skip to content

Robert Ludlum: "Das Bourne Ultimatum" [1990]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Dezember 2007
Autor: Robert Ludlum

Genre: Thriller

Originaltitel: The Bourne Ultimatum
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 513 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1990
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1990
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-75286-039-9


Kurzinhalt:
Jahre zuvor starb Jason Bourne für die Öffentlichkeit in Asien – doch der Terrorist Carlos der Schakal, der einst das Ziel von Bournes Mission gewesen ist, hat die einzigen beiden Menschen ausfindig gemacht, die Bournes Aufenthaltsort und seine wahren Identität kennen. Der Psychiater Mo Panov und Alex Conklin. Sie im Visier kommt er David Webb, Familienvater und Ehemann von Marie, auf die Spur und zwingt Webb / Bourne zu einer letzten Konfrontation.
Seine Familie in Sicherheit wissend, geht Bourne auf die Jagd ein und stößt dabei zufällig auf eine neue Medusa-Organisation, der Webb als Elitekämpfer Delta während des Vietnamkrieges entsprungen war. Doch das neue Medusa ist ein weltweit operierendes Syndikat, das Stellen in den höchsten Positionen innehat. Als die Verantwortlichen von Bournes Wissen erfahren, steht der Einzelkämpfer erneut zwischen allen Fronten.
Von der Karibik über Paris, bis hin nach Moskau führt Bourne die Spur des Schakals, wobei er seinem alternden, todkranken Gegenspieler immer einen Schritt hinterher hinkt. Gleichzeitig versucht Alex Conklin, das neue Medusa auszuloten – und bringt dabei sich, Panov und Bournes Familie ins Fadenkreuz der skrupellosen Hintermänner ...


Kritik:
Zehn Jahre zuvor begann Autor Robert Ludlum die Geschichte des Agenten ohne Gedächtnis, Jason Bourne. In Die Bourne Identität [1980] beantwortete er dabei nicht nur alle Fragen um die Herkunft des amnesierten Auftragskillers, sondern auch über seine eigentliche Mission und die Hintermänner. Was der Autor im Finale des Romans allerdings nur anklingen ließ, war die eigentliche Konfrontation zwischen Jason Bourne und dem eigentliche Ziel seiner Mission, Carlos dem Schakal, einem der größten und gefährlichsten Terroristen.
Diese Geschichte findet nun – nach einem Zwischenstopp mit Das Bourne Imperium [1986] – ihren Abschluss, die seit 13 Jahren währende Konfrontation zwischen Bourne und Carlos ihren Höhepunkt. Wer sich immer fragte, wie eine Auseinandersetzung zwischen zwei gleich starken Gegnern enden würde, findet am Ende von Das Bourne Ultimatum die Antwort. Und sie ist nicht überraschend.

Die Story des Romans entfaltet sich dabei zu Beginn nur sehr langsam, nimmt dann allerdings, als die Verwicklungen der neuen Medusa-Organisation aufgedeckt werden, immer mehr Fahrt auf und umspannt schon nach den ersten Kapitel ein Dutzend Figuren und mindestens halb so viele Schauplätze. Die Idee Ludlums, das Finale der Reihe nicht nur mit Carlos, sondern auch mit einem wieder auferstandenen Medusa zu begehen, ist ebenso mutig wie gelungen, zumal die Verstrickungen der Hintermänner mit den Machenschaften während des Vietnamkrieges insbesondere in den USA unschöne Erinnerungen wecken.
Und doch scheint es immer wieder, als hätten so viele Schauplätze und Nebenhandlungen (wie die Einbeziehung der Mafia) an sich gar nicht sein müssen, und aus Das Bourne Ultimatum hätte ein Schweiß treibender Thriller werden können. Die Handlungsstränge ziehen die Geschichte zwar in die Länge und wirken nicht zuletzt besonders episch, zwangsläufig notwendig sind sie aber nicht.
Ganz im Gegenteil; die Dialoge schweifen mitunter Seiten lang um ein Thema herum, ehe sich der Autor dem eigentlichen Kern des Gespräches nähert. Noch ehe eine Person ausgedrückt hat, was sie eigentlich möchte, erklärt sie ihre Motivation zwei- oder gar dreimal. Ein solcher Stil ist für diese Art Thriller zwar nicht unüblich, scheint aber an vielen Stellen (insbesondere, wenn sich untergeordnete Nebenfiguren so unterhalten) unnötig und lediglich der Seitenzahl dienlich. Insgesamt hätten die Dialoge durchaus mehr Schliff notwendig gehabt, um wirklich mitzureißen, und auch wenn viele Actionszenen lange vorbereitet werden, sie selbst dauern meist nur wenige Abschnitte – Ausnahme ist hier das gelungene Finale.

