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Hautnah - Die Methode Hill: "Mackie Messer" [2005]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Februar 2006
Genre: Krimi / Drama

Originaltitel: Wire in the Blood: "Bad Seed"
Laufzeit: 65 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Alex Pillai
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Domininc Thelen, Daragh O'Malley, Meritxell Lavanchy, Paul Hilton, Nicholas Sidi, Dean Andrews, Mark Letheren, Emma Handy, Alexander Newland


Kurzinhalt:
In kurzer Zeit werden in Bradfield mehrere Menschen brutal ermordet. Zunächst steht der Psychologe Dr. Tony Hill (Robson Green) als Berater der polizeilichen Ermittlungen vor einem Rätsel.
Als er jedoch verstärkt Gespräche mit dem inzwischen entlassenen, zweifachen Mörder Michael Thompson (Daragh O'Malley) führt, der früher von der Presse "Mackie Messer" genannt wurde, und nun unter neuem Namen ein neues Leben beginnen möchte – er möchte in Zukunft als Kriminalpsychologe arbeiten – kommen in Dr. Hill erste Vermutungen auf, dass es sich bei Thompson um den Täter handeln könnte.
Unterdessen verfolgt die Polizistin Carol Jordan (Hermione Norris) andere Spuren, die auf einen Nachbarschaftsstreit mit einem der Opfer zurückzuführen wären. Doch egal, in welche Richtung die Polizei ermittelt, es scheint, als könne sie keinen Täter ausmachen, gleichwohl Thompson mehr weiß, als er zugeben möchte. Und als sich herausstellt, was den Täter zu den Morden motivierte, könnte es beinahe schon zu spät sein, den nächsten zu verhindern ...


Kritik:
Der Drang, Verbrechen aufzuklären (anstatt sie zu begehen) scheint ein ureigenstes Bedürfnis der Menschen zu sein. Andernfalls würden sich weder Krimiromane, noch Serien einer derart hohen Akzeptanz erfreuen. Es bleiben allerdings zwei Fragen: wie lange kann man sich in die Psyche eines Mörders hineinversetzen, ihn zu verstehen und vorhersagen versuchen, ehe man zu tief in jenen Abgrund blickt? Und wer ist geeigneter für einen solchen Beruf: derjenige, dessen eigene Natur sich von der des Täters nicht weiter unterscheiden könnte, oder aber derjenige, der ihm ähnlich ist?

Die Stärke von Die Methode Hill lag seit der ersten Episode in der undurchschaubaren Melancholie der Hauptfigur Dr. Hill, und in den ausgefeilten Psychogrammen, die der Psychologe über die vermeintlichen Täter erstellt. Er selbst wurde dabei zwar immer wieder kurz beleuchtet, blieb allerdings ein Mysterium.
Selbiges ist er nach Mackie Messer zwar immer noch, bekommt von den Autoren allerdings einige neue Charakterzüge zugeschrieben, die Stammzuseher sichtlich überraschen werden. Abgesehen davon findet Tony Hill in diesem TV-Krimi erneut einen Täter, der ihm auf intellektueller Ebene gefährlich werden kann, und dies steigert die Spannung des sehr atmosphärischen Krimis ungemein.
Die Story selbst ist dabei zwar nicht neu, aber stimmungsvoll erzählt und mit einer Vielzahl überraschender Wendungen versehen, die das Raten um den richtigen Täter bis zum Schluss interessant gestalten, auch wenn die Auflösung letztlich nicht wirklich schlüssig erscheint. Dafür bewegen sich die Autoren mit einem unerwartet hohen Erzähltempo durch die Geschichte, verlassen sich auf ihre vielschichtigen Figuren und entwerfen mannigfaltig Täterprofile, die den Zuschauer einladen, mitzudenken.
Die Vorlage überzeugt somit durch eine erfrischend unerwartet angelegte Geschichte, die auch angemessen erzählt und mit einem Knall aufgelöst wird. Es mag sein, dass das inhaltlich nicht immer haltbar ist, es ist jedoch durchweg spannend und entwickelt die Charaktere in eine Richtung weiter, die mehr als nur interessant ausfällt.

