skip to content

Hautnah - Die Methode Hill: "Das Lied der Sirenen" [2002]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Dezember 2003
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: Wire in the Blood: "The Mermaids Singing"
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: -

Regie: Andrew Grieve
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Mark Letheren, Alan Stocks, Philip Whitchurch, Tom Chadbon, Doreene Blackstock


Kurzinhalt:
Drei verstümmelte, männliche Leichen werden im nordenglischen Bradfield gefunden, es deutet alles darauf hin, dass sie grausam zu Tode gefoltert wurden. Während die Presse einen Serientäter wittert, hofft die Polizei noch auf einen Zufall.
Detective Inspector Carol Jordan (Hermione Norris) bittet den etwas zerstreuten Psychologen Dr. Tony Hill (Robson Green), ein Täterprofil zu erstellen – für ihn eine Herausforderung, denn bislang traf er sich nur mit Serienkillern, die bereits in Gewahrsam saßen. Obgleich der Abteilungsleiter Tom Cross (Philip Whitchurch) gegen Hills Beteiligung ist, bleibt er im Team.
Doch als das nächste Opfer des Täters ein Polizist ist, spitzt sich die Lage zu. Während Cross und die Presse darauf setzen, dass der Täter aus der homosexuellen Szene kommt, geht Hill einen anderen Weg – und schon bald ist Tony Hill selbst im Visier des Täters. Dabei läuft ihm und Jordan die Zeit davon ...


Kritik:
Schon vor Sherlock Holmes gehörte der Krimi zur britischen Kultur – und auch im britischen Fernsehen haben Krimis einen hohen Stellenwert. Aber nach der überaus erfolgreichen und beliebten Krimireihe Für alle Fälle Fitz [1993-1996] und dem weit weniger bekannten McCallum [1995-1998] ist es um neue TV-Produktionen verdächtig still geworden. Stattdessen berief man sich auf ein ebenfalls sehr beliebtes Thema: Romanadaptionen.
Ganze Krimireihen wurden aus dem Boden gestampft, darunter die Inspector Lynley Mysteries von Autorin Elizabeth George. 2002 wagte sich der britische Sender ITV an eine Romanreihe von Autorin Val McDermid, Wire in the Blood, aus dessen Reihe 2002 drei Romane verfilmt wurden. Obwohl es so aussah, als wäre die Serie (in Großbritannien als sechs 60 Minuten lange Episoden ausgestrahlt) nicht verlängert worden, produziert ITV seit März 2003 jedoch eine zweite Staffel, die bislang aber nicht ausgestrahlt wurde.
Im November 2003 eröffnete das ZDF einmal mehr die "Lady-Thrillers"-Reihe, in der Verfilmungen von Autorinnen vorgestellt werden – die erste Staffel wurde in drei Spielfilme zusammengefasst und beginnt mit einem höchst ungewöhnlichen Fall: Das Lied der Sirenen.

Doch während im Verlauf dieser 95 Minuten die Skurrilität und Einzigartigkeit der Charaktere, insbesondere von Tony Hill und Carol Jordan gut zum Ausdruck kommt, versinkt der mitgelieferte Fall leider in Klischees, die altbackener kaum sein könnten.
Einzig das Element des "geschlechtsumgewandelten Killers" wird neu eingestreut, der Verlauf der Handlung erfolgt vorhersehbar und unoriginell – auch wenn so etwas bei einem Serienauftakt eher ungewöhnlich ist, sind hier die Charaktere deutlich interessanter, als der Fall.
Insbesondere mit der etwas ungewohnten Art von Dr. Hill kann man sich schnell anfreunden, die Tatsache, dass er den Killern im Geist deutlich näher kommt, als es für einen normalen Menschen gesund wäre, macht ihn sympathisch. Etwas schwerfällig, zerstreut und doch aufmerksam und intelligent fiebert man sofort mit ihm mit. Etwas kühl bleibt dagegen Carol Jordan, von der man zwar die ein oder andere private Information mitgeliefert bekommt, doch gegenüber der ungewöhnlichen Art von Dr. Hill zieht sie eindeutig den Kürzeren.
Was dem Drehbuch allerdings schadet sind die gekünstelten und vorhersehbaren Dialoge bei den Nebencharakteren, sowie die mäßig spannende Grundstory, die man in ähnlicher Weise schon zig Mal gesehen hat. Bis auf einige recht brutale Szenen fällt nur auf, dass keinerlei Spannung aufkommt, wenn der Killer sich wieder ein neues Opfer ausgesucht hat. Dazu gesellt sich noch ein Abteilungschef (gespielt von Philip Whitchurch), der wie aus dem Lehrbuch alles selbst in die Hand nehmen möchte, um das Klischee-Stelldichein komplett zu machen.

