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Arthur C. Clarke: "2001: Odyssee im Weltraum" [1968]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. November 2007
Autor: Sir Arthur Charles Clarke

Genre: Science Fiction

Originaltitel: 2001: A Space Odyssey
Originalsprache:
Englisch
Gelesen in:
Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Länge: 297 Seiten
Erstveröffentlichungsland: Großbritannien
Erstveröffentlichungsjahr: 1968
Erstveröffentlichung in Deutschland: 1969
ISBN-Nr. (gelesene Ausgabe): 0-451-45799-4


Kurzinhalt:
Vor drei Millionen Jahren vollzog sich ein beachtlicher Wandel im alltäglichen Gebaren der menschlichen Vorfahren. Doch jenes Gefühl der Unzufriedenheit mit der Situation, entstand bei den Primaten vor langer Zeit nicht von selbst – sie sprangen auf der Leiter der Evolution nicht ohne Grund eine Sprosse nach oben.
Als ein Forschungsteam 1999 bei Ausgrabungen auf dem Mond einen schwarzen Block unbekannten Materials entdeckt –einen offensichtlich künstlichen und damit außerirdischen Monolithen – ahnt niemand, dass dieses Artefakt für jenen Evolutionssprung verantwortlich war. Es wird herausgefunden, dass der Monolith Signale zum Saturn aussendet.
Eineinhalb Jahre später wird die "Discovery", ein Forschungsschiff mit einer geringen Besatzung, zum Saturn gesandt. Offiziell lautet ihre Mission, den Ringplanet zu erkunden. Auch die beiden Piloten Dave Bowman und Frank Poole ahnen nichts von ihrer eigentlichen Aufgabe. Lediglich der Bordcomputer HAL 9000 ist eingeweiht. Als dessen Verhalten unberechenbar wird und einer der Piloten den Tod findet, bekommt die Odyssee im Weltraum eine ganz andere Bedeutung.
Hunderte Millionen Kilometer von der Erde entfernt warten die Antworten auf alle Fragen der Menschheit ...


Kritik:
Als Filmemacher wurde der Regisseur Stanley Kubrick spätestens mit der ungewöhnlichen Romanadaption des Klassikers Lolita [1962] international bekannt – obgleich sein zwei Jahre zuvor gedrehter Sandalenepos Spartacus [1960] eine ganz andere Karriere vermuten ließ. Doch mit seinem konventionellsten Hollywood-Film war der Visionär nie zufrieden gewesen. Anders bei Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben [1964] mit dem er sich endgültig an die Spitze der anspruchsvollen Abendunterhaltung setze.
Als der Erfolg des Films sich abzeichnete, schickte sich der damals 36jährige an, seinen Fußabdruck in einem anderen Genre zu hinterlassen. Er wollte einen "erwachsenen Science Fiction"-Film drehen, der auch mit den Fortschritten der NASA in jener Epoche nicht schon in einem Jahr überholt sein würde. Doch vor einem Film benötigt man bekanntermaßen ein Drehbuch, das zu verfassen er mit dem Science Fiction-Autor Arthur C. Clarke gedachte. Mit 2001: Odyssee im Weltraum entstand sowohl als Film, als auch als Buch ein Genre prägendes Werk, das auch vierzig Jahre nach seiner Erscheinung kaum etwas von seiner Faszination verloren hat – und wer bei Kubricks visuell beeindruckendem, jedoch lethargisch geratenen Monument den tieferen Sinn nicht verstanden hat, der wird hier endlich Antworten finden. Und zwar viele.

