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About a Boy oder: Der Tag der toten Ente [2002]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. Mai 2012
Genre: Unterhaltung / Drama / Komödie

Originaltitel: About a Boy
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Chris Weitz, Paul Weitz
Musik: Damon Gough
Darsteller: Hugh Grant, Nicholas Hoult, Toni Collette, Victoria Smurfit, Rachel Weisz, Sharon Small, Natalia Tena, Augustus Prew, Madison Cook, Jordan Cook, Nicholas Hutchison, Ryan Speechley, Joseph Speechley, Laura Kennington


Kurzinhalt:
Dank der Tantiemen, die ein Weihnachtslied seines Vaters einbringt, braucht sich Will Freeman (Hugh Grant) um nichts anderes zu kümmern außer sich selbst. Und damit hat er alle Hände voll zu tun. Eines Tages kommt er auf die Idee, nicht nur Single-Frauen anzubaggern, sondern alleinerziehende Mütter ins Auge zu fassen. Doch damit er dabei Erfolg hat, muss er vorgeben, selbst ein alleinerziehender Elternteil zu sein. Diese Lüge nehmen ihm die weiblichen Mittglieder eines kleinen Vereins mühelos ab, doch bei einem Picknick lernt Will den 12jährigen Marcus (Nicholas Hoult) kennen. Als Marcus Will verfolgt und herausfindet, dass er gar kein Kind hat, nistet er sich als Gegenleistung für die Bewahrung des Geheimnisses bei Will ein. Das Zusammenleben mit seiner depressiven Mutter Fiona (Toni Collette) wird für den Jugendlichen zunehmend zur Belastung – zusätzlich zu den Hänseleien in der Schule.
Doch dann lernt Will Rachel (Rachel Weisz) kennen, die ebenfalls allein ihren Sohn großzieht. Um mit ihr ins Gespräch zu kommen gibt Will Marcus als sein Kind aus. Doch diese Lüge bleibt für keinen der Beteiligten ohne Konsequenzen ...


Kritik:
Es gibt Filme, die werden für das Publikum gemacht. Und es scheint auch Filme zu geben, die für die Kritiker gemacht sind. About a Boy ist wohl ein Film für letztere Kategorie. Das bedeutet nicht, dass Zuschauer, die auf amüsante Unterhaltung eingestellt sind, nicht auf ihre Kosten kommen. Aber sie werden vermutlich jene Aspekte des Films nicht so sehr zu würdigen wissen, die Kritiker seit Jahren zu Lobeshymnen verleiten. Anders lässt es sich kaum erklären, dass 93% der befragten Kritiker die Romanverfilmung als positiv bewerten, aber nur 51% der regulären Zuschauer. Und doch hat die internationale Produktion mehr als das Vierfache ihres Budgets wieder eingenommen und war damit überaus erfolgreich.

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Autors Nick Hornby, dessen Hauptfigur es sich auf Grund seines Wohlstands leisten kann, nichts zu tun – und das schon sehr lange. An einem Punkt bemerkt er sogar, dass sein Alltag mit seinen Tätigkeiten wie im Internet surfen, Haare frisieren lassen oder Fernsehschauen so vollgestopft ist, dass er sich nicht vorstellen kann, wie andere Menschen da noch das Arbeiten unterbringen können. Will Freeman ist wie die Meinungen zum Film ein Widerspruch in sich. Durch sein egoistisches Verhalten und seine manipulative Art, die Frauen um den Finger zu wickeln, damit er sie ins Bett bekommt, ist er kein sympathischer Zeitgenosse. Und doch wird er von Hugh Grant verkörpert, einem der wenigen Menschen, denen man nie etwas Böses wünschen würde, und die einen sofort mit ihrem Charme für sich gewinnen. Durch die Kommentare aus dem Hintergrund gibt er gleich mehrere Lebensphilosophien zum Besten. Sei es, dass jeder Mensch eine Insel ist, entgegen einem bekannten Zitat "no man is an island", oder dass jeder die Hauptfigur in der TV-Show seines eigenen Lebens ist, und diese kein Ensemble als Besetzung hat, sondern nur eine/n Protagonistin/en kennt.

