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C.S.I. – Tatort Las Vegas: "Ein sauberer Schnitt" [2003]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. September 2004
Genre: Thriller

Originaltitel: C.S.I.: "Assume Nothing (1)" / "All for Our Country (2)"
Laufzeit: 81 min.
Produktionsland: USA / Kanada
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Richard J. Lewis
Musik: John M. Keane, The Who (Titel-Thema)
Darsteller: William L. Petersen, Marg Helgenberger, Gary Dourdan, George Eads, Jorja Fox, Paul Guilfoyle, Robert David Hall, Eric Szmanda, John Doman


Kurzinhalt:
In einem Hotelzimmer wird ein ermordetes Ehepaar aufgefunden, und bei seinen Arbeiten gerät die Truppe um den forensischen Ermittler Gil Grissom (William L. Petersen) auf die Spur eines sadistischen Pärchens, das seine Opfer vor eine tödliche Wahl stellt.
Zusammen mit seinem CSI-Team, bestehend aus Catherine Willows (Marg Helgenberger), Warrick Brown (Gary Dourdan), Sara Sidle (Jorja Fox) und Nick Stokes (George Eads), untersucht Grissom die spärlichen Beweise. Dabei verplappert Nick unbewusst einen Hinweis, der prompt bei der Presse landet und die Mörder dazu veranlasst, ihre Taktik zu ändern.
Als dann Richter Slater (John Doman) einen Durchsuchungsbefehl nicht ausstellen will, weil Catherines Unvorsichtigkeit erst kürzlich dazu geführt hat, dass ein schuldiger Straftäter wieder freigelassen wurde, und die Beweislage noch nicht eindeutig ist, droht ein weiterer Mord ...


Kritik:
Es gibt kaum eine Serie im US-Fernsehen, die einen derartigen Gewinn an Zuschauern verzeichnen konnte, wie die Kriminalserie C.S.I. um ein Team forensischer Wissenschaftler, die Verbrechen zumeist im Labor lösen und die Verbrecher mit ruhiger Ermittlungsarbeit überführen. Überraschenderweise hält sich der Actionanteil ansich stark in Grenzen; im Gegensatz zu Cop-Serien, in denen ständig geschossen wird oder eine Autoverfolgungsjagd der vorherigen folgt, zieht C.S.I. seine Spannung aus dem rückwärtigen Lösen des Falls, den skurrilen Methoden, die das Team anwendet um die Geschehnisse zu rekonstruieren und dem bisweilen schwarzen Humor, mit dem die Truppe zur Arbeit schreitet.
Landete die Serie in ihrem ersten Jahr in den USA noch auf Platz 12 der meistgesehenen Formate, war sie im zweiten Jahr schon auf Rang zwei – in den beiden darauffolgenden Jahren platzierte sie sich gänzlich auf dem Fernsehthron und bis jetzt spricht nichts dagegen, dass sich der Erfolg erneut erzielen lässt. Das C.S.I.-Franchise, von Erfolgsgarant Jerry Bruckheimer produziert und zum Großteil von Regisseur, Autor und Mit-Produzent Danny Cannon (Judge Dredd [1995]) getragen, hat inzwischen schon zwei Serienableger inspiriert. Während sich CSI: Miami [seit 2002] auf seinem Sendeplatz behaupten konnte, muss man bei CSI: New York [ab 2004] erst noch abwarten, was die Serie denn bereithält, zumal hier das Konzept grundlegend geändert werden soll, mit Gary Sinise (Forrest Gump [1994]) in der Titelrolle jedoch prominent besetzt ist.

