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Battlestar Galactica: "Auf Messers Schneide" [2007]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. September 2012
Genre: Science Fiction / Action / Drama

Originaltitel: Battlestar Galactica: Razor
Laufzeit: 88 min. / 104 min. (Erweiterte Fassung)
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Félix Enríquez Alcalá
Musik: Bear McCreary
Darsteller: Michelle Forbes, Stephanie Jacobsen, Tricia Helfer, Graham Beckel, Steve Bacic, Jamie Bamber, Katee Sackhoff, Edward James Olmos, Mary McDonnell, Michael Hogan, James Callis, Grace Park, Nico Cortez, Matthew Bennett, Brad Dryborough


Kurzinhalt:

Nachdem Lee Adama (Jamie Bamber) das Kommando über die Pegasus erhält, plant er Veränderungen in der Offiziersstruktur an Bord des Schiffes. Dabei fällt ihm die Akte von Kendra Shaw (Stephanie Jacobsen) auf, die unter Admiral Cain (Michelle Forbes) sehr gute Beurteilungen erhielt, aber seit Cain nicht mehr Kommandantin der Pegasus ist, immer weiter abgestürzt ist. Bei einem ersten Gespräch mit Adama erinnert sich Shaw daran, wie sie kurz vor dem Angriff der Zylonen auf die Pegasus kam und Cain zum ersten Mal begegnete. Damals war diese zwar ebenfalls streng gewesen, aber nicht in dem Sinne unerbittlich, wie sie später wahrgenommen wurde. Doch der Angriff der Zylonen hat alles verändert.
Von einschneidenden Erfahrungen wie der Exekution von Cains erstem Offizier Belzen (Steve Bacic) oder dem Schießbefehl unter Colonel Fisk (Graham Beckel) auf Zivilisten, hat Adama zuvor schon gehört – doch Shaw ermöglicht ihm einen tieferen Einblick. Als Lee von Admiral William Adama (Edward James Olmos) den Befehl bekommt, einen verloren gegangenen Raptor zu bergen, kommt er einer Gruppe Zylonen auf die Spur, denen William Adama vor 40 Jahren, am Ende des ersten Zylonenkriegs schon begegnete. Es könnte für ihn die Möglichkeit sein, nach all der Zeit eine Wiedergutmachung zu leisten ...


Kritik:
Was die preisgekrönte Science Fiction-Serie Battlestar Galactica seit dem Mehrteiler Pegasus / Die Auferstehung [2005 / 2006] bis zum Ende der dritten Staffel (Am Scheideweg – Teil 1 und 2 [2007]) bot, war ebenso packend wie beeindruckend. Nicht nur, dass die Dynamik innerhalb der Flotte der überlebenden Menschen sich immer wieder änderte, trotz der Bedrohung durch die Zylonen gab es genügend Konflikte innerhalb der Gruppen, sodass sich die Spannungen weiter erhöhten. All das spitzte sich zum Finale der dritten Staffel soweit zu, dass Geheimnisse über Figuren offenbart wurden, die selbige in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Der TV-Mehrteiler Auf Messers Schneide dient als Überleitung zur vierten und letzten Staffel, ist zeitlich jedoch kurz nach Die Auferstehung angesiedelt, nachdem Lee Adama das Kommando über die Pegasus erhält. Weshalb sich der Autor Michael Taylor entscheidet, eine Hintergrundgeschichte zur Pegasus zu erzählen, wenn jener Handlungsstrang schon vollständig abgeschlossen ist, wird sein Geheimnis bleiben. Begründet wurde dies damit, dass Auf Messers Schneide auch Andeutungen an die vierte Staffel von Battlestar Galactica offenbaren würde. Ob hierbei eine Nebenstory gemeint ist, die sich um frühe Experimente der Zylonen mit den Menschen drehen, sei dahingestellt, denn darauf wurde in der dritten Staffel kein Bezug genommen. Und die versteckte Ankündigung um die Offenbarung von vier der letzten fünf Zylonen-Modelle ist im TV-Film nicht einmal zu sehen, sondern lediglich in der längeren Schnittfassung, die für die Heimvideoveröffentlichung erstellt wurde.

