefen sollen. Produziert von Larry und Andy Wachowski soll sich die Reihe nahtlos in die bekannte Handlung der Filme einfügen und ergänzen, für Matrix-Fans sind manche Episoden gar buchstäblich unerlässlich, um der Filmhandlung folgen zu können.
Inszeniert von sieben verschiedenen Regisseuren waren vier der Episoden bereits vor Kinostart von Matrix: Reloaded [2003] frei im Internet erhältlich – eine fünfte Folge, Der letzte Flug der Osiris [2003], konnte als Kurzfilm vor Dreamcatcher [2003] im Kino bewundert werden. Wenige Wochen nach dem Kinostart des zweiten Teils der Matrix-Trilogie wurde die gesamte Animatrix auf Video und DVD veröffentlicht, zusätzlich mit Infomaterial ausgestattet und auch die vier neuen Episoden enthaltend.
Im Folgenden finden Sie je eine kurze Beschreibung und eine knappe Kritik zu jeder Episode, eine ausführliche Review zu Der letzte Flug der Osiris – die im Rahmen dieser Kritik aktualisiert wurde – bieten wir Ihnen in unserem Kritiken-Archiv.


Die Episoden:

DER LETZTE FLUG DER OSIRIS (Originaltitel: FINAL FLIGHT OF THE OSIRIS)
Regie:
Andy Jones
Originalstimmen: Kevin Michael Richardson, Pamela Adlon, John DiMaggio, Tom Kenny, Rick Gomez, Tara Strong, Bette Ford
Laufzeit:
9 min.

Inhalt und KurzKritik:
Unsere ausführliche Review des besten Kurzfilms in der Animatrix-Sammlung finden Sie gesondert in unserem Kritiken-Archiv.
Wertung:
(5.5 von 6 Punkten)


THE SECOND RENAISSANCE – Parts I & II
Regie:
Mahiro Maeda
Originalstimmen: Julia Fletcher, Dane Davis, Debi Derryberry, Jill Talley, Dwight Schultz, James Arnold Taylor
Laufzeit:
18 min.

Inhalt und KurzKritik:
Mit der "zweiten Renaissance" bekommt der Zuschauer in knapp 20 Minuten eine Erklärung dafür geliefert, wie aus einer blühenden und wachsenden Gesellschaft der Menschen auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung eine Sklavenrasse wurde, die von Maschinen regiert wird – wie wurde die Welt zur Matrix-Welt, wie sie aus den Filmen bekannt ist? Eine Antwort darauf gibt es hier.
Doch nun werden Kenner des ersten Films schon stutzig: Hieß es dort noch, dass die Menschen so gut wie keine Informationen diesbezüglich haben, so wird einem hier durch die Zion-Archive erklärt, wie es letztendlich zur Matrix kam. Ein Logik-Bruch in der Geschichte? Das wäre sicherlich zuviel gesagt, ein wenig verwundert es aber trotzdem.
Film-Fans wird durch die ausführlichen Erläuterungen allerdings klar, dass die Story von Matrix aus vielen anderen Werken und Genres zusammengeklaut ist, auch Parallelen zu Terminator [1984] sind unverkennbar. Während man im ersten Kino-Film diese Bezüge dadurch umschiffte, dass man über die Anfänge der Matrix nichts verriet, wird der Zuschauer mit diesen Informationen in The Second Renaissance geradezu überflutet.
Ein Anime-typisches Problem ist zudem die exzessive Gewaltdarstellung, die sich im ersten Teil des Kurzfilms hauptsächlich gegen Androiden, im zweiten aber gegen die Menschen richtet. Wieso solch brutale Ideen überhaupt in Szene gesetzt werden mussten, wenn es – wie der Kino-Film bewies – auch ohne geht, ist eine Sache, dass Manches zusätzlich noch in Zeitlupe gezeigt wird, einfach unverständlich.
Zwar handelt es sich nur um Zeichentrickcharaktere, aber gerade im zweiten Teil der Vorgeschichte tauchen ein paar Szenen auf, die einen als Zuschauer doch kurz schlucken lassen.
Nichts auszusetzen gibt es an der Technik der beiden Episoden. Die Hintergründe sind sehr schön animiert und die Charaktere besitzen genug Details, um gefallen zu können. Einige Sequenzen sind bezüglich Aufbau und Bilder beinahe atemberaubend, und viele Ideen sehr gut herausgearbeitet.
Sehenswert sind die beiden Teile auf jeden Fall und gehören in das Pflicht-Programm eines Matrix-Fans.
Positiv hervorheben kann man zudem die musikalische Untermalung, die mit ein paar sehr guten und rhythmischen Themen aufwartet.
Inhaltlich und von der Umsetzung her ist Die zweite Renaissance die drittbeste Episode – und auch die brutalste.
Wertung:
(4.5 von 6 Punkten)


