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3 Engel für Charlie – Volle Power [2003]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 23. August 2003
Genre: Action / Komödie

Originaltitel: Charlie's Angels: Full Throttle
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: McG
Musik: Ed Shearmur
Darsteller: Cameron Diaz, Drew Barrymore, Lucy Liu, Bernie Mac, Crispin Glover, Justin Theroux, Robert Patrick, Demi Moore


Kurzinhalt:
Es ist zwar nicht der Fortbestand der gesamten freien Welt, der dieses Mal bedroht wird, doch immerhin stehen sämtliche im Zeugenschutzprogramm der amerikanischen Justiz befindlichen Personen auf der Abschlussliste fieser Finsterlinge: Zwei kodierte Ringe sind der Schlüssel zum Datenbanksystem H.A.L.O., welches sämtliche alten und neuen Identitäten enthält. Wer beide hat, findet die Zeugen.
Als kriminelle Elemente erfolgreich Jagd auf die Ringe machen, wendet sich das FBI an die Townsend-Agentur und das bedeutet, dass Charlie seine drei Engel Natalie Cook (Cameron Diaz), Dylan Sanders (Drew Barrymore) und Alex Munday (Lucy Liu) wieder ins Rennen schickt.
Unterstützt von Neuzugang Jimmy (!) Bosley (Bernie Mac) machen sich die drei Grazien auf die Suche nach den Hintermännern und geraten dabei mit einigen äußerst unliebsamen Zeitgenossen aneinander, zu denen auch eine ganze Reihe alter Bekannter gehören …


Kritik:
Was in der kurzen Inhaltsangabe noch wie eine etwas dünnbrüstige Vorlage für einen humorigen Actionknaller klingt, ist leider weit weniger als das, was man nach den bereits heruntergeschraubten Erwartungen erwarten durfte.

Aber der Reihe nach: Als erstmals Gerüchte laut wurden, man wolle ein Revival zu der TV-Serie Drei Engel für Charlie [1976-1981] produzieren, waren die Reaktionen nicht gerade überwältigend. Dass alte Fernsehknüller in später gedrehten TV-Filmen wieder auflebten, wurde besonders Mitte der Neunziger immer beliebter (Spenser [1985-1988], Cagney & Lacey [1981-1988], Dallas [1978-1991] u.v.m.), und schließlich kam man an den Punkt, die alten Geschichten neu besetzt fürs Kino aufzubereiten. Was bei Mit Schirm, Charme und Melone [1998] mit Ralph Finnes und Uma Thurman vor allem in Ermangelung des erwarteten aber nicht aufkommenden Charmes in einem Flop mündete, wurde bei 3 Engel für Charlie [2000] überraschend zu einem Kassenknüller.
Dies mag verwundern, wenn man berücksichtig, dass schon die Serie sich weder durch gute Geschichten, noch herausragende schauspielerische Leistungen ausgezeichnet hatte. Auf der anderen Seite gab es schlagende Argumente, die den Erfolg des Films erklären können: Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu als Engel für eine neue Generation Zuschauer.
Die drei grundverschiedenen, aber allesamt atemberaubenden Damen lieferten eine launige und laute "Kick Ass"-Show mit hohem Hinseh-Faktor (vor allem für das männliche Publikum, welches zu großen Teilen den Umschnitt jener Szene noch immer nicht verziehen hat, als die drei Engel den Fluten entsteigen und sich ihrer Taucherausrüstung entledigen).
Der Trend zu weiblichen Heroinen war gerade voll entflammt und Kung Fu-Einlagen in westlichen Filmen dank Matrix [1999] salonfähig geworden, so dass man gerne bereit war, zugunsten des Spaß-Faktors das grausige Skript zu verzeihen, an dem eine ganze Reihe verschiedener Autoren (teilweise noch während des Drehs) herumgedoktert hatten.

