skip to content

Special-Kategorie: Film  |   von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Oktober 2010
Index:

Film-Details
Vorwort und Inhalt
Das Konzept – TRON 20 Jahre später
Das Innenleben des Computers in 3D
Fazit
Trailers und Clips
Links


Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: TRON: Legacy
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2010
FSK-Freigabe: noch nicht bekannt

Regie: Joseph Kosinski
Musik: Daft Punk
Darsteller: Garrett Hedlund, Jeff Bridges, Olivia Wilde, Bruce Boxleitner, Michael Sheen, James Frain, Beau Garrett, Serinda Swan, Yaya DaCosta, Elizabeth Mathis


Vorwort und Inhalt:
Es sind Sicherheitsvorkehrungen, wie man sie nicht jeden Tag erlebt, wenn beim Betreten des Kinosaales kontrolliert wird, dass die Mobiltelefone tatsächlich ausgeschaltet sind und während der Vorführung mit Nachtsichtgeräten überwacht wird, dass Niemand unerlaubte Bild- und Ton-Aufnahmen macht. Ersteres wurde tatsächlich durchgeführt, ob die Nachtsichtgeräte nur eine Drohung waren, sei dahingestellt, immerhin war es dunkel im Saal und die Aufmerksamkeit auf die Leinwand gelenkt. Jedenfalls erklärte man sich laut dem Aushang vor dem Saal mit dem Betreten mit jenen Vorkehrungen einverstanden.

Dabei ging es nicht einmal um einen ganzen Film, den die Walt Disney Studios zeigten, sondern um lediglich 23 Minuten, die am 28. Oktober 2010 gezeigt wurden. Wie vor etwas mehr als einem Jahr die spezielle Preview von James Camerons Avatar - Aufbruch nach Pandora [2009], sollte nun eine ähnlich lange in 3D gehaltene Vorschau von TRON: Legacy [2010], der ab Januar 2011 in den deutschen Kinos zu sehen sein wird, das Interesse der Zuschauer wecken und die Mund-Propaganda ankurbeln. Immerhin kann man auf das moderne Marketing der Sozialen Internet-Netzwerke zählen, wenn der Film bekannt genug ist.
So lud das Studio in sieben deutschen Städten zur kostenlosen Preview, die man auch nicht reservieren konnte und in der die Plätze frei vergeben wurden. Im Vergleich zu Avatar vor einem Jahr steht eines von vorne herein fest: die Vorführung war deutlich besser besucht.

Gezeigt wurden ausgewählte Szenen aus TRON: Legacy, der nach 28 Jahren TRON [1982] fortsetzt und mit Jeff Bridges und Bruce Boxleitner sogar Darsteller aus dem ersten Film wiederbringt.
Den Anfang machte dabei eine Szene zwischen Alan Bradley (Boxleitner) und Sam Flynn (Garrett Hedlund), in der Bradley dem vaterlos aufgewachsenen Rebell mitteilt, er habe eine Pager-Nachricht von einer Nummer erhalten, die seit 25 Jahren nicht mehr benutzt wurde.
In der nächsten Szene untersucht Sam die verlassene Spielhalle seines Vaters und entdeckt dabei ein verstecktes Büro. Dort angekommen startet er ein Programm und erlebt, was seinem Vater vor 28 Jahren geschah.
In der Welt des Computers wird Sam von Wachdronen aufgespürt und von vier synchron arbeitenden Damen mit neuem Outfit und einer Disc, die seine Erfahrungen speichert, versehen.
Es folgt ein kleiner Ausschnitt aus den "Disc Wars"-Spielen, in denen sich Sam gut behaupten kann.
Dann verhilft ihm Quorra (Olivia Wilde) zur Flucht aus der kontrollierten Stadt, woraufhin Sam mit derjenigen Person wieder vereint wird, die er seit über 20 Jahren nicht gesehen hat. Aber Kevin Flynn (Jeff Bridges) ist nicht mehr derselbe wie damals und er scheint eine düstere Ahnung zu haben, dass eine große Veränderung ansteht. Oder wer Sam tatsächlich in die Welt gelockt hat?