KID'S STORY
Regie:
Shinichiro Watanabe
Originalstimmen: Clayton Watson, Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, John Demita, Kevin M. Richardson, James Arnold Taylor
Laufzeit:
9 min.

Inhalt und KurzKritik:
Kid ergeht es, wie einst Neo, er hat das Gefühl, er sei wirklicher, wenn er träumt – und er träume, wenn er wach ist. Im Internet sucht er nach Antworten, und eines Tages erhält er sie auch: Agenten haben sich an seine Fersen geheftet, da Neo mit ihm Kontakt aufgenommen hat. Kid muss alles riskieren, um der Matrix zu entkommen, doch als Teil des Systems ist er verwundbarer, als je zuvor.
Nach den ersten drei Episoden ist dies erneut eine Folge, die mit der Handlung des zweiten Films eng verknüpft ist, denn hier lernt der Zuschauer Kid kennen; jene Person, die Neo in Matrix: Reloaded unentwegt für seine Rettung danken möchte, und der Auserwählte ihm immer wieder sagen muss, dass Kid sich selbst gerettet hat. Wer sich im Kino also fragte, woher der Charakter eigentlich kommt und inwiefern er mit Neo verbunden ist, erhält hier die Erklärung.
Von diesem Standpunkt betrachtet ist die Story auch sehr interessant, wenn auch wenig innovativ. Einzig die Auflösung kann überraschen und verwirrt zugleich, aber das sollte jeder für sich entscheiden.
Der Zeichentrick-Stil selbst wirkt leider etwas unentschlossen: Während die Hintergründe sehr schön und detailreich gemalt sind, und die Macher mit Perspektiven und Unschärfen arbeiten, wirken die Charaktere hingegen blaß, trotz der vielen bleistiftähnlichen Schatten konturlos, und die Art und Weise, wie sie in Bewegungen regelrecht zerfließen, ist für das Auge eher verwirrend, als stilistisch gerechtfertigt.
Die Mängel der Episode werden jedoch durch die Hintergründe, die actionreiche Musik und die Dynamik des Erzähltempos locker wieder wett gemacht.
Auch diese Episode ist sehenswert und sehr interessant gestaltet, obwohl es ihr an längerem Aufbau und "sauber" gezeichneten Charakteren fehlt.
Wertung:
(4 von 6 Punkten)


PROGRAM
Regie:
Yoshiaki Kawajiri
Originalstimmen: Hedy Burress, Phil LaMarr, John DiMaggio
Laufzeit:
7 min.

Inhalt und KurzKritik:
Während einer Samurai-Trainingsmission stellt Duo die Rebellin Cis vor eine Entscheidung: Sie könnten zusammensein und in die Matrix zurückkehren, wo sie ein glückliches Leben führen würden. Cis muss sich nun zwischen der Matrix und der realen Welt mit Zion entscheiden, worauf ein heftiger Kampf entbrennt.
Hier erwartet den Fan die schwächste der Animatrix-Episoden. Zwar ist die Frage, die aufgeworfen wird, interessant – allerdings wurde diese bereits mit Cypher in Matrix diskutiert und es wird ihr keinerlei neue Tiefe verliehen. Als wäre das nicht genug, präsentiert sich der Zeichen-Stil detailarm, und die Sprecher können selbst im englischen Original ebenfalls nicht überzeugen.
Ohne einen konkreten Bezug zu den Filmen wirkt Program aufgesetzt und inhaltlich farblos, zwar erweisen sich einige Kameraeinstellungen als wirklich interessant und perspektivisch beeindruckend, doch ist dies zumeist der Computerunterstützung zuzuschreiben. Die Zeichnugen selbst sind nicht viel besser als in einer x-beliebigen japanischen Anime-Serie und damit deutlich unter dem Niveau, das die anderen Episoden bieten, weshalb die Episode somit definitiv nicht repräsentativ für die gesamte Kurzfilmsammlung gesehen werden sollte.
Enttäuschend!
Wertung:
(3 von 6 Punkten)


WORLD RECORD
Regie:
Takeshi Koike
Originalstimmen: Victor Williams, John Wesley, Alex Fernandez, Allison Smith, Tara Strong, Matt McKenzie, Kevin N. Richardson, Julia Fletcher
Laufzeit:
9 min.

