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Hautnah - Die Methode Hill: "Das schwarze Loch" [2006]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. November 2007
Genre: Krimi

Originaltitel: Wire in the Blood: "Wounded Surgeon"
Laufzeit: 82 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Peter Hoar
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Simone Lahbib, Mark Letheren, Emma Handy, Mark Penfold, Linda Bardell, Craig Conway, Alistair Findlay, Raad Rawi, Joanne Cummins, Rebecca Palmer, Dido Miles


Kurzinhalt:
Vor zehn Jahren arbeitete Tony Hill (Robson Green) zum ersten Mal an einem Fall für die Polizei; nach dem Geständnis, das er Jason Eglee (Craig Conway) abgerungen hatte, wurde der Täter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nun wird er entgegen Tonys Rat aus der Haft entlassen.
Wenig später sieht sich DI Alex Fielding (Simone Lahbib) mit ihrem Team einer Frauenleiche gegenüber, die im Tathergang verteufelt Elgees erstem Opfer ähnelt. Doch auch wenn der Verdächtige ein wasserdichtes Alibi besitzt, schwört Tony auf dessen Schuld.
Dann gerät der Psychologe selbst ins Kreuzfeuer der Journalisten, von denen sich die junge Reporterin Jessica Piper (Rebecca Palmer) aufgemacht hat, die Leidensgeschichte Eglees für die Presse auszuschlachten. Die Polizei beendet die Zusammenarbeit mit Dr. Hill – und Tony droht beim Zusammentreffen mit der alten Schulfreundin Karen Berman (Dido Miles)ein noch viel größeres Unheil. Zumal die Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme in Tony einen Verdacht reifen lassen: Womöglich hat sich der Tumor, der vor einem Jahr entfernt wurde, wieder zurückgemeldet ...


Kritik:
Es ist für keinen der Beteiligten angenehm, wenn ein Stammschauspieler einer Serie oder Reihe ausgetauscht wird. Für die Zuschauer nicht, weil sie sich an ein neues Gesicht gewöhnen sollen und die Gefahr besteht, dass die Autoren dieselbe Charakterentwicklung bei der neuen Figur vollziehen, die bereits bei der bekannten gezeigt wurde. Für die Autoren ebenso wenig, weil sie nun die Aufgabe bekommen, einen neuen Protagonisten aufzubauen und mit Leben zu füllen. Für die Produzenten nicht, weil immer die Gefahr besteht, dass Fans der Serie, die nur wegen diesem einen Darsteller oder einer Darstellerin eingeschaltet hatten, von nun an fern bleiben werden.
Im Falle von Hautnah – Die Methode Hill, wo zu Beginn des vierten Jahres Simone Lahbib als neue Ermittlerin vorgestellt wurde, hat dies erstaunlich gut geklappt. Wie vertraut das neue Gesicht nun schon wirkt, sieht man auch daran, wie nahtlos die Autoren sie in die Reihe integrieren konnten. Auch wenn ihr Hintergrund noch nicht in dem Maße beleuchtet wurde, sie wirkt nicht nur lebendig, sondern auch charmant. Umso tragischer, dass sie in Das schwarze Loch so wenig zu tun bekommt.

Der Hauptakteur von Patrick Harbinsons Skript, das nicht auf einer Romanvorlage basiert (auch wenn die Autorin Val McDermid in einer Gastrolle als Reporterin zu sehen ist), ist ganz ohne Zweifel Dr. Tony Hill, der sich ein Jahr nach seiner Tumoroperation nicht nur alten Dämonen gegenübersieht, sondern auch mit seiner persönlichen Situation konfrontiert wird.
Insbesondere die erste Hälfte des Drehbuchs scheint sowohl was die Dialoge, als auch die Situationen selbst anbelangt, sehr gelungen. Doch ist der Autor wohl auf dasselbe Problem gestoßen, wie es viele Krimis dieser Art heimsucht. Mit nur einem Hauptverdächtigen und ansonsten keiner einzigen Spur geht dem TV-Film in Sachen "wer-war's"-Thematik schnell die Puste aus. Die Frage bleibt bestehen, wie man es dem Täter nachweist. Doch hier tritt das Skript leider auf der Stelle und versucht verzweifelt, zwei neue Verdächtige ins Spiel zu bringen, deren Einbeziehung aber sehr gekünstelt erscheint. Insbesondere Tonys Schulkameradin so unnötig mit einzubeziehen und sie dann so halbherzig herauszuschreiben scheint dem Thema nicht gerecht zu werden.
Dies im doppelten Sinne, da in den letzten Filmen das Hauptthema des Krimis auch in den Nebenhandlungen widergespiegelt wurde. Nicht so bei Das schwarze Loch, das sich in alle Richtungen gleichzeitig zu entwickeln versucht und mit dem actionbetonten Finale dabei gänzlich enttäuscht. Aufwändig war die Produktion sicherlich, doch hätte man sich bei einem auf diese Art vorgestellten, psychologisch ausgefeilten Täter eine wörtliche Konfrontation eher gewünscht, als einen Höhepunkt, an dem Tony selbst gar nicht beteiligt ist. Insofern enttäuscht das Skript auf Grund der unkonventionellen und auch unpassenden Lösung des Falls.

