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Dan Brown: "Meteor" [2001]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Dezember 2004
Autor: Dan Brown

Genre: Thriller / Science Fiction

Originaltitel: Deception Point
Originalsprache: Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 558 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 2001
Erstveröffentlichung in Deutschland: 2003
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-671-02738-7


Kurzinhalt:
Als die NRO-Analytikerin Rachel Sexton vom amerikanischen Präsidenten Zach Herney gebeten wird, den Leiter der Raumfahrtbehörde NASA, Lawrence Ekstrom, aufzusuchen, ahnt sie, dass dahinter ein doppelbödiges Spiel steckt, um Rachels Vater, Senator Sedgewick Sexton, der gegen Herney in der kommenden Präsidentschaftswahl antritt, zu diskreditieren. Obwohl Rachel gegenüber ihrem Vater alles andere als freundlich eingestellt ist, bleibt sie skeptisch – bis sie sich in der Arktis wiederfindet, wo die NASA ein Forschungslager aufgeschlagen hat.
Sowohl der Ozeanologe und Fernsehstar Michael Tolland, als auch Geologe Corky Marlinson bestätigen ihr aber, dass es bei der geheimen Entdeckung der NASA um eine vollkommen andere Sache geht. Als Rachel den Fund selbst in Augenschein nehmen kann, sind ihre Vorbehalte wie weggewischt
Dabei steht ihr und den beiden Wissenschaftlern der gefährlichste und längste Tag ihres Lebens bevor. Denn das Objekt birgt ein Geheimnis, das die Verantwortlichen hinter der Verschwörung um jeden Preis wahren müssen.


Kritik:
Zwischen seinen beiden Buch-Hits Illuminati [2000] und Sakrileg [2003] mit Haupt-Charakter Robert Langdon verfasste Autor Dan Brown einen ebenfalls sehr erfolgreichen Roman: Meteor ist dabei aber trotz des wissenschaftlichen Hintergrunds gänzlich anders angelegt – dennoch gleichen sich Browns Werke in zahlreichen Belangen, was jedoch nicht schlecht sein muss.
Geht man allerdings davon aus, dass üblicherweise jeder Leser in der Lage ist, den Titel des Romans und den Klappentext zu lesen, ergeben sich aus der deutschen Vermarktung im Verleich mit der englischen zwei grundlegende Probleme. Zum einen wird mit dem deutschen Titel die erste große Überraschung bereits vorweg genommen, nämlich was die NASA unter dem arktischen Eis gefunden hat, denn beim Lesen des eigentlichen Textes beschäftigt einen diese Frage immerhin 100 Seiten lang. Zum anderen verrät der Klappentext, dass es sich um eine noch viel größere Verschwörung handelt, und so geht der Leser das Thema mit einer gewissen Skepsis an, stellt alle Aussagen in Zweifel und kommt recht schnell dahinter, dass sich bei diesem oder jenem Gespräch eine überraschende Wendung anbahnt. Wie diese aussieht, lässt sich zwar schwer voraussagen, denn dahingehend hat Brown einmal mehr gute Arbeit geleistet, doch dass ein Plot-Twist kommt, steht ansich schon einige Seiten zuvor fest.

Dies ist vielleicht schon der größte Kritikpunkt, den man anführen kann, denn selbst wenn die Geschichte überaus interessant ist, und nach 150 Seiten eine gänzlich andere Richtung nimmt, als man zunächst erwartet hätte, weiß der Leser grundsätzlich schon ab der Hälfte des Romans, wie sich die Story weiter entwickeln wird. Zwar ist nicht klar, wer letztendlich alles beteiligt ist, und die Schauplätze versprechen ebenfalls genügend Abwechslung, aber bis auf die letztendliche Frage "Wer?" bleibt nicht mehr viel offen, das es zu klären gilt.
Brown gibt sich allerdings Mühe, dem Interessenten trotzdem eine mitreißende und spannende Geschichte zu liefern. Und um zwei Sachen vorweg zu nehmen, ohne die Spannung rauben zu wollen: Die Action-Sequenz in der Arktis mit dem Delta-Team, sowie das Finale auf einem wirklich ungewöhnlichen Schiff zählen zu den best ausgearbeiteten und raffiniertesten, die es seit langem gab, und übertreffen aufgrund der vielschichtigen Struktur, mehrerer Ebenen und der Verworrenheit der Situation sogar die Höhepunkte in Illuminati und Sakrileg.
Wer also auf einen Action-Thriller mit Science-Fiction-Elementen gehofft hat, wird hier voll und ganz auf seine Kosten kommen. Dabei erinnern das Setting, das Thema der "Nationalen Sicherheit" und die vielseitigen, bisweilen sticheligen Vorwürfe gegenüber den verschiedenen Behörden, Ämtern und Personen durchaus an die Tom Clancy-Thriller mit Hauptfigur Jack Ryan.
Die Story von Meteor ist vielschichtig und gut ausgearbeitet, die Wendungen verblüffen inhaltlich ansich jedes Mal und das Tempo, das Dan Brown in seinem (erneut in nur 24 Stunden spielenden) Roman vorlegt, ist enorm und entfaltet schon ab dem überraschenden Prolog, bis hin zur Vorstellung der Charaktere eine ungeheure Sogwirkung. Wieder nutzt der Autor seine bekannten Methoden, am Ende der hin und wieder recht kurzen Kapitel einen Twist oder eine Andeutung einzubauen, um den Leser so zum Weiterlesen zu animieren. Seine Rechnung geht einmal mehr auf, nicht zuletzt, da die zahlreichen wissenschaftlichen Hintergründe und die präzise recherchierten Vorgehensweisen der einzelnen Personen nicht nur unterhalten, sondern hin und wieder sogar lehrreich sind.

