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Unterstuetzt von Teufel
Men in Black II [2002]

 
Genre: Science Fiction / Komödie

Originaltitel: Men in Black II
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12

Regie: Barry Sonnenfeld
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Tommy Lee Jones, Will Smith, Rip Torn, Lara Flynn Boyle


Kurzinhalt:
Fünf Jahre sind vergangen, seit Agent Jay (Will Smith) seinen älteren Partner Kay (Tommy Lee Jones) "geblitzdingste", als dieser wieder ein normales Leben führen wollte. In der Zwischenzeit ist viel passiert, Kays Ehe ist auseinander gegangen, Jay fühlt sich in seinem Job allein und verheizt einen Partner nach dem anderen. Da gibt ihm sein Vorgesetzter Zed den Auftrag, Kay ins MIB-Hauptquartier zu bringen, weil ein grausames Alien names Serleena (Lara Flynn Boyle) auf der Erde gelandet ist, um einen Gegenstand wieder zu beschaffen, der vor 25 Jahren auf der Erde gelassen wurde – und nur Kay weiß, wo er ist. Schlimmer noch, die Erde würde um Mitternacht zerstört, sollte der Gegenstand sich dann noch auf dem Planeten befinden.
Ach ja: die Men in Black sind eine geheime Agenten-Organisation, die die Bewegungen von außerirdischem Leben auf der Erde überwacht und lenkt – und das so, dass wir nichts davon mitbekommen.


Kritik:
Men in Black [1997] kostete satte 90 Millionen Dollar und spielte in den USA über 150 Millionen wieder ein. Men in Black II kostete 5 Jahre später 97 Millionen Dollar und spielte in den ersten beiden Wochen immerhin 136 Millionen Dollar ein. Ob er das Einspielergebnis des ersten Teils jedoch toppen kann, ist mehr als fraglich – und nicht wünschenswert.

Als Zuschauer fragt man sich zunächst: 97 Millionen Dollar und 88 Minuten Spielzeit? Das scheint in der Tat in keinem Verhältnis zueinander zu stehen und abgesehen von den beiden Hauptdarstellern war anscheinend auch nicht viel Geld für den restlichen Film übrig.

Nachdem ich Men in Black vor fünf Jahren im Kino gesehen hatte, teilte ich die Euphorie nicht ganz, die überall vorherrschte. Es ist meiner Meinung nach ein intelligenter, charmanter und origineller Science-Fiction Film mit einem hohen Spaßfaktor und einem ungeheueren Unterhaltungswert. Kultcharakter besitzt er auch, allerdings wurde ich damals das Gefühl nicht los, dass den Machern die Ideen ausgegangen sind, sonst hätte der Film gut 20 Minuten länger sein können.

Men in Black II war für mich jedoch eine einzige Enttäuschung. Nicht nur, dass die Handlung frappierend an die des ersten Teil erinnert, sie ist großteils gleich gestrickt. Alle Locations werden doppelt verbraten und bis auf Hin- und Herfahren, viel Gerede und wenig Handlung, bleibt auch nichts übrig. Die Spezialeffekte wurden geradezu inflationär eingesetzt und dabei sind sie meistens nicht mal gut.
Sei es der riesige Wurm in den U-Bahn-Tunneln, ein Außerirdischer mit zwei Köpfen oder eine Bösewichtin, die sich in Größe und Gestalt in so ziemlich alles verwandeln kann – man sieht in jeder Szene, dass es ein Effekt ist. Von den peinlichen Blue- oder Greenscreens während den Autofahrten ganz abgesehen.

Es scheint, als hätten die Autoren (sofern es welche gab) alle guten Ideen aus dem ersten Teil genommen und sie im zweiten einfach nur in Massen präsentiert, allgemein werden alle Witze so oft ausgewalzt, dass es schlicht und ergreifend nicht mehr witzig ist:
Da ist Frank, der sprechende Hund, der zweifelsohne ein paar witzige Sprüche hat, aber an dem Witz ansich – einem sprechenden Hund – ändert es nichts, wenn er immer wieder Szenen bekommt, nur, damit der Zuschauer versucht ist, zu lachen.
Das vielgerühmte "Blitzdingsen", mit dem die Men in Black die Erinnerung bis zu einem vordefinierten Zeitpunkt auslöschen und neue "einreden" können, wurde im ersten Teil spärlich eingesetzt – jetzt, in Teil 2 wird an jeder Ecke geblitzdingst, da kommen Würmer aus der Kanalisation, Raumschiffe fliegen durch New York – und am Ende wird eben eine ganze Stadt geblitzdingst. Hier mal schnell, dort noch einer – an dem Witz an sich, dass einem Menschen die Erinnerung genommen und eine neue eingegeben wird, ändert sich nichts, es wird einfach ein Duzend Mal wiederholt.
Andere Szene, andere Personen, gleicher Witz.

Ebenso die ansich amüsante Idee mit dem Fahrer (Autopilot) des neuen Mercedes-Autos, der in das Lenkrad eingesogen wird. Beim ersten Mal ist das noch witzig, wenn es aber 4 Mal passiert, verliert man die Lust daran.
Vor allem sind die Gags manchmal so in mittelmäßige Action-Szenen eingebaut, dass sämtliche Dynamik aus der Szene genommen wird, als müsse die Action anhalten, damit ein Witz präsentiert werden kann.

