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Star Trek: Enterprise – "Sturmfront" [2004]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Februar 2005
Genre: Science Fiction

Originaltitel: Star Trek: Enterprise – "Storm Front"
Laufzeit: 78 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Allan Kroeker, David Straiton
Musik: Jay Chattaway
Darsteller: Scott Bakula, John Billingsley, Jolene Blalock, Dominic Keating, Anthony Montgomery, Linda Park, Connor Trinneer, Golden Brooks, Jack Gwaltney, John Fleck, Tom Wright, Matt Winston, Christopher Neame, Steven R. Schirripa


Kurzinhalt:
Nachdem die Enterprise die Xindi-Waffe zerstört hat, findet sie sich auf der Erde während des zweiten Weltkriegs wieder. Auch Captain Archer (Scott Bakula) erwacht dort schwer verwundet, und er muss erkennen, dass die Nazis in Amerika eingefallen sind. Die Welt ist nicht die, die er kannte. Verantwortlich dafür ist der Außerirdische Vosk (Jack Gwaltney), der zusammen mit anderen seiner Art die Nazis unterstützt, um seine eigenen Ziele zu erreichen.
Erst durch Daniels (Matt Winston) erfährt Archer, dass der Temporale Kalte Krieg bei seinem Höhepunkt angekommen ist, und sich hier entscheidet, ob Vosk in der Zukunft einen verheerenden Krieg auslösen wird, oder nicht. So schließt sich der Captain der amerikanischen Widerstandsbewegung an, um zusammen mit der Hilfe von Alicia Travers (Golden Brooks) und Carmine (Steven R. Schirripa) Vosk zu stoppen. Nur so kann er die Zukunft und die Vergangenheit der Erde retten.
Doch noch eine Fraktion im Temporalen Krieg hat es auf die Erde geschafft und versucht, die Ereignisse zu beeinflussen – Silik (John Fleck) könnte dabei Archers Verbündeter sein, oder sein schwerster Feind ...