Wie bei den "Robert Langdon"-Werken gelingt es dem Autor auch hier, auf wenigen Seiten überzeugende und sympathische Charaktere zu erschaffen: Rachel Sexton ist ihm dabei ebenso gut gelungen, wie Corky Marlinson und nicht zuletzt Michael Tolland. Ihre Motivation und ihre Handlungen sind stets nachvollziehbar, die Schlüsse, die sie aus ihren Erkenntnissen ziehen, dem Zuschauer nie voraus oder meilenweit hinterher. Sie entwickeln sich genau im richtigen Tempo und bauen so eine überzeugende und feste Bindung zu den Lesern auf.
Bei den Widersachern ist Brown ebenfalls keine Kompromisse eingegangen: Senator Sedgewick Sexton, Gabrielle Ashe, Lawrence Ekstrom, Marjorie Tench und Zach Herney haben alle ausreichend Hintergrund und kommen im selben Maße zum Zug, wie die Hauptfiguren.
Besonders zu erwähnen sind vor allem die Entwicklungen von Tolland und Rachel Sexton, mit denen man darüber hinaus am meisten mitfiebert. Zwar ist kein Charakter darunter, der Robert Langdon das Wasser reichen könnte, aber gegen weitere Abenteuer der NRO-Mitarbeiterin Rachel Sexton wäre überhaupt nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil!

Sprachlich bewegt sich Dan Brown auf bekannt hohem und gleichzeitig unterhaltsamen Niveau, gleichwohl die zahlreichen Fachworte und wissenschaftlichen Erklärungen manch willigen Leser der englischen Original-Version des Buches eventuell etwas ins Schleudern bringen könnten.
Trotzdem erläutert Brown die Begriffe stets verständlich und passt seinen Stil dem jeweiligen Geschehen an.

Dass Meteor dadurch einen guten Absatz fand, verwundert nicht. Denn anstatt den Leser mit taktischen Vorgehensweisen zu langweilen, präsentiert der Autor hier eine Vielzahl interessanter und glaubhafter Technologien, verwoben mit einer spannend erzählten Geschichte.
Diese mag vielleicht nicht ganz mit seinen beiden bekannteren Romanen mithalten. Doch das ist letztendlich eher der simplen Auflösung anzulasten, die zwar überzeugend dargebracht wird, aber die enormen Gefahren und den Aufwand nicht rechtfertigen, der von den Protagonisten betrieben wird. Außerdem sieht man als Kenner von Browns Romanen viele Wendungen schon vorher.
Ärgerlich ist dabei nur, dass der Autor beim Finale einen recht einfallslosen Trick anwendet, um seine Figuren aus der Bredouille zu holen: Statt die Auflösung von vorne herein aufzubauen, springt Brown kurzerhand einige Stunden zurück und erklärt kurz, weshalb die Personen auf das Geschehen aufmerksam wurden. Das erinnert frappierend an einen Cliffhanger aus den frühen Fernsehtagen, bei deren Auflösung die Szenen urplötzlich anders arrangiert waren, so dass die unmöglich aufzulösende Situation der vorigen Episode doch noch zu einem guten Abschluss kommt.
Dies bei Meteor zu kritisieren, ist sicherlich reine Spitzfinderei, und Thriller-Fans sei der Roman zweifelsohne ans Herz gelegt; es bleibt jedoch ein Kritikpunkt, den Brown in seinen bekannteren Romanen nicht aufkommen ließ.


Fazit:
Klappt man Deception Point, so der treffendere Originaltitel, nach den fast 560 Seiten – oder irgendwo dazwischen – wieder zu, muss man erst einmal durchatmen. Autor Dan Brown gelingt es erneut, seine Leser durch exotische und überwältigende Kulissen zu hetzen, dabei in Windeseile eine interessante, vielschichtige Geschichte zu entfalten und kleinere Mängel an seinem Roman geschickt zu überspielen.
Bezogen auf Illuminati und Sakrileg ist Meteor möglicherweise das schwächste Werk bislang. Das bedeutet allerdings nicht, dass er schlecht wäre oder nicht lesenswert. Mir hat das Buch eine Menge Spaß gemacht, obwohl das Finale zum Teil etwas brutaler geraten ist, als der Rest vielleicht vermuten lässt. Doch auch wenn mir Dan Browns Stil erneut sehr zugesagt hat, sind mir hin und wieder allzu offensichtlich angekündigte Twists aufgefallen, die so überraschend nicht immer waren. Wenn sich die ganze Verschwörung letztendlich auf zwei mögliche Kandidaten konzentriert und Brown den Namen des Täters 90 Seiten lang vorenthält, verlässt man sich als Leser darauf, dass wohl die ursprünglich weniger wahrscheinliche Person hinter dem Ganzen stecken muss. Zwei Mal lässt man sich eben ungern vom Autor austricksen; zudem ist das gleiche Muster auch in Browns anderen Romanen erkennbar. So entpuppt sich die überaus vielversprechende Story als der eigentliche Knackpunkt des Romans, denn die ist ansich nicht komplex genug.
Trotzdem unterhält Meteor ohne Ausnahme bis zur letzten Seite, nicht zuletzt dank seines eingängigen und informativen Stils. Der Roman wirft einige interessante Fragen bezüglich bestimmter amerikanischer Firmen und Ämter auf, stellt eine Menge Technologie vor, die in einem solchen Maße noch nicht bei einem Thriller zum Einsatz kam, hält den Leser mit glaubhaften, sympathischen Figuren bei Laune – und bietet einfach tollen Lesespaß.


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