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Shrew's Nest [2014]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. Dezember 2015
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Musarañas
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: Spanien / Frankreich
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Juanfer Andrés, Esteban Roel
Musik: Joan Valent
Darsteller: Macarena Gómez, Nadia de Santiago, Hugo Silva, Luis Tosar, Gracia Olayo, Lucía González, Carolina Bang, Silvia Alonso


Kurzinhalt:

Seit ihr Vater (Luis Tosar) aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückgekehrt ist, kümmert sich Montse (Macarena Gómez) um ihre kleine Schwester (Nadia de Santiago). Ihre Mutter starb schon bei ihrer Geburt. Montse ist eine talentierte Schneiderin, streng religiös und leidet unter Agoraphobie – seit vielen Jahren hat sie die Wohnung nicht verlassen. Nicht einmal den Hausflur kann sie überqueren. Umso größer sind ihre Befürchtungen, als ihre Schwester 18 Jahre alt wird und Montse durch das Fenster beobachten kann, dass sie einen Freund hat. Dann klopft eines Tages der schwerverletzte Nachbar Carlos (Hugo Silva) an Montses Tür. Sie bringt den bewusstlosen Mann in ihre Wohnung und nimmt sich vor, ihn gesundzupflegen. Überwältigt von ihren Gefühlen beginnt die Tragödie nicht erst, als sie erkennt, dass Carlos eher an Montses Schwester als an ihr interessiert ist ...


Kritik:
Auf den spanischen Psychothriller Shrew's Nest kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Nicht nur, dass die Filmemacher Juanfer Andrés und Esteban Roel überraschend behutsam und zurückhaltend ihre Geschichte aufbauen, explodieren die über Jahre angestauten Emotionen vor der Kamera teils mit erschreckender Brutalität, zuckt man auch als Zuschauer vor Schmerz zusammen. Das Ergebnis ist ein ruhig erzähltes, aber packendes Regiedebüt, das auch dank der Darsteller unter die Haut geht.

Allen voran Macarena Gómez, die in der Rolle der Montse brilliert. Erzählt wird die Geschichte von ihrer Schwester, deren Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Nach einer kurzen Einführung, die Momente vor 18 Jahren zeigt, wird das Leben der ungleichen Schwestern in den 1950er Jahren dargestellt. Nachdem ihr Vater aus dem Krieg nie zurückgekehrt ist, leidet Montse unter Agoraphobie und hat die Wohnung seit vielen, vielen Jahren nicht verlassen – vermutlich seit der Geburt ihrer Schwester.

Als Zuschauer ahnt man bereits während der ersten Minuten, was Montse durchleiden musste und auch die zwei großen Offenbarungen beim Finale kommen für die wenigsten aufmerksamen Zuseher überraschend. Die Spannung zieht Shrew's Nest vielmehr daraus zu beobachten, wie die Situation aus den Fugen gerät. Es beginnt damit, dass Carlos, ein Nachbar im Haus, schwer verletzt an Montses Tür klopft. Er ist die Treppe heruntergefallen und bricht noch vor ihrer Wohnungstür zusammen. Was dann geschieht, sollte man im Detail nicht verraten, um nicht die Spannung aus der Entwicklung zu nehmen. Es soll genügen zu sagen, dass es so tragisch wie faszinierend ist zu beobachten, wie sich die so schwer traumatisierte Frau nach Liebe und Anerkennung sehnt, dass ihre Taten keine Grenzen kennen, um sie zu erhalten.

Man kann gar nicht genug betonen, wie mitreißend Macarena Gómez Montse zum Leben erweckt. Sie zeigt eine Bandbreite an Emotionen, von der verletzlichen Schüchternheit bis hin zum vor verzweifeltem Zorn rasenden Racheengel, dass selbst Kathy Bates in Misery [1990] sich vor ihr fürchten würde. Sieht man, dass sie vor nichts haltmacht, um ihr Ziel zu erreichen, scheinen sogar ihre ruhigen Momente in der zweiten Filmhälfte nur wie die Ruhe vor dem Sturm. Es ist eine so intensive Darbietung, dass nicht einmal die tiefen seelischen Wunden am Ende übersehen werden können.
Dem steht Nadia de Santiago als ihre Schwester kaum nach, auch wenn eine starke Szene, in der sie Montse das erste Mal die Stirn bietet, leider nicht im Film, sondern nur als gelöschte Szenen zu sehen ist. Hugo Silva und Luis Tosar unterstützen die furiose Darbietung der beiden Hauptdarstellerinnen gekonnt.

Wie schon gesagt, sind die großen Wendungen der Story lange zu erahnen und tatsächlich trifft alles genau so ein, wie man es als Fan des Genres vermuten würde. Dafür besticht die kammerspielartige Erzählung durch einen tollen Szenenaufbau, der gerade in den letzten Minuten eine beinahe schon poetische Tragik besitzt. Entlädt sich die Gewalt, ist es überaus brutal und nur für ein erwachsenes Publikum geeignet. Die FSK-Freigabe ist hier eindeutig zu niedrig ausgefallen, eben weil die Gewalt nicht geschönt und die Bedrohung sehr real ist.

Interessenten finden auf der Heimvideoveröffentlichung von Shrew's Nest von OFDb-Filmworks den Film in erstklassiger Bildqualität mit spanischem und deutschem Ton in DTS-HD Master Audio 5.1 sowie deutschen Untertiteln. Die gelöschten Szenen werden durch ein alternatives Ende ergänzt, das die Tragik der Erzählung in ein anderes Licht gerückt hätte. Es ist ein gelungener Release für eine wirkliche Thriller-Überraschung.


Fazit:
Gefangen durch ihre Vergangenheit und ihre Taten, flüchtet sich Montse in ihre Religion und ist so sehr Täterin wie Opfer. Sowohl des Vergangenen, wie auch ihrer eigenen Besessenheit. Zu sehen, wie sich die Spirale hier immer schneller dreht, ehe es nur einen Ausweg geben kann, ist fesselnd und beängstigend zugleich, insbesondere dank der fantastischen Hauptdarstellerinnen. Der beklemmende Thriller lebt von ihren Darbietungen und den Figuren, deren Schicksal interessiert, auch wenn es in der Mitte des Films einen Moment gibt, da man sich fragt, weshalb Montses Schwester nicht einfach Hilfe holt und geht. Akzeptiert man das, beweist Shrew's Nest, dass der vielleicht größte Horror von den Dämonen ausgeht, die wir in uns tragen. Das ist mitunter nicht einfach mitanzusehen, insbesondere bei den Gewaltszenen, die durch Mark und Bein gehen – und nur für Erwachsene. Für die ist es aber ein echter Tipp.    

Blu-ray-Wertung:
4.5 von 6 Punkten


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