Inhalt und KurzKritik:
Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sehr intuitiv reagieren, sensibel und wissbegierig sind, schaffen es hin und wieder, die Matrix zu erkennen und sich beinahe aus der Umklammerung zu lösen – Dan Davis, ein Weltklasse-Sprinter, erhält  bei dem Versuch, den Weltrekord aufzustellen, auf andere Art und Weise einen kurzen Eindruck, was jenseits der Matrix in der realen Welt passiert ... doch die Agenten sind auf seiner Spur.
Prinzipiell ist die Story von World Record wirklich faszinierend und interessant, auch die Ideen innerhalb des Kurzfilms können beeindrucken und erscheinen in sich stimmig. Lediglich die Verknüpfung zwischen dem tatsächlich stattfindenden Wettkampf und den zahlreichen Rückblenden, wirkt dahingehend fehlkonzptioniert.
Indiskutabel ist die technische Präsentation der Episode: Die Animationen des Hauptcharakters Dan und auch seines Trainers Tom machen besonders während des Rennens bisweilen einen unfreiwillig komischen Eindruck. Und das war ohne Zweifel nicht im Sinne der Verantwortlichen.
Die Hintergründe sind minimalistisch, die Charaktere blaß und detailarm – und dabei dennoch fast bis zur Karikatur überzeichnet –, und die Bewegungen spotten beinahe jeder Beschreibung; nicht einmal die Dialoge sind richtig lippensynchron.
Die Story selbst bewahrt den Kurzfilm noch vor einem Totalabsturz und macht eines deutlich: Das Anime-Medium ist nicht unbedingt die beste Wahl, um manche Geschichten zu präsentieren. Den Wachowski-Brüdern wäre mit ihrem visuellen Können mit realen Darstellern sicherlich eine bessere Episode gelungen.
Insofern ist World Record inhaltlich sehenswert, die Umsetzung aber äußerst dürftig und hin und wieder unfreiwillig Lacher produzierend.
Wertung:
(2 von 6 Punkten)


BEYOND
Regie:
Koji Morimoto
Originalstimmen: Hedy Burress, Tress MacNeille, Kath Soucie, Pamela Adlon, Tara Strong, Dwight Schultz, Matt McKenzie
Laufzeit:
13 min.

Inhalt und KurzKritik:
Auf der Suche nach ihrer Katze findet Yoko mit einigen anderen Kindern ein Haus, in dem die Naturgesetze keine Wirkung zu haben scheinen: Zersprungene Gläser setzen sich wieder zusammen, Menschen können in der Luft schweben ...
Aber diese Anomalie in der Matrix wurde bereits erkannt und eine Spezialeinheit macht sich daran, sie zu beseitigen und somit die Gefahr einer Entdeckung zu bannen.
Was in Beyond von Beginn an auffällt, sind die liebevollen und detaillierten Hintergründe, die mit Unschärfe-Effekten, Hitzewabern und Licht/Schatten-Spielen sehr gut in Szene gesetzt werden. Hierauf haben die Macher offensichtlich sehr viel Zeit verwendet, und das hat sich zweifelsohne gelohnt. Demgegenüber fehlt es den Charakteren ein wenig an Profil, sie passen sich allerdings immer noch stimmig in das Konzept ein.
Die Story selbst benötigt etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen, und auch die Handkamera-ähnlichen Einstellungen können anfangs kurz für Kopfschmerzen sorgen, insgesamt wartet die Umsetzung aber mit gelungener Atmosphäre auf, was auch an der Musik und dem sehr guten Ton liegt. Wenn es in das Haus hinein geht, merkt man bereits am Licht und der Musik die Andersartigkeit dieses Platzes.
Einige Ideen in Bezug auf das, was die Kinder in dem Haus zu sehen bekommen, sind sehr originell – und wer dem Orakel in Matrix: Reloaded zuhörte, wird von allem nicht besonders überrascht oder verwundert sein. Stattdessen bekommt man knapp zehn Minuten interessente Einfälle der Autoren präsentiert und fragt sich, ob auch das Bermuda-Dreieck nicht viel mehr als eine Anomalie in der Matrix ist.
Visuell interessant und atmosphärisch-spannend lässt Beyond zwar nicht Originalität vermissen, aber doch in gewisser Weise den Ansporn für die Zuschauer, zumal das Ende Vieles ohne Auswirkungen zurücklässt.
Wertung:
(4 von 6 Punkten)