Allgemein scheint es, als hätten alle Beteiligten keine große Lust gehabt: Tommy Lee Jones hat ein paar nette Szenen und zwei gute Sprüche, aber er wirkt so agil wie ein Dinosaurierskelett. Will Smith hat ebenfalls eine handvoll gute Witze, wirkt mit jeder verstrichenen Minute im Film aber lustloser und gelangweilter. Von der einstigen Coolness, die beide im ersten Teil besessen haben, ist leider nicht mehr viel übrig geblieben.

Ebenso verhält es sich mit der Musik von Danny Elfman], der ein interessantes und witziges Thema geschrieben hat, das sich an dem vom ersten Teil orientiert. Er wiederholt selbiges immer wieder, ohne etwas Neues einzustreuen.

Wieso der Film mit geradezu peinlichen und erbärmlichen Szenen gefüllt werden musste, verstehe wer will: da ist am Anfang ein heulender Agent, der nicht nur schlecht spielt, sondern in keiner Sekunde lustig ist, dann kommt Zeds (Rip Torn) große Stunde, als er in Matrix-Manier Serleena bekämpfen will oder die Würmer, die als Rambos verkleidet ängstlicher als Hasen sind.
All das wirkt so überflüssig und vor allem, als wäre es nur eingebaut worden, damit der Film wenigstens mehr als 80 Minuten Lauflänge hat.

Auch die Inszenierung von Barry Sonnenfeld, der ja immerhin schon den Teil 1 und die ersten beiden amüsanten Addams Family [1991, 1993]-Filme zum Erfolg geführt hat, kann nicht überzeugen: die Actionszenen an sich sind allesamt lustlos fotografiert und schlecht geschnitten, nicht nur, dass man keine Übersicht hat, man kommt sich immer nur als Zuschauer vor, man ist nicht Teil des Geschehens; vermutlich, weil einem die Charaktere und die Handlung auch völlig egal sind, beziehungsweise nicht vorhanden.

Die Ungereimtheiten der Story helfen dem ganzen Rest nicht wirklich weiter: Serleena fliegt im Vorspann von Planet zu Planet und zerstört diese mit einem einzigen Schuss aus ihrem Raumschiff – wozu braucht sie dann diesen Gegenstand, der auf der Erde versteckt ist? Und was bewirkt dieser Gegenstand eigentlicht, wieso ist immer von einer Halskette die Rede, dann ist es auf einmal eine Person?

Wieso wurde Linda Fiorentino, die am Ende des ersten Teils ein MIB-Agent wurde, nicht wieder eingebaut? Dieser Charakter hätte deutlich mehr Potential besessen, als diese völlig verkorkste Grundidee mit Serleena (obwohl Lara Flynn Boyle durchaus ansprechend ist) und diesem sagenumwobenen Gegenstand, den sie sucht.

Ein zweiter Men in Black-Film wäre eigentlich keine schlechte Idee und bietet viel Potential – diese Fortsetzung jedoch war ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte.
Die Witze sind entweder nur mäßig unterhaltsam, oder aber aus dem ersten Teil bekannt, die Charaktere bekommen keinen Hintergrund (statt Kay mit familiären Problemen kämpfen zu lassen, ist er einfach von Anfang an allein, ist ja auch einfacher, als einen richtigen Hintergrund für den Charakter zu entwickeln), die Spezialeffekte überzeugen meist nicht, sondern sind eindeutig als Effekt erkennbar, und nicht zuletzt wirkt der Film wie eine 85minütige Trailershow – mit dem Unterschied, dass der Trailer vor dem Film (James Bond – Stirb an einem anderen Tag) besser war als der Hauptfilm, und der Trailer zu Men in Black II schon die besten Szenen gezeigt hatte.

Völlig lustlos, völlig verschenkt, als der Abspann lief habe ich mir gewünscht, auch geblitzdingst zu werden, damit ich wenigstens die gute Erinnerung an den ersten Teil behalten könnte, denn die zieht der Film auch noch in den Dreck.

Traurig aber wahr, ich habe schon schlechtere Filme gesehen, allerdings kaum welche, die dermaßen gehypt waren und die einen so großen PR-Wirbel gemacht haben.
Ich kann nur hoffen, dass es sich die Produzenten überlegen und einen dritten Teil erst beginnen, wenn ein richtiges Drehbuch vorliegt, das zum zweiten Teil wirkte wie ein Rohentwurf. Oder aber, sie lassen es endlich bleiben. Wie viele Fortsetzungen waren wirklich besser als das Original?


Fazit:
Men in Black II reiht sich in die traurige Gesellschaft völlig überflüssiger Fortsetzungen (und allgemein: Filme) ein. Es ist kaum zu glauben, aber Wild Wild West [1999] war teilweise unterhaltsamer und schon jener Film war alles andere als gut.
Seine Fans wird der Film sicherlich finden, ich rate dennoch von einem Kinobesuch ab: wer den Film unbedingt sehen möchte, sollte auf die Videoveröffentlichung warten und sich in der Zwischenzeit den ersten Teil nochmals ansehen. Streckenweise ist der zweite Teil sowieso nur eine Kopie, aber Teil 1 bietet um ein Vielfaches mehr an Unterhaltung und ist schon handwerklich um Längen besser.

Wertung:

(2 von 6 Punkten)

JA

[Hinzugefügt am 19.07.2002]


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