
Special-Kategorie: Diverses | von Jens Adrian | Hinzugefügt am 15. November 2009
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Technische Details
Erfahrungsbericht
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Einführung:

Dem setzte Sony den gerade verfügbar gewordenen Reader Touch Edition entgegen. Das Modell neuer Generation gegenüber dem bereits etablierten PRS-505 verfügt unter anderem über eine Bedienung per Berührung – immerhin ist der "Touchscreen" bereits im Namen enthalten – und wartet auch sonst mit einigen Neuerungen und Verbesserungen auf.
Doch wo immer Licht ist, ist bekanntermaßen auch Schatten, wobei das Wortspiel beim Reader Touch Edition, der die interne Versionsnummer PRS-600 trägt, leider nicht wörtlich zu verstehen ist. Auch stellt sich angesichts der Verfügbarkeit beider Geräte aus dem Hause Sony die Frage, ob man denn nun eher zum bewährten PRS-505 oder zum Reader Touch Edition greifen sollte. Die Antwort hierauf fällt überraschenderweise nicht ganz leicht.
Wir hatten die Möglichkeit, den weiter entwickelten, elektronischen Bücherboten intensiv unter die Lupe zu nehmen und schildern später unsere Eindrücke. Allein vom Aussehen her dürfte das neue Gerät aber viele Blicke auf sich ziehen.
Technische Details:
Auch beim Reader Touch Edition kann man für die einfache Verwendung auf Installation der mitgelieferten Bibliothekssoftware verzichten. Unter aktuellen Betriebssystemen wird der Reader als Massenspeicher erkannt und schnell eingebunden. Die Ordnerstruktur auf dem geräteinternen Speicher ist einfach gehalten, so dass man mühelos seine Dateien richtig einsortieren kann. Erneut werden auch die zwei integrierten Slots für die SD/HC-Karten und den Memory Stick Pro Duo eingebunden. Mitgeliefert werden zwar keine Karten, im Handel finden sich jedoch Pakete, die mitunter auch eine solche Speichererweiterung beinhalten.
Verbunden wird das Gerät erneut über das mitgelieferte, abgeschirmte USB-Kabel mit dem PC, das gleichzeitig dazu dient, den Akku aufzuladen. Binnen weniger Stunden ist das Gerät damit voll beladen und einsatzbereit. Ist der eBook Reader an den PC angeschossen, steht er zum Lesen nicht zur Verfügung. Das Display zeigt an, dass der Akku geladen wird, man kann unterdessen aber keine weiteren Funktionen nutzen. Zudem fehlt leider eine Füllstandanzeige des Akkus während des Ladevorgangs. Ob eine Akkuladung in der Tat für zweiwöchiges Lesen ausreicht, sei aber dahingestellt. Vielmehr schrumpfte bereits nach knapp 200 Seiten Buch die Füllstandanzeige auf die Hälfte, was jedoch auch an einer ungenauen Angabe der Akkulaufzeit liegen kann. Da der Touchscreen des Readers aber verständlicherweise auch Strom benötigt und der merklich höheren Arbeitsgeschwindigkeit des eBook Readers sicherlich irgendwie Tribut gezollt werden muss, ist die Herstellerangabe eher als grobe Richtlinie zu sehen.
Wie gehabt werden Formate wie ePub, BBeB Book und PDF sowohl in kopiergeschütztem, wie ungeschütztem Zustand unterstützt. Außerdem verfügt der Reader Touch Edition über die Möglichkeit, TXT und RTF-Dateien zu lesen. Obwohl die Unterstützung für DOC-Dateien beworben wird, klappte dies im Test mit Microsoft Word-Dateien nicht. Ebenfalls außen vor bleiben erneut die OpenSource-Standards, die nicht angezeigt werden können.