A DETECTIVE STORY
Regie:
Shinichiro Watanabe
Originalstimmen: James Arnold Taylor, Carrie-Anne Moss, T.C. Carson, Matt McKenzie
Laufzeit:
9 min.

Inhalt und KurzKritik:
Der Privatdetektiv Ash soll einen Hacker namens Trinity aufspüren und ist damit auch erfolgreich, doch er muss feststellen, dass er nur Teil eines größeren Spiels ist.
Im klassischen "Film Noir"-Stil gehalten, präsentiert sich diese Detektivgeschichte beinahe ausschließlich in Schwarz-Weiß, das mit einem Grünton versetzt wurde. Technisch erinnert es an eine Bleistiftzeichnung, die Collage-artig mit interessanten und detailreichen Hintergründen zusammengesetzt wurde, doch auch wenn relativ schnell 1940er-Jahre-Flair aufkommt, fehlt es der Handlung einfach an Ideen.
Visuell bleibt die Episode zwar trotzdem originell und sehenswert – die Tatsache, dass Trinity einen kleinen Auftritt hat, macht sie für Matrix-Fans ohnehin interessant, leider hat Trinity nur wenig zu tun, und über ihre Person wird ebenfalls nichts Neues bekannt.
Der Ton ist interessant, die Optik auch – die Geschichte braucht allerdings zu lange, um zum Ende zu kommen, und dazwischen wird man nicht so recht mitgerissen. Zusammenfassend gesagt: Nicht wirklich schlecht, aber nichts, was man unbedingt gesehen haben muss.
Wertung:
(3.5 von 6 Punkten)


MATRICULATED
Regie:
Peter Chung
Originalstimmen: Melinda Clarke, Dwight Schultz, Rodney Saulsberry, James Arnold Taylor, Olivia D'Abo, Jack Fletcher
Laufzeit:
15 min.

Inhalt und KurzKritik:
Diese längste Einzelepisode entführt den Zuschauer in die Zeit nach der Übernahme der Erde durch die Maschinen, in der die Menschen vor den neuen Herren Schutz suchen müssen. Eine Gruppe menschlicher Rebellen ersinnt einen neuen Plan in diesem ungleichen Krieg: Sie wollen gefangengenommene Maschinen umprogrammieren und ihnen eine neue "Matrix" – eine von den Menschen kontrollierte – schmackhaft machen. Den Maschinenwesen würde somit die eine virtuelle Welt durch eine andere ersetzt, nur dass sie nun für die Menschen arbeiten würden. Doch als die Gruppe angegriffen wird, entscheidet sich, ob die umprogrammierten Maschinen den Menschen vertrauen – und umgekehrt ...
Mehrere Faktoren machen diesen Kurzfilm zu einem der besten in der Animatrix: Zum einen gibt es da die wirklich interessante und originelle Story, die sehr philosophische Fragen aufwirft, auf die der Zuschauer allerdings nicht mit der Nase gestoßen wird, sondern die er selbst zwischen den Bildern und den knappen Dialogen herauslesen muss. Andererseits bekommt man faszinierende Hintergrundzeichnungen zu sehen, die bisweilen stark an die Arbeit von Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt [1979]-Visionär H.R. Giger erinnern. Hinzu gesellen sich farb- und symbolgewaltige Bilder und ein toller Sound.
Inhaltlich darf man sich sicherlich fragen, ob es nicht einer Versklavung von Maschinen gleichkommt, wenn man ihnen eine Realität vorgaukelt, die nicht ihrem eigenen Wohl, sondern dem der Menschen dient. Hier die Grenze zu ziehen, ob eine künstliche Intelligenz weniger Lebensberechtigung verdient, als eine natürliche, obliegt dem Zuschauer.
Über jeden Zweifel erhaben ist die technische Präsentation von Matriculated. Den Zuseher erwartet eine hervorragende und beeindruckende Mischung aus computergestützten Hintergründen und Bewegungen, kombiniert mit stimmigen Zeichnungen und einem glasklaren, räumlichen Sound. In Bezug auf die Bilder könnte man den Kurzfilm stellenweise fast mit 2001 - Odyssee im Weltraum [1968] vergleichen – er ist allerdings einfacher zu verstehen, wenn man mit der Symbolik zurechtkommt und bereit ist mitzudenken.
Die Auflösung ist überraschend einfallsreich und sicher nicht für jeden nachzuvollziehen, dennoch gehört Matriculated zu den sehenswertesten Episoden der Kurzfilm-Sammlung und fasziniert nicht allein durch die farbenfrohen und durchdachten Bilder, auch die Grundstory wäre für einen Aspekt in Matrix: Reloaded oder Matrix: Revolutions ergiebig genug gewesen.
Wertung:
(5 von 6 Punkten)


