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After the Sunset [2004]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Juni 2005
Genre: Krimi / Komödie

Originaltitel: After the Sunset
Laufzeit: 97 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Brett Ratner
Musik: Lalo Schifrin
Darsteller: Pierce Brosnan, Salma Hayek, Woody Harrelson, Don Cheadle, Naomie Harris, Chris Penn, Troy Garity, Mykelti Williamson


Kurzinhalt:
Max Burdett (Pierce Brosnan) ist ein Meisterdieb – und mit der beste seiner Zunft. Als er dem FBI-Agenten Stan Lloyd (Woody Harrelson) einen Diamanten unter der Nase stiehlt, sieht jener sich der größten Niederlage seiner Karriere gegenüber. Umso mehr verwundert es Lloyd, dass sich Burdett zusammen mit seiner Komplizin Lola (Salma Hayek) angeblich in einem karibischen Inselparadies zur Ruhe gesetzt haben soll.
So reist er dem Gauner nach, um ihn zu beschatten, denn in Kürze wird auf der Insel ein Schiff anlegen, auf dem der letzte, verbliebene Napoleon-Diamant ausgestellt wird – der letzte, den Burdett noch nicht gestohlen hat. Aber während sich der Meisterdieb dem FBI-Agenten großzügig gibt und sich erste Wolken zwischen Lola und Max bilden, rückt der Ablegetermin des Luxusliners mit dem Diamanten an Bord immer näher – und es scheint fast, als habe Stan Lloyd falsch gelegen. Doch als der Großkriminelle Henri Mooré (Don Cheadle) auf Burdett zukommt und ihn dazu zwingen will, den Diamanten für ihn zu stehlen, scheint es, als habe der im Ruhestand befindliche Gauner gar keine andere Wahl.


Kritik:
Lange Zeit sah es so aus, als würde Brett Ratner den neuen Superman Returns [2006]-Film, ein Projekt, das immerhin schon seit knapp 10 Jahren in der Mache ist, realisieren, ehe er nach zahlreichen Querelen mit dem Studio aufgab und das Projekt verließ. Inzwischen wird es von Bryan Singer, dem Regisseur von X-Men [2000] umgesetzt, wobei jener allerdings bei X-Men 3 [2006] aussteigen musste – hier übernimmt allerdings nun Brett Ratner die Regie. Bei After the Sunset war er ansich auch nicht erste Wahl, doch als Regisseur John Stockwell im Sommer 2003 aus der Produktion ausstieg, übernahm Ratner das Ruder und freute sich auf die Zusammenarbeit mit Darsteller Pierce Brosnan – ansich hatten beide bei einer kommenden James Bond-Verfilmung zusammen arbeiten wollen, doch da die Produzenten zuerst Ratner nicht im Team haben wollten und nun wie es scheint auch Brosnan nicht mehr, hat sich dieses Vorhaben wohl in Rauch aufgelöst.
Sieht man sich die erste Zusammenarbeit der beiden an, zusammen mit den übrigen Darstellern, dann erkennt man schnell, dass alle sichtlich Spaß beim Dreh hatten, und sich dies auch zum Teil auf den Film überträgt. Was der Umsetzung jedoch fehlt ist eine durchgängige Story, wenngleich ein Twist am Schluss wirklich überrascht und die Kabelleien der Figuren für Vieles entschädigen.

Das Drehbuch vermag es zwar gekonnt, die Stimmung der Beteiligten einzufangen und ihrem Charme genügend Platz einzuräumen, doch sieht man sich die erste Hälfte einmal an, muss man ansich gestehen, dass ansich nicht viel geschieht. Die Story mäandriert in zu viele Richtungen, beginnt mit Henri Mooré eine völlig überflüssige Nebenhandlung, die man ohne weiteres hätte streichen können und bringt dabei genau jenes nicht zur Geltung, was man sich als Zuseher am meisten gewünscht hätte: Einen ausgeklügelten und mitreißenden Einbruch. Denn auch der letztliche Raub – so viel sei verraten – ist bei weitem nicht so spektakulär oder aufreibend, wie in Mission: Impossible [1996] oder in Die Thomas Crown Affäre [1999], vor allem fehlen hier zwei Elemente, die einen solchen Einbruch erst interessant machen; einerseits stellt die gesamte Sequenz mehr oder weniger eine One-Man-Show dar, statt dass ein Team zum Einsatz kommt, andererseits fehlt beim Raub die Improvisation, was verständlicherweise die Bedrohung und damit das Mitfiebern mit der Figur stark einschränkt.
Die Dialoge schwanken zwischen eindimensional und überaus einfallsreich, auch wenn ersteres leider überwiegt – auch die Figuren können nicht wirklich überzeugen, denn während Max Burdett und Stan Lloyd den Genreklischees entsprungen scheinen, kommt Lola Cirillo gar nicht zum Zug. Eine richtige Dramaturgie kann man höhstens erahnen, von Höhepunkten innerhalb der Story ganz zu schweigen.
Aus der Ausgangsidee hätte man mit einigen Änderungen sicherlich einen interessanten und unterhaltsamen Krimi zaubern können, als Komödie mit Krimianteil kommt ersteres zu kurz, anders heraum jedoch ebenfalls; so enttäuscht das Skript aus den Federn von Paul Zbyszewski und Craig Rosenberg durcht zu wenige Einfälle, zu wenig Story und zu wenig Überraschungen.

