Jack Ryan: Staffel 4 [2023]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Januar 2024
Genre: Thriller

Originaltitel: Jack Ryan: Season 4
Laufzeit: 339 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2023
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Lukas Ettlin, Jann Turner, Shana Stein
Musik: Ramin Djawadi
Besetzung: John Krasinski, Wendell Pierce, Betty Gabriel, Michael Kelly, Michael Peña, Abbie Cornish, Louis Ozawa Changchien, Okieriete Onaodowan, Michael McElhatton, Jacelyn Parry, Ryn Greenwell, Zuleikha Robinson, Derek Cecil, John Schwab, David Bedella, Jim Lau, Nancy Lenehan


Kurzinhalt:

Elizabeth Wright (Betty Gabriel) muss sich noch einer Befragung des Senatskomitees stellen, ehe sie den Posten als neue Leiterin der CIA übernehmend darf. Nach den jüngsten Entwicklungen liegt ein großer Druck auf der Integrität der Behörde, der nur größer wird, als der nigerianische Präsident bei einem Attentat ums Leben kommt und nicht ausgeschlossen werden kann, dass hierfür eine geheime CIA-Operation verantwortlich ist. Als Wrights Stellvertreter macht sich Dr. Jack Ryan (John Krasinski) mit James Greer (Wendell Pierce) daran, die Geheimoperationen der Agency unter die Lupe zu nehmen. Was sie entdecken, ist ein kaum zu durchschauendes Netzwerk, das zu den mexikanischen Kartells und den asiatischen Triaden führt. Nachdem in Mexiko Domingo Chavez (Michael Peña) den Weg für ein Monopol des Marquez-Kartells und den Drogenhandel freigemacht hat, plant Chao Fah (Louis Ozawa Changchien) in Myanmar, Drogen in Zusammenarbeit mit dem Marquez-Kartell in die USA zu liefern. Doch dann entdeckt Jack, der inzwischen wieder mit der Ärztin Dr. Cathy Mueller (Abbie Cornish) zusammengekommen ist, Hinweise darauf, dass eine größere Gefahr als Drogen an der US-amerikanischen Südgrenze drohen. Er bittet Mike November (Michael Kelly) um Hilfe und ahnt nicht, wie weit die Verstrickungen reichen – und wie wenig Zeit ihnen bleibt, eine Katastrophe zu verhindern …


Kritik:
In den letzten 10 Minuten der nur sechs Episoden umfassenden, finalen Staffel lässt die Thriller-Serie Jack Ryan endlich durchblitzen, welches Potential tatsächlich in ihr steckt. Dass sie nicht mehr fortgeführt werden soll, ist in Anbetracht dessen durchaus bedauerlich. Auch, weil die Besetzung für Vieles entschädigt. Doch würde man sich auch bei Staffel 4 wünschen, dass wie die durchaus interessante Geschichte erzählt wird, packender wäre, als das, was man in den durchaus verwirrenden sechs Episoden präsentiert bekommt.

Inhaltlich schließen die Geschehnisse dicht an die Ereignisse der erschreckend aktuellen dritten Staffel an. Das Vertrauen des amerikanischen Volkes in die CIA ist erschüttert. Elizabeth Wright soll als neue Leiterin berufen werden und muss hierfür intensive Anhörungen im Senat über sich ergehen lassen. Als der nigerianische Präsident ermordet wird und eine Beteiligung der US-amerikanischen Behörden nicht ausgeschlossen werden kann, gräbt Jack Ryan als Wrights Vertreter tief in den Unterlagen zu früheren Geheimoperationen. Was er findet, ist so undurchsichtig wie gefährlich und seine Entscheidung, den Beteiligten den Geldhahn zuzudrehen, hat zur Folge, dass ein seit langem vorbereiteter Plan nur beschleunigt wird. Denn nachdem in Mexiko ein Kartell das Monopol über den Drogenhandel in die USA an sich gerissen hat, bemüht sich Chao Fah, Vertreter der asiatischen Triaden, darum, die Handelsrouten der Kartelle für die Zwecke der Triaden zu nutzen. Doch es geht dabei nicht allein um Drogen. Was in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt werden soll, ist viel, viel gefährlicher.

Worum es sich dabei handelt, gilt es, in Jack Ryan: Staffel 4 herauszufinden und die schiere Idee, ein weltweit umspannendes Verbrechersyndikat zu etablieren, das die Vernetzung von Triade und Kartellen vereint, um was auch immer zu schmuggeln, ist durchaus beunruhigend. Umso mehr, da offenbar bereits unter der Vorgängerführung der CIA Verbindungen zu alledem bestanden. Doch so kompakt die Ausgangslage hier klingt, so weitläufig wird sie in den fünfeinhalb Stunden präsentiert. Dabei mutet die Geschichte nur im ersten Moment komplex an, denn was sie so schwer zugänglich macht, ist nicht nur die Tatsache, dass die Zusammenhänge zwischen Kartell, Triade, Lobbyisten, Attentäter und verdeckten Ermittlern so spät hergestellt werden, dass man die Staffel im Grunde zweimal ansehen müsste, um sie zu verstehen. Doch versteht es das Drehbuch nicht, die Verknüpfungen auf eine Art und Weise herzustellen, dass man dem Geschehen verständnisvoll folgen könnte. So springt die Erzählung in den ersten Episoden buchstäblich im Minutentakt von Myanmar nach Mexiko in die USA bzw. Kroatien und dies stets in einer Art und Weise, dass man keinen Überblick behält, wie viel Zeit vergangen sein soll.