Fazit
:
Obwohl sich die Macher bei den Stories zum Teil sehr viel Mühe gegeben haben, kann man nicht umhin, die Animatrix zunächst nur als eine weitere Zitze der Matrix-Kuh zu sehen, die von den Machern nach Belieben gemolken werden kann.
Der Aufwand, der um die Kurzfilmreihe betrieben wurde, war wahrscheinlich längst nicht so groß, wie der anschließende Werbe-Etat; und auch wenn die Geschichten mit dem aus den Matrix-Filmen bekannten Universum verwoben sind, erscheinen die meisten dieser Verknüpfungen doch arg konstruiert und nicht wirklich notwendig.

Man darf und soll aber nicht alles unterbewerten, was sich die Macher haben einfallen lassen. Immerhin wollten die sieben Regisseure so ihren Tribut an die Wachowski-Brüder zollen, die sich ihrerseits von den japanischen Anime-Filmen inspirieren ließen.
Allerdings tauchen in einigen der Kurzfilme genau jene Dinge auf, die das Brüder-Duo im massenkompatiblen Erfolgsfilm wohlweislich vermieden haben, darunter die teils unnötige Gewaltdarstellung, die sich zum Glück nur in der Second Renaissance wiederfindet. Dass bei den gezeichneten Mädchen bisweilen viel nackte Haut zu sehen ist, ist ebenfalls eine Eigenart der Anime-Filme, die man als Außenstehender nicht unbedingt versteht oder teilt; in der Animatrix sieht man davon nicht allzuviel (immerhin musste die DVD auch in den USA verkauft werden).
Kurzum, wer sich mit dem Anime-Stil anfreunden kann – beziehungsweise Selbiges schon lange getan hat –, für den werden die neun Kurzfilme sicherlich interessanter sein, als für diejenigen, die damit nichts anfangen können. Eine löbliche Ausnahme ist der visuell und inhaltlich beste Teil der Kurzfilm-Sammlung, Der letzte Flug der Osiris. Obwohl (oder gerade weil) die japanischen Zeichenstil-Eigenarten hier weichgespült sind, ist die neun-minütige Episode an Bildgewalt und Imposanz nicht zu toppen. Mitreissend inszeniert und technisch toll umgesetzt, präsentiert sich das kleine Meisterwerk als Höhepunkt der Animatrix.
Genau deshalb ist es unverständlich, wieso sich die Macher entschlossen, den Film an den Anfang der DVD-/Video-Veröffentlichung zu stellen – wer mit dem besten Kurzfilm beginnt, ruft doch schon zwangsläufig im weiteren Verlauf Enttäuschung hervor. Fans sei somit eine andere Reihenfolge beim Abspielen der Sammlung empfohlen, mit Der letzte Flug der Osiris am Schluss. In Bezug auf die Stories wird dadurch nichts unverständlicher, da die Episoden – abgesehen von den beiden Teilen der Second Renaissance (mit denen man chronologisch betrachtet beginnen sollte) – untereinander nicht zusammenhängen. Außerdem wird die Geschichte von Der letzte Flug der Osiris mit dem zweiten Kinofilm, Matrix: Reloaded direkt fortgesetzt.

