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Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert:
"In den Händen der Borg" / "Angriffsziel Erde" [1990]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Juli 2016
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Star Trek: The Next Generation: "The Best of Both Worlds"
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1990
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Cliff Bole
Musik: Ron Jones
Darsteller: Patrick Stewart, Jonathan Frakes, LeVar Burton, Michael Dorn, Gates McFadden, Marina Sirtis, Brent Spiner, Wil Wheaton, Elizabeth Dennehy, George Murdock, Colm Meaney, Whoopi Goldberg, Todd Merrill


Kurzinhalt:

Als der Kontakt zur am weitesten entfernten Kolonie der Föderation urplötzlich abreißt, wird die USS Enterprise entsandt, um den Vorfall aufzuklären. Das Außenteam um Commander Riker (Jonathan Frakes) und Lt. Commander Data (Brent Spiner) entdeckt, dass die Kolonie buchstäblich von der Planetenoberfläche gerissen wurde. Die Spezialistin Lt. Commander Shelby (Elizabeth Dennehy) entdeckt Spuren der kybernetischen Borg, auf die Captain Picard (Patrick Stewart) und die Crew der Enterprise in einem weit entfernten Quadranten gestoßen war. Während die Föderation eine Flotte von 40 Raumschiffen versammelt, um der drohenden Borginvasion entgegen zu treten, trifft die Enterprise auf das würfelförmige Schiff der Aliens. Sie sind an Picard als Person interessiert – und nehmen direkten Kurs auf die Erde ...


Kritik:
Auch wenn sich viele Science Fiction-Fans nicht mehr werden erinnern können, ob der Sommer im Jahr 1990 besonders heiß und trocken, oder verregnet und kühl war, eines werden sie nicht vergessen haben: Er war lang. Mit dem ersten staffelübergreifenden Cliffhanger, der dafür sorgen würde, dass die kommende Staffel noch höhere Zuschauerzahlen verbuchen würde, verabschiedete sich Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert in eine Sommerpause, die für viele Zuschauer drei Monate des grauenvollen Wartens bedeuten würde. Die Doppelepisode In den Händen der Borg und Angriffsziel Erde stellt dabei das Beste dar, was Star Trek in jener Zeit sowohl im Kino, wie je zuvor auf der kleinen Leinwand gezeigt hatte. Sie rangiert bei Umfragen unter den besten Fernsehfolgen aller Zeiten und das zu Recht.

Ein Vierteljahrhundert, bevor Online-Streaming-Services das so genannte "Binge Watching", bei dem ganze Staffeln am Stück geschaut werden, salonfähig gemacht haben, konnten Zuschauer nur einmal in der Woche eine neue Episode ihrer Lieblingsserie erleben – mitunter mit langen Pausen zwischen den Ausstrahlungen. So gibt es heute diejenigen, die sagen, dass früher Serien in einzelnen Episoden erzählt wurden, die für sich abgeschlossen waren, anstatt eine zusammenhängende Geschichte zu präsentieren, wie es heute mitunter der Fall ist.
Sieht man sich mit zeitlichem Abstand – und einer einhergehend größeren Erfahrung – Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert nochmals an, dann fällt zum einen auf, dass die Autoren sehr wohl die Hintergrundgeschichte um die bekannten Figuren weitererzählen. Das betrifft zwar meist die persönlichen Belange, wie beispielsweise Fähnrich Wesley Crushers Beförderung, die hier erneut angesprochen wird, aber auch Vorboten, die allesamt auf diese Doppelfolge, die im Original den Titel The Best of Both Worlds trägt, hinarbeiten. In der letzten Folge der ersten Staffel (Die neutrale Zone) angedeutet, traf die Crew der USS Enterprise kurz vor Ende der zweiten Season in Zeitsprung mit Q zum ersten Mal auf ihren größten Widersacher: Die Borg. Jetzt (erst) sind sie zurückgekehrt.

Was die Borg dabei so faszinierend macht, ist die Tatsache, dass sie ein Gegner sind, der in keiner Weise auf die Originalserie Raumschiff Enterprise [1966-1969] verweist. Die Klingonen wurden in Das nächste Jahrhundert zwar bedeutend ausgebaut und ebenso wie die Romulaner um eine reiche Historie und Mythologie ergänzt, aber sie waren am Ende einfach schon bekannt. Die Ferengi als neue Rasse im Star Trek-Universum spiegeln zwar den selbstbezogenen Profitwahn eines Kapitalismus in Perfektion wider, sind aber nicht bedrohlich. Die kybernetischen Borg, eine Spezies, halb Mensch, halb Maschine, die sich fremde Kulturen und ihre Technologie einverleibt, sie "assimiliert", war etwas Neues. Sie sind ein Gegner, mit dem man nicht verhandeln kann, der sich an allen Widerstand so schnell anpasst, dass er unbesiegbar erscheint, so dass auch niemand auf die Idee kommt zu fragen, wie sie die mächtige Föderation der Planeten mit nur einem Schiff bezwingen wollen.