Bei den Charakteren steht einmal mehr Jason Bourne / David Webb im Mittelpunkt, dessen Persönlichkeiten sich im ständigen Konflikt befinden. Dieser Zwiespalt wird aber gerade in den unpassendsten Szenen wieder aufgegriffen, anstatt sich ihm in den Ruhephasen zwischen den Spannungsmomenten zu widmen, wo man ihn auch ausführlich thematisieren könnte. Anders hingegen bei den körperlichen Leiden, die Webb / Bourne mit seinen inzwischen 50 Jahren plagen. Dies wirkt nicht nur realistisch, sondern auch menschlich.
Von den anderen Figuren bekommen grundsätzlich alle etwas zu tun, seinen es die bekannten wie Marie, Mo Panov oder Alex Conklin, oder auch die neuen Charaktere wie Peter Holland oder die vielen Schurken im Roman.
Dass Das Bourne Ultimatum hierbei desillusioniert, steht außer Frage, immerhin gibt es kaum eine Figur im Roman, die nicht ihren Preis hätte, beziehungsweise ihre Loyalitäten nicht gerne verkaufen würde. Ohne Zweifel entwickeln sich die Hauptcharaktere auch weiter, sind am Ende des Buches aber beinahe wieder dort angekommen, wo sie am Anfang waren.

Der Aufbau von Ludlums drittem Bourne-Abenteuer wirkt, als wäre es mehr einem gewohnten Schema unterworfen. Nach einer anfänglichen Begegnung der beiden Widersacher, verbirgt sich im zweiten Akt die Suche nach dem Bösewicht, ehe der dritte Akt eine Aneinanderreihung von Konfrontationen zwischen den Protagonisten darstellt. Das Finale, angefangen von einer Verfolgungsjagd durch ein russisches Hotel, über ein Waffendepot, bis hin zum geheimen KGB-Trainingsstützpunkt Novgorod, kann sich sehen lassen und enttäuscht auch nicht – der zweite Akt hingegen ist sowohl inhaltlich, als auch dramaturgisch der schwächste und wirkt stellenweise, als wäre er einem anderen Autor entsprungen.

Sprachlich gibt sich Autor Robert Ludlum gewohnt versiert und konfrontiert den Leser nicht nur mit allerlei Fach-Jargon und Hintergründen zu Ermittlungsbehörden wie Verbrecherorganisationen, sondern auch mit vielen französischen, italienischen und russischen Sätzen, die oft, aber nicht immer übersetzt werden. Mitunter muss man sich den Sinn der Text schlichtweg erschließen.
Wirklich schwer zu lesen ist das Ganze eigentlich nicht, wenn die unnötig aufgeblasenen Dialoge nicht so halb-philosophisch formuliert wären, dass man sich mitunter zwei Mal lesen muss, um sie letztlich zu verstehen.
Nichtsdestotrotz sei denjenigen, die die bisherigen Bücher auf Englisch gelesen haben, auch der drittel Teil im Original empfohlen.