Besonderen Gefallen an diesem etwas anderen Ansatz scheinen die Darsteller zu finden, allen voran, Robson Green, dem es hier gelingt, auf ganz leise Art und Weise, die sozialen Schwächen seiner Figur zum Vorschein zu bringen, wobei er Tony Hill über die Jahre hin weit weniger schroff hat agieren lassen und seinem Filmcharakter eine deutliche Wandlung anzusehen ist – selbst seit der letzten Episode.
Der Rolle des Bösewichts vollauf gewachsen und Green in Sachen Engagement und Überzeugungskraft ebenbürtig ist Daragh O'Malley, der seine diabolische, grund-unsympathische Figur beinahe schon zu realistisch verkörpert. Er harmoniert sehr gut mit seinem Widersacher und die gemeinsamen Szenen sprühen förmlich vor Energie, gleichwohl es derer weit weniger gibt, als man vermuten würde.
Etwas weniger zu tun, aber immer noch gefordert, ist Hermione Norris, die aber in Das tödliche Internet [2005] trotz ihrer eigentlich gehandikapten Rolle stärker zum Tragen kam. Sie macht ihre Sache gewohnt gut, kann aber nur wenig neue Akzente setzen, die für die kommenden beiden Episoden aber noch auf Entwicklung ihrer Figur hoffen lassen.
Kaum zu sehen sind indes Mark Letheren und Emma Handy, die zwar im Staffelauftakt weiter in den Mittelpunkt gerückt wurden, hier aber mehr oder weniger große Statistenrollen ausfüllen. Sie agieren routiniert, haben aber kaum Gelegenheit, ihr Talent auch auszuspielen.
Der übrige Cast ist einmal mehr sehr stimmig ausgewählt und lässt keine Wünsche offen, wobei auch die beiden Kinddarsteller eines der Opfer überzeugen können.

Handwerklich zeigt sich Regisseur Alex Pillai sehr einfallsreich, lenkt den Fokus zwar auf die Beteiligten und die Opfer, ohne dabei aber voyeuristisch zu wirken. Mit gut eingebrachten Zeitlupen, sehr gut gewählten und aussagestarken Perspektiven verleiht er dem Geschehen eine eindrucksvolle Bildersprache, fängt gleichzeitig in langsamen Einstellungen die ebenso faszinierend-einladende, wie raue, unberührte englische Landschaft ein, um inmitten dieser Idylle die Abgründe der menschlichen Seele zu erkunden.
Kamera und Schnitt harmonieren sehr gut miteinander, verzichten auf die zuletzt eingebrachten Zooms, versetzen den Zuseher in eine unwohle Situation, ohne ihn zu beängstigen und verdeutlichen dabei in Bezug auf die Figuren das geistige Kräftemessen zwischen den beiden gar nicht so gegensätzlichen Hauptfiguren.
Interessanterweise verzichtet Pillai auf so plötzliche und gezwungen künstlerische Schnittfolgen, wie sie gerade bei anderen Episoden der Reihe zu beobachten waren, sondern kleidet vom Erzählstil her seinen Krimi eher klassisch. An der Optik und der Stimmung von Mackie Messer gibt es nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil.

Auch in dieser Episode beweist die Musikgruppe The Insects ein Gespür für passende, rhythmische und stets subtil beunruhigende Themen, die die gezeigten Bilder hervorragend untermalt und dabei in einer Sequenz das bekannte, seit langem nicht mehr vernommene Hill-Motiv mit einfließen lässt.
Effektiver und intensiver könnte der Score kaum sein und harmoniert mit den düsteren Geschichten einmal mehr tadellos.

Gleichwohl Die Methode Hill bislang nie zimperlich mit dem Thema Gewalt umging, steigern die Macher hier in gewissem Sinne den Brutalitätsgrad, gleichwohl viele Bilder nur angedeutet und beschrieben werden. Dies trägt zwar zum Realismus der Serie bei, verlagert aber auch das Gewicht der ausgefeilten Psychogramme, die die TV-Krimis bislang auszeichneten.
Derer gibt es bei Mackie Messer allerdings immer noch genügend, zumal seit langem wieder Hauptfigur Hill selbst unter die psychologische Lupe genommen und analysiert wird. Hier schreiben ihm die Macher auch eine Entscheidung zu, die man so nicht erwartet hätte, und die hoffentlich in den kommenden Fällen diskutiert werden wird.
Die sehr gute, weil stimmige, Vorlage wird eigentlich nur durch einen negativen Punkt gestört, nämlich dass das Finale zu plötzlich und überraschend kommt, als würde inhaltlich ein Teil der Geschichte fehlen. Abgesehen davon bekommt man als Fan der Reihe eine ausgezeichnete, stimmungsvolle und sehr dichte Episode erzählt, die all jene Bereiche abdeckt, die andere Krimiserien nicht zu erfassen wagen.


Fazit:
Mit Mackie Messer läuft Die Methode Hill zur bekannten Hochform auf, präsentiert einen interessanten, weil überraschenden und nicht vorhersehbaren Fall, der gerade für Hauptfigur Tony Hill einige sehr interessante Momente bereithält, die ihn als Charakter für Stammzuschauer auch in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Bedauerlich ist zwar, dass die Beziehung zu Carol Jordan immer noch nicht weiter ausgebaut wird, und die bekannten Nebenfiguren Kevin Geoffries und Paula McIntyre so gut wie überhaupt nicht vorkommen, dafür gibt es aber viele psychologisch interessante Offenbarungen und einen Antagonisten, der es mit Tony Hill auf intellektueller Ebene aufzunehmen weiß.
Als Krimi ist dies spannend, bisweilen schockierend in der Art der Morde, und gleichzeitig handwerklich erstklassig dargebracht, so dass diese Episode der beliebten TV-Serie eindrucksvoll beweist, weswegen britische Krimis einen so guten Ruf besitzen.


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