Kritik:
Star Trek, das ist nach wie vor unbestritten, ist ein Phänomen. Es lässt sich am ehesten mit der Sichtung von UFOs vergleichen, auch wenn das sarkastischer klingen mag, als es gemeint ist. Als die erste Serie, Raumschiff Enterprise [1966-1969] über die Bildschirme flackerte, fand sie zwar recht schnell eine treue Fangemeinde, wurde dann jedoch trotz des Zuschauerprotestes abgesetzt. Als fast 20 Jahre später Serienerfinder Gene Roddenberry eine weitere Serie aus dem Hut zauberte, Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert [1987-1994], fand auch sie recht schnell treue Fans, und die wurde im Laufe der Zeit immer mehr. Das aber nicht nur, weil die Serie wirklich gut war, sondern weil Science Fiction im Fernsehen so etwas wie Mangelware darstellte. Es gab nicht viele andere Serien, und schon kaum eine, die Jahr für Jahr die Messlatte für Spezialeffekte und Action erneut höher legte.
Als jedoch Star Trek: Deep Space Nine [1993-1999] und Star Trek - Raumschiff Voyager [1995-2001] gab es gleich mehrere Probleme: Nicht nur, dass sich die Serien bisweilen gegenseitig die Zuschauer abgruben, es gab urplötzlich mit Serien wie Stargate Kommando SG-1 [seit 1997], Farscape - Verschollen im All [1999-2003] und Andromeda [seit 2000] mehr Science Fiction im Fernsehen, hinzu kommen weitere kurzlebige Serien und andere, die Genres ineinander vermischen. Der Markt war, zusammen mit immer über 10 Jahren Star Trek nonstop, gesättigt. Als 2001 die fünfte Serie im Universum, Star Trek: Enterprise (anfangs hieß sie nur Enterprise, der Titel wurde erst nach den gesunkenen Quoten hinzugefügt), war die Anspannung groß, die Ernüchterung nach den gesunkenen Zuschauerzahlen aber noch größer. So versuchten sich die beiden Produzenten und Hauptautoren Rick Berman und Brannon Braga nach zwei Staffeln, in denen immer mehr Zuschauer auf andere Kanäle geschaltet haben, in der dritten Staffel eine fortwährende Geschichte zu erzählen. Es ging um eine Mission des Raumschiffes, die es in unerforschtes Gebiet führte, darum bemüht die Zerstörung der Erde zu verhindern. Der Anfang von Staffel drei ließ dabei nichts gutes erhoffen, zu überdrehte Stories, unglaubwürdig agierende Charaktere und das fehlen eines Roten Faden machten das Zuschauen schwer. Doch als die Staffel in der Mitte einen Knick erfuhr, mit wiederkehrenden Charakteren auch Bezugspunkte geschaffen wurden, mit denen man sich als Zuschauer identifizieren konnte, nahm die Serie wieder fahrt auf. Zu der Zeit kam Manny Coto als Autor und Produzent an Bord, gab der Serie eine entscheidende Richtung, löste angeblich nicht dem Star Trek-Kodex erscheinende Probleme doch konform auf und erzeugte für die letzten acht Episoden der dritten Staffel einen durchgängigen Handlungsstrang, der spannender, actionreicher und mitreißender kaum hätte sein können. Ansich hätte man daraus zwei oder drei Kinofilme stricken können. Gepaart mit den wirklich sehr guten Darstellern und den erstklassigen Spezialeffekten, die zudem mit einem Emmy ausgezeichnet wurden, ergab das Star Trek-Feeling der besten Art. Das Staffelfinale im dritten Jahr schrieben erneut die Serienerfinder Braga und Berman, verpassten der Episode aber einen zufriedenstellenden Ausklang, sondern wandelten das wirklich gelungene Finale im letzten Moment in einen Cliffhanger mit Nazi-Aliens, die die Erde in den 1940er Jahren verändert hatten.
Was einen daran so verwundert ist nicht die Tatsache, dass sie es getan haben, sondern vielmehr wieso? Nicht nur, dass es in der Originalserie Raumschiff Enterprise bereits eine Episode gegeben hatte, die das Thema behandelte (Episode 50: "Patterns of Force"), obgleich die Nazi-Ideologie dort einem ansich unschuldigen Volk von einem geisteskranken Forscher auferzwungen wurde, allein die Vorstellung den zweiten Weltkrieg und die Schrecken des Holocaust in einen Zusammenhang mit Aliens zu bringen, auch wenn es nur hypothetischer Natur ist, scheint schlicht absurd.
Ab der vierten Staffel treten Berman und Braga von der Storyentwicklung der Serie zurück und fungieren lediglich als Produzenten, das Ruder hat nun Manny Coto in der Hand, der hier seinen Einstand als Verantwortlicher für die inhaltliche Gestaltung der Serie liefert, und die beiden ersten Episoden auch selbst geschrieben hat. Coto nutzte die Gelegenheit, um auf Bitten des Senders UPN im Auftakt der vierten Staffel auch die große Storyarc der Serie, den Temporalen Kalten Krieg, zum Abschluss zu bringen, denn obwohl man auf eine größere Zuschauerresonanz auf die durchgängige Erzählweise der dritten Staffel gehofft hatte, hatte die staffellange Arc mehr Zuschauer abgeschreckt, als an die Serie gebunden. Die Arcs im vierten Jahr sollen laut Coto kürzer werden und maximal drei Episoden umfassen.
Doch wer als auf Auftakt auf einen fulminanten Zweiteiler hofft, der die losen Storyenden verknüpft und Temporalen Krieg zum Abschluss bringt, der wird enttäuscht. Die Storylöcher sind größer, als man als Zuschauer ertragen kann, die Geschichte ist nur leidlich spannend und nicht zuletzt die durchwachsenen Spezialeffekte machen den "Season-Opener" zu einer Geduldsprobe für die Fans. Dabei hätte man aus der Story ansich etwas machen können.