Dass Will das weite Feld der leicht verfügbaren, allein erziehenden Müttern für seine Abendunterhaltung entdeckt, führt über Umwegen dazu, dass er den 12jährigen Marcus kennenlernt. Der etwas eigenartige Junge wird in der Schule gehänselt, während seine als Hippie lebende Mutter Fiona an der Welt und dem Leben, das sie führt, zusehends verzweifelt. Von Wills Wohlstand überwältigt ist es leicht zu sehen, weshalb Marcus sich vorstellen könnte, dass Will mit seiner Mutter anbandelt. Doch der hat seinen Blick auf die allein erziehende Rachel geworfen. Um besser mit ihr ins Gespräch zu kommen, gibt er indirekt Marcus als seinen Sohn aus. Dass das nicht gut gehen kann, ist abzusehen. Dass der Titel About a Boy bewusst zweideutig gehalten ist, wenn es um den Bezug auf eine Figur angeht, spricht dafür, dass es der Geschichte darum geht, Wills Entwicklung aufzuzeigen. Vielleicht ist Marcus erwachsener als der 38jährige Will, weil er sich in gewisser Weise immer um seine Mutter mit gekümmert hat. Vielleicht ist Will aber auch nur erstaunlich kindisch geblieben. Nur weswegen er sich sein Leben so verkomplizieren muss, indem er Marcus als seinen Sohn ausgibt, bleibt schleierhaft. Wenn er die Frauen, denen er näher kommen möchte, schon anlügt, könnte es eine bequemere Lüge sein – wie beispielsweise dass seine geschiedene Frau allein das Sorgerecht erhalten hätte.

So gibt About a Boy oder: Der Tag der toten Ente sich zwar als Komödie, die dem Leben nachempfunden ist, doch ein solches Verhalten kann man sich trotzdem bei kaum einer Person aus Fleisch und Blut vorstellen. Dass sich im letzten Drittel auf jede tiefer gehende Frage eine Antwort findet, sich alles in Wohlgefallen aufgelöst, auch wenn die klärenden Gespräche vorenthalten werden, ist wohl einem gewünschten, publikumsfreundlichen Ende geschuldet. Auch das wird in Wirklichkeit so nicht oft passieren.
An den Aussagen und dem subtilen Humor, der Balance zwischen nachdenklichen Kommentaren und einer leisen Erkenntnis der Figuren ändert das nichts. Hugh Grant scheint sich in gewissem Sinne selbst zu spielen und brilliert mit einer Mimik, die mitunter viel mehr aussagt als seine Off-Bemerkungen. Auch Nicholas Hoult überrascht in seiner ersten Kinorolle mit bisweilen intimen Einblicken in den Alltag eines gepeinigten Kindes. Davon abgesehen, dass sowohl Toni Collette, als auch Rachel Weisz wie aus dem Leben gegriffen spielen. Doch sie alle agieren in einer Geschichte, die straffer hätte erzählt werden können und die stellenweise berührt, aber deren Schicksale doch nicht mitreißen.


Fazit:
Eine Weisheit besagt "geteiltes Leid ist halbes Leid". Im Umkehrschluss ist es aber so, dass Freude, wenn man sie teilt, sich vermehrt. Bis zu dieser Erkenntnis ist es für Will Freeman ein Weg, der beinahe vier Jahrzehnte dauert. Auf die letzte Etappe lädt About a Boy oder: Der Tag der toten Ente ein, konstruiert darum allerdings eine Geschichte, deren Figuren glaubhaft sind, die selbst jedoch nicht wirklich interessiert.
Tadellos gespielt und gefilmt stören nicht nur die ständigen Bemerkungen aus dem Off, sondern auch die Tatsache, dass die Auflösung zu versöhnlich und zu schnell daherkommt. Bis dahin finden sich viele Momente wieder, die aus dem Leben gegriffen scheinen, aber am Ende doch nicht realistisch ablaufen. Erstaunlicherweise ist in bestimmten Situationen das wahre Leben interessanter und unberechenbarer als das Skript.


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