Gedreht wurde After the Sunset sowohl in Kalifornien, als auch auf den Bahamas, kein Wunder also, dass die Darsteller bester Laune waren; dies merkt man besonders Pierce Brosnan und Woody Harrelson an, die die gemeinsamen Szenen wohl genossen haben. Dass Brosnan diese Art Rollen auf den Leib geschrieben scheinen, ist ein offenes Geheimnis, und so verwundert es nicht, dass sich bis heute hartnäckig Gerüchte über eine Fortsetzung zu Die Thomas Crown Affäre halten, der dank ihm und Partnerin Rene Russo zum internationalen Erfolg wurde.
Harrelson scheint sich in seiner Rolle ebenfalls wohl zu fühlen, auch wenn er nicht die Gelassenheit oder den Charme von seinem Schauspielkollegen erreicht. Ein wenig schwierig zu beurteilen ist Salma Hayeks Spiel, denn auch wenn die Darstellerin gerade in der ersten Hälfte zum Zug kommt, verlangt das Skript im späteren Verlauf keine Kunststücke mehr von ihr ab.
Don Cheadle ist zwar chronisch unterfordert, ebenso wie Naomie Harris, doch hinterlassen beide einen positiven Eindruck, was ebenfalls auf die übrige Besetzung zutrifft.

Inszenatorisch gibt sich Ratner wie gewohnt solide, verwöhnt den Zuschauer mit ausgeklügelten Kameraeinstellungen, die sowohl das Inselparadies selbst, als auch speziell einige Sonnenuntergänge gekonnt in Szene setzen. Mit einem Auge für opulente Optik entgehen dem Regisseur jedoch Möglichkeiten beim Spannungsaufbau und irrwitzige Actioneinlagen wie in Rush Hour [1998] darf man ebenfalls nicht erwarten. Dafür erlaubt sich Ratner jedoch keinen Ausrutscher und liefert solide Kost ab, die aber ganz auf seine Darsteller zugeschnitten ist.

Die Musik von Lalo Schifrin ist überaus eingängig und passt hervorragend zum Urlaubsambiente, zieht aber in den notwendigen Situationen die Spannung an – dabei sind zwar viele gesungenen Lieder zu hören, die sich aber ebenfalls nahtlos ins Ambiente einfügen und damit die Handlung gekonnt unterstützen. Dabei heben sich Schifrins Kompositionen erfreulich von seinen Melodien bei den Rush Hour-Filmen ab; dem inzwischen immerhin 73jährigen Komponisten ist ein wirklich guter und vor allem schön anzuhörender Score gelungen.

Interessenten des Films finden auf der seit einiger Zeit veröffentlichten DVD neben einigen verpatzten Szenen, auch alternative und gelöschte Sequenzen, sowie alternative Filmenden. Dabei sind sicherlich die meisten gelöschten Szenen zurecht im Schneideraum gelandet, weswegen jedoch auch Schnipsel dabei waren, die Burdetts Motivation, den Raub überhaupt zu begehen, erst erklären, oder aber Figuren wie Stan Lloyd etwas mehr an Hintergrund verleihen, verstehe wer will – an der Länge des Films kann es nicht gelegen haben.
Dass die Beteiligten beim Dreh viel Spaß hatten, glaubt man ihnen gern, dazu trägt auch enorm die Kulisse bei – und Regisseur Brett Ratner genoß es sichtlich, wenn sich Salma Hayek vor der Kamera räkelt. Doch was war abgesehen von einem bezahlten Urlaub für die Beteiligten drin?
Für einen Gaunerkrimi ist After the Sunset nicht mitreißend genug, für eine Komödie fehlen im die geballt witzigen Einlagen, dafür versprühen die Darsteller einen nicht zu leugenenden Charme und wer dem erliegt, für den sind die knapp 90 Minuten auch keine vergeudete Zeit. Doch von dieser Zusammenarbeit als einem richtigen Film zu sprechen, ist beinahe schon übertrieben. Denn dafür fehlt es Ratners Umsetzung an Ideen und Höhepunkten, selbst der letzte Raub kann dahingehend nicht überzeugen. Dass das am Skript und nicht am Regisseur liegt, sieht man an der Umsetzung des Stoffes – doch erklärt das auch das magere Einspielergebnis des Films, das weltweit nicht einmal die Produktionskosten abdeckte.


Fazit:
Viele Worte gibt es über After the Sunset nicht zu verlieren – vergleichbar ist der Film am besten mit einem Urlaubsvideo von guten Bekannten: Sieht man ihn sich an, kann man sich zwar mit den Beteiligten über ihre gute Zeit freuen, beneidet sie womöglich sogar darum, wird aber doch als Zuseher nie ganz begreifen, weswegen deshalb so ein Aufsehen gemacht wird.
Wer Pierce Brosnan, Salma Hayek und Woody Harrelson schon immer beim Baden, Fischen und Entspannen zuschauen wollte, wird hier auf seine Kosten kommen, dabei erscheinen die eineinhalb Stunden zwar immer noch recht lang, aber immerhin unterhaltsam. Und wäre es nicht um die drei Darsteller, wäre Brett Ratners Film vermutlich nie in den Kinos gelaufen. Der Regisseur kleidet seinen Urlaubsfilm zwar in routinierte Bilder und überzeugt mit malerischen Einstellungen, doch von einer mitreißenden Geschichte, einer packenden Inszenierung (oder überhaupt einer vernünftigen Story) ist er meilenweit entfernt.
Für Fans der Beteiligten ist das empfehlenswert, alle anderen dürfen von der Wertung noch einen Punkt abziehen.


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