Was TRON: Legacy in Bezug auf die Geschichte bereithält, wird man abwarten müssen. Auf Grund der Art und Weise wie Sam jene Welt entdeckt, scheint es sich zumindest in manchen Abschnitten aber um eine Nacherzählung zu handeln, die dank der fortgeschrittenen Technik jedoch auf den neuesten Stand gebracht wurde. Vermutlich werden die Autoren die Hintergrundgeschichte weiter spinnen und somit ab der zweiten Hälfte des Films eine andere Richtung einschlagen. Die gezeigten Szenen beschränkten sich laut Studioaussage allesamt auf die erste Filmhälfte.


Das Konzept – TRON 20 Jahre später:
Konzeptionell orientieren sich die Macher stark am ersten Film, präsentieren die Welt von TRON aber mit düsteren Farben und tauschen die gezeichneten Konstrukte verständlicherweise durch Computer-generierte Bilder aus. Das alles macht einen sehr polierten, stellenweise opaken Eindruck, ohne aber zu verleugnen, woher das Konzept ursprünglich stammt. Legacy bleibt damit dem Look des ersten Films treu, verpasst dem damals visionären Aussehen jedoch eine Generalüberholung, die weniger als radikale Neuinterpretation denn als natürliche Weiterentwicklung zu verstehen ist. Zusammen mit neuen Fluggeräten, neuen Fahrzeugen und selbst den aktualisierten Motorrädern wirkt das Aussehen des Films stimmig und wird damit sowohl neue Zuschauer überraschen, wie auch Kenner des ersten Films an dessen Aussehen erinnern.
Gleichzeitig war man offensichtlich darum bemüht, die Atmosphäre jener Zeit (und nicht zwangsläufig diejenige von TRON) beizubehalten, weswegen die Widersacher Sams mit ihren Bewegungen, ihrem Aussehen und ihrer überzeichneten Mimik eher an Filme wie Running Man [1987] erinnern. Ob das im Film selbst passend ist, bleibt abzuwarten. Zusammen mit der sphärischen Musik ergibt es zumindest in den wenigen gezeigten Minuten der Computerwelt einen nicht immer einheitlichen Touch.


Das Innenleben des Computers in 3D:
Worauf das Studio bei TRON: Legacy pocht, ist das Thema 3D. Zwar waren diejenigen Szenen des Films, die in der realen Welt spielen, kaum plastisch gefilmt, die Computer-generierte Umgebung im späteren Verlauf ist jedoch prädestiniert, um sie in dem derzeitigen Film-Trend zu präsentieren.
Erstaunlicherweise hinterlässt die dritte Dimension in der Preview einen nicht sehr überzeugenden Eindruck, den man nach kurzem Überlegen sogar erklären kann. Ganz offensichtlich wird die Räumlichkeit selbstverständlich, wenn Objekte auf den Zuschauer zuspringen, beispielsweise wenn die Discs bei den "Disc Wars"-Spielen auf die Kamera zufliegen oder sogar einen Spieler desintegrieren und seine Bits und Bytes auf die Kamera zuschießen. Nach wie vor erscheint jener 3D-Effekt, in der Objekte den Zuschauer quasi 'angreifen' billig und effekthascherisch. In Avatar gibt es solche Momente überraschend selten, meist erweitert James Cameron sein Bild hinter die Leinwand und erschafft so eine weitere Tiefenebene. Da die Welt von TRON: Legacy jedoch an eine riesige Blaupause erinnert, mit Konstruktionsstrahlen, in denen sich meist dunkle oder sogar durchsichtige Flächen befinden, gibt es keine Tiefenebene, auf die sich das Auge einstellen könnte und aus der das Gehirn eine Räumlichkeit entwickeln könnte. Insofern eignet sich die Computerwelt in ihren statischen Bildern nur bedingt für den 3D-Effekt.
Anders verhält es sich selbstverständlich mit den Action-Szenen, von denen eine Verfolgungsjagd mit den neu designten Motorrädern zu sehen war. Hier erkennt man zwar grundsätzlich verschiedene optische Ebenen, nur war die gezeigte Sequenz aus dem Zusammenhang heraus so temporeich und schnell geschnitten, dass man sich als Zuschauer gar nicht darauf einstellen konnte, welche Ebene jetzt vor welcher sein soll – zumal auch hier die Hintergründe und Designs viele dunkle, gleichfarbige Flächen beinhalten.
Insofern ist die dritte Dimension der bisherigen Szenen aus TRON: Legacy zwar ein nettes Gimmick, bringt jedoch keinen tatsächlichen Mehrwert und lenkt in der gezeigten Action-Sequenz sogar stärker vom Geschehen ab. Ob die Macher klug genug sind, wie James Cameron ihre Zuseher langsam an die dritte Dimension heranzuführen, die Erzählgeschwindigkeit langsam zu erhöhen, um die Zuschauer nicht zu überfordern, wird sich weisen. Interessanterweise machte selbst auch die Preview von Avatar damals einen einheitlicheren 3D-Eindruck und begeisterte mehr.