Die Darsteller scheinen nichtsdestoweniger ihren Spaß gehabt zu haben und gerade Robson Green geht in der Rolle des skurrilen und Gedanken verlorenen Psychologen merklich auf. Auch, dass er seine "Existenzkrise" vor der Kamera zur Schau stellen darf, genießt der Hauptdarsteller merklich, gleichwohl die Episode leider ohne den bekannten Tony-Moment mit den unzähligen Gedankensprüngen auskommen muss.
Simone Lahbib hat hierbei leider das Nachsehen und ist merklich weniger gefordert, macht ihre Sache aber wie gewohnt gut; auch Mark Letheren und Emma Handy dürfen nicht ganz so viel zum Besten geben, wie in den letzten Fällen.
Anders hingegen Craig Conway, der einen wirklich sehr unheimlichen und auch packenden Eindruck hinterlässt. Als verletzlicher Täter zu Beginn oder auch als überlegener und durchdachter Racheengel vermag der Akteur zu beeindrucken. Eben deshalb hätte man sich ein Finale gewünscht, in dem er auch mehr gefordert wäre.
Es ist auch tragisch, dass die letzten aktiven Szenen von Dido Miles und Rebecca Palmer so wenig von ihrem schauspielerischen Können zeigten.

Handwerklich möchte man Peter Hoar für die Kameraführung am liebsten eine 24stündige Fahrt im Karussell als Strafe aufbrummen; weswegen er gerade die ersten 40 Minuten des TV-Krimis mit einer ständigen Bewegung und Wackelei versieht, die überhaupt nicht zum Thema des Falles passt, das gefasst und ruhig erzählt werden sollte, verstehe wer will.
Auch die Zooms und schnellen, reißerisch wirkenden Schnittfolgen stehen im krassen Gegensatz zu dem, was den psychischen Zusammenbruch Tony Hills begleitet. Hier hätte eine ruhigere Umsetzung mit Sicherheit für mehr Übersicht und weniger Unwohlsein gesorgt. Und außerdem die Zuschauer eher an den Dialogen teilhaben lassen, als sie von ihnen abzulenken.
Die zweite Hälfte des Films ist dagegen eher ruhig umgesetzt, von einigen wenigen Momenten und dem Finale abgesehen. Doch sollten auch die britischen Filmemacher irgendwann lernen, dass schnelle Schnitte und zitterige Bilder kein Tempo suggerieren – ganz im Gegenteil.

An der musikalischen Untermalung der Insects gibt es wie immer nichts zu bemängeln. Die atmosphärischen Melodien wechseln sich gut mit den bekannten Themen zu Tony Hill selbst und der Reihe ab, so dass man als Zuschauer so gut wie möglich in die Situation der Figuren hineinversetzt wird.

Für das Staffelfinale hätte man sich in Anbetracht des durchaus wichtigen Jahres für Hautnah durchaus ein wenig mehr vorgestellt. Zumal die letzten Episoden diesem Erwartungsdruck ja durchaus Stand gehalten hatten.
Weswegen allerdings beim Aufrollen eines alten Falles wie leider oft üblich dennoch neue Figuren vorgestellt werden müssen, anstatt auf den Zuschauern bekannte zu setzen, bleibt schleierhaft. Auch das betont actionlastige Finale verwundert; wenn schon ein Täter vorgestellt wird, der Tony Hill psychologisch ebenbürtig ist, könnte man dies auch in einem solchen Finale gipfeln lassen. Zumindest würde sich so etwas aufdrängen.


Fazit:
Es ist ganz schön viel, was Drehbuchautor Patrick Harbinson in den 82 Minuten unterbringen möchte; vieles davon gelingt auch erstaunlich gut, wobei die Nebenhandlung mit der Schulfreundin Karen Berman zu gehetzt erscheint, um wirklich Sinn zu ergeben. Auch die Begründung, welche die Polizistin Tony nachreicht wirkt nicht überzeugend genug.
Was Das schwarze Loch aber merklich Unterhaltungswert kostet ist die faserige Handkamerazitterei von Regisseur Peter Hoar, der insbesonders die erste Hälfte des Krimis damit auskleidet. Die reißerischen Schnitte und Kamerazooms auf die Leichen verstärken diesen Eindruck noch und scheinen zum ansonsten sehr subtilen Stil der letzten Episoden nicht zu passen.
Die Darsteller machen dies zum Großteil zwar wieder wett, aber man hätte sich ein wenig mehr vorgestellt vom Staffelfinale des vierten Jahres Hautnah – Die Methode Hill. Zumal dieses Jahr trotz der Einführung einer neuen Figur (DI Fielding) mehr als gelungen war und auch zum restlichen Ton der Serie passte.


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