So abwegig die Vermutung klingt, aber würde man sich mit der Ausgangslage abfinden, aus der Coto immerhin etwas zu machen versuchte, dann könnte es ansich doch nicht so schwer sein, aus einem Szenario mit Nazis in Amerika, einem zweiten Weltkrieg, der 1944 nicht einmal im Ansatz entschieden ist, eine Geschichte zu machen, die man in 80 Minuten auch vernünftig erzählen kann. Dennoch langweilt das Skript mit 08/15-Figuren, zeigt hier und da kurz, was für Auswirkungen die Nazis in Queens haben, wie sie die Menschen wahllos tyrannisieren, Musik verbieten und drauf und dran sind, die größte Nation ihrer Zeit zu unterwerfen. Aber bei diesen Andeutung bleibt es auch, es gibt keine Hinweise auf Konzentrationslager in den USA, oder wie sich der Widerstand versucht zu organisieren, stattdessen wird auf eine bisweilen recht witzige Weise die Mafia mit eingebracht, die ihrerseits die Résistance unterstützt.
Die Charaktere, seien es nun die Serienfiguren Archer, Tucker oder T'Pol bleiben ebenso farblos, wie die Gaststars, Alicia Travers, Silik, Daniels und der deutsche Nazi-General. Am ehesten bekommt noch der Außerirdische Vosk etwas zu tun, aber auch hier hätte man sich mehr als die üblichen "Werbeslogans" im Stile von "das ist unsere Bestimmung" gewünscht. Dass es wirklich keine Charakter-Momente, nicht zwischen Archer und Alicia Travers, noch zwischen Tucker und T'Pol gibt, ist ein Armutszeugnis für die Vorlage. Bedenkt man, dass es zudem nicht wirklich viele Actionpassagen gibt, das Finale im geheimen Forschungslabor der Außerirdischen viel zu sehr an die Infiltrierung des Schutzschildgenerators auf dem Planeten Endor bei Star Wars: Episode VI – "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" [1983] erinnert, und doch nicht der Schlusskampf auf mehreren Ebenen wie in der Vorlage erreicht wird, dann kann man nur unverständig den Kopf schütteln. Inhaltlich versumpft die Episode in Serieneinheitsbrei ohne Tiefgang, die Dialoge sind bis auf wenige Ausnahmen (darunter einige letzte Kommentare von Erz-Feind Silik) Standard-Kost, und dramaturgisch funktioniert der Zweiteiler weder als zwei Mal 45 Minuten, noch als Gesamtfilm, denn eine mitreißende Spannung stellt sich nie ein, auch wenn es nie wirklich langweilig wird.
Wer an Cotos Skripts in der zweiten Hälfte der dritten Staffel denkt, erinnert sich an Episoden wie "Azati Prime" oder "The Council", in denen der Autor wirklich alle Register gezogen und den Zuschauer gefesselt hat. Hier jedoch scheint ihm nichts gelingen zu wollen. Ob das nun an dem künstlerischen Totalschaden liegt, den Braga und Berman ihm aus der dritten Staffel hinterlassen haben, wird sich in den nächsten Episoden weisen müssen.