Razor, so der Originaltitel, ist ein Rückblick auf das Geschehen nach Adamas Kommandoübernahme und beinhaltet Rückblicke in die Zeit, als Admiral Cain Kommandantin der Pegasus war. Aus der Sicht des neu hinzugekommenen weiblichen Offiziers Kendra Shaw erlebt man, wie Cain vor dem Überraschungsangriff der Zylonen war, was letztlich ihren Abstieg in eine bedingungslose Herrschaft begünstigte (nämliche eine unerwartete Beziehung zu einem Zylonenmodell) und was nach dem Angriff aus ihr geworden ist. Die Schlüsselmomente, die Exekution ihres ersten Offiziers oder den Schießbefehl auf Zivilisten, um eine Herausgabe von Vorräten und Technikern zu erreichen, wurden in Battlestar Galactica bereits mündlich erwähnt und haben in den Augen der Zuschauer die Pegasus und ihre Crew ohnehin stigmatisiert. Also was genau soll Auf Messers Schneide aussagen?
Hier eine Antwort zu finden ist nicht ganz einfach. Hört man die Beteuerungen von Admiral Cain, dass man in Kriegszeiten Dinge tun müsse, die man sich nie hätte vorstellen können, und behält sie mit ihrem Vorgehen insofern noch recht, als dass die Kernmannschaft der Pegasus dank ihres Führungsstils überlebt (wie Kendra Shaw ihr attestiert), lassen sich unschöne Parallelen ziehen. Auf Grund der Hintergrundgeschichte von Battlestar Galactica und dem Zeitpunkt, da die Serie erschien, ließen sich – für das Publikum nicht immer einfache – Bezüge zu einer Welt herstellen, in der die Angst vor Terroranschlägen das Leben eines jeden einzelnen prägt. Hier scheint es, als stünde Cain dafür, dass Maßnahmen wie in Guantanamo Bay getroffen, auch noch gerechtfertigt seien.

Die verschiedenen zeitlichen Ebenen, auf denen Auf Messers Schneide spielt, ermöglichen einerseits einen Einblick in die Beziehungen der Crew der Pegasus, fördern jedoch keine neuen Aspekte der Galactica zum Vorschein. Außer, dass sich William Adama erinnert, wie er vor 40 Jahren am Ende des ersten Zylonenkriegs auf die Spur jener Experimente der Zylonen an Menschen stieß. Ob dies für die kommende vierte Staffel von Bedeutung sein wird, bleibt abzuwarten, aber es scheint im ersten Moment nicht notwendig. Insofern wäre es ein mutigerer Schritt gewesen, anstatt in Rückblenden einfach die Chronik der Pegasus zu erzählen. Die Rückblicke wie sie in Auf Messers Schneide präsentiert werden, umfassen zwar Schlüsselmomente, scheinen aber darum sehr episodenhaft und losgelöst. Insofern fällt auch kaum auf, dass in der TV-Film-Version gegenüber der erweiterten Fassung eine Nebenhandlung um Cains Schwester fehlt. Viele der Versatzstücke sind für sich genommen zwar interessant, aber nicht erforderlich für das Gesamtverständnis.

Handwerklich gibt es an Auf Messers Schneide nichts zu bemängeln. Im Gegenteil, der gezeigte Angriff der Zylonen auf die Schiffswerft gehört zu den besten Momenten der bisherigen Serie und auch die Darbietungen sind den Figuren mehr als angemessen. Was der Fernsehfilm vermissen lässt ist ein Aspekt, der ihn für das Gesamtkonzept der Serie wichtig macht. Die vorangestellten Webisodes, sieben jeweils zwei Minuten lange Kurzfilme, welche die Hintergrundgeschichte um William Adamas Entdeckung vor 40 Jahren erzählen, hätte man auch als Einleitung für die vierte Staffel heranziehen können, ähnlich wie bei Staffel drei geschehen. Das heißt, wenn der Inhalt für die lang erwartete Auflösung der Serie denn notwendig ist. Wenn nicht, ist Razor ohnehin entbehrlich.


Fazit:
Dass die Geschichte der Pegasus und insbesondere ihrer Kommandantin, Admiral Cain, als Gegenentwurf zur Entwicklung der Galactica dient, was aus ihr geworden wäre, hätte sich Adama nicht mit der demokratischen Führung unter Präsidentin Roslin arrangiert, ist bereits im Mehrteiler der zweiten Staffel deutlich geworden. Insofern bleibt die Frage, was Auf Messers Schneide so unerlässlich macht, dass die Produzenten die Geschichte erzählen wollten. Handwerklich tadellos zeigt der Film all jene Momente der Pegasus und ihrer Besatzung, von denen in Battlestar Galactica schon berichtet wurde. Das macht die Entscheidungen der Figuren weder populärer, noch sie selbst greifbarer.
Die wichtigsten Schlüsselmomente was die Ankündigung der Offenbarung von vier der verbliebenen fünf Zylonen angeht, fehlen in der TV-Film-Version ohnehin und eine ominöse Andeutung in Bezug auf das Finale der dritten Staffel rechtfertigt den sichtbaren Aufwand hinter Razor nicht. Insofern bleibt nach den etwas mehr als eineinhalb Stunden das Gefühl, ein Bonbon für die Fans gesehen zu haben, das weder inhaltlich, noch stilistisch an die erstklassige zweite Hälfte der zweiten Staffel, noch die ebenso herausragende dritte Staffel heranreicht. Der Fernsehfilm verkürzt ein wenig die Wartezeit auf das letzte Jahr der Science Fiction-Serie, doch ob man die wichtigen Momente nicht in eigenständige Webisodes hätte packen können, sei dahingestellt. Ebenso, ob man aus der Pegasus ohne die ständigen Rückblicke einen eigenständigen, besseren TV-Film ohne Beteiligung der Galactica-Crew hätte machen können.


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