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Es [2017]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 8. September 2017
Genre: Horror / Drama / Thriller

Originaltitel: It
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andy Muschietti
Musik: Benjamin Wallfisch
Darsteller: Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Sophia Lillis, Finn Wolfhard, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Wyatt Oleff, Bill Skarsgård, Nicholas Hamilton, Jake Sim, Logan Thompson, Owen Teague, Jackson Robert Scott


Kurzinhalt:

Selbst wenn es dem Teenager Billy (Jaeden Lieberher) nie bewusst war, dass in seinem Heimatort Derry in Maine Menschen und insbesondere Kinder verschwinden, ist nicht ungewöhnlich. Doch als Es seinen Bruder Georgie (Jackson Robert Scott) trifft, bricht für Billy eine Welt zusammen. Im darauffolgenden Sommer 1989, will er mit seinen Freunden nach Georgie suchen, obwohl die Erwachsenen bereits lange aufgegeben haben. Der neue Schüler, Ben (Jeremy Ray Taylor), hat dabei einige Recherchen zu der alten Stadt Derry angestellt. Er hilft ebenso mit wie Richie (Finn Wolfhard) mit seinem losen Mundwerk, der ängstliche Stan (Wyatt Oleff), Hypochonder Eddie (Jack Dylan Grazer), Beverly (Sophia Lillis) und Mike (Chosen Jacobs). Dass sie alle von dem Bully Henry (Nicholas Hamilton) und seiner Gang terrorisiert werden, schweißt sie ebenso zusammen wie die Tatsache, dass sie Tagträume von einem teuflischen Clown (Bill Skarsgård) haben, die jedoch mehr sind, als bloße Einbildung. Es scheint genau zu wissen, wovor sich die Kinder am meisten fürchten und auch das Verschwinden der vielen Kinder verantwortlich …


Kritik:
In seinen Werken beschreibt Stephen King oft diesen einen Sommer – den, der das Gefühl, endlich das Schuljahr beendet zu haben und sich eineinhalb Monate lang dem Abenteuer der Freiheit hinzugeben, so gekonnt einfängt. Der Sommer, in dem die Jugendlichen in seiner Geschichte ihre Freundschaften aus der Kindheit pflegen und doch den ersten Schritt in das Erwachsensein gehen. Wie viele solcher Sommer es tatsächlich gab und ob ihn überhaupt irgendjemand auf diese Weise erlebt hat, spielt dabei keine Rolle. Das bloße Gefühl dieses Sommers bringt so gekonnt auf den Punkt, was nicht nur Außenstehende mit dem Aufwachsen in den USA der 1980er-Jahre verbinden, dass es mehr als nur ein Klischee ist. Da sich diese Sommer wie ein roter Faden durch Kings Geschichten schlängeln, wundert es nicht, dass sich Es in nicht wenigen Momenten anfühlt, als würde man Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers [1986], basierend auf einem weiteren Werk von Stephen King, ansehen. Viele Elemente haben beide Werke gemeinsam und es gelingt Regisseur Andrés Muschietti gekonnt, das Gefühl jenes Sommers auf die Leinwand zu bringen.

Die erste Leinwandadaption von Kings Horror-Klassiker aus dem Jahr 1986 beginnt im Oktober 1988. Zu jener Zeit verschwindet Billys kleiner Bruder Georgie spurlos. Am Ende des darauffolgenden Schuljahres im Juni 1989, will sich Billy mit seinen Freunden Richie, Eddie und Stanley wieder auf die Suche nach Georgie machen. Seinen Nachforschungen zufolge müsste sein Bruder durch die Strömungen der Kanalisation an einem bestimmten Punkt gelandet sein.
Auf ihrer Suche treffen sie auf den übergewichtigen Neuling an der Schule, Ben, der wie sie selbst von dem brutalen Bully Henry und seiner Gang malträtiert wird. Auch die an der Schule als "Schlampe" bezeichnete Beverly schließt sich ihrer Gruppe an, ebenso wie Mike.

