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A Quiet Place [2018]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Dezember 2018
Genre: Horror / Drama / Thriller / Science Fiction

Originaltitel: A Quiet Place
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: John Krasinski
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Emily Blunt, John Krasinski, Millicent Simmonds, Noah Jupe, Cade Woodward, Leon Russom


Kurzinhalt:

Seit fremde, Tod bringende Wesen vor mehr als einem Jahr auf die Erde gekommen sind, die unzerstörbar scheinen und von Geräuschen angelockt werden, ist die Welt ein stiller Ort. Abseits auf dem Land auf sich allein gestellt, hat es eine junge Familie geschafft, zu überleben. Vater Lee (John Krasinski), Mutter Evelyn (Emily Blunt), die gehörlose Tochter Regan (Millicent Simmonds) und Sohn Marcus (Noah Jupe) leisten alle ihren Beitrag, um die Felder zu bestellen, Fische im Fluss zu fangen und irgendwie den Alltag zu überstehen – so leise wie möglich. Dabei ist Evelyn hochschwanger. Zwar hat die Familie ihr Möglichstes getan, um die Geburt und das Neugeborene was den Geräuschpegel angeht abzusichern, doch ob es ausreichen wird, ist fraglich …


Kritik:
In A Quiet Place nimmt Filmemacher John Krasinski eine vertraut klingende Grundidee und versieht sie mit einem originellen Twist. Das Ergebnis ist einer der packendsten Horror-Thriller der vergangenen Jahre, der nicht nur seinem Titel gerecht wird. Er ist gleichzeitig ein Paradebeispiel dafür, wie eine mystische Story erzählt werden kann, ohne zu viel zu verraten – aber gleichzeitig so viel zu erklären, dass man glaubt, sich in der Geschichte zurechtzufinden.

Die Story spielt in naher Zukunft und beginnt damit, dass sich eine Familie in einem verlassenen Supermarkt auf die Suche nach Vorräten, genauer gesagt Medikamenten, begibt. Sie alle bemühen sich, keine Geräusche zu machen, ihre Wege sind mit Sand bestreut, um Klänge möglichst zu dämpfen und um sich zu unterhalten, verwenden sie Zeichensprache. Die älteste Tochter kann, da der außen liegende Teil ihres Cochlea-Implantats defekt ist, derzeit nicht hören, so dass sie die größte Bedrohung in dieser Welt nicht wahrnehmen kann, ehe es zu spät ist: Monster, die von Geräuschen angelockt werden und einen großen Teil der Bevölkerung dahingerafft haben.
Das Setting in A Quiet Place erinnert an viele Endzeitszenarien und nicht zuletzt an die große Welle an Zombie-Geschichten, die in allerlei Unterhaltungsmedien um die Gunst des Publikums buhlen. Die Protagonisten sind auf sich gestellt, die Welt ist lebensfeindlich geworden und die Menschen ganz offensichtlich nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette. Dass Töne und Geräusche hier einem Todesurteil gleichkommen, ist hingegen ein unerwarteter Einfall und würde schon im normalen Alltag große Hürden mit sich bringen. Motorisierte Fortbewegung, normale Unterhaltungen, all das wäre nicht mehr pauschal möglich.

Statt so abstrakt zu bleiben, treibt A Quiet Place die Situation jedoch auf die Spitze und das ist einem sehr begrenzten, beinahe kammerspielartigen Areal: Nach einem zeitlichen Sprung, ist Mutter Evelyn hochschwanger. Das weckt beim Publikum mindestens zwei Fragen: 1. Wie soll eine geräuschlose Geburt vonstatten gehen und 2. was tun, wenn das Baby schreit?
Es ist an sich unnötig zu erwähnen, dass die Erzählung genau hierauf hinarbeitet. Bis dahin wird der Alltag der Familie gezeigt, die nicht nur unter einem schrecklichen Verlust leidet, der selbst dann im Raum steht, wenn sie sich auf ihre geänderte Umgebung eingestellt zu haben scheinen. Als Selbstversorger mit einem landwirtschaftlichen Betrieb, Ackerbau und Heimunterricht für die Kinder, hat sich diese Familie an die neue Welt angepasst. Und sie sind, das deutet ein abendliches Ritual von Vater Lee, der ein Feuer auf dem Dach eines Getreidesilos anzündet an, nicht allein. Auch andere haben überlebt.

