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All Is Lost [2013]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Januar 2014
Genre: Drama

Originaltitel: All Is Lost
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: J.C. Chandor
Musik: Alex Ebert
Darsteller: Robert Redford


Kurzinhalt:
Mitten im südlichen indischen Ozean, weit ab von befahrenen Handelsrouten, fährt der Segler (Robert Redford) mit seinem Boot, der Virginia Jean, auf einen treibenden Frachtcontainer auf. Durch das eindringende Wasser wird sein Funkgerät ebenso beschädigt, wie sein Satellitentelefon. Da er nicht auf Hilfe hoffen kann, beschließt er, das Leck mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu kitten.
Ersten Versuchen hält das Provisorium sogar stand, doch am Horizont zieht bereits ein gewaltiger Sturm auf. Auch wenn es ihm gelingt, sich gegen stets größer werdende Widrigkeiten durchzusetzen, es scheint immer eine weitere Prüfung auf ihn zu warten ...


Kritik:
Mit seinem zweiten Spielfilm hat Regisseur und Autor J.C. Chandor etwas geschaffen, das keine zwei Zuschauer gleich empfinden werden. In All Is Lost findet man etwas von dem, was man selbst mit ins Kino bringt. Das ist etwas Gutes, etwas Seltenes. Er erzählt von einem Mann, der auf sich allein gestellt den Kampf gegen die Natur aufnimmt und sich dabei erfinderischer gibt, als man ihm zugestehen möchte. Doch spätestens zum Ende sollte man erkennen, dass dies mehr ist, als nur eine Geschichte. Es ist vielmehr eine Metapher auf das Leben selbst und auf unser Bestreben, das Unausweichliche hinauszögern zu wollen.

Zweimal sehen wir den namenlosen Mann auf dem Segelboot dabei etwas sagen. Das erste ist ein Hilferuf in das defekte Funkgerät, der vermutlich ungehört verhallt. Das zweite ist ein Fluch angesichts der ausweglosen Situation, der er nicht entfliehen kann. Sein wenig luxuriös eingerichtetes, aber schönes Boot rammt im indischen Ozean einen treibenden Container und schlägt Leck. Es ist eine Situation, die einen beinahe 2.000 Kilometer entfernt von vielbefahrenen Gewässern, verzweifeln lassen kann. Doch es gelingt ihm, das eingedrungene Wasser abzupumpen und das Leck zu schließen, noch bevor ein Sturm aufzieht, der sein Boot stark mitnimmt. Und selbst, wenn das überstanden sein sollte, sind seine Prüfungen nicht vorbei.

Es ist, als könnte der Segler unternehmen, was er wollte, er darf nicht zur Ruhe kommen. Dabei beweist er trotz seines Alters eine hohe Ausdauer, Kraft und einen Überlebenswillen, der bisweilen den Eindruck erweckt, als würde er mehr aus Gewohnheit durchhalten, denn aus Überzeugung. Robert Redford brilliert in einer großteils sprachlosen Rolle, die doch so viel durch Mimik und Gestik offenbart, dass man an seinem Verhalten glaubt, viel über ihn ablesen zu können. Anstatt sein Leid zu beklagen, sich mit Schimpftiraden über die Ungerechtigkeit der Situation auszulassen, beißt er stumm die Zähne zusammen und überlegt sich etwas, um zu überleben. Dass er sich Stück für Stück von allem trennen muss, was ihm wichtig ist, wird umso greifbarer, wenn wir beobachten dürfen, wie schwer es ihm fällt.

Während Filme wie Cast Away - Verschollen [2000] davon erzählen, wie sich ein einzelner Mensch gegen die Elemente und die Kraft der Natur durchsetzt, überlebt trotz aller Widrigkeiten, setzt All Is Lost den Schwerpunkt anders. Filmemacher J.C. Chandor findet in dem Boot, dem Sturm, dem Unglück, sogar im Meer selbst, in dem man trotz aller Segelkunst immer dorthin getrieben wird, wo einen Wind und Strömung hinbringen, Sinnbilder für alles, was uns ausmacht und umgibt. Was er letztlich damit aussagen möchte – zumindest meinem Verständnis nach – wird in den letzten Augenblicken überdeutlich, ist aber die gesamte Zeit über bereits spürbar. Es verleiht seinem Drama etwas Surreales trotz der sehr greifbaren Situation. Vor allem entwickelt er daraus eine Erzählung mit Anspruch, die sich weit vom actionbetonten Hollywoodkino abhebt.

In Robert Redford hat er seine Idealbesetzung gefunden. Er verleiht seinem kantigen, vielschichtigen Charakter eine Würde und ein Charisma, das einen für ihn einnimmt, selbst wenn man nicht weiß, wieso. Sogar Details wie der nicht gelesene Umschlag zum wie ein Geschenk verpackten Sextanten gewinnen so an Bedeutung. Das ist bewegend, statt aufregend. Aber auch ebenso grandios gespielt, wie getragen erzählt.


Fazit:
Es gibt Filme, die erklären die Handlungen der Figuren so lange, dass man irgendwann aufhört, mitzudenken. Nach der Einleitung aus dem Off zu Beginn, die man nach dem Film besser versteht, muss man sich bei All Is Lost selbst erschließen, was der namenlose Segler beabsichtigt, gegen die kaum überwindbaren Schwierigkeiten zu unternehmen. Man beginnt, seine Mimik, sein Verhalten zu lesen und glaubt, ihn zu verstehen.
Robert Redford gibt in der Rolle eine facettenreiche, packende Darbietung, die unter die Haut geht. Umso mehr, wenn er irgendwann die Beherrschung verliert. Doch alle Prüfungen sind nicht umsonst, sondern vielmehr ein Teil vom großen Ganzen. Jeder wird in All Is Lost die Erwartungen, Hoffnungen und auch das Verständnis für das Leben an sich entdecken, die er/sie in sich trägt. Es ist ein Film, der mehr über sein Publikum verrät, als über seine Figur.


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