News und Reviews

She Said [2022]
Man kann durchaus der Auffassung sein, dass eine filmische Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe durch Filmproduzent Harvey Weinstein zu früh erscheint. Immerhin ist der allerorts viel berichtete Fall des Firmenmoguls erst wenige Jahre her und gut dokumentiert. Andererseits ist die damit gleichermaßen bekannt gewordene MeToo-Bewegung in Anbetracht immer neuer Krisen und Themen spürbar in den Hintergrund geraten. She Said verleiht nicht ihm, sondern den Opfern solcher Übergriffe Aufmerksamkeit und eine Stimme. Das ist wichtig, jetzt, wie früher überfällig und auch künftig notwendig.
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The Enforcer [2022]
Richard Hughes’ The Enforcer ist weniger ein Noir-Thriller-Drama als das Versprechen eines solchen. Mit nur eineinhalb Stunden potentiell erquickend kurzweilig, entpuppt sich die Geschichte als eine Aneinanderreihung von Szenen, die die eigentliche Geschichte nur verzögern. Das heißt nicht, dass hier alles verloren ist. Zum großen Teil dank der Darbietung von Antonio Banderas, dem es routiniert gelingt, das Publikum für sich zu interessieren, aber auch auf Grund der durchaus stylischen Inszenierung.
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Violent Night [2022]
Weihnachtsfilme gibt es wie Sand am Meer. Die allermeisten von ihnen richten sich an die ganze Familie und unterstreichen damit den ursprünglichen Charakter der Feiertage. Tommy Wirkolas Violent Night klingt wie ein Gegenentwurf dazu. Inhaltlich vollkommener Blödsinn, ist die actionreiche Story für ein (sehr erwachsenes) Publikum, das auf der Wellenlänge des böse-brutalen Humors liegt, überaus amüsant. Man sollte nur besser nichts hiervon ernst nehmen – oder mit Festtagsstimmung rechnen.
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Der kleine Nick erzählt vom Glück [2022]
Der kleine Nick erzählt vom Glück ist kein Animationsfilm im klassischen Sinn, wonach die Filmschaffenden Amandine Fredon und Benjamin Massoubre eine Geschichte der Titelfigur erzählen würden. Nichtsdestotrotz steht die aus französischen Kinderbüchern bekannte Hauptfigur gleichermaßen im Zentrum. Die tragenden Personen sind jedoch seine Erfinder, Autor René Goscinny und Illustrator Jean-Jacques Sempé, die gemeinsam weit über 200 Geschichten um den kleinen Nick erzählten. Dies ist gewissermaßen ihre eigene.
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The Menu [2022]
In seiner ebenso chicen wie bissigen Gesellschaftssatire The Menu filetiert Filmemacher Mark Mylod verschiedenste Eigenschaften des menschlichen Zusammenlebens. Das mutet zunächst seltsam an, da lange nicht absehbar ist, worauf die Geschichte um ein edles Dinner bei einem so brillanten wie exzentrischen Starkoch auf einer abgelegenen Insel hinausläuft. Lässt man sich jedoch darauf ein und nimmt den teils bösen Humor an, ist das, um ein weiteres Wortspiel zu bedienen, absolut köstlich.
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Strange World [2022]
Der Animationsfilm Strange World ist darum bemüht, ein großer Spaß zu sein, während er gleichzeitig eine wichtige Botschaft unterstreicht. So löblich beide Ansätze sind, wenn sie zusammen kommen, kann sich dies etwas zu bemüht anfühlen. Doch das ändert nichts daran, dass die Verantwortlichen hier ein ebenso fantasievolles wie treffendes und damit spaßiges Abenteuer für die ganze Familie präsentieren, das einem beinahe durchgehend ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
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Zeiten des Umbruchs [2022]
Auf den ersten Blick erscheint das Drama Zeiten des Umbruchs gewohnten Mustern zu folgen, wie es sie oft bei Dramen zu beobachten gibt, die kurz vor oder in der Filmpreissaison veröffentlicht werden. Doch während die Preiswürdigkeit bei anderen Werken oftmals regelrecht geplant wirkt, erweist sich James Grays Erzählung als zutiefst persönliche Schilderung einer Geschichte über das Erwachsenwerden. Das ist so leise wie zurückhaltend, aber nichtsdestoweniger fesselnd und beeindruckend.
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Bones and All [2022]
Die letzten Momente von Bones and All können als Sinnbild für unbändige, bedingungslose Liebe interpretiert werden, bei der man die andere Person vollständig, mit Haut und Haaren der eigenen Leidenschaft verschlingt. Für ein Großteil des Publikums wird dies aus dem einfachen Grund problematisch sein, weil der Vorgang hier wortwörtlich zu verstehen ist. Zudem geht dieser Moment ins Leere, wenn man sich auf die Prämisse nicht einlassen kann, die eingebettet in eine Story voll abscheulicher Momente eine an sich zärtliche Liebesgeschichte präsentiert.