In In den Händen der Borg / Angriffsziel Erde sind sie zurück und die Föderation nicht vorbereitet. Vor allem scheinen sie ein persönliches Interesse an Captain Picard zu haben. Wird er von den Borg gefangen genommen, mag man sich gar nicht vorstellen, was sie mit ihm anstellen werden. Er soll ihr Sprachrohr sein, Locutus, ein vertrautes Gesicht, das der Menschheit befiehlt, sich widerstandslos zu unterwerfen, da sie ansonsten zerstört würde. Um ihn dazu zu bringen, wird Jean-Luc Picard von den Borg in ihr einem Bienenstock ähnlichen Kollektiv assimiliert und verändert sich zusehends.
Zu sehen, wie diese Crew in den drei Jahren zusammengewachsen ist, die unterschiedlichen Charaktere einander gefunden haben und wie eine Einheit agieren, macht es hier nur umso schmerzhafter für Fans, wenn die zentrale Figur dieser Familie entrissen wird. Es gibt eine Szene mit der wundervollen Whoopi Goldberg als die gute Seele des Schiffes, Guinan, in der zweiten Episode, die das hervorragend auf den Punkt bringt.

Wird Picard von den Borg zum Verrat an der Menschheit gezwungen, steuert die Enterprise unter William Riker mit einer neuen Frau als erster Offizierin auf eine Konfrontation zu, bei der was auf dem Spiel steht nicht größer sein könnte. Dreht die Kamera in der letzten Einstellung der ersten Folge auf Jonathan Frakes' angespanntes Gesicht zu und hört man ihn seinen kurzen Befehl äußern, steigt nicht nur die hervorragende Musik von Ron Jones, sondern auch der Blutdruck beim Publikum.
Während sich viele Cliffhanger an einen Punkt bringen, an dem es keinen Ausweg zu geben scheint, gelingt es Autor Michael Piller, eine Auflösung zu finden, bei der der Einsatz im zweiten Teil, Angriffsziel Erde, nur noch gesteigert wird. Das Highlight ist eine "Einmischung" von Seiten der Enterprise-Crew, um die Pläne der Borg zu durchkreuzen, die auf mehreren Ebenen erzählt und von Regisseur Cliff Bole immens packend umgesetzt wird.

Wer der spielfilmreifen Episode vorwerfen möchte, dass Star Trek nichts mit kriegerischen Kämpfen zu tun hat, sondern es um friedvolle Entdeckung gehen würde, der sollte sich zum einen die Episoden der ursprünglichen Besatzung um Kirk, Spock und Pille nochmals und auch bei The Best of Both Worlds genau hinsehen. Von der faszinierenden Lebensform der Borg abgesehen, die so andersartig ist, dass man sie kaum verstehen mag, macht es hier das Zusammenspiel der Besatzung aus, die als Team auftritt und von der jeder seinen Beitrag leisten muss, um eine Katastrophe noch abwenden zu können. Das Zusammenhalten gegen einen übermächtigen Gegner, um eine bessere Zukunft herbeiführen zu können, ist es ebenso, was Star Trek seit jeher ausgemacht hat.
Selten wurde diese Aussage so mitreißend zum Leben erweckt, wie hier.


Fazit:
Auch wenn die Geschichte actiongeladene Momente bietet, In den Händen der Borg / Angriffsziel Erde wartet mit ebenso vielen Charakterhighlights auf. Seien es die Szenen der privaten Crew, oder Picards schwermütiger Dialog mit der vorausahnenden Guinan kurz vor der Schlacht. Selbst die neue eingeführte Lieutenant Commander Shelby wird deutlich charakterisiert. Es sind Augenblicke, die erahnen lassen, dass hier etwas Bedeutendes geschieht, etwas, das die Serie und die Figuren verändern wird. Der allerletzte Moment der Doppelfolge stellt dies nochmals hervor mit einer Mimik, die so viel verrät und einer Musik, die Bände spricht. Dass die Autoren diese Stimmung in die kommende Episode übertragen, ist ihnen hoch anzurechnen.
Nach einer soliden ersten und einer guten zweiten Staffel, überraschte die dritte Season von Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert mit so vielen Ausnahmeepisoden und fantastischen Charakterfolgen, dass The Best of Both Worlds wie der unausweichliche Höhepunkt eines sich stetig steigernden Erzählbogens erscheint. Mit einem tollen Skript, einer Darstellerriege in Bestform und einer hervorragenden, preiswürdigen Umsetzung mit fantastischen Tricks, ist dies eine der besten Episoden, die nicht nur Star Trek je hervorgebracht hat. Umso passender das Mantra der Borg: Widerstand ist zwecklos.    


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