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Star Trek: Discovery – Staffel 2 [2019]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Februar 2020
Genre: Science Fiction / Action / Fantasy

Originaltitel: Star Trek: Discovery – Season 2
Laufzeit: 710 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Alex Kurtzman, Jonathan Frakes, Olatunde Osunsanmi, Lee Rose, David Barrett, Douglas Aarniokoski, Marta Cunningham, T. J. Scott, Hanelle M. Culpepper, Maja Vrvilo
Musik: Jeff Russo
Besetzung: Sonequa Martin-Green, Doug Jones, Anthony Rapp, Mary Wiseman, Wilson Cruz, Shazad Latif, Anson Mount, Michelle Yeoh, Jayne Brook, Mary Chieffo, Mia Kirshner, Tig Notaro, Ethan Peck, Rebecca Romijn, Alan Van Sprang, Rachael Ancheril, Emily Coutts, Patrick Kwok-Choon, Oyin Oladejo, Ronnie Rowe, Sara Mitich, Hannah Cheesman, Raven Dauda


Kurzinhalt:

An sich auf dem Weg, einen neuen Captain an Bord zu nehmen, erhält die U.S.S. Discovery ein Notsignal der U.S.S. Enterprise. Deren Captain Pike (Anson Mount) war dabei, eine ebenso rätselhafte wie wichtige Mission durchzuführen, als die Systeme seines Schiffes überlasteten. So übernimmt er kurzerhand die Leitung der Discovery und ihrer Crew. Kurz zuvor wurden zum selben Zeitpunkt, verstreut in der Galaxis sieben rote Impulse wahrgenommen, die auf eine fremde Intelligenz deuten. Ihr Ursprung und ihr Zweck sind unbekannt. Während die Crew unter Pike und Commander Saru (Doug Jones) den Signalen folgt, die sie zu bestimmten Zeitpunkten an bestimmte Orte zu lotsen scheinen, beginnt für die inzwischen rehabilitierte Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) die Suche nach ihrem entfremdeten Bruder Spock (Ethan Peck). Nur mit seiner Hilfe kann sie das Rätsel um diese Signale und ein mysteriöses Wesen lösen, das sie augenscheinlich hervorruft. Doch dabei übersehen sie, dass sich die Sternenflotte einem Feind mit ungeahnten Fähigkeiten gegenübersieht …


Kritik:
Bei der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery hat es den Anschein, als hätten sich die Macher einiger der Kritikpunkte der Fans des ursprünglichen Franchise angenommen und präsentieren eine zusammenhängende Geschichte, die sich mehr um die Figuren und doch die Entdeckung des Unbekannten dreht. Zumindest so lange, ehe auch diese Story wieder mehr auf die Gewaltdarstellung und fahrig inszenierte, wenn auch imposante Action setzt. Das ist eine Verbesserung, wenn auch eine überschaubare.

Eine der Stärken und der Schwächen dieser Staffel wird am besten in der Aussage meiner Frau deutlich, die an zwei Punkten sagte, „ich mag Captain Pike“. Tatsächlich ist die aus der allerersten Serie Raumschiff Enterprise [1966-1969] und ihrem ursprünglichen Pilotfilm Der Käfig [1965] bekannte Figur eines der Highlights dieser 14 Episoden. Nicht nur, dass er eine überzeugende Führungspersönlichkeit darstellt, er ist ebenso charismatisch wie sympathisch und stets darauf aus, das Richtige zu tun, selbst wenn es nicht der einfache Weg sein sollte. Nur ist Pike eben keine Figur aus Discovery und hebt sich deshalb so spürbar von den übrigen ab. Dass das Publikum von der Kernbesetzung nicht einmal von allen Figuren den Namen kennt, sollte den Autoren zu denken geben.