Mit Ein sauberer Schnitt brachten die Macher des unbestrittenen Originals nun den ersten waschechten C.S.I.-Zweiteiler ins Fernsehen und geben damit den Hoffnungen der Fans neue Nahrung, die ohnehin schon seit Jahren einen Kinofilm um Gil Grissoms Mannschaft sehen möchten. Doch wer sich den Auftakt zu Staffel vier genauer ansieht, wird ernüchtert feststellen, dass sich der Werbegag als eher mauer Versuch denn erfolgreiches Experiment entpuppt. So werden die zwei Teile nur durch ein kleines Storyelement zusammengehalten, der zweite Teil wartet zudem mit einer neuen Nebenhandlung auf und die privaten Geschehnisse aus Teil eins spielen eigentlich keine Rolle mehr. So pendelt sich dieser "Zweiteiler" zwar auf gewohnt hohem C.S.I.-Niveau ein, aber wer etwas Ähnliches erwartet, wie die mehrteilige Storyarc um die Verbrecherin Tammy Felton in den Staffeln eins und zwei, wird enttäuscht. Darüber hinaus erweist sich der Fall bei weitem nicht als so komplex, dass man ihn in zwei Episoden erzählen müsste, sondern es handelt sich schlicht um zwei separate Fälle mit einer gemeinsamen Komponente. Schade nur, dass man eine ähnliche Grundidee wie in Teil zwei bereits in CSI: Miami gesehen hat – wo es übrigens eine fesselnde Storyarc um einen Kindermörder zu Beginn und Ende der ersten Staffel gegeben hat.
Dass die Drehbücher der beiden einzelnen Episoden trotz der eigentlich zusammenhängenden Geschichte aus den Federn verschiedener Autoren stammen, ist grundsätzlich schon kein gutes Zeichen, allerdings bewegen sich die Stories auf einem ansprechenden Niveau, und besonders der Staffelauftakt überrascht mit einem sehr langen Teaser und vor allem einigen Nachwirkungen des Finales von Staffel drei. So wird auf Grissoms Operation bezüglich seines Hörschadens eingegangen, und auch Catherine muss sich mit einem herben Schicksalsschlag abfinden. Allerdings bleiben die persönlichen Entwicklungen dieser Episode (sogar in Bezug auf den Fehler, den George Eads Charakter Nick Stokes begeht) wieder einmal ohne Auswirkungen für die kommende Episode.
Es bleibt ein stetiger Kritikpunkt, dass trotz des ansich sehr gut harmonierenden Teams nur sehr wenig über das Privatleben der Figuren bekannt ist. In dieser Hinsicht wird allenfalls Hauptfigur Gil Grissom bedacht (man erinnere sich an die zwei Domina-Episoden mit Melinda Clarke), oder auch Catherine Willows dargestellt von Marg Helgenberger, die in ihrer Rolle gerade in den emotionalen Momenten der letzten Staffel richtig aufgegangen ist. Farblos bleiben hingegen Warrick Brown und Nick Stokes, die zwar immer wieder ein paar interessante Momente zugeschrieben bekommen, aber insgesamt dennoch wenig zu tun haben. Chronisch unterfordert ist nach wie vor Sara Sidle – und die Nebenfiguren Pathologe Al Robbins, Captain Jim Brass und der grundsympathische Greg Sanders haben offenbar ebenfalls nur ein Leben für ihren Beruf. Man kann nur hoffen, dass sich das im Laufe der Staffel ändert, denn gerade hier ist noch viel mehr Potential und vor allem Nachholbedarf vorhanden.
An den skurrilen Fällen kann man indes kaum etwas besser machen, das beweisen die ersten zwei Episoden deutlich, obwohl Saras und Catherines Ermittllung in Episode zwei nun wirklich nicht appetitlich geraten ist.
So präsentiert sich das Skript zu Teil eins von Serienerfinder Anthony E. Zuiker und Danny Cannon gewohnt solide mit einigen wirklich guten Ideen, einer sehr ernsten Erzählweise und einigen gelungenen Charaktermomenten, wohingegen die Vorlage zur zweiten Episode von Andrew Lipsitz und Carol Mendelsohn nur mit durchschnittlicher Kost dienen kann. Das ist zwar stets unterhaltsam, aber im Endeffekt eben nicht so fesselnd, wie man sich das gewünscht hätte.