Fazit:
Es fällt schwer zu beurteilen, welches Potential letztlich in TRON: Legacy steckt. Am Ende wird der Erfolg des Projekts wohl davon abhängen, ob es den Machern gelingt, eine Geschichte zu erzählen, die Zuschauer des ersten Films ebenso anspricht wie ein jüngeres, neues Publikum. Dafür müssen viele Gesetzmäßigkeiten und Gegebenheiten jenes Universums neu aufgelegt und erklärt werden. Die Gefahr besteht hier, dass man sich zu sehr in einer Wiederholung und Nacherzählung verheddert, anstatt eine neue Story zu erzählen.
Nichtsdestotrotz weist die ambitionierte Produktion ein interessantes Konzept auf, an dem Regisseur Joseph Kosinski schon seit Jahren feilt. Bei der San Diego Comic-Con 2008 wurde ein TR2N betitelter Trailer gezeigt, der mehr als Konzeptstudie zu verstehen ist und so wohl auch nicht im Film enthalten sein wird. Obgleich die in der 3D-Preview gezeigten Szenen bedeutend realistischer und plastischer aussahen, hat sich am grundlegenden Aussehen nicht viel geändert. Hervorgehoben durch neon-leuchtende Elemente schimmert die Welt von TRON: Legacy auf eine beeindruckende Weise ungewohnt. Wer den ersten Film kennt, wird viele Gemeinsamkeiten wiederfinden, die hier aber moderner und glatter erscheinen.
Zusammen mit der atmosphärisch angehauchten, mitunter im Retro-Stil gehaltenen Musik ergibt das ein stimmiges Gesamtbild, in dem allenfalls die überzeichneten Figuren der Widersacher hervorstehen. Ob sich dies aber durch den ganzen Film zieht, wird man in ein paar Monaten erfahren. Ebenso, ob der 26-jährige Garrett Hedlund in der Hauptrolle des Sam überzeugen kann. Angesichts einer oftmals konturlosen Welt sollten die wenigen Menschen, die sie bewohnen, nicht ähnlich blass und austauschbar erscheinen. In den wenigen Minuten der Preview konnte Hedlund jedenfalls nicht glänzen, vielleicht auch, weil seine Rolle nicht auf Sympathie ausgelegt ist.

Die gezeigten Action-Momente erinnern inhaltlich zwar an den ersten Film, sind jedoch stilistisch deutlich moderner gehalten, was nicht als Kritikpunkt zu verstehen ist. Gerade für die 3D-Optik sind die schnellen Schnitte allerdings eher ungünstig, zumal farbige Flächen fehlen, die es dem Zuschauer erleichtern, die Perspektiven richtig einzuordnen. Ob die Action somit mitreißt, oder man vielmehr unbeteiligt daneben sitzen bleibt, weil im Getümmel  ohnehin alle Figuren gleich aussehen, wird sich noch herausstellen.
Eine digitale Vorführung ist angesichts des Ausgangsmaterials und der dunklen Computerwelt ein Muss, aber ohne die dritte Dimension hätte die Preview ebenso viel Interesse geweckt. In Bezug auf die Notwendigkeit einer 3D-Vorführung wird man für den Kinostart also sogar noch verunsichert.