Was genau geschehen ist, deutet das Drehbuch nur am Rande an. Selbst, dass der Großteil der Erzählung im Jahr 2021 spielt, wird nicht explizit erwähnt, sondern eher beiläufig eingeblendet. Es würde für den Alltag der Familie auch keine Rolle spielen, woher die Wesen genau gekommen sind. Für Lee einzig wichtig ist es, ihre Eigenschaften zu verstehen; dass sie blind sind beispielsweise und welche Schwachstellen sie haben. Ansonsten unternimmt die Familie alles, um sich diesen Gegebenheiten anzupassen und zu überleben. Das allein wäre bereits interessant genug, wäre nicht die konstante Bedrohung durch die fremden Wesen, die über lange Zeit nur unscharf und am Bildrand zu sehen sind. Regisseur Krasinski lässt sich Zeit damit, die Kreaturen zu zeigen, hält stattdessen die Angst vor dem Unbekannten aufrecht. Das ist eine Technik, die nicht erst Steven Spielberg in seinen Genre prägenden Werken Der weiße Hai [1975] und Jurassic Park [1993] so erfolgreich umgesetzt hat. Auch bei A Quiet Place trägt die Entscheidung merklich zur Atmosphäre bei und lässt einen umso mehr staunen angesichts des Aussehens der fremdartigen Monster.

Dass das Klangbild des Films ebenso großen Anteil an der bedrohlichen Stimmung hat, überrascht nicht. Immer wieder wechselt auch die akustische Perspektive dahingehend, wie die höreingeschränkte Regan die Welt wahrnimmt bzw. was ihnen allen in einer so grundlegend verstummten Umgebung abhanden gekommen ist. Das Ausbleiben von Geräuschen schärft dafür den Blick des Publikums, die Optik auf eine intensivere Art und Weise wahrzunehmen. Kamera, Perspektiven und Schnitt sind fantastischen eingesetzt und steigern ungemein die Spannung, die ab der Hälfte des Films bis zum Finale in einem fort weiter angezogen wird. Dabei erwachsen die Situationen aus einander, hängen unmittelbar miteinander zusammen, statt nur aneinandergereiht zu sein. A Quiet Place ist als stimmungsvoller Horror-Thriller fantastisch eingefangen und ebenso gelungen präsentiert. Es braucht allerdings auch ein Publikum, das in der Lage ist, die Stille auszuhalten. Und das hört sich leichter an, als es am Ende stellenweise ist.


Fazit:
In unangenehmen oder bedrückenden Situationen neigen viele Menschen dazu, sich abzulenken – und machen dabei nicht selten Geräusche. Ein solches Verhalten wäre innerhalb der Geschichte lebensgefährlich und auch beim Ansehen kann so etwas für alle anderen die fantastisch aufgebaute Stimmung verderben. Regisseur John Krasinski stellt noch vor dem Filmtitel klar, dass hier mit allem zu rechnen ist. Es ist ein Versprechen, das er im Verlauf der gerade einmal eineinhalb Stunden auch einhält. Anstatt die Erzählung unnötig auszudehnen, sich gegebenenfalls mit vielen Erklärungen zu den fremden Wesen die Mystik zu verderben, konzentriert sich der Filmemacher auf die Geschichte der isolierten Familie, die notgedrungen eine Konfrontation mit den tödlichen Kreaturen ausfechten muss. Dabei widmet sich der Film grundlegenden Ängsten, die über den offensichtlichen Überlebenskampf der Eltern hinausgehen. Das ist klaustrophobisch präsentiert, von sämtlichen Beteiligten, allen voran von Millicent Simmonds und Emily Blunt in einer wahren Tour de Force packend verkörpert und stellenweise schweißtreibend inszeniert. Eine Entscheidung vor dem eigentlichen Finale scheint dabei zwar unnötig und oft sind es laute Geräusche, die hier für Erschreckmomente sorgen, aber das ändert nichts daran, dass A Quiet Place über weite Strecken gerade auch auf Grund der tollen Figuren so mitreißend umgesetzt ist, dass man kaum zu Atmen wagt. Klasse!
 


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