Es ist ein Mikrokosmos, den die Macher in der beschaulichen Kleinstadt Derry in Maine vorstellen, der facettenreicher und abgründiger zugleich kaum sein könnte. Von einem Bully, der selbst unterdrückt wird, bis hin zu Opfern, die zu Tätern stilisiert werden, während sie Zuhause die Hölle auf Erden erleben, hat Derry alles zu bieten. Inklusive der Beschreibung eines Missbrauchs, der hier nur angedeutet wird. Auch in Billys Freundeskreis sind all diejenigen Charaktere vertreten, die man erwarten würde: Das Plappermaul, das die eigene Unsicherheit nur überspielt, der immer Kranke und der Ängstliche. Sie alle ergänzen einander so nahtlos und tauschen ihre Frotzeleien so natürlich miteinander aus, dass es eine Freude ist, ihnen zuzusehen. Dass sie als "Loser"-Gang bezeichnet werden, obwohl sie alle auf Grund ihrer Erlebnisse nicht nur stärker sind, als die Erwachsenen um sie herum, sagt umso mehr über diejenigen aus, die Billy und seine Freunde belächeln.
Umso packender ist es, wenn sie bei ihrer Suche nach Georgie regelmäßig dem bösartigen Clown Pennywise begegnen, der ihre schlimmsten Ängste kennt und sie zum Leben erweckt.

Handwerklich gibt es daran, wie Filmemacher Andrés Muschietti den Horror, den Pennywises Opfer erleben, umsetzt, nichts zu bemängeln. Abgesehen von einem überaus drastischen Moment zu Beginn lebt Es mehr von der Vorstellung des Horrors, als von der Brutalität selbst. Die Visionen sind dabei nicht nur meist lange vorbereitet, sondern entspringen auch ganz alltäglichen Situationen. Nur scheint der Regisseur diesen Szenarien selbst nicht zu vertrauen, so dass der Schock statt allein über das Gezeigte (oder das, was nicht vollends zu sehen ist), stets über laute Geräusche oder den Einsatz der Musik angekündigt wird. Schwillt die Musik dabei an, wenn die Kinder ein Haus betreten, das den schlimmsten Alpträumen entsprungen scheint und wird sie umso lauter, je näher sie einer bestimmten Türe im Haus kommen, dann erwartet man als Zuseher einen Schockmoment – der auch genau dann kommt, wenn man ihn erwartet.

Dass Filmemacher Andrés Muschietti diese Art des Horrors zelebriert, merkt man bereits früh im Film. Der Spannungsbogen schwillt dramatisch an, um sich begleitet von immens lauten Geräuschen und einem für Gänsehaut sorgenden Musik-Score in einer Horror-Vision auf der Leinwand zu entladen. Danach hellt die Stimmung merklich wieder auf, die Geschichte konzentriert sich auf die Jugendlichen und ihr Erwachsenwerden, um wenig später den nächsten Schocker vorzubereiten. Es ist die in einen Horror-Film gegossene Form einer Achterbahnfahrt, die man hier zu sehen bekommt und die dem richtigen Publikum durchaus auf seltsame Art und Weise Spaß machen kann.

Das Flair der Kleinstadt Derry in jenem Sommer, bringt Es toll auf den Punkt, ohne es hinsichtlich der Nostalgie zu gut zu meinen. Wenn Billy und seine Freunde in einer unheimlichen Situation einem Köder von Pennywise folgen, statt das Kluge zu tun und in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, dann verzeiht man es ihnen schon deshalb, weil sie eben noch Kinder sind und sich wie solche verhalten. Das ist zum großen Teil der fantastischen Besetzung zu verdanken, die in Jaeden Lieberher als Billy einen ruhigen, aber recht charismatischen Anführer und mit Sophia Lillis als Beverly die tragischste Figur findet. Als diabolischer Clown Pennywise beerbt Bill Skarsgård den Darsteller Tim Curry, der die Figur in der Miniserie aus dem Jahr 1990 zum Leben erweckt hatte. Auch er macht seine Sache toll und nicht nur bei zu jungen Zusehern wird Pennywise hier wieder für Alpträume sorgen.


Fazit:
Der hohe und durchweg stimmige Produktionswert kommt Es merklich zugute. Die Atmosphäre des gruseligen Horrorfilms passt vom ersten Moment an und lässt in keiner Minute nach. Diejenigen Szenen, in denen Billy und seine Freunde Kinder sein dürfen, die langsam erwachsen werden, gehören zu den stärksten des Films, selbst wenn Regisseur Andrés Muschietti den Horror packend und greifbar auf die Leinwand bringt. Das Problem dabei ist, dass die unheimlichen Momente alle nach bekanntem Schema ablaufen und sich darin keine Überraschungen finden. Durch die Toneffekte und die nicht weniger atmosphärische Musik sind sie dennoch effektiv – inklusive einem Finale, das so gelungen ist wie bei kaum einem Horrorfilm der letzten Jahre – nur außergewöhnlich einfallsreich sind sie nicht.
Erwachsene Horrorfans, die idealerweise einen Bezug zu den 1980er-Jahren haben und eher den Grusel als den Splatter zu schätzen wissen, werden dennoch auf ihre Kosten kommen. Und sei es nur durch das Gefühl an diesen Sommer, den Es so perfekt einfängt.
 


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