Die Darsteller sind großteils gut ausgewählt, allen voran Robson Green als Dr. Hill seine Sache sehr gut macht; Hermione Norris, als Carol Jordan wirkt wie bereits erwähnt noch zu unterkühlt, ihre Rolle spielt sie aber gut und ist sicher zu mehr noch fähig.
Doch danach trennt sich die Spreu vom Weizen, Philip Whitchurch als Abteilungsleiter agiert zu überzogen und überdreht, er wirkt manchmal gar wie eine Karikatur seiner Filmfigur. Mark Letheren hingegen erscheint, als wäre er im Schraubstock gehalten, er reagiert emotional und kann seine Gefühle dennoch nicht mimisch umsetzen. Alan Stocks agiert hier sehr sympathisch, obgleich er noch nicht an Profil gewonnen hat – von Doreene Blackstock hat man bislang schlicht zu wenig gesehen.
Leider ebenso wenig glücklich gewählt ist Ben Price als Jordans Bruder Michael, obgleich seine Rolle recht klein geraten ist, vermag er nicht zu überzeugen. Tom Chadbon ist zwar nur kurz zu sehen, als Polizeichef überzeugt er in der Zeit allerdings zweifellos.
Man muss die Eindrücke um die Darsteller zu diesem Zeitpunkt jedoch relativieren; zum einen benötigt eine Serie Zeit, sich zu entwickeln, vor allem jedoch ist die deutsche Synchronisation dem Ganzen nicht wirklich zuträglich. Insbesondere die Nebencharaktere sind wie bei diesen Nieschensendeplätzen im Zweiten Deutschen Fernsehen üblich eher dürftig synchronisiert. Die Regelmäßigkeit macht es zwar nicht besser, erwähnt sei es dennoch.

Von der Inszenierung her gibt sich Das Lied der Sirenen routiniert, wenngleich bisweilen auch einfallslos. Insbesondere bei den Mono-Dialogen von Hill hätte man sich etwas mehr Innovation oder Ideenreichtum wünschen können, beispielsweise wenn die Kamera in den Szenen nicht statisch geblieben wäre, sondern sich entgegen dem Charakter gedreht und auf den anderen Sessel fokussiert hätte.
Ansonsten werden Kamera und Schnitt wie bei Fernsehproduktionen üblich eingesetzt, das bedeutet, dass die Kamera bei Innenaufnahmen sehr dicht auf den Charakteren sitzt, bei Außenaufnahmen dann aber ein großer Abstand eingehalten wird. Auch wenn das die Situation unterstützt, ergibt sich daraus folgendes Problem: Wenn man in Innenräumen nur die Gesichter der Charaktere sieht, müssen mehr Schnitte aufgewandt werden, um ein Gespräch richtig zu präsentieren – das stört den Erzählfluss, zum anderen bekommt man so selten die Hintergründe zu sehen, das Geschehen wirkt dementsprechend steril, wodurch viel Atmosphäre verloren geht.
Alles in allem bekommt man hier immerhin solide Kost serviert, das schließt zwar Ausgefallenes aus, gleichermaßen aber auch eine verwackelte Handkamera-Orgie ohne Sinn und Verstand.
Die Musik hält sich großteils angenehm im Hintergrund und fällt auch nicht besonders auf.

Eine neue Krimireihe nach nur einem Fall zu beurteilen fällt sehr schwer. Sicherlich war der Fall selbst nicht überragend originell, inhaltlich ist eine Steigerung nicht nur möglich, sondern auch erwünscht – als Auftakt ist die Episode aber besser gelungen, als Gott schütze dieses Haus [2001] seinerzeit für die Lynley Mysteries.
Dass man sich auf weitere Einsätze des ungleichen Duos freuen darf ist vor allem Robson Green zu verdanken, es bleibt zu hoffen, dass die Serie dem Charakter gerecht wird, und die anderen in Zukunft ebenfalls mehr zu tun bekommen.
Die bisher von Val McDermid veröffentlichten Bücher sind im Deutschen unter den Titeln "Das Lied der Sirenen", "Schlussblende" und "Ein kalter Strom" erschienen.


Fazit:
Würde man den TV-Film als Serien-Piloten ansehen, müsste man wohl sagen, dass es schon bedeutend bessere gab – aber auch schlechtere. Insgesamt hinterlässt der Film aber einen zwiespältigen Eindruck, ob sich das in den kommenden Verfilmungen bessert, wird sich weisen.
Interessant genug, um beim nächsten Mal wieder einzuschalten war Das Lied der Sirenen aber auf jeden Fall und bietet immer noch überdurchschnittliche Thriller-Kost für Fans.
Für ein kindliches Publikum ist der Fall allerdings definitiv nicht geeignet.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.