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Roderick Thorp: "Stirb langsam" [1979]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. November 2009
Autor: Roderick Mayne Thorp, Jr.

Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Nothing Lasts Forever
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 232 Seiten
Erstveröffentlichungsland: USA
Erstveröffentlichungsjahr: 1979
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1989
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-14-011560-9


Kurzinhalt:
Joe Leland möchte die Weihnachtsfeiertage bei seiner Tochter Stephanie und seinen beiden Enkelkindern verbringen. So setzt er sich nach Anfangsschwierigkeiten an Heilig Abend ins Flugzeug nach Los Angeles, muss aber feststellen, dass seine Familie und er vorerst bei der spontanen Weihnachtsfeier in Stephanies Firma festsitzen. Der Ölfirma gelang überraschend ein großer Deal, weswegen die Belegschaft im 32. Stock des vierzigstöckigen, ansonsten verlassenen Hochhauses feiert.
Als sich Leland, der sich als Sicherheitsberater selbständig gemacht hat, im Büro seiner Tochter frisch macht, hört er mit an, wie eine Gruppe bewaffnete Söldner die Party stürmt. Leland flüchtet mit seiner Waffe in ein höheres Stockwerk und verschafft sich Überblick: die zwölf Terroristen sind nicht nur gut genug bewaffnet, um das Hochhaus tagelang zu besetzen, sie besitzen genügend Sprengstoff, um es dem Erdboden gleich zu machen. Als sie die erste, wehrlose Geisel erschießen, steht für Leland fest, dass er den Kampf gegen die Terroristen aufnehmen muss. Nicht nur auf Grund seines Alters, sondern schon durch die psychische Belastung bringt ihn dies an seine Grenzen. Und nicht zuletzt durch die Opfer, die ihm abverlangt werden, darüber hinaus ...


Kritik:
Dreizehn Jahre ist eine lange Zeit. Dies umso mehr in einer Welt, die sich so schnell verändert, dass es vielen Menschen schwer fällt, mit ihr Schritt zu halten. Galt Hauptfigur Joe Leland in Thorps Roman Hartnäckig [1966] noch als Mann mit Prinzipien in einer Gesellschaft, die unter der Oberfläche bedeutend abgründiger war als es den Anschein hatte, wirkt er nun wie ein Fossil aus längst vergangenen Tagen.
Am Weihnachtsabend auf dem Weg zu seiner Tochter, die in Los Angeles erfolgreich für eine internationale Ölfirma arbeitet, findet sich der ehemalige Polizist und inzwischen selbständige Berater in Sicherheitsangelegenheiten urplötzlich in einem Hochhaus wieder, in dem die Gäste einer Weihnachtsfeier von einem Dutzend bewaffneter Terroristen in Schach gehalten werden. Worauf die Geiselnehmer aus sind, weiß Leland nicht. Nur dass sie entschlossen genug sind, für ihr Vorhaben zu töten. Unter den Gästen ist aber nicht nur Lelands Tochter, sondern auch seine beiden Enkelkinder. So nimmt der alternde Held wider Willen den Kampf gegen die Terroristen auf. Dabei bringt ihn die Konfrontation auch dazu, über sein Leben nachzudenken, das wie eine Ansammlung von falschen Entscheidungen anmutet. Auch diese Nacht wird keine Ausnahme sein.