Wie eng Buch und Film verknüpft sind sieht man bereits in den ersten Kapiteln, die zwar mit mehr Hintergrundinformationen, jedoch mit grundsätzlich genau denselben Szenen jene erste Begegnung der menschlichen Vorfahren mit dem Sagen umwobenen Monolith beschreiben. Was Clarke allerdings mit vielen Allegorien und Erklärungen beschreibt, wird im Film nur angedeutet – insofern kann man das Buch weder als Interpretation des Kinoklassikers sehen, noch den Film als Umsetzung des Romans. Beide sollten in ihrem jeweiligen Medium als Interpretation desselben Themas gesehen werden. Dass der Roman also "zuviel erklärt", wie manche Fans ihm vorwerfen, ist so schlichtweg nicht haltbar.
Die Geschichte entfaltet sich dabei ebenso flott wie mysteriös, obgleich die drei Sprünge innerhalb der Story einfacher zu verstehen wären, wären sie jeweils mit einer genauen Zeitangabe versehen. Hat man also verstanden, was der Monolith bei den Urbewohnern der afrikanischen Savanne bewirkt hat, vermutet man einen ähnlichen Effekt bei seiner Entdeckung auf dem Mond – herauszufinden, wofür dieses außerirdische Artefakt aber eigentlich gedacht ist, und von wem er denn überhaupt dort platziert wurde, macht den Reiz jener Odyssee aus.
Versehen ist dies bei Clarke wie schon im Buch mit einer Vielzahl an technischen Prophezeiungen, die vor vierzig Jahren noch sehr futuristisch erschienen, bis heute aber leider auch noch nicht so eingetroffen sind. Die Fortschritte, insbesondere bei der Entwicklung künstlicher Intelligenzen, sind eben noch so groß gewesen, wie damals erhofft, und auch die fortschreitende Kolonisierung des Mondes scheint momentan nicht in greifbare Nähe gerückt worden zu sein. Und doch sind (die monetären Grundlagen außer Acht gelassen) viele Dinge, die in 2001 beschrieben werden heute an sich möglich.
Viel wichtiger ist jedoch, wie der philosophische Ansatz der Geschichte ausgebaut wird, die sich hier einerseits auf die Konflikte der künstlichen Intelligenz HAL und andererseits auf die Frage des Menschen beziehen, ob wir allein im Universum sind, oder nicht. Und wenn nicht, weswegen wir von den anderen Bewohnern dieses Universums noch nichts gesehen haben. Hier bringt Clarke viele neue Aspekte ein, spinnt die Geschichte der Evolution viel weiter, als sich das die Menschen mit ihrer kurzen Daseinsform erlauben könnten und zeigt auf, wohin die Reise am Ende gehen könnte. Der Übergang zwischen Science Fiction und der Philosophie selbst vollzieht sich hier aber fließend.

Die Charaktere scheinen dabei im ersten Moment nicht so wichtig zu sein, wie die Reise selbst, das Lange warten auf eine neue Erfahrung, die dem überlebenden Astronauten Dave Bowman beim Finale bevorsteht.
Dabei durchlebt der Einzelgänger im Schnelldurchlauf sämtliche Erfahrungen eines normalen Menschen während seines Lebens. Vom Gefühl, einen Sinn und Zweck zu erfüllen, einem friedlichen Leben nach dieser Situation mit einer Familie, von Stolz und Glück, Verzweiflung und Angst, bis er sein Schicksal akzeptiert, unabhängig seines Ausgangs. Schade nur, dass sich diese Wandlung im letzten Drittel des Romans abspielt. Bis dahin scheint der menschliche Faktor bei der Reise zu den Sternen keinen großen Stellenwert einzunehmen.

Die Dramaturgie selbst ist zwar nicht so schleppend geraten wie bei Kubricks filmischer Umsetzung desselben Stoffes, doch vermag das erste und zweite Drittel des Buches mehr zu überzeugen und zu fesseln, als das letzte. Nicht nur, dass man sich jener neuen Situation und der Bedrohung der Menschen durch die Maschine HAL zum ersten Mal konfrontiert sieht, man in jener Metapher mit ansehen muss, wie hilflos wir ohne die Hilfe der von uns erschaffenen Maschinen sind. Auch die Begeisterung der Astronauten für die Mission überträgt sich auf den Leser. Ein wenig stört lediglich der Stil Arthur C. Clarkes, manche Wendungen schon vorweg zu nehmen, wenn er irgendwelche Ereignisse im letzten Satz eines Kapitels ankündigt. Dies vermittelt den Eindruck, als wäre der Roman von einer dritten Person erzählt, der der Ausgang bereits bekannt sei – und dies nimmt die Spannung aus der Schilderung.
Das Finale selbst, so visuell imposant es im Film geraten ist, überrascht den Leser mit einem ganz anderen Ausgang, als man erwartet hätte und verschiebt den Schwerpunkt des Buches von einer Reise zu den Sternen hin zu einer Reise in die Zukunft des menschlichen Bewusstseins. Dies ist zwar anspruchsvoll und durch die astronomischen Beschreibungen mehr als nur faszinierend, doch die Verwunderung, das Staunen des Lesers, verfliegt wie es der Autor selbst beschreibt nach einigen dieser "Wunder, die der Mensch zum ersten Mal zu sehen bekommt". An Stelle des Staunens tritt eine Passivität, die gerade zum Ende hin an Anteilnahmslosigkeit grenzt, weil sie schlicht zu unglaublich ist.