Die Darsteller des Haupt-Cast scheinen kein Problem damit gehabt zu haben, in ihre Rollen zurück zu finden, Scott Bakula mimt den charismatischen, aber angeschlagenen Anführer so routiniert wie eh und je, verleiht seiner Figur die notwendige Präsenz, um als Raumschiff-Captain bestehen zu können und hält sich doch zurück, um auch seine Kollegen zum Zug kommen zu lassen. Seine besten Szenen sind zweifelsohne diejenigen mit John Fleck (Silik) und Matt Winston (Daniels), die zudem mit am meisten zu tun haben. Dass Fleck bei seinem letzten Auftritt ohne Maske erscheinen darf war eine wirklich nette Geste der Macher und zeigt, dass die offensichtlich mit der Storyline um den Temporalen Kalten Krieg abgeschlossen haben. Winston hat hier mehrere kleine Auftritte, wobei er in seinen ersten nur unter Maske zu sehen ist, sein zweiter Auftritt ist dabei zweifelsohne sein bester und zeigt, dass der sympathische Darsteller ansich auch eine größere Rolle hätte füllen können.
Golden Brooks spielt ihre Rolle als Widerstandskämpferin routiniert, hat aber insgesamt wenig zu tun und überzeugt bei ihrem Ausflug auf die Enterprise nicht einmal im Ansatz in dem Maße, wie Alfre Woodard diese wirklich tolle Szene in Star Trek: Der erste Kontakt [1996] gelungen war – wobei auch hier die Parallelen vom Drehbuch gezogen werden können.
Eine gute Vorstellung liefert auch Jack Gwaltney, der unter der Vosk-Maske nicht zu erkennen ist, trotzdem verleiht er seiner Figur Autorität und eine bedrohliche Aura und den wenigen Szenen, in denen er vorkommt. Ihm kann man nur gratulieren, als Bösewicht war er ideal besetzt. Christopher Neame, der den namenlosen deutschen Nazi-General mimt kennen Fans zudem von einem bisherigen Auftritt in der Voyager-Serie, und auch er spielt eigentlich nicht schlecht, gleichwohl er viel zu wenig zu tun hat.
Enttäuschend ist jedoch, dass von der übrigen Stamm-Crew der Enterprise niemand etwas zu tun bekommt. Dass Anthony Montgomery und Linda Park sehr selten gefordert sind, daran haben sich die Zuschauer ja inzwischen gewöhnt, aber auch Dominic Keating muss hier zurückstehen, ebenso wie Connor Trinneer (der dabei aber noch eine der größten Nebenrollen ergattern konnte) und Jolene Blalock. Von John Billingsley, einem der bekanntesten Mitglieder des Cast, der seiner Rolle des Doktor Phlox in den vergangenen drei Jahren trotz weniger Episoden viele interessante Facetten verliehen hat, bekommt man ebenfalls kaum etwas zu sehen.
Wer im Fernsehen auch zu etwas härteren Serien greift, wird Steven R. Schirripa aus Die Sopranos [seit 1999] wieder erkennen, der hier zwar nur eine kleine Rolle hat, darin aber nicht viel anderes spielt, als in der preisgekrönten Mafiaserie. Vielleicht ist es deshalb so schwer, ihm seine Rolle ernst zu nehmen, die ansich nur aus wenigen Dialogzeilen und einem immer währenden gemeinen Blick besteht.
So gibt es auch in dieser Doppelfolge keine schlechten Darsteller zu sehen, aber wirkliche Glanzleistungen sucht man leider auch vergebens, was zweifelsohne am Drehbuch liegt, denn die Darsteller (das haben alle von ihnen schon gezeigt) können mehr leisten.

Inszenatorisch liefern sowohl Allan Kroeker im ersten, als auch David Straiton im zweiten Teil eine solide Arbeit, auch wenn die seltsam anmutenden Zooms bei der ersten Schießerei nach wenigen Minuten etwas aufgesetzt wirken.
Viel interessanter als die bloße Inszenierung ist jedoch die Tatsache, dass Star Trek: Enterprise seit dieser Episode mit einer Digitalen Kamera aufgenommen wird, was zum einen Zeit, aber durch die günstigere Nachbearbeitung vor allem Kosten spart. Für diejenigen, die nun mit einem deutlichen Qualitätsverlust rechnen, haben die Macher aber schon nach wenigen Minuten entsprechende Szenen vorbereitet. Mit einem nie da gewesenen Detailgrad, einer exzellenten Schärfe und einem großen Farbreichtum debütiert die Digitalkamera bei "Sturmfront" und beseitigt damit alle Zweifel. Wie viele Vorteile die neue Technik wirklich bringt sieht man jedoch erst bei Nachtaufnahmen, die ohne störende Blaufilter, sondern lediglich mit realen Lichtquellen auskommen.
Die Bilder, die die beiden Regisseure aufgenommen haben sind allesamt gut, reichen von einem weiten Spektrum mit Tagesaufnahmen in der Natur, bis zu Nachtdrehs im Studio und sehen allesamt sehr gut aus. Den meisten Zuschauern wird die Umstellung nicht einmal auffallen. Handwerklich ist der Staffelauftakt solide gelungen und lässt ansich keine Wünsche übrig – bis auf die Tatsache, dass das Finale nicht sonderlich spannend inszeniert ist, was aber großteils an der Natur der Szenen liegt und nicht an deren Aufnahme.