Thorp besucht nach mehr als einem Jahrzehnt eine Figur wieder, die schon 1966 wie aus einer vergangenen Ära anmutete. Joe Leland ist ein ehemaliges Fliegerass aus dem Zweiten Weltkrieg, wodurch er in der Lokalpresse als Held bejubelt wurde. Auch sein erster großer Fall bei der Polizei machte ihn berühmt, immerhin ging es um einen Mord am Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmannes. Nur wurde jener Erfolg später revidiert, als Leland bei anderen Nachforschungen herausfinden musste, dass damals ein Unschuldiger als Täter zum Tode verurteilt wurde. Dies aufzuklären beruhigte zwar sein Gewissen, doch handelte er sich mit der Publikmachung nur Ärger ein. Darunter litt zusätzlich seine Ehe, die seit seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg ohnehin mehr Tiefen als Höhen besaß. Auch das Verhältnis zu seiner Tochter Stephanie litt fortan und es dauerte Jahre, ehe es sich wieder besserte. Nun muss Leland beobachten, dass seine Tochter in ihrem Leben ebenso viele ungute Entscheidungen getroffen hatte, wie er – oder wie seine Frau. Und es scheint beinahe, als wäre er nicht in der Lage, sie trotz seines Einsatzes vor Schaden zu bewahren.
An manchen Stellen wirkt Leland beinahe verbittert. Weniger angesichts dessen, wie sein Leben bislang verlaufen ist, als darüber, dass er es wieder genau so führen würde, wenn er es könnte. Er findet sich in einer Zeit wieder, in der geschäftliche Transaktionen über Computer abgewickelt werden, eine Technik, die ihm ein Rätsel bleibt. Und in der er die augenscheinlichen Motive einer Gruppe Terroristen zum Teil sogar nachvollziehen kann. Wie in Hartnäckig wirkt Hauptcharakter Leland als Figur selbst mit seinen Einstellungen und Verhaltensweisen in gewissem Sinne fehlplaziert und bleibt gleichzeitig doch gerade deswegen der Einzige, der in der Lage ist, etwas zu bewirken. So wartet er zunächst ab, bis die Terroristen (beschrieben als Angehörige der RAF) in dem Hochhaus aktiv werden, ehe er sich einen Plan überlegt, dem Ganzen Einhalt zu gebieten. Was folgt ist ein schweißtreibend erzähltes Actionfeuerwerk, das ausschließlich aus Lelands Sicht erzählt wird. Seine Erkenntnisse über die Geiselnehmer und ihre Pläne, oder über den Polizeieinsatz, der sich wenig später rund um das Gebäude abspielt, stammen nur aus seinen Beobachtungen. Das macht manche Begegnungen umso überraschender und versetzt den Leser zudem direkt an Lelands Stelle. Der Thematik entsprechend beschreibt Roderick Thorp auch die eingesetzte Gewalt sehr anschaulich, enthält jedoch nicht vor, was in Leland vorgeht, wenn er (mitunter mehr mit Glück denn mit Können) einen Terroristen nach dem anderen ausschaltet.

Die Geschichte selbst ist dabei so rasant erzählt, dass man den Roman kaum zur Seite legen kann. Erschien das Buch hierzulande ohnehin nur kurz unter dem Titel Stirb langsam, lautete der ursprüngliche US-Titel Nothing Lasts Forever ("Nichts hält ewig"). Erst die erneute Buchveröffentlichung nach der erfolgreichen Filmumsetzung des Stoffes trug den Filmtitel Die Hard. Diese ist überraschend werkgetreu ausgefallen, ergänzt die Geschichte aber vielerorts um Details und Tiefe, die knapp zehn Jahre zuvor im Roman schlicht nicht notwendig war, beziehungsweise Roderick Thorp nicht wichtig erschien. Er nutzt die Actiongeschichte für eine authentisch erscheinende Charakterisierung des unfreiwilligen Helden Leland, der sich vielleicht nur durch ein Leben voller falscher Entscheidungen dazu berufen fühlt, sich gegen die Terroristen aufzulehnen. Dies auf den explosiven 230 Seiten verdichtet zu sehen, ist in der Tat lesenswert.


Fazit:
Was an Stirb langsam letztlich am meisten überrascht ist das mutige Ende, das bei weitem nicht so versöhnlich ausfällt wie in der Kinoadaption. Aus Joe Lelands Sicht erzählt Autor Roderick Thorp einen packenden Actionthriller, der seinerzeit mit einem revolutionären Konzept aufwartet. Der Hauptcharakter mutiert unfreiwillig angesichts der Bedrohung zur Ein-Mann-Armee, bleibt dabei aber bei weitem nicht so unverwundbar, wie es heutzutage immer wieder der Fall ist. Dabei spielen nicht nur die körperlichen Wunden eine Rolle, auch wie ihn seine Taten beschäftigen, ist Teil der Persönlichkeit, in die man hier Einblick erhält.
Die Erinnerungen, Erkenntnisse und Anspielungen, die Leland in Hinblick auf sein vergangenes Leben Revue passieren lässt, sind für diejenigen Leser verständlicher, die den ersten Roman um die Figur gelesen haben. Gerade dann mag man die Bitterkeit verstehen, mit der Leland an manchen Stellen auf sein Leben blickt. Für mich macht gerade das Stirb langsam zu einem lesenswerten und spannenden Thriller, bei dem trotz der geringen Seitenanzahl die Figuren ebenso zum Zug kommen. Hat man die Verfilmung bereits gesehen, überraschen manche Momente nicht mehr so sehr, doch schmälert das nicht Thorps Erfolg, dem ein für das Genre wegweisender Roman gelungen ist, dessen Stil seither oft kopiert wurde, und den man auch 30 Jahre nach Erscheinen am besten auf ein Mal komplett durchliest.


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