So schließt sich nach zehn Jahren und drei Büchern der Kreis um Jason Bourne – eine Figur, die ein für alle mal bewältigt ist. Wenn es da nicht Autor Eric van Lustbader gäbe, der die Geschichte inzwischen bereits in zwei weiteren Büchern fortgesetzt hat. Der erste Band soll zwar grob auf Manuskripten Ludlums basieren, lässt allerdings alles hinter sich, was die bisherigen Bücher auszeichnete und setzt die Geschichte in der heutigen Zeit mit einem verjüngten Jason Bourne ohne die übrigen Figuren fort. Dementsprechend zwiegespalten war auch die Reaktion der Fans der Reihe auf die Neuveröffentlichungen, gegen die sich Ludlum nicht wehren konnte.
Dabei benötigt die Geschichte keine weiteren Instanzen mehr, um für den Leser einen Abschluss zu bieten. Nicht nur, dass die Handlung des Romans selbst ein Ende findet, auch die Fehde zwischen Carlos und Jason findet ihren Höhepunkt in der unerbittlichen Auseinandersetzung der beiden Auftragskiller. Der Ausgang – so viel sei verraten – enttäuscht zwar im ersten Moment, doch auf Grund der geänderten Bedingungen zwischen den beiden Widersachern, ist es die einzig vernünftige Erklärung, wie eine direkte Konfrontation enden konnte. Dem beizuwohnen ist für Fans und Leser der ersten Bände ein muss; auch wenn der Roman seine Schwachstellen hat.


Fazit:
Selbst für diejenigen, die alle Verfilmungen des Stoffes bereits gesehen haben, hält Das Bourne Ultimatum viele Überraschungen bereit – nicht zuletzt, da der Roman selbst bislang nicht anders umgesetzt wurde. Auf die Konfrontation zwischen Carlos dem Schakal und Jason Bourne mussten die Leser lange warten, dabei findet das erste Aufeinandertreffen bereist im ersten Drittel des Buches statt.
Hier liegt ein Problem von Ludlums Trilogieabschluss begraben. Nicht nur, dass die beiden Gegner immer wieder aneinander geraten, ohne dass die Begegnung in etwas anderem als einem Remis endet, gerade die Sequenz auf der Karibikinsel scheint von Actionmomenten nur so zu strotzen, ohne dass sich die Geschichte tatsächlich weiter bewegt. Dabei wirken die Handlungsweisen Bournes völlig atypisch gegenüber dem Beginn oder dem Ende des Buches, auch auf die beiden Vorgängerromane bezogen kann man den mysteriösen Helden kaum verstehen. So schon im Vorfeld, als ein Drahtzieher der neuen Medusa-Organisation in seinem Landhaus ermordet wird. Diese Abschnitte scheinen die Handschrift eines anderen Autors zu tragen und trüben den Lesespaß. Insgesamt gab es einige Aspekte des Buches, die mir nicht zugesagt haben; seien es nun die aufgeblähten, umständlich formulierten Dialoge, oder aber der immer wieder forcierte innere Konflikt Bournes/Webbs, der in der "Persönlichkeitsspaltung" zu dick aufgetragen erscheint. Gut gefallen haben mir hingegen die vielen Momente, in denen Bourne mit seinen inzwischen 50 Jahren und den Nachteilen daraus zu kämpfen hatte. Dies vermenschlicht den Charakter merklich, auch wenn es interessant gewesen wäre, hätte Ludlum Bourne Carlos durch seinen Verstand, statt durch seine körperliche Kraft überlegen sein.
Alles in allem bietet Das Bourne Ultimatum einen guten Abschluss der Trilogie, in dem sich aber ebenso die Schwächen der bisherigen Bücher herauskristallisieren, wie auch die Stärken, die zweifelsohne in den ausschweifenden und furiosen Actionsequenzen liegen. In seinem Genre muss sich Ludlum dabei lediglich bei sich selbst messen lassen und scheint dabei weniger originell, als noch in Die Bourne Identität.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.