Dabei erhalten einige Charaktere spürbar mehr Profil als in der Vorgängerstaffel. Commander Burnham begibt sich als Hauptfigur auf die Suche nach ihrem Bruder Spock und stößt noch auf weitere Geister ihrer Vergangenheit. Saru erfährt die vielleicht interessanteste Entwicklung, die an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden soll, und die übersprudelnde, etwas chaotische Fähnrich Tilly bleibt wie sie ist, mehr oder weniger. Der Storybogen dreht sich um sieben mysteriöse Signale, die über die Galaxis verteilt aufleuchten und ein großes Mysterium darstellen. Gleichzeitig erscheint immer wieder eine seltsame Gestalt, einem roten Engel gleich, die schlimme Katastrophen zu verhindern scheint. Wie all dies zusammenhängt und weshalb – einmal mehr – Zeitreisen eine Rolle spielen, gilt es für die Crew der Discovery aufzudecken. Die wird, bis ihr ein neuer Captain zugeteilt wird, von Captain Pike geleitet, dessen eigenes Schiff, die U.S.S. Enterprise, repariert werden muss. Weitere neue Figuren sind die nicht auf den Mund gefallene Ingenieurin Jett Reno und eben Spock selbst, der aber die Hälfte der Staffel unauffindbar bleibt. Dafür verquicken die Autoren auch die Geschehnisse der ersten Staffel und präsentieren neben Sektion 31 Michelle Yeoh als die gewissermaßen von den Toten auferstandene Philippa Georgiou sowie Jayne Brook in der Rolle von Admiral Cornwell. Auch Figuren, die an sich schworen, künftig im Schatten zu leben, sind wieder mit dabei und eine weitere wird tatsächlich von den Toten auferweckt.

An sich ist inhaltlich für die etwas mehr als ein Dutzend Episoden somit genug geboten, die ungeachtet der zusammenhängenden Geschichte jedoch auch eigenständige Stories erzählen. Sei es um eine menschliche Kolonie, die weit ab von der Erde gefunden wird und deren Existenz sich niemand erklären kann, oder ein Besuch auf Sarus Heimatwelt, bei dem die komplexe Beziehung der Kelpianer zu der dominanten Spezies auf dem Planeten geklärt wird. Besuchen die Figuren schließlich sogar Talos IV, den Planeten, auf dem Pikes Reise in Der Käfig einst begann und irgendwann einmal auch enden wird, dann gelingt es Star Trek: Discovery tatsächlich, sich wie ein Teil dieses lang andauernden Science Fiction-Universums anzufühlen.
Zumindest so lange, bis die krude Zeitreisestory zusammen mit dem Sporenantrieb und dem Mycel-Netzwerk, in dem die Discovery reist, vollkommen in sich zusammenfällt. Selbst mit Warp-Antrieb und Beamen konnte man Star Trek seit jeher unterstellen, dass es sich hierbei um Science Fiction handelte, selbst wenn die dahinterliegende Wissenschaft (noch) nicht erfunden war. Doch temporale Paradoxa hin oder her, können selbst die absurdesten Dialoge hier nicht kaschieren, dass die Geschichte keinen Sinn ergibt. Dies geht sogar soweit, dass sich die Figuren nach den vermeintlich erklärenden Dialogen mit reichlich Technogebrabbel gewissermaßen an das Publikum wenden und bekunden, es funktioniert einfach.

Sieht man Discovery als reine Unterhaltung, kann man darüber sicherlich hinwegsehen. Je weniger Aufmerksamkeit man dem Ganzen schenkt, umso besser für das Verständnis. Doch das tröstet nur leidlich darüber hinweg, dass die Episoden insbesondere in der zweiten Hälfte der zweiten Staffel auffallend häufig auf einer emotionalen Ebene zu funktionieren versuchen, wenn die inhaltliche misslingt. Das bedeutet aber auch, dass in beinahe jeder Episode ein emotionaler Hoch- oder Tiefpunkt erreicht wird, an dem mindestens eine Person in Tränen ausbricht. Es ist nicht, dass die Besetzung dem nicht gewachsen wäre, ganz im Gegenteil. Nur stärkt dies weniger die Charaktere, noch ist es sonderlich erbaulich anzusehen. Es mag kühl klingen, aber trotz aller Ernsthaftigkeit in mehr als 50 Jahren Star Trek, war dies nie ein Herz-Schmerz-Universum.

Dem entgegengesetzt, bleibt der Actionanteil überraschend hoch. Das schlägt sich nicht nur in einer erneut sehr temporeichen bis unübersichtlichen Inszenierung nieder, sondern stellenweise schlicht in einem Effektgewitter, das egal ob auf der großen oder kleinen Leinwand Seinesgleichen sucht. Das Staffelfinale Solch süße Trauer in Spielfilmlänge ist nicht nur in Anbetracht der schieren Masse an Trickeffekte beeindruckend, sie sehen auch allesamt fantastisch aus. Nicht zuletzt, weil außer der Discovery auch noch andere bekannte Schiffe beteiligt sind. Doch auch hier können die Macher nicht verbergen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Während ein wahres Inferno abgebrannt wird, versucht die Story im Schnelldurchlauf alle möglichen Kleinigkeiten zum Abschluss zu bringen und die Crew des Titel gebenden Sternenflotten-Raumschiffs auf ihre Zeit nach diesem Kampf vorzubereiten. Das wirkt inhaltlich vollkommen überfrachtet und erzwingt ein Ende für Storybögen, deren volles Potential nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft erscheint, sieht man sich insbesondere Burnhams Zieheltern Sarek und Amanda an. Wohin die Story von hier führen soll, bleibt somit ein Rätsel , selbst wenn die Macher merklich darum bemüht sind, eine gewisse Kontinuität mit den bisherigen Serien und Filmen wiederherzustellen. Sei es, indem der Verzicht auf Technologie oder die künftige Abwesenheit bestimmter Figuren eingeläutet wird.