Eine Randnotiz: Ein weit verbreitetes Problem des 3D-Kinos sind inzwischen die stark gebrauchten, recycleten 3D-Brillen. Diese weisen nicht nur erhebliche Gebrauchspuren und Kratzer auf, sondern verzerren auf Grund ihrer optisch schlechten Abbildung und der erheblichen Abdunkelung das Bild noch mehr. Die Firma Oakley stellt in den USA passend zum Kinostart von TRON: Legacy eine neue Generation der 3D-Kino-Brillen vor. Die Premiumqualität der Linsen soll dabei eine bessere Sicht bieten – zu einem Premiumpreis von 150 Dollar. Die geplanten Gucci-3D-Brillen schlagen mit 225 Dollar zu Buche. Die Oakley-3D-Brillen sollen zudem mit passender Sehstärke erhältlich sein, was für Brillenträger interessant ist. Der bei der Preview anwesende Verantwortliche der Walt Disney Studios wusste über die in den USA bereits fest eingeplante Zusammenarbeit jedoch leider nicht Bescheid.
Auf die Problematik der 3D-Brillen angesprochen, verwies der Disney-Repräsentant auf den Kino-Betreiber, der ebenfalls zugegen war. Dieser schob die Schuld auf den Lieferanten der RealD-3D-Brillen und gelobte Besserung – wie zuletzt ein anderer Kino-Betreiber, der bei der Vorführung von Toy Story 3 [2010] auf den gleichen Umstand angesprochen wurde. Bislang ist nichts passiert, und es liegt an den Zuschauern, hier aktiv zu werden. Wer eine verkratzte 3D-Brille vom Kino ausgehändigt bekommt, sollte diese so lange tauschen, bis er eine einwandfrei in Händen hält. Wenn diese drei Mal umgetauscht wird, sollte man ebenso hartnäckig bleiben, wie wenn sie zehn Mal getauscht wird. Immerhin zahlt man auch als Zuschauer durch den höheren Ticket-Preis indirekt für die 3D-Brille – dann sollte die Qualität auch stimmen.

Dass sich die Studios zusammen mit den Kino-Betreibern ihr Publikum dadurch verprellen, und dem ohnehin im finanziellen Rückzug befindlichen 3D-Kino mit solchen Qualitätsmängeln zusätzlich schaden, scheint den Verantwortlichen nach wie vor nicht aufgefallen zu sein.


Trailers und Clips

Bereits seit einiger Zeit sind Trailers und Clips zu TRON: Legacy im Internet verfügbar. Unterhalb des jeweils vorgestellten Videos finden Sie weiterführende Informationen. Unter anderem, wo Sie den Clip in HD-Qualität finden können.

VFX Concept-Trailer: TRON: Legacy in Englisch
 

Clip von ashvokk's channel via YouTube.com
HD-Version in Englisch verfügbar bei Apple.com

 
Teaser-Trailer: TRON: Legacy in Deutsch
 

Clip von vipmagazin via YouTube.com
HD-Version in Englisch verfügbar bei Apple.com

 
Trailer: TRON: Legacy in Deutsch
 

Clip von MrThefttwo via YouTube.com
HD-Version in Englisch verfügbar bei Apple.com



Eine ausführliche Kritik zu beiden TRON-Filmen finden Sie unter folgenden Links:
Tron [1982] (Kritik)
TRON: Legacy [2010] (Kritik)



Links:
Offizielle Web-Seite zum Film (Englisch)
Teaser, Trailers und Clips in HD-Qualität bei Apple.com (Englisch)

TRON: Legacy
startet in Deutschland am 27.01.2011!

Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.