Sprachlich bleibt 2001: Odyssee im Weltraum immer gut verständlich, wenn auch auf Grund der vielen Fachbegriffe für Kenner des Genres flüssiger lesbar. Es überrascht, wie viel Zeit sich der Roman bei Beschreibungen und Erklärungen lässt, die im Film als selbstverständlich vorausgesetzt werden, und wie schnell sich manche Szenarien gestalten, die im Film viel mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Dass auch die berühmte Szene des Films, in der HAL die Lippen seiner menschlichen Begleiter liest, nicht enthalten ist, ist tragisch – gerade eine solche Beschreibung aus der Sicht des Supercomputers wäre interessant gewesen.
Was nach den knapp 300 Seiten übrig bleibt ist ein faszinierender Einblick eines zeitlosen Science Fiction-Abenteuers, das nach 40 Jahren nichts von seinem Anspruch verloren hat. Die Menschheit wartet nach wie vor auf die Lebenszeichen eines außerirdischen Volkes – hätten Kubrick und Clarke Recht, gibt es eine gute Erklärung, weswegen wir nach wie vor warten.


Fazit:
Ich gebe offen zu, ich habe Stanley Kubricks 2001 nicht bis zuletzt verstanden – und auch mit den Erkenntnissen aus Clarkes Roman hätte ich so nicht gerechnet. Dafür waren die Bilder im Film schlicht zu abstrakt. Erfreulicherweise drückt sich der Autor insbesondere beim Finale sehr, sehr deutlich aus und vermittelt überaus anschaulich, wohin die Reise des Menschen gehen kann.
Bis dahin verbirgt sich hinter den philosophischen Fragen und dem nach wie vor Genre prägenden Monolith ein faszinierendes Science Fiction-Konzept, das durch die Zeitlosigkeit der Geschichte fesselt. Die Fragen, die vor 40 Jahren aufgeworfen wurden, sind heute so aktuell wie damals und können von den Spezialisten nach wie vor nur mit einem "vielleicht" beantwortet werden.
Eben die astronomischen Erklärungen, Clarkes Vermutungen über die technischen Errungenschaften von 35 Jahren der damaligen Zukunft, bieten für Genrekenner interessante Einblicke und sind weit weg von den Anfängen der populären Science Fiction und viel "wirklicher"; als Clarkes Autorenkollegen damals wagten. Und doch ist es der philosophische Ansatz, der nach den 300 Seiten hängen bleibt. Der Übergang der verschiedenen Storyelemente vollzieht sich fließend, bietet dabei erwachsene Weltraumabenteuer für diejenigen Leser, die nachdenken wollen und bleibt aber eben das schuldig, worauf man sich als Leser am meisten gefreut hätte.
Statt nur zu zeigen, wie die Menschen heute sind, und wozu wir womöglich in der Lage wären, hätte es eher gefesselt, verschiedene Zwischenstufen zu sehen – doch die enthält der Autor leider vor. Wer also 2001: Odyssee im Weltraum bislang nie richtig verstanden hat, sollte sich den Literaturklassiker nicht entgehen lassen. Für Science Fiction-Fans bietet das Werk auch heute noch faszinierende Erkenntnisse und Überraschungsmomente. Doch auch wenn es nicht so elegisch ausfällt wie der Kinoklassiker, die Spannung zieht der Roman aus der Geschichte, nicht aus der Erzählung derselben. Wer also mit dem Thema nicht viel anfangen kann, wird dem Roman nicht mehr abgewinnen können, als dem Film.


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