Dennoch hatte dieses kurzweilige aber schnell vergessene Popcorn-Spektakel, welches sich selbst zum Glück nicht allzu ernst nahm, eine Fortsetzung beim besten Willen nicht gebraucht. Wie meistens zählte in Hollywood aber nicht die Frage nach der Notwendigkeit, sondern der Blick auf die nackten Zahlen und die sagten klar, dass hier noch Geld zu holen ist.
So kamen schon kurze Zeit später die ersten Gerüchte auf, bis schließlich offiziell verlautbart wurde, dass Produzentin Barrymore ihre Co-Stars Diaz und Liu ebenso, wie Regisseur McG erneut mit an Bord holen konnte, und ein zweiter Teil grünes Licht bekommen hatte.

Damit sind wir auch schon in der Gegenwart und damit bei dem Ergebnis der Arbeit von Drew & Co.!
Von vorneherein war natürlich klar, dass es einige Dinge gibt, die man in diesem Film nicht finden kann; eine echte Handlung, Kontinuität, Logik oder Charakterentwicklung. Das hatte es vor drei Jahren schon nicht gegeben (und war – wenn man die Einspielergebnisse betrachtet – wohl auch nicht erforderlich), und das gibt es hier auch nicht. Stattdessen wurde die Spaß-Schraube kräftig nach oben gedreht, die Logikkurve ausgeblendet und alles noch mit jeder Menge Bumm und Peng (oder anders ausgedrückt: Action) angereichert. Dazu noch mehr nackte Haut von Frau und auch Mann und schrille Outfits – fertig war der Film.
Man muss 3 Engel für Charlie - Volle Power zugute halten, dass er sich – wie schon der erste Teil – seiner zweifelhaften Qualitäten und Schwächen durchaus bewusst ist. Leider reicht die Selbstironie bei weitem nicht aus, um den stellenweise üblen Klamauk und die vielen vorhersehbaren Gags auszugleichen. Das gleiche Problem stellt sich bei den eingeflochtenen parodistischen Elementen, die zwar oftmals sehr gelungen sind (etwa in Hinblick auf "Maximum Extrem 2"), aber noch weit häufiger aufdringlich und fehl am Platz wirken (wie etwa die Anspielung auf den "Terminator", die albern statt augenzwinkernd wurde). Im Gegensatz zu dem oft gezogenen Kritiker-Vergleich zu Mike Myers' Austin Powers-Filmen ist 3 Engel für Charlie – Volle Power nämlich keine reine Parodie, was diese Einbindung schlicht seltsam aussehen lässt.
So ist einer der größten Mängel des Films, dass er recht unentschlossen zwischen einer Fortsetzung und Erweiterung des eigenen Franchise, zwanglosem Spaß und Parodie (Stichwort C.S.I.) hin- und herpendelt und zusammen mit den (zum Glück raren aber völlig deplazierten) "ernsten Szenen" einen recht unausgegorenen Eindruck erzeugt. Das ist vor allem schade, da Regisseur McG (der nach wie vor seine Wurzeln als Musikclip-Regisseur auch auf der Leinwand voll auslebt) beispielsweise mit der Bruce Willis-Szene am Anfang bewiesen hat, dass er durchaus fähig ist, gut zu inszenieren.

Ein weiteres Ärgernis sind die Vielzahl an Effektszenen und hier der Umstand, dass diese einfach grauenhaft schlecht geraten sind. Besonders auffällig ist das bei den Motorrad-Szenen und natürlich dem Auftakt mit dem militärischen LKW. Hier hat man auch gleich zum ersten Mal das Gefühl, im falschen Film zu sein, denn schon diese sehr früh im Film kommende Szene überbietet alles, was sich an unrealistischer Action in 40 Jahren James Bond angesammelt hat. Selbst gemessen an überzogener Film-Action oder solcher im Matrix-Stil ist das einfach lächerlich und zum Ausgleich nicht mal komisch sondern nur schlecht getrickst.
Das legt natürlich den Schluss nahe, dass bei den Gagen für die drei Leading Ladys nicht viel Geld für derlei Dinge übrig blieb. Immerhin bekam Spitzenverdienerin Cameron Diaz beachtliche 20 Millionen Dollar, Co-Produzentin Barrymore zwölf Millionen Dollar und "Schlusslicht" Lucy Liu "magere" vier Millionen Dollar, was schon fast ein Drittel des geschätzten 115 bis 120 Millionen Dollar Budgets ausmacht.

