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Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen: "Mord verjährt nicht" [2003]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Juni 2004
Genre: Thriller

Originaltitel: Cold Case: "Look Again"
Laufzeit: 42 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Mark Pellington
Musik: Michael A. Levine, E.S. Posthumus (Titel-Thema)
Darsteller: Kathryn Morris, John Finn, Jeremy Ratchford, Thom Barry, Justin Chambers, Lisa Waltz, Michael Reilly Burke, D.W. Moffett, Lillian Hurst


Kurzinhalt:
Lilly Rush (Kathryn Morris) ist die einzige weibliche Ermittlerin des Morddezernats in Philadelphia.
Als sie einen Fall übernehmen soll, der schon 27 Jahre zurückliegt, und in dem eine neue Zeugin aufgetaucht ist, sträubt sie sich zunächst gegen die Aufgabe. 1976 hat Bonita Jakarta (Lillian Hurst) mitangesehen, wie jemand Jill Shelby (Kate Mara) ermordet hat. Mögliche Täter sind unter anderem die Brüder Eric (Michael Reilly Burke) und Todd Whitley (D.W. Moffett), wobei Todd mit der getöteten Jill eine Beziehung hatte und inzwischen mit ihrer damaligen besten Freundin Melanie (Lisa Waltz) verheiratet ist.
Lilly gräbt mit ihrem Partner Chris Lassing (Justin Chambers) tiefer und findet weit mehr Verwicklungen und Geheimnisse, als jemand geahnt hätte. An ihrer Seite stehen zudem John Stillman (John Finn) und Will Jeffries (Thom Barry), der schon lange genug bei der Polizei ist, dass er viele Fälle noch selbst miterlebt hat.
Doch das Team sieht sich neben neuen Beweisen und Spuren auch der Tatsache gegenüber, dass Verwandte des Opfers gar keine Wiederaufnahme des Falles wünschen, und die Mauer des Schweigens so hoch ist, wie damals.


Kritik:
Eine blonde Polizistin löst alte ungelöste Fälle mit ihrem Team. Eine gute Grundidee sagten sich kanadische Produzenten und entwickelten die Serie Cold Squad [1998-2003], die im Nachbarland Amerikas sehr erfolgreich lief und einige Preise einheimste. Nun fragt man sich möglicherweise als Zuschauer, wie denn 2003 eine Serie mit dem Namen Cold Case aus dem Erdboden schießen konnte, in dem eine blonde Polizistin mit ihrem Team in Philadelphia ungelöste Fälle löst. Tja, das fragten sich die kanadischen Produzenten der inzwischen ausgelaufenen Serie auch. Die Ähnlichkeiten zwischen den Charakteren müssen zudem derart frappierend sein, dass auch Fans beider Formate nicht umhin können, an Jerry Bruckheimers neuestem TV-Projekt zu zweifeln. Inzwischen hat die kanadische Produktionsfirma sogar einen Prozess angestrengt, um rechtliche Klarheit zu schaffen.
In Deutschland weiß man von Cold Squad leider nichts, dafür wird Cold Case aber bereits gesendet (Freitag abends auf "Kabel 1"), während die erste Staffel in den USA gerade ausgelaufen ist. Auch wenn Cold Case nur ein Plagiat sein sollte, und man nach dem Pilotfilm noch nicht sagen kann, wie gut die Serie letztendlich wird, macht sie dennoch einen soliden Eindruck und vor allem Lust auf mehr.