Komponist Jay Chattaway ist Serienfans kein Unbekannter und schrieb schon für zahlreiche Episoden, bei Enterprise und Voyager die Musik. Für "Sturmfront" griff er zu düsteren, zurückhaltenden Melodien mit einer bisweilen sehr temporeichen Schlagzeugbegleitung.
Auch er leistet eine solide Arbeit und unterstützt die Handlung merklich, auch wenn er über die Schwächen nicht hinwegtäuschen kann. Seine Steigerung zum Ende der ersten Episode ist ebenso prägnant und gelungen, wie seine ruhigeren Stücke im gesamten Verlauf des Zweiteilers. Schade, dass es von ihm wie bei Star Trek leider üblich keine Soundtrack-CD geben wird.

Die Bauten bewegen sich wie üblich auf einem ansprechenden, wenn auch nicht überragenden Niveau, was jedoch bei diesem Zweiteiler wie bei fast allen Episoden der Serie über jeden Zweifel erhaben ist, sind die Masken der Beteiligten. Nicht nur die Vosk-Maske, insbesondere das Make-up des um Jahre gealterten (und dann doch nicht gealterten) Daniels ist absolut hervorragend und stellt auch die sehr guten Masken der letzten Staffel in den Schatten (gleichwohl dort auch die Masse beeindruckend war).
Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten, um die Serie für eine vierte Staffel zu verlängern, musste das Budget heruntergefahren werden, und auch wenn man es kaum glauben mag, gerade bei den Spezialeffekten bekommt man das zu Spüren. Überzeugte die dritte Staffel durchweg mit hervorragenden Effekten, die auch ohne weiteres in einem Kinofilm hätten Stand halten können, enttäuscht hier "Sturmfront" maßlos. Sei es die erste Shuttleaufnahme über San Francisco, oder auch später die digitalen Matte-Paintings mit Panzern vor dem weißen Haus, selten sahen die so schlecht aus wie hier. In der zweiten Episode bessert sich das ganze dann und auch die Forschungsanlage der Außerirdischen am Ende der ersten Folge sieht hervorragend aus, insgesamt bewegen sich die Effekte mit wenigen Ausnahmen aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau, und das hätte man nicht erwartet. Bleibt zu hoffen, dass sich das bessern wird, denn gerade dadurch hat sich die Serie vom Rest des Science Fiction-Einerlei abgehoben.

Ob die Episode hier zu Lande überhaupt ohne großes Aufsehen gesendet wird, bleibt abzuwarten, immerhin ist die Darstellung der Hakenkreuze doch außergewöhnlich offen und dass damit im deutschen Fernsehen nicht gerade zimperlich umgegangen wird, ist bekannt – nicht umsonst ist "Patterns of Force" nach wie vor nie im deutschen Fernsehen gezeigt worden.
Was in dem Zusammenhang aber so ärgerlich erscheint ist die Tatsache, dass die amerikanischen Kritiker bei ihren Rezensionen den Begriff "Nazis" und "Deutsche" sehr oft gleich setzen, wobei die Autoren der Episode nie von Deutschen, sondern immer von Nationalsozialisten reden. Dass auch nach über 60 Jahren immer noch ein derart offenes Fehlen des Verständnisses im Ausland vorhanden ist, ist schlichtweg erschreckend.