Wer jedoch den Eindruck hat, der Teaser würde praktisch den Höhepunkt der Albernheit darstellen, hat sich geirrt, denn dahingehend überbietet sich der Film permanent selbst, wobei er in einem lachhaften Finale gipfelt, das der Zuschauer nicht verdient hat.
Die Szenen mit Madisons (Demi Moore) Wagen im Showdown, bei dem sich das Gefährt in allen möglichen und unmöglichen Winkeln x-fach überschlägt, und die Insassen danach ohne größere Verletzungen aussteigen, lassen einen einfach nur den Kopf schütteln, denn zum Lachen ist das schon lange nicht mehr.
Eine schlechte Idee war in diesem Zusammenhang auch die Glasscherbe in Natalies Körper, denn dieser doch recht intensive Moment passte so gar nicht in die restlichen 105,5 Minuten. Wenn dann später ein abrupter Schnitt folgt, und sich alle drei Engel ohne Blessuren und in neuen Klamotten für ihre "Habt Euch lieb, wir uns auch"-Message vor dem Gebäude einfinden, ist das dermaßen abgeschmackt, dass man schon fast versucht ist, es surreal zu nennen und damit unverdient zu loben.
Auf jeden Fall ist eines klar: Im Vergleich zu 3 Engel für Charlie - Volle Power ist selbst ein Roadrunner-Cartoon von beinahe dokumentarischer Qualität, und leider lacht man oft nicht über einen guten, sondern eher einen schlechten Witz, unfreiwillige Komik oder eine nicht nur überzeichnete, sondern völlig realitätsferne Szene.

Bei all dem darf man aber auch nicht vergessen, dass der Film durchaus auch seine Qualitäten und guten Momente hat, allen voran natürlich die drei Hauptdarstellerinnen, die mit einer unglaublichen Spiellaune bei der Sache sind und durchaus mitzureißen vermögen. Umso bedauerlicher, dass sie keine besseren Gags und Dialoge hierfür bekamen. Doch andererseits haben Szenen, wie die Tanzeinlage zu den Klängen des ehemaligen Superstars MC Hammer, unbestreitbar das gewisse Etwas und verleiten zum Mitwippen.
Überhaupt weiß der Soundtrack sehr zu überzeugen und stellt praktisch einen Höhepunkt des derzeit angesagten 80er-Revival dar, hört er sich doch schließlich großflächig wie ein "Greatest Hits of the 80's" an. Bei den meisten Songs handelt es sich um wohlbekannte und beliebte Partykracher, was durchaus zur gewünschten Stimmung des Films beiträgt. Auch das gut adaptierte Score-Thema der TV-Serie ist durchaus gelungen.