Bereits früh wird eine Bedrohung vorgestellt, die immer dichter rücken soll, doch wie viel (oder wenig) Zeit Jack und James Greer bleibt, wird nie deutlich. Dafür reisen sie von A nach B, um sich dort zu drängender Musik mit anderen Figuren zu unterhalten. Hinzu kommt eine Nebenhandlung um Dr. Cathy Mueller, Jacks Freundin aus der ersten Staffel, die hier erneut auftritt und in den letzten Episoden auch inhaltlich stärker eingebunden wird. Nur ist sie tatsächlich für die Geschichte nicht wirklich notwendig und reagiert sie allzeit gefasst, ob auf schlechte Neuigkeiten oder eine lebensbedrohende Situation, dann kann man nicht umhin, sich zu fragen, ob Darstellerin Abbie Cornish die Unterforderung in ihrer Rolle ebenso gestört hat wie das Publikum. Dafür stellt Staffel 4 mit Domingo Chavez einen aus Tom Clancys Romanvorlagen bekannten, ehemaligen Navy SEAL und CIA-Agenten vor, dem ebenfalls nichts und niemand etwas anhaben kann. Bis er seine Fähigkeiten tatsächlich unter Beweis stellen darf, vergeht allerdings viel Zeit. Dafür fiebert das Publikum richtigerweise mit Jack Ryan mit, dessen späteres Schicksal im Teaser der ersten Folge der Staffel bereits angekündigt wird, ehe die Erzählung zeitlich zurückspringt. Was folgt, erinnert wie die Geschichte ebenfalls, an die Thriller-Serie 24 [2001-2010], der es jedoch wenigstens in den ersten Seasons besser gelungen ist, die komplexen Zusammenhänge der Geschichten aufzubereiten und tatsächlich verletzliche Figuren zu präsentieren.

Ist es am Ende an Jack zusammen mit James Greer und dem erneut auftretenden Mike November, den Tag zu retten, wurden diese zuvor mit einem Messer niedergestochen, angeschossen und auf grausame Weise gefoltert, um nur Minuten später unbehelligt und ohne auch nur zu humpeln durch die Szenerie zu rennen. Es ist beinahe, als wären sie unverwundbare Superhelden. Das heißt nicht, dass man ihnen nicht gern zusieht, dafür sind die Charaktere durchweg viel zu sympathisch, allen voran Jack Ryan, der von John Krasinski mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit und einem ansteckenden Charme verkörpert wird. Nur packt das Gezeigte so gut wie nie, zumal auch die Actionhighlights nicht langfristig und mitreißend aufgebaut sind, da die Erzählung viel zu oft den Erzählstrang wechselt. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, beispielsweise beim Finale der vorletzten Episode das Geschehen auf zwei Ebenen bei Jack und James aufzubauen, um die Spannungsschraube anzuziehen. Doch daran scheinen die Verantwortlichen hinter der Kamera kaum interessiert.

Handwerklich ist das sichtbar aufwändig und tadellos dargebracht. Sowohl hinsichtlich der Lokalitäten wie auch der Ausstattung selbst. Aber selbst, wenn man sich von der verschachtelt dargebrachten Geschichte treiben lässt, mitreißen kann diese nur selten. Zu wenig wird das Dilemma mancher Figuren deutlich und zu unbeteiligt bleibt man, wenn ihnen Schlimmes widerfährt. Dass Nebenhandlungen wie diejenige um James Greers Sohn gewissermaßen im Sande verlaufen, ist umso bedauerlicher, da insbesondere die etablierten Figuren durchaus Potential besitzen. Schon deshalb, weil sich beinahe alle neu eingeführten Charaktere mit mehr als zwei Auftritten als Schurken entpuppen. Damit bleibt Jack Ryan: Staffel 4 vor allem erzählerisch nicht nur hinter den Erwartungen, sondern auch hinter den Möglichkeiten zurück und das ist schlicht schade.


Fazit:
Trat die Titelfigur hinsichtlich ihrer Entwicklung in der letzten Staffel auf der Stelle, rückt ihn das Drehbuch merklich mehr in den Mittelpunkt. Sowohl privat, wie auch beruflich. Aber so passend und vielversprechend es auch ist, dass Charaktere wie James Greer, Elizabeth Wright oder Mike November erneut auftreten, nicht alle bekommen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen würden. An niemandem wird das so deutlich wie an Jacks Freundin Cathy, die man ohne Aufwand aus der Story nehmen könnte. Als Domingo Chavez stellt Michael Peña gewissermaßen den Gegenentwurf dessen dar, wen man in einer solchen Rolle vermuten würde, doch er macht seine Sache ebenso gut, wie die übrige Besetzung. Deren Handlungen werden vor allem in der ersten Hälfte der Season durch die ständigen Schauplatzwechsel regelrecht fragmentiert und ihren Beweggründen oder überhaupt ihren Verbindungen zu folgen, fällt gerade deshalb schwer. Dabei entpuppt sich die Story von Jack Ryan: Staffel 4 als bei weitem nicht so komplex, wie sie auf Grund ihrer Erzählung anmutet und man kann nur mutmaßen, dass mehr Zeit, die vielen Nebenfiguren zu entwickeln, sie auch greifbarer gemacht hätte. Dass die Serie trotz der durchaus vorstellbaren Ausgangslage am Ende unverwundbare Superhelden präsentiert, ist schade. Es schmälert zwar nicht den tollen letzten Moment, der ihnen zugeschrieben wird, aber sieht man gerade den Epilog, dann wird erkennbar, welches Potential in der Figur und dem Konzept schlummert. Und man würde sich wünschen, es würde nicht nur so selten vollends zur Geltung kommen.