Doch all das ändert die Eindrücke des nicht einmal 80 Minuten langen TV-Films leider nicht. Nicht nur, dass der Temporale Kalte Krieg in der Serie nicht vollends ausgenutzt wurde (so wurde nicht nur hier eine Zwiespältigkeit von Daniels Absichten angedeutet, die auch ohne weiteres hätte ausgebaut werden können), er findet in einer eher unrühmlichen Episode seinen vermeintlichen Abschluss. Dabei kann man über Storylöcher und Logikfehler, die Autor Manny Coto schlicht mit dem Paradoxon der Henne und des Eis erklären will, nicht hinwegsehen. Zudem bleiben Charaktermomente großteils aus, die Gastdarsteller sind allesamt unterfordert und auch sonst entwickeln sich die Figuren nicht im geringsten weiter. Stattdessen entledigen sich die Macher eines lange gepflegten Bösewichtes in einer sehr klischeehaften Szene und auch dramaturgisch kann der Zweiteiler nicht überzeugen.
Vielleicht liegt das aber einfach daran, dass sich die Story so, wie sie erzählt wurde, einfach nicht zum Erzählen eignet, oder dass weder Brannon Braga, noch Rick Berman am Ende der dritten Staffel wussten, wie sie den Cliffhanger auflösen sollten – wie sie beide zugeben. Wer aber auf die Idee kommt, eine Geschichte ins Rollen zu bringen, ohne sich über deren Ausgang im klaren zu sein, der darf sich dann über die Kritik nicht wundern. Manny Coto bekommt sie nun mehr oder weniger unverdient zu hören, immerhin versuchte er aus dem Stoff des Temporalen Kalten Kriegs noch etwas heraus zu bekommen, ehe er die ansich sehr gute und interessante Storyarc viel zu früh begraben musste. Aber auch wenn es ihm schließlich gelang, in den nächsten 20 Episoden interessanter zu gestalten, war die vierte Staffel auch die letzte für Enterprise, was diesen schmerzlich schwachen Auftakt nur noch unangenehmer macht.


Fazit:
Als auch zum Ende der dritten Staffel immer mehr Zuschauer ab- als eingeschaltet haben, konnte man nur unverständig den Kopf schütteln. Die Stories waren sehr gut, die Spannung und Action ebenfalls – ansich hätte man daraus Kinofilme machen können, ohne großen Aufwand. Dass bei "Sturmfront" die Zuschauer lieber weg- als hingeschaut haben, ist verständlich, denn auch wenn die Episode handwerklich sauber geraten ist, und ansich auch solide gespielt, inhaltlich verstrickt sie sich in einer Geschichte, die man gar nicht erzählt haben möchte und bringt Themen – den Temporalen Kalten Krieg – zum Abschluss, die noch gar nicht genügend ausgelotet wurden.
Vor allem aber fehlen die Charaktermomente, ja irgendein Moment, der dem Star Trek-Universum nahe kommt, oder zumindest die Story voran bringt. Denn so tröpfelt das Geschehen vor sich hin, und als Zuseher wohnt man dem Ganzen zwar bei, ist aber nie wirklich mitgerissen, wenn auch nicht gelangweilt.
Die beste Szene kommt dabei zwei Minuten vor Schluss, wenn sich Daniels verabschiedet und man im Hintergrund Bilder aus der korrigierten Zeitlinie zu sehen bekommt. Da ist der Beginn des Lebens zu sehen, die Dinosaurier, die alten Ägypter und Römer, die Eroberung Amerikas von den Ureinwohnern, der Bau der Eisenbahn und das Dritte Reich, der Kalte Krieg und die Space-Shuttles, der 11. September 2001 und die Ereignisse von Star Trek: Enterprise, die alle in eine ungewisse Zukunft der Menschheit führen.
Es tröstet etwas die Hoffnung, dass die Produzenten und Autoren daraus in den noch kommenden Episoden mehr machen, als in diesen 78 Minuten.


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