Bilddarstellung wird sowohl im JPEG, GIF, PNG und BMP-Format unterstützt. Immerhin brachten animierte Bilddateien den Reader nicht mehr zum Absturz.
Auch der Reader Touch Edition arbeitet mit MontaVista Linux Professional Edition als internem Betriebssystem.
Highlight der überarbeiteten Ausgabe des elektronischen Buches ist allerdings der Touchscreen, der seit Erscheinen des Apple iPhones nicht nur in zahlreichen Geräten, sondern auch im heimischen Wohnzimmer Einzug gehalten hat, und dem dank Gestenerkennung und Multitouch allerlei zugetraut wird. Multitouch unterstützt der PRS-600 aber nicht. Nach der Inbetriebnahme sollte die berührungsempfindliche Oberfläche mittels mitgeliefertem Stift kalibriert werden. Ist dies einmal geschehen, lässt sich der Reader Touch Edition aber mühelos auch mit größeren Händen bedienen. Die Menüs wurden hierfür speziell angepasst und präsentieren sich unabhängig vom eingestellten Grad der Schriftgröße groß und gut lesbar, sind durch die feste Schriftgröße aber nicht "barrierefrei". Abgesehen vom Umblättern bei den Seiten benötigt man den Touchscreen bei den verschiedenen Einstellungsmenüs – zugänglich sind diese aber ausschließlich über die unterhalb des Schirms angebrachten Tasten. Eine Touchgeste zum Menüzugang gibt es unverständlicherweise nicht.
Wer Bedienung per Berührung von Navigationsgeräten, speziellen PCs oder aber Mobilfunkgeräten gewohnt ist, wird sich ein wenig umstellen müssen. Der Reader reagiert nur auf spürbare Bewegungen, man muss darum mit etwas mehr Druck arbeiten.
Während wie beim PRS-505 die Möglichkeit besteht, das Gerät über einen Code komplett zu sperren, fehlt hier einmal mehr eine einfach einzurastende Tastensperre, die in dem Fall auch für den Touchscreen hätte gelten können. Eine solche Funktion ist aber leider nicht vorgesehen.
Auch beim Reader Touch Edition werden die Texte über das Elektronische Papier dargestellt. Im Unterschied zum Vorgänger erfolgt der Seitenwechsel aber merklich schneller und dauert nur noch zwischen einer und eineinhalb Sekunden.
Erfahrungsbericht:
Die Optik ist es, die am Reader Touch Edition als erstes überrascht. Das Design des PRS-505 mit den nicht scharfen Kanten und den abgerundeten Seiten ist einem schlichteren, sportlichen Outfit gewichen, das von der Aufmachung her in etwa an einen übergroßen iPod erinnert. Die Haptik ist dabei ausgesprochen natürlich und wirkt deshalb etwas schneller zugänglich. An der rechten, oberen Seite ist der für die Kalibrierung des Touchscreens notwendige Stift integriert, der sich leicht herausheben lässt, im eingerasteten Zustand aber fest sitzt. Mit seiner Spitze lässt sich auch der am unteren Geräterand befindliche Resetschalter bedienen – eine sinnvolle Neuerung.


Die Bilddarstellung funktioniert so gut oder schlecht, wie beim PRS-505, auch wenn der Aufbau schneller erscheint. Gerade dunkle Bilder, und dazu zählt auch eine Vielzahl an Buchcovern, sind aber schlecht erkennbar.
Was überrascht ist das Fehlen des überaus chicen Ledereinbandes, das den ersten eBook Reader von Sony zierte. Dieser kann für 45,01 € zusätzlich erworben werden. Die mitgelieferte Neoprenhülle beim PRS-600 wirkt zwar sportlicher und beabsichtigt hipper, dabei aber weit weniger edel und schließlich schützt sie das hochwertige Gerät nicht so gut gegen äußere Einflüsse.
Aber nicht nur in der Packung des Readers, auch unter der Haube hat sich beim Reader Touch Edition einiges getan. So dauert der Start nur noch 25 Sekunden und auch die Zeit zum Herunterfahren wurde auf fünf Sekunden verkürzt. Ist das Gerät erst einmal mit Strom und Büchern betankt worden, kann man sich daran machen, die modernisierte Systemoberfläche unter die Lupe zu nehmen. Lesezeichen finden sich fortan unter dem Menüpunkt Notizen, wo außerdem Text-Memos und Handschriftzeichnungen abgelegt werden. Beides kann ab sofort während des Lesens im Text eingefügt werden und ist dank der Touchoberfläche gut gelungen. Die Zeichnungen erscheinen zwar mit einer geringeren Verzögerung auf dem Display, werden aber akkurat wiedergegeben. Memos können mittels einer eingeblendeten QWERTZ-Tastatur eingegeben werden, die sich erstaunlich gut auch mit größeren Händen bedienen lässt. Selbst nach einem forcierten Neustart blieben die Notizen erhalten, eine klare Verbesserung zum PRS-505, der nach einem Absturz sämtliche Einträge verloren hatte. Zudem ist es nun möglich, Textpassagen zu markieren und sich die Markierungen später im Notizbereich erneut anzeigen zu lassen. Für das Verwalten von Sachbüchern sicher eine Erleichterung. Weswegen aber die Verwaltung der Notizen so schwer gemacht wird, verstehe wer will. So lassen sich diese zwar wieder "ausradieren", aber nicht in der Notizübersicht bequem löschen. Ebenso die erstellten Zeichnungen, die man eine nach der anderen nach Aufrufen über die Optionen löschen kann, aber nicht alle zusammen.
Für Buchsammlungen und Sachwerke scheint auch die neu eingeführte Suche sinnvoll. So ist es nun möglich, innerhalb eines Dokumentes nach einem bestimmten Text zu suchen. Eine dokumentenübergreifende Suche gibt es jedoch nicht. Die Buchübersicht kann man außerdem nach Buchtiteln durchforsten lassen, was für Vielleser mit einer Vielzahl an Büchern hilfreich sein dürfte. Zudem besteht die Möglichkeit, die Buchübersicht unterschiedlich sortieren zu lassen: nach Titel, Autor oder Datum. Klickt man ein Buch an, wird selbiges sofort geöffnet, eine Übersicht über mögliche Aktionen wie Inhaltsverzeichnis, Verlauf oder Informationen zum Dokument, wie sie beim PRS-505 angezeigt wurde, gibt es nicht mehr. Diese kann man bei der Anzeige des Dokuments über die Options-Taste einblenden. So gelangt der Leser immerhin schneller zum Text. Wie gehabt gibt es die Möglichkeit, die Bücher direkt von der Geräteoberfläche aus und ohne PC zu löschen. Außerdem lässt sich die Textausrichtung von vertikal wieder auf horizontal stellen, um eine breitere Anzeige zu ermöglichen. Seltsamerweise wurde bei den getesteten eBooks die Textgröße hier automatisch angehoben, obgleich sich der Zoom-Faktor nicht erhöht hatte. Dies hat somit in der Queransicht zur Folge, dass man bedeutend öfter umblättern muss.
Allgemein stehen nun von S bis XXL fünf Schriftgrößen zur Verfügung, zwischen denen man wählen kann. Die Umschaltung erfolgt auch bei längeren Texten merklich schneller als noch beim PRS-505. Zum schnellen Umblättern gibt es nun die Möglichkeit, entweder direkt die Seitenzahl einzugeben, oder aber mittels eines Schiebereglers im Dokument zu scrollen. Über eine Geste des Touchscreens ist es leider nicht möglich, schneller zu blättern, oder größere Sprünge zu machen. Man kann allerdings durch Drücken und Halten der Blättertaste unterhalb des Displays schneller blättern.