Dabei geht die Serie um die Polizistin Lilly Rush einen ganz anderen Weg, als man es zunächst erwarten würde. Ein Vergleich mit den drei anderen bekannten Bruckheimer-Serien CSI – Tatort Las Vegas [seit 2000], CSI: Miami [seit 2002] und Without a Trace – Spurlos verschwunden [seit 2002] drängt sich auf; und genau hier offenbart sich, dass Cold Case eher zu Without a Trace tendiert, als zum actionlastigeren CSI: Miami.
Mit einem ausgesprochenen Gefühl für Charaktere präsentieren die Macher von Cold Case in der ersten Episode schon recht früh eine Vielzahl von Verdächtigen und decken im weiteren Verlauf interessante Intrigen und Hintergründe auf. Doch so detailliert die Nebenfiguren auch sein mögen, bleiben die Hauptpersonen – wie in Pilotfilmen häufig der Fall – noch recht farblos. Zwar kann das Kathryn Morris mit ihrer Ausstrahlung teilweise ausgleichen, doch ein genaueres Profil von ihr hätte es schon sein dürfen. Das übrige Team, bestehend aus Tom Stillman, Chris Lassing, Nick Vera und Will Jeffries haben ebenfalls bislang nicht allzu viel zu tun.
Insofern gestaltet es sich schwierig, das Drehbuch einzuschätzen, obwohl die Grundzüge, die Lilly Rush mit auf den Weg bekommt, durchaus vielversprechend sind. Die Dialoge wirken zwar hier und da noch etwas holprig, und sie sind nicht immer so gewitzt, wie man es von einer modernen Cop-Serie erwarten könnte, doch hier sollte man der Serie zweifellos noch einige Episoden Zeit lassen.
Der Fall ist verworren komplex, wird aber logisch aufgelöst, insofern gelang Autorin Meredith Stiehm ein überzeugender Krimi, der ansich nur durch die 40 Minuten Laufzeit eingeschränkt wird. Hätte man sich hier die Zeit für einen 70 Minuten langen Pilotfilm genommen, wie beispielsweise bei Alias – Die Agentin [seit 2001], dann wäre sogar Zeit gewesen, das Privatleben der Protagonistin ein wenig zu beleuchten. Insgesamt betrachtet ist das Skript dennoch gut geraten und bietet genügend Potential, die Figuren zu vertiefen.
Und doch liegt im Serienkonzept ansich schon das verankert, was den Zuschauer hin und wieder die Stirn runzeln lässt. Auch wenn man sich damit abfindet, dass Zeugen noch genau wissen, was sie in einer Nacht vor 27 Jahren beobachtet haben, in der sie ohnehin angetrunken waren, ist es ziemlich überraschend, dass manche Beweise damals einfach übersehen worden sein sollen. Oder dass nach all der Zeit die Mordwaffe sofort gefunden wird und sie – unverpackt im Erdboden eingebuddelt – genügend Spuren bereitstellt. Einmal, vielleicht auch zweimal mag man solche Zufälle, so viele glatte Ermittlungserfolge akzeptieren – ob dieses Prinzip allerdings auf Dauer tragfähig ist, muss sich erst zeigen.

Die Darsteller, allen voran Kathryn Morris, sind stimmig besetzt, kommen im Pilotfilm jedoch allesamt noch nicht voll zur Geltung.
Kathryn Morris, bekannt aus Minority Report [2002] und demnächst mit Renny Harlins Mindhunters [2004] in unseren Kinos, besitzt ein angenehmes Charisma, das es einfach macht, ihren Entscheidungen und Handlungen zu folgen. Sie nimmt den Zuschauer gefangen und wirkt stets interessiert – darstellerisch scheint sie der Rolle der einzigen Polizistin im Morddezernat Philadelphias problemlos gewachsen.
Der aus vielen Serien, darunter Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI [1993-2002], bekannte Darsteller John Finn kann in Cold Case durch seine ruhige Art sofort Punkte machen.
Justin Chambers, der ansich einen recht sympathischen Eindruck macht, wird die Serie nach der vierten Episode schon wieder verlassen, wohingegen Jeremy Ratchford und Thom Barry zumindest die komplette erste Staffel mit an Bord bleiben. Ratchford hat ohnehin nur zwei Auftritte im Pilotfilm, wohingegen Barry, der außerdem in The Fast and the Furious [2001] zu sehen war, zumindest bislang deutlich mehr Ausstrahlung besitzt. Man kann nur hoffen, dass er in den kommenden Episoden häufiger eingesetzt wird.
Die übrige Besetzung, darunter die Gastdarsteller des Pilotfilms "Mord verjährt nicht" sind durchweg gut ausgesucht und ihren Rollen jederzeit gewachsen.