Was am Ende bleibt, ist eine Staffel, die zumindest in manchen Belangen einen Schritt in die richtige Richtung geht und den auch aus vorigen Serien bekannten Figuren neue Facetten verleiht. Doch unterstreicht dies umso mehr, wie viel stimmiger und interessanter diese Charaktere waren, während von den neuen nur wenige wirklich in Erinnerung bleiben. Die handwerkliche Finesse wird wie gehabt allzu oft in einem visuellen Bombast erstickt, bei dem nicht nur Lichter überall auf der Brücke der U.S.S. Discovery aufleuchten, sondern die in einer Intensität strahlen und in einer Höhe angebracht sind, dass man sich wundern muss, welche Funktion sie auch immer erfüllen sollen … außer, die Brückenbesatzung selbst zu blenden. Diese ernüchternde Erkenntnis bleibt auch am Ende, denn auf welcher Reise sich diese Figuren immer befinden sollen, es ist vom Beginn der allerersten Folge an kein roter Faden erkennbar. Das heißt nicht ,dass die zweite Staffel von Star Trek: Discovery nicht unterhaltsam wäre, und sie fühlt sich mehr wie Star Trek an, als zuvor. Zumindest wie eine laute, schnell geschnittene Kopie, bei der man nicht darüber nachdenken sollte, worum es eigentlich geht, sondern sich schlicht mitreißen lassen sollte. Wenn das der einzige Anspruch ist, er wird hier erfüllt.


Fazit:
Dass die Macher eine Episode weniger Zeit haben, ihre Geschichte zu erzählen, als noch in der ersten Staffel, würde erklären, weshalb sich viele Elemente der einzelnen Stories gehetzt anfühlen. Es gibt hier kaum einen Moment, in dem sich Figuren ruhig unterhalten können. Die meiste Zeit sind sie auf dem Weg irgendwo hin oder von irgendwo her. Das suggeriert Bewegung, während oftmals eine ruhige Szene die Figuren sich eher entfalten ließe. Was man in Discovery nach wie vor vergebens sucht, ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen oder technologisch relevanten Themen. Abgesehen davon, dass die gezeigte Technik immer noch derjenigen der bekannten Serien um Längen voraus ist, beschäftigen sich die Episoden nicht mit Dilemmas, an denen die Figuren wachsen könnten. Sämtliche Gewissensbisse, wenn es um die Anwendung der Obersten Direktive geht, die die Einmischung in fremde Kulturen verbietet, werden hier entweder gar nicht angesprochen, oder schlicht beiseite gewischt. Star Trek drehte sich seit jeder darum, das Publikum zum Nachdenken anzuregen, es auf anschauliche Weise mit zukunftsweisenden Themen zu konfrontieren. Darum geht es den Machern hier aber wohl nicht.
Stattdessen konzentrieren sich die Kreativen hinter der Kamera darauf, das Publikum mit einem beispielsweise im Season-Finale nicht enden wollenden Actioninferno zu unterhalten. Das ist, wie der Rest ebenso, handwerklich eindrucksvoll gemacht. An der aufwändigen Produktion gibt es nichts zu deuteln. Inhaltlich allerdings, ist dies bestenfalls genügend, solange man nicht allzu sehr über das Gezeigte nachdenkt. Dann nämlich fällt das Fantasy-Kartenhaus um Zeitreisen, Zeitkristalle und Bestimmungen rasend schnell in sich zusammen. Da helfen auch insbesondere in der zweiten Staffelhälfte die schluchzenden Figuren nicht weiter. Es ist beinahe, als würden die Macher nicht einmal eine halbwegs vernünftige Erklärung finden wollen, sondern als wären coole Schaueffekte hier wichtiger, als alles andere. Diese Aspekte sind auch gelungen – der Rest hingegen eher nicht.
 


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