Die Darsteller scheinen die Sommerpause gut überstanden zu haben, William Petersen zeigt sich hier erstmals mit Bart, hat aber etwas von Grissoms zurückhaltender Art eingebüßt, womöglich als Folge der Operation des Filmcharakters am Ende der vorhergehenden Staffel. Enigmatisch ist er nach wie vor und auch seine Sprüche erreichen übliches Niveau.
Marg Helgenberger scheint wie bisher Gefallen an ihrer Rolle zu finden und man darf gespannt sein, ob sie die überragende Darbietung aus dem letzten Jahr hier wieder schlagen wird.
Jorja Fox macht auf den ersten Blick einen lustlosen Eindruck, dies mag aber daran liegen, dass sie kaum etwas zu tun hat.
George Eads freut sich offensichtlich darüber, dass er gerade in der ersten Episode etwas mehr zum Zug kommt; er mimt wie immer überzeugend, ebenso Gary Dourdan, der hier keine Wünsche offen lässt.
Die stärksten Szenen zusammen mit Petersen hat jedoch einmal mehr Paul Guilfoyle als Polizei-Captain Jim Brass, der ebenfalls einige wirklich gute Sätze abliefern darf.
Eric Szmanda tritt zwar erst in der zweiten Episode richtig in Erscheinung, ist allerdings ganz bei der Sache.
Die kurze Szene von Robert David Hall als Dr. Al Robbins gehört zwar wieder zu den lehrreichsten, aber von ihm würde man gern mehr sehen.
Wie immer überzeugt der Cast mit einem großteils engagierten Spiel, obgleich manche Darsteller vielleicht ein paar Episoden brauchen werden, um ihren früheren Rhythmus zu finden. Die Nebenrollen sind erneut gut besetzt, wenn auch abgesehen von John Doman (Mystic River [2003]) keine bekannten Darsteller auftauchen.

Fans der Serie fällt gerade beim Staffelauftakt sicher auf, dass die Figuren bedeutend öfter in CSI-Westen zu sehen sind, als es früher der Fall war; außerdem ist der gestraffte Vorspann zunächst gewöhnungsbedürftig. Nicht zuletzt macht das Set im CSI-Labor einen geräumigeren Eindruck, als hätten die Designer etwas Platz schaffen wollen.
An der kinoreifen Inszenierung ändert das alles aber glücklicherweise nichts, dank den vielfältigen Filtern tauchen die Macher die Szenerie jeweils in ein passendes Ambiente, und die von der Serie gewohnten Kamera-Gimmicks wie Zooms oder "Innenaufnahmen" der Opfer dürfen natürlich genausowenig fehlen. Hier muss der Zuschauer auf nichts verzichten, was man in den bisherigen Episoden kennen und schätzen gelernt hat.
Die Musik von John M. Keane tut zusammen mit den gesungenen Stücken ihr Übriges und lässt die 80 Minuten wie im Flug vergehen.
Handwerklich kann man an Regisseur Richard J. Lewis' Doppelfolge, der in Staffel zwei schon für die exzellente Episode mit dem Bus verantwortlich zeichnete, nichts bemängeln; Ausstattung, Inszenierung und Maskenarbeit sind einmal mehr sehr gut und lassen keine Wünsche offen.