Die Inszenierung von Regisseur Mark Pellington, der darüber hinaus als Produzent der Serie tätig ist, wartet mit einer sehr guten Optik und einem gelungenen Schnitt auf – kein Wunder, hat er doch schon bei Arlington Road [1999] bewiesen, dass er extrem spannend inszenieren kann. Besonders die Schlusssequenz, die vollständig in Zeitlupe gehalten ist, kann man bereits als choreografiert bezeichnen, und sie zeigt einige beeindruckende Bilder, die von einem wahren Song-Klassiker begleitet werden.
Auch die Rückblenden, die zum Teil sehr lange dauern und bewusst mit einem grieseligen Filter behandelt wurden, der die Farben beinahe auf 70er Jahre Technicolor-Niveau bringt, wurden passend eingestreut und wirken nie abrupt. Zwar hätten es nicht unbedingt so viele sein müssen, zusammengenommen sind sie jedoch wirklich gut.
Handwerklich wirkt Cold Case damit etwas reifer, wenn auch konventioneller, als beispielsweise CSI, dafür werden Bruckheimer-Fans keine Kamera-Gimmicks finden, die hier ohnehin nicht passen würden.

Musikalisch darf man sich als Zuschauer neben einem zurückhaltenden, aber atmosphärischen Score auf einige Klassiker freuen, die eine Soundtrack-CD ohne Weiteres rechtfertigen würden.
Darunter sind beim Pilotfilm "More Than a Feeling" von Boston und "Have You Ever Seen The Rain" von Creedence Clearwater Revival; spätere Folgen werden auf die gleiche Mischung setzen.
Das Titelthema, das in der ersten Folge leider nicht zu hören ist, stammt von der ungewöhnlichen Gruppe E.S. Posthumus, deren Stück "Nara" dafür Pate stand. Schade nur, dass das Thema in den regulären Episoden so kurz ist.
Der instrumentale Score von Michael A. Levine fällt kaum auf, weder positiv noch negativ. Die Melodien sind passend, bleiben allerdings nicht im Gedächtnis haften. Verbindet man schon nach kurzer Zeit den stimmungsvollen Score von CSI oder auch CSI: Miami (von dem einprägsamen Thema bei Without a Trace Thema ganz zu schweigen) unweigerlich mit der jeweiligen Serie, fehlt ein solches Identifikationsmerkmal hier noch – vielleicht schafft es der Komponist ja im Laufe der ersten Staffel, ein wiederkehrendes und unverkennbares Element einzubringen. Man würde es als Zuschauer begrüßen.

In den USA wude Cold Case jüngst für eine zweite Staffel verlängert – kein Wunder, gehört die Serie dort als meistgesehenes neues Format 2003/2004 zu den großen Gewinnern im Hauptabendprogramm der vergangenen Saison. In Großbritannien ist der Erfolg ebenso groß – ob sich dies in Deutschland wiederholen wird, erscheint fraglich.
Aus unerfindlichen Gründen greifen die Zuschauer hierzulande lieber zu unterdurchschnittlichen Eigenproduktionen, die weder den Qualitätsstandard, noch die fachliche Kompetenz hinter der Kamera erreichen, dafür aber mit mittelmäßigen bis schlechten Darstellern, platten Dialogen, gezwungenem Humor, altbackenen Geschichten und möchtegern-actionreichen Inszenierungen langweilen.
Man kann nur hoffen, dass der Sender "Kabel1", der bisher nur die ersten 13 Episoden aufgekauft hat, wenigstens die komplette erste Staffel fertig ausstrahlt. Dasselbe gilt für Without a Trace, das direkt im Anschluss gesendet wird. Mit den beiden Serien hat der Sender zumindest ein für anspruchsvolle Zuschauer interessantes Krimi-Paket zusammengeschnürt, das man dementsprechend würdigen sollte.
Zwar kann Cold Case noch nicht ganz den Standard halten, den man nach den ersten Staffeln der anderen drei Bruckheimer-Serien gewohnt ist, jedoch angesichts der mauen Konkurrenz (in- und ausländischer Natur) fällt es nicht schwer, Lilly Rush und ihren Kollegen eine Chance zu geben – wenn man Fan ansprechender Krimi-Unterhaltung mit Hang zum Drama ist.


Fazit:
Ob das Format von Cold Case bestehen kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.
Sicher ist es nicht so abwechslungsreich und actionlastig wie die beiden CSI-Vertreter und auch nicht so spannend wie Without a Trace, dafür nimmt sich das Krimi-Drama aber viel Zeit für die Charaktere und spricht so grundsätzlich ein anderes Publikum an. Es kann natürlich sein, dass sich die Gewichtung hier stark ändern wird, was bislang noch nicht abzuschätzen ist.
Als Serienstart ist "Mord verjährt nicht" jedenfalls gut gelungen und legt den Grundstein für interessante Figuren, obgleich die Story selbst alles andere als neu ist.


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