Sowohl Cameron Diaz (Lebe lieber ungewöhnlich [1998]) als auch Hollywoods langjähriges Sorgenkind Drew Barrymore (Eine Hochzeit zum Verlieben [1998]) und Ally McBeal [1997-2002]-Veteranin Lucy Liu (Payback – Zahltag [1999]) übertreffen sich in ihrer Ausgelassenheit gegenüber Teil 1 noch ein gutes Stück und fühlen sich offensichtlich wohl in ihren Engel-Rollen.
Neu mit an Bord ist der schwarze Komiker Bernie Mac, der Bill Murray (Und täglich grüßt das Murmeltier [1993]) in seiner Rolle als leicht trotteliger Charlie-Verbindungsmann John Bosley ablöst, nachdem Murray und die "Engel" sich bei den Dreharbeiten zum Vorgänger gehörig verkracht hatten. Hier wurden die beiden zu Quasi-Brüdern deklariert, was natürlich schon alleine wegen der verschiedenen Hautfarben mindestens so albern ist, wie die Besetzung von Lucy "Alex" Lius Vater mit dem Briten John Cleese (Ein Fisch namens Wanda [1988]). Dessen irritierter Gesichtsausdruck im Angesicht der pikanten Berufseinschätzung seiner Tochter gehört zu den besten Momenten des Films, ebenso wie Bernie Mac sein Hoch an dem Punkt erreicht hat, wo er sich als irischer Staplerfahrer ausgibt, was ihm der Wachtposten natürlich nicht glaubt, weil er "so gar nicht wie ein Landsmann aussieht". Daraufhin erklärt Bosley dem Mann, dass er so irisch ist, wie es irischer gar nicht mehr geht, und dass seine Familie einst den berühmten schwarzen Humor der Iren erfunden habe, was seine Hautfarbe erklärt. Leider ist Mac ansonsten fast nonstop unkomisch, was nicht nur an dem direkten Vergleich zu Bill Murray liegt.
Alle anderen Haupt- und Nebenrollen sowie die vielen Cameos sind nicht viel mehr als Staffage mit dem gewissen A-ha-Effekt. So nehmen Luke Perry und Matt LeBlanc (Friends [seit 1994]) ihre Rollen aus dem ersten Teil wieder auf, ebenso erscheint erneut Crispin Glover (Zurück in die Zukunft [1985]), dessen Figur allerdings (anscheinend) einen weiteren Abgang probt.
Nach längerer Pause meldet sich auch Demi Moore (Ghost – Nachricht von Sam [1990]) auf der großen Leinwand zurück, die mit ihren 40 Jahren in der Bikini-Szene mit Cameron Diaz ihre jüngere Kollegin alt aussehen lässt. Als etwas unglücklich muss man dabei jedoch anmerken, dass im Film über längere Zeit versucht wird, die Identität des Hintergrundbösewichts geheim zu halten, wobei man aber in jedem Trailer Ex-Engel Madison Lee (Moore) als Schurkin sehen konnte.
Lobenswert hebt sich Justin Theroux (The District – Einsatz in Washington [seit 2000]) aus der Horde der Schurken hervor, während "T-1000" Robert Patrick leider sehr wenig zu tun hat.
Cameos gibt es zudem noch von Demi Moores Ex-Ehemann Bruce Willis in tollem Alterungs-Make-Up, von Jaclyn Smith (einer der Original-Serien-Engel) und der Sängerin Pink, die auch den Song zum Film beisteuerte.

In einem von Blockbustern voll gestopften Sommer wurden die finanziellen Erwartungen der Produzenten wider Erwarten schon einmal enttäuscht. In den USA blieb der Film mit seinen Einspielergebnissen ein gutes Stück hinter dem ersten Teil zurück und dieser Trend scheint sich auch in Deutschland fortzusetzen.
Ob damit ein dritter Teil ausgeschlossen ist, bleibt noch offen. Da muss man wohl noch die Umsatzergebnisse bei dem Verkauf der DVDs und Videos abwarten.
Man kann nur hoffen, dass es die Macher damit gut sein lassen, denn Volle Power gehört eindeutig in die lange Reihe überflüssiger Fortsetzungen.


Fazit:
Ganz klar fehlen Logik, Handlung, schauspielerische Finesse, intelligenter Witz und mehr Geld für bessere Effekte.
Im Austausch dafür gibt es laute Partystimmung, die dazu passende Musik und cartoonesk-haarsträubende Action mit stellenweise guter Ironie aber auch vielen dumpfen Gags, die reichlich unkomisch sind.
Wer sich daran nicht stört und für etwas über eineinhalb Stunden sein Hirn völlig ausschalten kann und möchte, bekommt einen zwar launigen, aber völlig sinnentleerten Film, der nach einem herzhaften Lacher so schnell wieder aus dem Kopf verschwunden ist, wie Eis bei vierzig Grad Sonnenhitze schmilzt.


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