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Memorial Hospital - Die Tage nach Hurrikan Katrina [2022]
Die Miniserie Memorial Hospital - Die Tage nach Hurrikan Katrina erzählt in geradezu dokumentarischer Detailgenauigkeit die Ereignisse nach, die sich im August und September 2005 in New Orleans im Titel gebenden Krankenhaus abspielten und an deren Ende 45 Patientinnen und Patienten die Naturkatastrophe nicht überlebten. Wenn es nur eines gibt, das man dieses Jahr gesehen haben sollte, dann dies. So grausam und schwer auszuhalten es auch ist.
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Einfach mal was Schönes [2022]
Mit der Dramödie Einfach mal was Schönes präsentiert Karoline Herfurth einen Film, der Vieles versucht, seine Ziele aber (zu) niedrig steckt. Was beginnt als Geschichte um eine Frau, die um jeden Preis ein Kind haben möchte, entwickelt sich zu einem Familiendrama, das weibliche Geschlechterrollen in der Gesellschaft thematisiert und Beziehungen mit Altersunterschieden in den Blick nimmt. Nur führt nichts davon irgendwo hin, damit sich der Titel am Ende bewahrheiten kann.
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Die goldenen Jahre [2022]
Barbara Kulcsars Die goldenen Jahre besitzt eine Stimmung, die sich am besten mit „herbstlich“ beschreiben lässt. Damit passt die Atmosphäre einerseits gelungen zum Inhalt der leisen Komödie, spiegelt aber auch gleichzeitig das Alter der zentralen Figuren wider. Die erblühen hier, jede für sich, erneut und strahlen mehr Lebendigkeit aus, als man es auf den ersten Blick sehen mag. Gerade durch die vielen einfühlsamen Beobachtungen ist das für das richtige Publikum mehr als sehenswert.
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6 Underground [2019]
Michael Bays erster Film, der unmittelbar für einen Streamingdienst produziert wurde, 6 Underground, wurde im Vorfeld mit zahlreichen Superlativen belegt, nicht zuletzt dem immens hohen Budget, das Streaminganbieter Netflix bereitstellte. Dabei ist die Action-Thriller-Komödie mehr Konzept denn wirklicher Film und es verrät viel, dass sogar die Verantwortlichen sich entschlossen haben, die Franchise-Pläne nach aktuellem Stand wohl nicht umzusetzen. Zumal das Konzept selbst nicht wirklich mitreißt.
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Black Panther: Wakanda Forever [2022]
Es gibt erstaunlich wenig von Black Panther in Ryan Cooglers Fortsetzung Black Panther: Wakanda Forever zu sehen. Die Produktion beschäftigt sich verständlicherweise damit, dass Hauptdarsteller Chadwick Boseman vor mehr als zwei Jahren in viel, viel zu jungen Jahren verstorben ist. Doch die Geschichte, die hier erzählt wird, erinnert in vielerlei Hinsicht an DC Comics überzogene Actionmär Aquaman, nimmt sich dabei aber so ernst, dass man sich fragt, ob die Zeit leichtfüßiger Marvel-Comicverfilmungen vorüber ist.
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Mrs. Harris und ein Kleid von Dior [2022]
Anthony Fabians Mrs. Harris und ein Kleid von Dior erzählt mit einer überwältigenden Ausstattung eine Geschichte um eine einfache Arbeiterin im London der späten 1950er-Jahre, die durch ihre unverblümte Art und ihre Begeisterung für Haute Couture das Leben der Menschen und des Titel gebenden Modeimperiums beeinflusst. Fernab des Zynismus unserer heutigen Zeit, ist das durchaus inspirierend und scheint gleichzeitig arg geschönt sowie tonal unausgewogen.
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A Quiet Place 2 [2020]
Mit dem so ungewöhnlichen wie überraschenden A Quiet Place gelang Filmemacher John Krasinski ein packender Science Fiction-Thriller in einer beängstigenden Welt, die einzig aus Sicht einer ums Überleben kämpfenden Familie geschildert wurde. Die Fortsetzung erweitert diesen Blick, vergrößert das filmische Universum und zeigt gleichzeitig, wie klein die Welt der Figuren dennoch ist. Gleichermaßen spannend, ist A Quiet Place 2 nicht nur eine würdige Fortsetzung. Sie erscheint aber mehr noch als Teil eins unvollständig.
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