Es ist schön zu sehen, dass jeder Kurzfilm die Handschrift seiner Macher trägt und somit zu einem Unikat wurde; inhaltlich findet man ebenfalls die einen oder anderen sehr guten und interessanten Ideen, so dass man Animatrix definitiv nicht den Vorwurf machen könnte, es sei (im Gegensatz zum Videospiel Enter the Matrix) ein rein aus kommerziellen Gründen motivierter Schnellschuss, um mit dem Hype um den zweiten Kinofilm Matrix: Reloaded noch etwas mehr Geld zu machen. Dafür steckt in den einzelnen Filmen schlicht zuviel Arbeit und Aufwand, gleichwohl sich der Verdacht einer quasi nie versiegenden Geldquelle für die Produzenten aufdrängt.

Dennoch hinterlässt die Kurzfilm-Sammlung einen bitteren Beigeschmack: Man wird als Zuschauer das Gefühl nicht los, dass die Wachowski-Brüder mit jeder neuen Erklärung zu ihrem Matrix-Universum einen Teil jener Faszination und Magie opfern, die sie mit dem ersten Film aufgebaut haben.
Gerade die Tatsache, dass man als Zuschauer nicht so viel über die Eigenschaften und Hintergründe zur Matrix wusste, machte den Stoff so interessant. Man hätte sich durchaus vorstellen können, dass die für uns reale Welt wirklich so etwas wie eine Matrix ist – wer hat nicht schon einmal ein Déjà-Vu erlebt?
Dieser Reiz des Unbekannten ist inzwischen leider verflogen, man wurde mit Informationen zum Entstehen der Matrix, zu ihren Hintergründen und Fundamenten buchstäblich übersättigt. Und gleichzeitig ergeben einige der neuen Informationen schlicht keinen Sinn mehr.
Man fühlt sich verteufelt an die Zeit erinnert, als George Lucas in Episode I die mysteriöse Macht in seinem Star Wars-Universum mit Hilfe der Midi-Chlorianer physikalisch erklären wollte und dabei beinahe alle alten Fans vor den Kopf stieß – das Flair war entzaubert, erstickt unter einem Erklärungsdrang des Erschaffers, den die Liebhaber des Filmstoffes nie verspürt hatten.
Ähnlich ergeht es offensichtlich den Wachowskis, die um jeden Preis die kleinste Einzelheit ihrer Matrix aufschlüsseln wollen; sei es die Entstehung, die Wartung der Anlage oder gar das Grundgerüst, das in Matrix: Reloaded erklärt wird ... es fragt sich nur, ob die Zuschauer das überhaupt wissen wollten? Bei all dem technischen Gebrabbel (das in Animatrix glücklicherweise fehlt) verliert man einfach schnell das Interesse am Gezeigten.

Es gilt nun, ein Resümee zu ziehen und das ist alles andere als leicht.
Keine der Episoden ist wirklich langweilig, aber bei vielen dümpelt die Story vor sich hin und die Zuschauer laufen Gefahr, an den Anfang von Der letzte Flug der Osiris zurückzuzappen, denn das war nicht nur der beste, sondern auch der unterhaltsamste Kurzfilm.
Technisch geben sich die einzelnen Stilrichtungen ansich keine Blöße, mit Ausnahme von World Record und Program.
Fans sollten die Animatrix auf jeden Fall gesehen haben – da sie für das Verständins der Matrix-Filme zwar nicht unbedingt notwendig, aber hilfreich ist –, und Science Fiction-Fans sei die Osiris bedenkenlos ans Herz gelegt. Ob die Kurzfilm-Sammlung allerdings einen Kauf lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für Viele dürfte es ausreichen, sich die DVD von der Videothek auszuleihen.
Da der Preis der DVD mittlerweile unter 10 Euro liegt, kann man sich die Anschaffung aufgrund der vier wirklich sehr guten Episoden Osiris, Matriculated und Second Renaissance (mit der deutlich besseren englischen Originalsynchronisation) allerdings sicher überlegen.


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