So gibt sich im Endeffekt der Beginn der vierten Staffel recht konventionell, wie man es von den bisherigen eben kennt. Selten hat C.S.I. schon am Anfang eines neuen Jahres sein Potential entfaltet, vielmehr benötigten die Macher einige Zeit, um wieder den besonderen Stil anzunehmen; bei Staffel drei gelang es den Autoren bereits in der zweiten Episode mit Grissoms ehemaligem Mentor – man kann also hoffen, dass sich selbiges auch in der vierten Staffel bald einstellt.
Wie es indes in Zukunft bei C.S.I. weitergeht, ist ungewiss – und dann doch wieder nicht: So ist schon seit einigen Jahren bekannt, dass Hauptdarsteller und Mitproduzent William Petersen aus der Serie aussteigen möchte, da ihm die Kommerzialisierung des Franchise mit den Spin-Offs CSI: Miami und nun CSI: New York nicht gefällt. Vertraglich ist er allerdings bis zur siebten Staffel an die Serie gebunden. An den ersten Drehtagen für Staffel fünf Ende Juli diesen Jahres konnte der Darsteller übrigens nicht teilnehmen, da ihn Herzbeschwerden belasten, und er – so auch von seinem Pressesprecher bekannt gegeben – gesundheitliche Probleme habe.
Andererseits versuchten George Eads und Jorja Fox, durch das wohl bewusste Fernbleiben vom Drehbeginn der fünften Staffel ihre höheren Gagenforderungen beim Studio durchzusetzen, worauf sie das Studio gefeuert hat. Erst einige Tage später wurden sie dann wieder eingestellt – ohne die ursprünglich zugesagte (aber geringere als von den beiden Schauspielern geforderte) Gagenerhöhung. Die Stimmung am Set ist also nicht ganz so ausgelassen, wie man das als Zuschauer annehmen würde.
Was die vierte Staffel noch bereithält, lässt sich hierzulande vorerst nur erahnen; man darf gespannt sein, welche Überraschungen sich die Macher haben einfallen lassen. Dass die Serie allerdings nach wie vor nicht für Kinder geeignet ist, zeigt sowohl die Story des ersten Teils, als auch der neue Fall im zweiten Teil dieser Doppelfolge; wie bereits in den letzten zwei Jahren, schrauben die Machern den Brutalitätsgrad zugunsten des Realismus immer weiter nach oben. Für die Zuschauer in Deutschland heißt das leider, dass die meisten Episoden (wie schon bei CSI: Miami) nur gekürzt im Fernsehen zu sehen sind, da VOX die deutsche Erstausstrahlung zur abendlichen Hauptsendezeit angesetzt hat; höchstens in der nächtlichen Wiederholung könnten die meisten Folgen ungekürzt sein. Ob die explizite Gewaltdarstellung wirklich notwendig ist, darüber lässt sich sicher streiten. Zweifelsohne trägt sie zum Flair der Serie bei und unterstreicht eben, dass Verbrechen und die Arbeit von Pathologen und Forensikern nichts für Vorabendserien sind.


Fazit:
Es ist wie eine Dürrezeit im Sommer, wenn man als Zuschauer auf viele Serien warten muss, die ihre Pause gerade in den heißen Monaten nehmen. Umso erfreulicher ist es, dass man mit Ein sauberer Schnitt ohne Umschweife wieder in das bekannte C.S.I.-Universum hineingezogen wird und mit den grundsympathischen Charakteren neue Verbrechen aufklären darf.
In Bezug auf die Story gibt sich der Zweiteiler vor allem in der letzten Hälfte etwas mau – spannend und unterhaltsam bleibt es dennoch. Dank dem sichtlichen Produktionsaufwand, dem faszinierenden Setting in Las Vegas und den skurril-interessanten Fällen gehört C.S.I. immer noch zu den aktuell besten Serien im Fernsehen und befindet sich stets auf Kino-Niveau. Zwar hält der Staffelauftakt nicht genau das, was man sich von einem eventuellen abendfüllenden Film um das Originalteam gewünscht hätte, richtig enttäuscht wird man aber trotzdem nicht. Und allein William L. Petersens bisweilen schon fast philosophische Wortspielereien vor dem Vorspann zu hören, lässt das bekannte C.S.I.-Feeling wieder aufkommen.
Handwerklich top, inhaltlich nicht wirklich neu – dafür jedoch mit einem unschlagbaren Spaßfaktor und der coolsten Titelmusik aller Zeiten! Nicht nur für Fans der Serie weiterhin absolut sehenswert!


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