Als unangenehmen Nebeneffekt ermüdet das Lesen mit dem Reader Touch Edition gerade in beleuchteten Umgebungen schnell. Dies war beim Vorgänger nicht der Fall. Eine Möglichkeit, das Display besser lesbar zu gestalten, wäre entweder ein entspiegeltes Display, oder aber zumindest eine Entspiegelungsfolie, die sowohl für Navigationsgeräte, als auch für spiegelnde Bildschirme angeboten wird. Richtig angebracht, würde diese auch die Touchoberfläche nicht beeinträchtigen.
Wie man bei der Produktentwicklung auf diesen offensichtlichen und äußerst störenden Mangel nicht eingehen und diesen vor Produktionsreife beheben konnte, ist schleierhaft. So macht das Lesen mit dem PRS-600 aber sichtlich weniger Spaß und bleibt deutlich anstrengender als noch beim PRS-505.
Insofern verblassen buchstäblich das intuitive Bedienkonzept, die gute Haptik und die sinnvollen Neuerungen im Gegensatz zum Vorgänger. Woran der Reader Touch Edition leidet, ist das ungünstige Display, das bei weitem nicht so angenehm ist, wie beim PRS-505. Eine Kaufempfehlung auszusprechen oder aber eindeutig festzulegen, ob sich nun die letzte oder die aktuelle Generation für den täglichen Einsatz besser eignet, fällt schwer. Interessenten sollten sich beide Versionen im Vergleich ansehen und anschließend entscheiden. Denn wer viele Bücher mit sich tragen muss, hat mit beiden Readern eine alltagstaugliche Erleichterung im Gepäck.
Nur war ohne Zweifel die Begeisterung angesichts des Vorgängers größer als beim Reader Touch Edition, dessen gelungene Überarbeitungen das digitale Lesegerät an sich bedeutend alltagstauglicher machen. Angesichts der störend spiegelnden und kontrastarmen Textdarstellung, werden die Weiterentwicklungen jedoch gewissermaßen abgewertet. Vielleicht legt Sony hier mit einem Ausbau an Zubehör, das zumindest die Mängel beim Display behebt, in absehbarer Zeit nach. Das wäre insofern wünschenswert, als dass dann die Entscheidung zwischen dem ersten massentauglichen eBook Reader und dem PRS-600 deutlich leichter fallen würde.

Links:
Offizielle Seite des Sony Reader Touch Edition (eBook Reader PRS-600)
E-Books und Reader Touch Edition bei Thalia
Project Guttenberg – kostenlose E-Books
Wir danken für die Bilder und die Bereitstellung des Testmusters Sony Deutschland und der haeberlein & mauerer ag.